"Je ernster die Lage, umso ernster kann die Funktion des Unernstes werden." Günther Anders - Die Antiquiertheit des Ernstes (In : Die Antiquiertheit des Menschen 2, S. 361)
3
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort. 5
II. Arbeit und Entfremdung 6
1. Arbeitslosigkeit 8
III. Freizeit 10
1. Die Angst vor dem Nichts 10
2. Die ins Haus gelieferte Welt 11
3. Die Verbiederung der Welt 13
3.1 Die drei Nebenwurzeln der Verbiederung 14
3.2 Die Hauptwurzel der Verbiederung 15
IV. Rückfragen und Betrachtungen 16
V. Nachwort 18
VI. Quellenverzeichnis 20
1. Literatur 20
2. Internet 21
4
I. Vorwort
„Arbeit“ kommt vom mittelhochdeutschen „arebeit“, welches sich wiederum von der Wortwurzel „orbu“ - zu Neuhochdeutsch „Knecht“ - ableitet. Die ursprüngliche Bedeutung von Arbeit ist also die Knechtstätigkeit, welche zumeist negativ besetzt war und mit Begriffen wie „Not“ oder „Mühsal“ in Verbindung gebracht wurde. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde Arbeit in einem Gegensatz zur Muße gesehen. 1 „Diese Unterscheidung ließ sich nur solange aufrechterhalten, wie die (wesentlich geistig ausgeübten) ‚freien‘ Tätigkeiten (‚Muße‘) von den (wesentlich körperlich ausgeführten) abhängigen Tätigkeiten eindeutig zu unterscheiden waren. […] Arbeit im heutigen Sinne bezeichnet im allgemeinen einen auf ein Ziel gerichteten, bewußten, der Befriedigung von Bedürfnissen oder Verwirklichung von Werten dienenden Einsatz körperlicher und geistiger Kräfte.“ 2 Doch das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Nicht nur unsere Arbeitsbedingungen und unsere Tätigkeitsfelder haben sich durch die Technisierung verändert; auch die Art und Weise wie wir unsere Freizeit gestalten sieht heute anders aus als noch vor einigen Jahrzehnten. Günther Anders (1902 - 1992) hat sich in seinem technikkritischen Denken nicht nur mit der industriellen Revolution und deren weit reichenden Folgen befasst, sondern auch das seiner Zeit neue Medium Fernsehen kritisch in den Blick genommen und in scharfsinniger - manchmalgeradezu zynischer - Weise analysiert.
In dieser Bachelorarbeit soll der Versuch unternommen werden Zusammenhänge von Arbeit und Freizeit in der technikkritischen Philosophie von Günther Anders herauszuarbeiten und weiterführende Fragestellungen aufzuwerfen, sowie einige eigenständige Betrachtungen anzustellen.
1 Vgl. Wörterbuch der philosophischen Begriffe, S. 60
2 Wörterbuch der philosophischen Begriffe, S. 61
5
II. Arbeit und Entfremdung
Der Terminus „Entfremdung“ ist untrennbar mit dem Namen eines großen Philosophen verbunden: Karl Marx (1818 - 1883). Marx beschreibt den Menschen als animal laborandis, dessen Arbeit unter den Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts zu entfremdeter Arbeit wird. 3 Der Arbeiter in der kapitalistischen Produktion ist vom Zweck seiner Arbeit, dem Produkt, das er herstellt, entfremdet - man könnte auch sagen bezugslos gemacht. Der Arbeiter selbst ist zur Ware geworden und es kommt zur Entfremdung vom menschlichen Gattungswesen, welches in der „freien Selbsttätigkeit im Austausch mit der Natur besteht“ 4 , da „das Arbeitsprodukt nicht mehr als Vergegenständlichung außer dem Menschen ist, sondern ihm enteignet wird und ihm nicht mehr als purer Gegenstand, sondern als Mittel in der Hand eines anderen Menschen fremd gegenübertritt.“ 5 Marxens Analyse geht vom typischen Lohnarbeiter des 19. Jahrhunderts aus, der dem damals neuen Konzept der Arbeitsteilung (bis hin zur Arbeitszerteilung in kleinste Einzelhandgriffe) unterworfen war. Günther Anders greift die Marx’sche Analyse und Kritik in seiner Technikkritik auf. Anders schreibt: Der Arbeiter wird unfrei. „Unfrei ist er nicht etwa nur deshalb, weil er vom Eigentum an ‚seinen‘ Produktionsmitteln oder Produkten ausgeschlossen ist, sondern weil er das Ganze des Produktionszusammenhanges, in das er integriert ist, nicht übersieht; und ebensowenig das Endprodukt und dessen Bewandtnis kennt […] ebensowenig die moralischen oder unmoralischen Qualitäten ‚seines‘ Produkts; ebensowenig dessen Nutznießer, Vewender oder Opfer.“ 6 In Paragraph 5 seines Essays Die Antiquiertheit der Menschenwelt 7 , welcher mit „Das geköpfte Machen“ betitelt ist, kann man Marx und seine Thesen ziemlich deutlich erkennen. Anders beginnt beim traditionellen Verständnis von Arbeit: Jemand bedient sich eines Werkzeuges, um einen Zweck zu erfüllen; „er beherrscht sie [die Zange (Anm. E.F.)], da er sie ja zu seinem Werkzweck […] einsetzt.“ 8 Der Werkzweck des Produzenten ist die Erzeugung seiner Waren. „Da er sich aber […] nicht allein-laufender Maschinen bedienen kann, muß er sich gleichzeitig Arbeitender bedienen […] damit er sich erfolgreich seiner Maschinen bedienen kann.“ 9 Der Arbeiter wird - so Anders - in den Dienst der Maschine gestellt und das Einzige, was der Arbeiter zum Ziel hat, ist der „tadellose Gang der Maschine“ 10 . Für Günther Anders ergeben sich daraus drei
3 Vgl. Liessmann (2003), S. 107
4 Wörterbuch der philosophischen Begriffe, S. 185
5 Liessmann (2003), S. 107
6 Anders, AdM 2, S. 91; Vgl. dazu auch: Delabar, S. 31
7 In Anders, AdM 2, S. 58 ff
8 Anders, AdM 2, S. 72
9 Anders, AdM 2, S. 72
10 Anders, AdM 2, S. 72
6
Konsequenzen.
Erstens ist damit die „Arbeit des Arbeiters […] telos-los“ 11 ; der Arbeiter tut zwar etwas, macht aber nichts - stellt also nichts her. Der Arbeiter ist nur in eine Etappe des in unzählige kleine Schritte zergliederten Produktionsprozesses eingebunden und so zerfällt aus der Perspektive des Arbeiters der „Produktionsprozess nicht in Teilproduktionen, sondern lediglich in Teiltätigkeiten“ 12 . Das Machen wird gewissermaßen „geköpft“ und so zum reinen Tun verstümmelt. 13 Das telos des Arbeiters, „das telos der Tätigkeiten ist [nicht (Ergänzung E.F.)] erreicht, wenn ein Produkt fix und fertig da ist, sondern dann, wenn so und so viel getan […] worden ist, also bei Feierabend.“ 14 Durch das Abhandenkommen des telos wird laut Anders die Arbeit zur Zumutung, da sie dem arbeitenden Menschen zwei Genugtuungen vorenthält: Einerseits die Genugtuung an der sichtbaren Entstehung des Produktes teilzuhaben 15 (dieses Gefühl von „Ich habe das gemacht!“, das uns mit Zufriedenheit erfüllt) und andererseits die Genugtuung, die „das auf ein äußeres telos nicht angewiesene echte Tun mit sich bringt“ 16 (also jene Handlungen, die ihren Zweck in sich selbst tragen wie z.B. Gitarre spielen oder Lesen).
Auf den Feierabend des Arbeiters wird später nochmals zurückzukommen sein. 17 Die zweite Konsequenz für Anders ist, dass die Arbeit zwar anstrengungslos, aber dadurch gleichzeitig ihres Charakters beraubt wird. 18 Die körperlich harte Arbeit vergangener Jahrhunderte ist durch die immer fortschreitende Industrialisierung zunehmend leichter geworden bis „das Anstrengungsquantum […] auf ein Minimum reduziert“ 19 ist. Dadurch wird der Arbeitende der Freude am Erfolg bzw. am Ergebnis der Arbeit beraubt, die mit der Investition von Anstrengung einhergeht. Durch die Anstrengungslosigkeit der Arbeit bzw. besser gesagt des Tuns, kommt es zu einer Entartung und somit zu „einer Art von ‚Nichtstun‘“ 20 . Man kann sich das in etwa so vorstellen, dass ein Arbeiter am Ende seiner Schicht gefragt wird „Was hast du heute getan?“ und der Arbeiter kann nur entgegnen, er habe acht Stunden lang eine Maschine bedient. Diese Art von Nichtstun könnte auch passender Weise als leeres Tun bezeichnet werden, denn am Ende des Arbeitstages fühlt sich
11 Anders, AdM 2, S. 72
12 Anders, AdM 2, S. 72
13 Vgl. Anders AdM 2, S. 72
14 Anders, AdM 2, S. 72
15 Vgl. Anders, AdM 2, S. 73
16 Anders, AdM 2, S. 73
17 siehe Kapitel III. Freizeit S. 10 ff
18 Vgl. Anders, AdM 2, S. 73
19 Anders, AdM 2, S. 73
20 Anders, AdM 2, S. 73; kursive Hervorhebung durch Evelyne Fröstl
7
Arbeit zitieren:
Evelyne Fröstl, 2011, Labor et Televisionis - Günther Anders' Thesen über Arbeit und Fernsehen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart: Labor et Televisionis - Günther Anders' Thesen über Arbeit und Fernsehen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart: neuer Titel erschienen: Labor et Televisionis - Günther Anders' Thesen über Arbeit und Fernsehen
0 Kommentare