Gender und Entwicklung 28.01.2008 Nadja Schloss
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Definitionen 4
3. Historische Gründe für die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung 6
3.1 Die Aneignung der Natur durch die Menschen. 6
3.2 Kapitalistische Einflüsse 7
3.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede. 8
4. Fabrikarbeiterinnen im Globalisierungsprozess. 9
4.1 Frauen als billige Arbeitskraft 10
4.1.1 Veränderungen traditioneller Wertvorstellungen 11
4.2 Aufstiegschancen 12
4.2.1 Weibliche Handlungslogiken. 13
4.2.2 Ungenutzte Aufstiegschancen 15
4.3 Entlassungen. 16
5. Konklusion 17
5.1 Der Bielefelder Verflechtungsansatz 17
5.2 Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung: Chance oder Ausnutzung? 18
Literaturverzeichnis. 21
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Gender und Entwicklung 28.01.2008 Nadja Schloss
1. Einleitung
Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung ist ein aktuelles Thema, welches auch in Europa häufig angesprochen wird und immer wieder zur Diskussion steht. In meiner Arbeit möchte ich jedoch exportorientierte Dritte Weltländer in den Vordergrund stellen, wo oftmals geschlechtsspezifische Arbeitsteilungen zu beobachten sind und vorwiegend Frauen die Mehrzahl der Arbeitenden in Fabriken ausmachen, wohingegen die leitenden Positionen fast ausschliesslich von Männern eingenommen werden (Dannecker 2001: 231). Diese Länder haben durch die Industrialisierung, Modernisierung und den damit verbundenen, aufkommenden Industriesektor, Zugang zum globalen Markt gefunden (Dannecker 2001: 229).
Die Argumentation meiner Arbeit wird zu einem grossen Teil auf dem Bielefelder Subsistenzansatz aufbauen, welcher die Einbettung der Wirtschaft in Kultur und Gesellschaft nicht als geschlechtsneutral betrachtet. So weist diese Einbettung meist einen klaren geschlechtsspezifischen Charakter auf und wird oft über Geschlechterbeziehungen konstituiert (Lachenmann 2001: 23). Die ökonomischen Transformationsprozesse, welche durch die weltweite Globalisierung
stattgefunden haben, basieren in hohem Masse auf dem Einsatz von weiblichen Arbeitskräften. Durch die niedrigen Löhne, welche den Frauen bezahlt werden, bleiben die Produktionskosten tief, und die Produkte finden weltweit Anklang (Lim 1983: 72). Obwohl sich durch die Modernisierung und Industrialisierung neue Arbeitsfelder für die Frauen eröffnet haben, werden diese meist als unqualifiziert angeschaut und besitzen sehr geringe Aufstiegschancen. Trotzdem haben in diesem Zusammenhang viele Frauen Arbeit und den Zugang zum formellen Sektor gefunden. In meiner Arbeit möchte ich deshalb folgende Fragestellung genauer untersuchen und beantworten: ist der Zugang zum formellen Sektor eine Chance für die Frau oder eine Ausbeutung, welche die geschlechtspezifischen Differenzen noch weiter ausdehnt? Um diese Frage zu beantworten, werde ich in einem ersten Teil Begriffe erläutern, welche in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen und des Weiteren auf gesellschaftliche Ursprünge eingehen, die dazu
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geführt haben könnten, dass eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung entstanden ist. Anhand von verschiedenen Beispielen von Fabriken in Bangladesch, Korea und Brasilien werde ich aufzeigen, wie die unterschiedlichen Arbeitsbedingungen der zwei Geschlechter sind und welche Möglichkeiten den Frauen offen stehen.
Vor der Beantwortung der Fragestellung werde ich den Bielefelder Verflechtungsansatz erläutern und ihn mit der Modernisierungs- und Dependenztheorie in Bezug setzen. Denn der Bielefelder Verflechtungsansatz wird nicht von der Mehrheit geteilt. Für die Beantwortung meiner Fragestellung erscheint er mir jedoch sehr hilfreich, da er verschiedene Aspekte mit einbezieht, um die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zu erklären.
2. Definitionen
Die Aktualität der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung hat in den letzten Jahrzehnten nicht an Aktualität verloren und somit auch dessen Auseinandersetzung mit den verschiedenen Begriffen und Definitionen nicht. Sex und Gender werden in diesem Kontext häufig erwähnt, und ich werde im Folgenden auf deren Bedeutungen eingehen, die sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert haben (West und Zimmermann 1991: 13-14). Die Übersetzung dieser Begriffe ins Deutsche stellt sich als problematisch dar, da die meisten Übersetzungen beide Wörter mit Geschlecht übersetzen, wohingegen bei Sex teilweise noch natürlich in Klammern gesetzt ist. Aus diesem Grund werden im Folgenden die englischen Begriffe verwendet. In den 1960er und den frühen 1970er Jahren gab es eine klare Trennung zwischen Sex und Gender. Sex beschrieb das biologische Geschlecht, welches man von Geburt an besass und Gender war ein zugeschriebener Status, welcher psychologisch, kulturell und sozial bedingt war. Ab den 1975er Jahren erkannte man, dass diese Trennung zwischen dem Biologischen und dem Kulturellen viel komplexer ist, wie vorerst angenommen, und West & Zimmermann (1991) haben eine Unterteilung in Sex, Sex Kategorie und Gender vorgenommen. Sex ist das biologische Geschlecht und dient zur Klassifizierung in männlich und weiblich. Es wir bei Geburt festgelegt und ist hormonell bedingt. Zur Sex Kategorie gehören bestimmte Merkmale, welche gesellschaftlich festgelegt sind, von der sozialen Umwelt in die Kategorie männlich oder weiblich eingeteilt werden und im
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Alltag Anwendung finden. Sex und Sex Kategorie müssen jedoch nicht immer übereinstimmen, sondern werden durch die Umwelt bedingt, welche massgebend für die Einteilung, in eine der beiden Sex Kategorien, ist (West & Zimmermann 1991: 14). Hierzu möchte ich ein Beispiel anfügen, welches die Problematik dieser Sex Kategorie aufzeigt und mit welchem ich mich bei einem Praktikum in einem kenianischen Dorf häufig konfrontiert sah. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung bestimmt dort das alltägliche Leben, und die daraus entstehenden Normen und Pflichten werden in fast allen Haushalten strikt eingehalten. So essen innerhalb einer Familie, die Männer nicht mit den Frauen. Diese nehmen ihre Mahlzeiten in der Küche ein, nachdem sie den Männern das Essen gebracht haben. Ich sah mich nun häufig mit dem Problem konfrontiert, dass ich nicht wusste, wo ich essen musste. Die Frauen waren der Ansicht, dass ich als Gast und erst noch als weisser Gast nicht mit ihnen in der Küche essen musste, wohingegen die Männer der Ansicht waren, dass dies keine Rolle spiele und es besser wäre in der Küche, da ich schliesslich eine Frau sei. Gender ist im Gegensatz zur Sex Kategorie keine Rolle, sondern ein Produkt sozialer Interaktionen, welches wir produzieren und immer wieder verändern ( West & Zimmermann 1991: 14-16). „ Gender is not simply an aspect of what one is, but more fundamentally, it is something that one does, and does recurrently in interaction with others“ (West & Zimmermann 1991: 27). Demzufolge sind Gender-Regeln nicht festgelegt, sondern hängen von der jeweiligen Situation ab und sind in einen Kontext eingebettet. Sich nach verschiedenen Gender-Regeln zu verhalten, heisst, einen Unterschied zwischen Frau und Mann zu kreieren, die nicht biologisch oder naturell bedingt sind. Wenn solche Regeln jedoch einmal definiert sind, werden sie gebraucht, um die Wichtigkeit von Gender zu verstärken ( West & Zimmermann 1991: 24).
Die Zuordnung zu Sex Kategorien und Gender-Regeln prägen den Umgang im Alltag zwischen den verschiedenen Geschlechtern und sind, meines Erachtens, prägend für eine Gesellschaft. Sie beeinflussen unter anderem auch die Stellung der Frau in einer Gesellschaft. Diese ist von Land zu Land verschieden und muss nicht zwingend mit der gesetzlichen Gleichstellung der Frau übereinstimmen. Sie ist keine Garantie für eine Gleichstellung im Alltag (West & Zimmermann 1991: 33).
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3. Historische Gründe für die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
Die Frage nach dem Ursprung der ungleichen und hierarchischen Verhältnisse zwischen Männern und Frauen wurde lange Zeit unterdrückt und als biologisch determiniert angesehen, so dass ein sozialer Wandel als unerreichbar angesehen wurde. Obwohl die meisten engagierten Frauen der Frauenbewegung diesen biologischen Determinismus ablehnen, ist es für sie schwierig aufzuzeigen, dass die unterdrückerischen Geschlechterverhältnisse auch durch soziale und historische Faktoren bedingt sind (Mies 1980: 61). Mies (1980: 62) geht davon aus, dass die Frau misstrauisch sein muss, wenn ihr gesellschaftlicher Status durch den biologischen Zwang zur Mutterschaft oder anderen
geschlechterbedingten Eigenschaften erklärt wird. Denn durch diese biologische Sicht gelten die Geburt der Kinder und deren Erziehung, sowie die zu verrichtende Hausarbeit als eine Konsequenz der Tatsache, dass Frauen gebären können und Hausarbeit wird demnach nicht als Arbeit definiert, sondern nur „produktive Arbeit“, welche einen Mehrwert produziert.
3.1 Die Aneignung der Natur durch die Menschen
Durch die Tatsache, dass Menschen nicht einfach leben, sondern ihr Leben produzieren, geht Mies (1980: 63-65) davon aus, dass die menschliche Natur nicht biologisch gegeben ist, sondern das Resultat der Geschichte und der Interaktion der Menschen mit der Natur ist. Frauen haben über frühere Erfahrungen reflektiert und ihr Wissen den nachkommenden Generationen übermittelt. So haben sie Praktiken entwickelt, um durch Verhütungsmethoden die Zahl der Kinder zu beeinflussen oder die Sicherstellung der Nahrung durch Werkzeuge und Technologien zu verbessern.
Um die geschlechtliche Arbeitsteilung zu verstehen, muss, nach Ansicht von Mies (1980: 67), historisch weit zurück gegangen werden, und sie sieht die erste Form dieser Arbeitsteilung bei den Jägern und Sammlern. Bei den noch existierenden Völkern beschaffen die Frauen bis zu 80% der Nahrung durch Sammeln, wohingegen „die Menschheit wohl nicht überlebt hätte, wenn die Produktivität der Jäger die Basis für die tägliche Subsistenz der frühesten menschlichen
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Arbeit zitieren:
Nadja Schloss, 2009, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in der Dritten Welt: Ausbeutung oder Chance für die Frau?, München, GRIN Verlag GmbH
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