kleinerer Gelenke, wie beispielsweise der Finger leiden. Dort bilden sich charakteristische knochige Verdickungen, so genannte Heberdenknötchen (Osteophyten) aus.
Pathogenese bei Arthrose
Das primäre Ereignis, das zur Arthrose führt, ist eine Zerstörung des Gelenkknorpels durch äußere oder innere Einflüsse. Beispiele hierfür sind Fehlbelastungen, Stoffwechselstörungen oder Infektionen. Die Chondrozyten, in die Interzellulärsubstanz des Knorpels eingelagerte Knorpelzellen, welche für den Erhalt der Knorpelschicht zuständig sind, sezernieren Zytokine. Diese Botenstoffe des Immunsystems regulieren die entzündliche Reaktion. Der Effekt der Zytokine wird durch eine erhöhte Sensitivität der Rezeptoren im arthrotischen Gelenk erhöht. Eine Zerstörung der Zellmembranen führt über die Phospholipasenaktivität zur Freisetzung von Phospholipiden, welche Eikosanoide (Leukotriene und Prostaglandine) enthalten. Diese sind als Mediator bei Entzündungsreaktionen von Bedeutung. Freigesetzte Eikosanoide vermitteln Gefäßveränderungen und Veränderungen des Gefäßbindegewebes, was zu klinischen Symptomen der Arthrose führt.
Morphologie
Die Knorpelkappen der Gelenkflächen zeigen unter dem Mikroskop eine unregelmäßige und aufgeraute Kontur. Im Randbereich der Knorpelkappen, zumeist an den Wirbelknochen, kommen häufig Osteophyten vor. Dies sind höckerartige Knochenneubildungen. Geröllzysten finden sich als große, häufig mit nekrotischen Knochenbällchen und Knochenfragmenten gefüllte Pseudozysten unter der destruierten Knorpelkappe. Lichtmikroskopisch werden auf dem hyalinen Knorpel Asbestfaserung, oberflächliche Defekte und hyperplastische Chondrozyten sichtbar. Der subchondrale Knochen zeigt als Folge der überschießenden Regeneration verbreiterte und verklumpte Knochenbälkchen (Spongiosa), der Markraum ist fibrosiert und enthält nekrotische Knorpelfragmente und mikrofrakturierte Knochenbälkchen. Das Meniskusgewebe zeigt histologisch eine Auflockerung der Grundsubstanz und eine unregelmäßige Faserstruktur. Oberflächlich finden sich meist unterschiedlich große Knorpelnekrosen und Einrisse, in deren Randbereich man proliferierende hyperplastische Knorpelzellen erkennen kann. Das klinische Krankheitsbild äußert sich anfänglich in Steifheit und Schmerzen nach längerer Belastung und bei Behandlungsbeginn, wenn der Patient aufgrund dieser Schmerzen den Arzt aufsucht. Später leiden die Betroffenen unter stärkeren Schmerzen, die zu Bewegungsbehinderungen führen können. Diese Schmerzen können auch in Ruhephasen, nachts oder witterungsbedingt auftreten. Die Diagnose der Arthrosen ist anfangs nicht immer einfach, da Arthrosen zwar klinisch nachweisbar, aber oft stumm sind, also schmerzlos und nicht aktiv. Zwischen pathologisch-anatomischen, radiologisch nachweisbaren und klinisch relevanten Arthrosen bestehen oft Diskrepanzen. Bei bestehendem Verdacht auf Arthrose wird der Patient daher auch radiologisch mittels Röntgen, Computertomographie, Magnet-Resonanz-Tomographie und Arthroskopie untersucht. Erst danach wird medikamentös therapiert, denn nur 20 bis 30 % der Arthrosen verlaufen schmerzhaft (1).
Arthroseformen
Grundsätzlich kann Arthrose an jedem Gelenk auftreten. Die häufigsten Arthroseformen sind: • Kniegelenksarthrosen (Gonarthrose):
Arthrotische Veränderungen können entsprechend der statischen Belastung überwiegend die mediale oder laterale Gelenkfläche betreffen • Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose)
Zunehmende Deformierung kann zur Subluxation führen (Teilausrenkung eines Gelenks) • Sprunggelenksarthrose am oberen und unteren Sprunggelenk
• Daumengelenksarthrose (Rhizarthrose) • Schultergelenksarthrose (Omarthrose) Gelenkspaltverschmälerung • Wirbelsäulenarthrose (Spondylarthrose) Gelenkspaltverschmälerung • Fingerendgelenksarthrose (Heberden-Arthrose) • Fingermittelgelenksarthrose (Bouchard-Arthrose) • Daumensattelgelenksarthrose (Rhizarthrose) • Großzehengrundgelenksarthrose (Hallux rigidus) • Fehlstellung des Grosszehs (Hallux valgus) • Kreuz-Darmbeingelenks-Arthrose (Iliosakralgelenksarthrose) • Kiefergelenksarthrose (Myoarthropathie)
• an mehreren Gelenken gleichzeitig auftretende Arthrose (Polyarthrose, multiple Arthrose) Entzündliche Gelenkerkrankungen sind unter anderem Arthritis, Rheuma, Rheumatoide Arthritis mit ihren Sonderformen, Psoriasis Arthritis, Morbus Bechterew und Gelenkerkrankung nach Infekten, wie Harnwegs- oder Darmentzündungen. (2, 3, 4)
Therapie
Eine kausale, d. h. die Ursache behebende Therapie der Arthrose, gibt es nicht, obwohl eine Vielzahl von "Knorpelaufbaupräparaten" angeboten werden. Diese reichen von Gelatine bis zu pflanzlichen Wirkstoffen mit den verschiedensten Inhaltsstoffen. Es fehlt bisher der wissenschaftliche Beweis für ihre Wirkung. Verschiedene Maßnahmen können jedoch eine deutliche Erleichterung der Beschwerden bei Arthrose bringen: Gewichtsreduktion bei Übergewicht •
Physikalische Therapie und Krankengymnastik, die gute symptomatische Wirk- • samkeit zeigen
Gelenkinjektionen mit Spülung des Gelenks und Injektion von Cortisonpräparaten •
in entzündlichen Phasen der Arthrose oder Applikation von Lokalanästhetika als Schmerztherapie
Gabe von Hyaluronsäure in das Kniegelenk, welches als "Gelenkschmiere" wirkt •
und manchen Patienten längere Zeit Schmerzerleichterung bringt Orthopädietechnik (Handstock, Pufferabsätze, Schuhaußen- bzw. -innenrand- • erhöhungen)
Schmerzmittel: z. B. Cyclooxygenase-Hemmer •
Die Arthrosetherapie orientiert sich an drei Zielen: Erhaltung der Gelenkfunktion, Schmerzreduktion sowie Aufhalten der Knorpelzerstörung. Oft sind Gewichtsreduktion, Kräftigung der gelenkumgreifenden Muskulatur und eine gleichförmige, belastungsarme Bewegung der Gelenke wirksame Erste-Hilfe-Maßnahmen, bevor medikamentös therapiert wird. Eine Gewichtsreduktion verringert den statischen Druck auf den Knorpel beim Stehen. Die Kräftigung der gelenkumgreifenden Muskulatur reduziert die Schmerzen und verbessert die Gelenkfunktion. Zyklische, gleichmäßige und belastungsarme Bewegungen wie Fahrradfahren wirken sich auch bei bereits fortgeschrittener Arthrose positiv aus. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) empfiehlt zur Arthrosetherapie Analgetika. Dazu gehören je nach Schmerzgrad nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen, gut magenverträgliche Cyclooxygenase-2-Hemmer (COX-Hemmer) und stark wirksame Analgetika vom Morphin-Typ. Sie hemmen die Bildung entzündlicher Zytokine und Metalloproteinasen und fördern die Proteoglykansynthese der Chondrozyten.
Einige Schmerzmittel stehen jedoch im Verdacht, langfristig den Knorpel zu zerstören und Gewebeneubildungen zu verhindern. Eine Alternative bieten so genannte Chondroprotektiva. Das sind Kombinationspräparate mit Chondroitinsulfat, Glucosamin und Hyaluronsäure bzw. deren Derivaten. Im Weiteren wird auf Studien von Glucosamin und Chondroitin eingegangen.
Allgemeine Ernährungsempfehlungen:
Allgemeine Empfehlungen beinhalten neben einem normalen Körpergewicht eine ausgewogene, vitamin- und mineralstoffreiche Ernährungsweise. Diese sollte reich an Obst und Gemüse, Vollkornprodukten, knochenstärkendem Calcium und Vitamin D, radikalhemmendem Vitamin E und C sowie Selen sein. Zusätzlich ist auf eine gesunde Lebensweise zu achten, die auch das Rauchen vermeidet. Denn Rauchen verengt die Gefäße und mindert die Sauerstoff-versorgung im Körper und somit auch in den Gelenken.
Was sind Glucosamine und Chondroitin?
Der menschliche Körper wird kontinuierlich von Bindegewebe durchzogen. Jedes Bindegewebe weist einen typischen Aufbau aus Zellen und Extrazellulärsubstanzen auf, wobei letztere die Hauptmasse des Bindegewebes bilden. Die extrazellulären und zellassoziierten Bausteine stellt die Körperzelle aus niedermolekularen Substraten auf dem Wege der Totalsynthese selbst her. Die Bindegewebszelle besitzt die dafür benötigten Enzyme für die Faserproteine Kollagen und Elastin und die Proteoglykane der Grundsubstanz. Die körpereigenen Bausteine Glucosamin (Glucosaminsulfat) und Chondroitin (Chondroitinsulfat) sind in allen wichtigen Körpergeweben enthalten, selbst in Blutgefäßen und den Herzklappen. Die hauptsächliche Aufgabe von Glucosamin- und Chondroitinsulfat liegt im Aufbau und Erhalt von Gewebsstrukturen des Bewegungsapparates. Bindegewebe, Bänder, Sehnen, Knorpel, Knochen und gesunde Gelenke mit genug Gelenkflüssigkeit sind auf eine ausreichende Versorgung mit diesen Substanzen angewiesen. Steht dem Körper nicht genug Glucosaminsulfat zur Verfügung, so wird die Gelenkflüssigkeit dünner und wässriger. Die Gelenke sind dann anfälliger für Abnutzung und Verletzungen. Bei anderen Verschleißteilen, wie den Bandscheiben, verhält es sich ähnlich. Je mehr Glucosamin dem Körper zur Verfügung steht, desto mehr Knorpelmasse kann er produzieren. Normalerweise stellt der Körper genügend Glucosamine her, um die Gelenke funktionsfähig zu halten und kleine Schäden zu reparieren. Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Glucosamin-Produktion allerdings ab: Das Gelenk trocknet aus und die Knorpelmasse wird schlecht ernährt, ungleichmäßig aufgebaut und kleinere Verletzungen heilen nicht mehr.
Chemische Struktur von Glucosamin und Chondroitin
Glykosaminoglykane sind hochpolymere Verbindungen aus Aminozuckern, so genannte Mukopolysaccharide, zu denen Glucosamin, Chondroitin und Hyaluronsäure zählen. Das Glucosaminmolekül ist kleiner als Chondroitin und wird daher im Verdauungstrakt besser und schneller resorbiert. Eine Verbindung von Glucosamin und Chondroitin mit dem Salz der Schwefelsäure bildet Substanzen, die der Organismus besser aufnimmt und verwertet. Diese bio-aktiven Formen von Glucosamin und Chondroitin sind Glucosaminsulfat (Abb. 1) bzw. Chondroitinsulfat (Abb. 2). Der Aminozucker D-Glucosamin (2-Amino-2-desoxyglucose) ist in der Natur Bestandteil zahlreicher Oligo- und Polysaccharide. Glucosamin ist an der Biosynthese der Aminozucker beteiligt und wird unter ATP-Freisetzung zu Glucosamin-6phosphat umgewandelt. Als Endprodukt entstehen UDP-N-Acetylglucosamin, ein Nsubstituierter Aminozucker (N = Stickstoff), und UDP-N-Acetylgalaktosamin. UDP-N-Acetylglucosamin ist im weiteren Verlauf an der Synthese von Glykoproteinen und Glykosa- minglykanen beteiligt.
Arbeit zitieren:
M.Sc. Sven-David Müller, Thomas Reiche, Elisabeth Warzecha, 2005, Der Einsatz von Chondroitin und Glucosamin bei degenerativen Gelenkerkrankungen, München, GRIN Verlag GmbH
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