Gliederung
1. Einleitung
2. Kompetenzförderung in deuten Schulen
3. Kompetenzentwicklung im Unterrichtsfach
Lebensgestaltung -Ethik-Religionskunde
a) Moral und moralische Kompetenz
b) Nutzung kooperativer Lernformen zur Ausbildung moralischer
Kompetenz
c) Fazit
4. Zusammenfassung und Ausblick
5. Bibliografie
3
1. Einleitung
„Der eigentliche Zweck des Lernens ist nicht das Wissen,
Schon im 19. und 20. Jahrhundert schien es klar zu sein, dass es beim Lernen, neben der Wissensvermittlung, auch um das darauf aufbauende Handeln gehen muss. Deutschlands Ergebnisse bei vergleichenden Tests wie „Programme for International Student Assessment“ (PISA) oder „Trends in International Mathematics and Science Study“ (TIMSS) haben jedoch gezeigt, dass genau dort der Schwachpunkt deutscher Schüler 2 liegt. Sie sind teilweise nicht in der Lage, ihr im Unterricht erworbenes Wissen, praktisch anzuwenden. 3 Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Unterricht im Hinblick auf die Lern- und Lehrinhalte sowie die Gestaltung zu reformieren. Hans-Günter Rolff beschreibt in seinem Aufsatz 4 zwei Komponenten, die er in diesem Zusammenhang für besonders wichtig hält. Zum Einen, die Entwicklung vom Lehren hin zum Lernen, wobei der Lehrer die Rolle eines Moderators und Beraters einnimmt. Den Schülern wird damit die Möglichkeit geboten, selbstständig zu lernen. Dies sollte möglichst in Gruppen geschehen, in denen der Schüler sowohl die Rolle des Lernenden als auch die des Lehrenden einnehmen muss (Konzept des kooperativen Lernens). Zum Anderen benennt er die inhaltliche Umstrukturierung des Unterrichts, als eine wichtige Modernisierung. Der Unterricht sollte sich mehr an den Schülern
1 www.zitate.de/kategorie/Schule/ (Zugriff: 16.06.2011, 13:10 Uhr).
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Um den Lesefluss nicht zu stören, werden in dieser Arbeit stets die männlichen Formen
verwendet. Diese schließen sowohl männliche als auch weibliche Personen ein und stellen keine Diskriminierung dar.
3 LERSCH, R.: Didaktik und Praxis kompetenzfördernden Unterrichts, URL: http://schulpaedagogik-heute.de/ (1/2010), S. 1.
4 ROLFF, H.-G.: Vom Lehren zum Lernen, von Stoffen zu Kompetenzen -Unterrichtsentwicklung als Schulentwicklung. In: HARRING, M. et. al. (Hrsg.): Kompetenz-Bildung. Soziale, emotionale und kommunikative Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen, Wiesbaden 2008, S. 145-168. Seite | 4
und ihrer Lerntätigkeit orientieren. Neben der Wissensvermittlung stünde dabei auch stets der Praxisbezug im Mittelpunkt (Kompetenzvermittlung). 5 Auf beide Formen der Modernisierung des Unterrichts wird im Verlauf der vorliegenden Arbeit eingegangen.
Wie wichtig die Auseinandersetzung mit diesen beiden Konzepten ist, zeigt beispielsweise die veränderte Situation in der Arbeitswelt. Aufgrund steigender Anforderungen von Arbeitgeber in Bezug auf die Kompetenzen des Arbeitnehmers, ist ein Umdenken in der Bildungspolitik unbedingt erforderlich. 6 Was zählt sind nicht mehr allein die Noten, sondern auch die Fähigkeit, erworbenes Wissen praktisch in verschiedenen Situationen adäquat anzuwenden. 7 Im Mittelpunkt stehen dahingehend die sogenannten Metakompetenzen: Selbst- oder Personalkompetenz sowie Sozial-, Fach- und Methodenkompetenz. Die Entwicklung und Förderung dieser Kompetenzen sind Aufgabe der gesamten Schule und sollten nicht nur in einem spezifischen Unterrichtsfach angestrebt werden. Teilweise werden diese vier um die Moralkompetenz ergänzt. 8
Die vorliegende Arbeit konzentriert sich konkret auf die Ausbildung moralischer Kompetenz durch kooperative Lernformen. Dabei widmet sich die Autorin der Frage, wie diese gestaltet werden müssen, um den Erwerb einer solchen Kompetenz im Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) zu ermöglichen.
Die Verfasserin geht davon aus, dass moralische Kompetenz sich sowohl bei der Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Werten ausbildet, aber vor allem auch im Diskurs mit anderen Personen. Deshalb stellt sie die Hypothese auf, dass kooperative Lernformen unter
5 Vgl.: Ebd., S. 145f.
6 Vgl.: KLIEBISCH, U. W. et. al.: LehrerSein. Grundlagen der Pädagogik und Didaktik, Kompetenzen, Unterrichtsentwurf (Erfolgreich handeln in der Praxis; Band 1), Hohengehren 2009, S. 69.
7 Vgl.: http://www.focus.de/schule/berufskompass/tid-22365/ausbildung-soziale-kompetenz-wichtiger-als-noten_aid_628572.html (Zugriff: 1. Juli 2011, 13:03 Uhr).
8 Vgl.: WIATER, W.: Theorie der Schule. In: APEL, H. J. et. al. (Hrsg.): Studienbuch Schulpädagogik, Stuttgart 3 2007, S. 51. Seite | 5
bestimmten Bedingungen die Ausbildung moralischer Kompetenz ermöglichen.
Der Beleg dieser Hypothesen und die Beantwortung der Frage erfolgt durch Betrachtung verschiedener Aspekte. Zum Einen wird der Begriff der Kompetenz und dessen Situierung in der Schulbildung deutlich gemacht. Hierzu dienen die Veröffentlichungen der ständigen Konferenz der Kultusminister (KMK) zur Einführung nationaler Bildungsstandards. Außerdem werden die Monographien von Udo W. Kliebsch und Roland Meloefski 9 , Gerhard Ziener 10 und Anita Rösch 11 herangezogen sowie der Aufsatz von Rainer Lersch 12 zur Didaktik und Praxis des kompetenzfördernden Unterrichts. Die Definition des allgemeinen Kompetenzbegriffs, welcher in dieser Arbeit verwendet wird, stammt von Franz Emanuel Weinert.
Im nächsten Schritt wird untersucht, welche Ziele sich das Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) im Bezug auf Ausbildung von Kompetenzen gesetzt hat und in welchem Zusammenhang die Förderung moralischer Kompetenz angestrebt wird. Dazu dient der derzeitige Rahmenlehrplan (RLP) LER der Sekundarstufe 1 im Land Brandenburg 13 . Im Anschluss wird der Begriff der Moral erläutert. Hierzu greift die Verfasserin auf Aussagen von Julia Dietrich 14 und Eva-Maria
9 KLIEBISCH, U. W. et. al.: LehrerSein. Grundlagen der Pädagogik und Didaktik, Kompetenzen, Unterrichtsentwurf (Erfolgreich handeln in der Praxis; Band 1), Hohengehren 2009.
10 ZIENER, G.: Bildungsstandards in der Praxis. Kompetenzorientiert unterrichten, Seelze-Velber 2006.
11 RÖSCH, A: Kompetenzorientierung im Philosophie- und Ethikunterricht. Entwicklung eines Kompetenzmodells für die Fächergruppe Philosophie, Praktische Philosophie, Ethik, Werte und Normen, LER, Zürich 2009.
12 LERSCH, R.: Didaktik und Praxis kompetenzfördernden Unterrichts. http://www.schulpaedagogik-heute.de/ (1/2010).
13 Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (Hrsg.): Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde. Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I, Potsdam 2008. (RLP LER Sek. I)
14 DIETRICH, J.: Was ist eine ethische Kompetenz? Ein philosophischer Versuch einer Systematisierung und Konkretion. In: Ammicht-Quinn, R. et. al. (Hrsg.): Wertloses Wissen? Fachunterricht als Ort ethischer Reflexion. Bad Heilbrunn 2007, S. 30-51. Seite | 6
Kenngott 15 zurück. Außerdem wird die Entwicklung von Moral, nach den Annahmen von Jean Piaget 16 und Lawrence Kohlberg 17 , erläutert. In diesem Zusammenhang erarbeitet die Verfasserin eine Definition moralischer Kompetenz, bei der die sie neben dem Konzept von Julia Dietrich 18 , auch die Aussagen von Marcus Dietenberger 19 und Volker Pfeifer 20 einbezieht.
Welche Relevanz moralische Kompetenz für den LER-Unterricht besitzt und wie sie durch kooperative Lernformen gefördert werden kann, soll im letzten Abschnitt geklärt werden. Dabei stützt sich die Autorin der vorliegenden Arbeit abermals auf den Rahmenlehrplan der Sekundarstufe I, beziehungsweise auf Aussagen über die Basisstrukturen des Unterrichtfaches LER 21 . Außerdem werden die Monographien von Meltem Avci-Werning 22 , Anne A. Huber 23 und Stefanie Schnebel 24 zum Einsatz von Methoden kooperativen Lernens im Unterricht herangezogen.
Die Forschung zur Kompetenzförderung konzentriert sich seit einigen Jahren auf die Entwicklung nationaler Bildungsstandards für sämtliche Schulfächer. Maßgebend bleiben dabei stets Aussagen von Franz
15 KENNGOTT, E.-M.: Wertebildung in der Schule: Handlungsansätze und Beispiele. In: SCHUBARTH, W. et. al. (Hrsg.): Wertebildung in Jugendarbeit, Schule und Kommune, Wiesbaden 2010.
16 PFLÜGER, N. (Hrsg.): Basiskurs Pädagogik. Überblick über die Grundbegriffe, Geschichte und Paradigmen der Erziehungswissenschaft, Norderstedt 2008, S. 30-34.
17 Ebd., S. 35-38.
18 DIETRICH, J.: Was ist eine ethische Kompetenz? In: Wertloses Wissen? (2007), S. 30-51.
19 DIETENBERGER, M.: Moral, Bildung, Motivation. Eine Theorie moralischer Handlungskompetenz und ihre schulpädagogischen Bezüge, Weinheim/Basel 2002.
20 PFEIFER, V.: Didaktik des Ethikunterrichts. Wie lässt sich Moral lehren und lernen?, Stuttgart 2003.
21 EDELSTEIN, W. et. al.: Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde. Zur Grundlegung eines neuen Schulfachs, Weinheim/Basel 2001.
22 AVICI-WERNING, M.: Prävention ethnischer Konflikte in der Schule. Ein Unterrichtsprogramm zur Verbesserung interkultureller Beziehungen (Texte zur Sozialpsychologie; Band 9), Münster 2004.
23 HUBER, A. A.: Kooperatives Lernen - kein Problem. Effektive Methoden der Partner-und Gruppenarbeit, Leipzig 2004.
24 SCHNEBEL, Stefanie: Unterrichtsentwicklung durch kooperatives Lernen. Ein konzeptioneller und empirischer Beitrag zur Weiterentwicklung der Lehr-Lernkultur und zur Professionalisierung der Lehrkräfte in der Sekundarstufe, Hohengehren 2003. Seite | 7
Emanuel Weinert und Ergebnisse von Eckhard Klieme 25 . Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Neubetrachtung traditioneller Bausteine des Unterrichts und der Entwicklung von Kompetenzmodellen. Diese Ziele verfolgt beispielsweise Anita Rösch mit ihrer Arbeit. Im Bereich der Moralpädagogik bildet die Frage, wie Moral in der Schule vermittelt bzw. gelernt werden kann und sollte, das Zentrum der Forschung. Verschiedene Methoden stammen hier unter anderem von Kohlberg (Dilemmadiskussion), Selman (Perspektivenübernahme) und Lind (Moralischer-Urteils-Test).
Die Forschung zum Einsatz kooperativer Lernformen im Unterricht beschäftigt sich vorrangig mit Studien zur Effektivität in Hinblick auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Ebenso wird untersucht, wie diese Lernform den Umgang mit heterogenen Klassen erleichtern kann. Wegweisend sind dabei Studien von Slavin, Johnson und Sharan.
Die vorliegende Arbeit greift somit zentrale Fragen der Forschung auf. Sie bildet den Abschluss eines Lehramt-Bachelorstudiums an der Universität Potsdam. Die Motivation schöpft sich aus gesammelten Erfahrungen im Unterricht sowohl aus der Schüler-, als auch der Lehrerperspektive. Dabei entstand der Eindruck, dass Kinder und Jugendliche Unterstützung in ihrer Moralentwicklung seitens der Schule benötigen.
25 Klieme war es, der von der KMK zur Expertise zur Grundlegung nationaler Bildungsstandards beauftragt wurde. Seite | 8
2. Kompetenzförderung in deutschen Schulen
Befasst man sich mit dem Konzept der Kompetenzvermittlung im Unterricht, könnte auf den ersten Blick der Eindruck entstehen, dass es sich dabei nicht um eine Modernisierung handelt. Sicherlich kann man davon ausgehen, dass einige Lehrer bereits diese Art von Unterricht in der Vergangenheit betrieben haben - wenn auch unbewusst. Dennoch werden durch das Konzept der Kompetenzvermittlung diese bestehenden Praktiken genauer definiert und um neue Aspekte ergänzt. Auffallend ist dabei die Schnittmenge zur Theorie des guten Unterrichts von Helmke. Der zahlreiche Gebrauch des Kompetenzbegriffs, in doch teilweise sehr stark kontrastierenden Zusammenhängen, erzeugt bei vielen Personen jedoch Verwirrung und Ablehnung. Dieses Kapitel soll Abhilfe schaffen, indem es den Kompetenzbegriff in Bezug auf Schule und Unterricht klar definiert und erläutert. In diesem Zusammenhang wird deshalb auch kurz auf die Gründe, welche zur Einführung des kompetenzorientierten Unterrichts geführt haben, sowie auf seine Neuerungen eingegangen.
Seit Ende 2000 wird von der KMK über die Einführung von sogenannten nationalen Bildungsstandards diskutiert. Grund hierfür sind die schlechten Ergebnisse deutscher Schüler bei PISA und TIMSS. 26 Die zum Jahreswechsel 2003/2004 verabschiedeten Bildungsstandards formulieren die anzusteuernden, allgemeingültigen Bildungsziele und „legen fest, welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler bis zu einer bestimmten Jahrgangsstufe an wesentlichen Inhalten erworben haben sollen.“ 27 Somit hielt die Kompetenz offiziell Einzug in unser Bildungssystem. Halten wir also fest: Bildungsstandards werden in Form
26 Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): „Konzeption der Kultusministerkonferenz zur Nutzung der Bildungsstandards für die Unterrichtsentwicklung. (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 10.12.2009), 2009, S. 3.
27 Sekretariat der ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Veröffentlichung der Kultusministerkonferenz. Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Erläuterung zu Konzeption und Entwicklung, 2005, S. 9. Seite | 9
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Sabrina Bock, 2011, Kompetent in Gruppen lernen?, München, GRIN Verlag GmbH
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