Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Rudolf Ottos Biographie 2
III. Rudolf Ottos Betrachtungsweise des Heiligen 3
IV. Wolfgang Gantkes Biographie 6
V. Wolfgang Gantkes Betrachtungsweise des Heiligen 7
VI. Vergleich der Betrachtungsweisen von Otto und Gantke 11
VII. Schlusswort 12
I. Einleitung
Das Heilige ist ein umstrittener Begriff in der Religionswissenschaft. Viele haben versucht ihn zu beschreiben und zu konkretisieren, wenige sind sich einig, was er bedeutet. Einer der Ersten, die sich an diese Aufgabe herangewagt haben, war Rudolf Otto, der 1917 mit seinem Buch Das Heilige 1 weltberühmt wurde. Hierin führt er den Begriff des Heiligen in die Religionswissenschaft ein und erläutert, was er für ihn bedeutet. In den 80 Jahren seit der Erscheinung des Buches ist jedoch Einiges geschehen, und der Begriff des Heiligen drohte in Vergessenheit zu geraten. In die Diskussion um den kontroversen Begriff kam wieder frischer Wind als 1998 die Dissertationsschrift Der umstrittene Begriff des Heiligen 2 des Religionswissenschaftlers Wolfgang Gantke erschien, in welcher er seine problemorientierte Religionsphänomenologie einführt und kritisch Stellung zu anderen das Heilige betreffenden Positionen nimmt. Diese Hausarbeit wird die beiden genannten Werke und Autoren behandeln. Zuerst sollen Biographien von Rudolf Otto und Wolfgang Gantke für Hintergrundwissen sorgen, dann werden ihre Positionen betreffend das Heilige skizziert, und anschließend die Ansätze dieser beiden Religionsphänomenologen im Bezug auf das Heilige miteinander verglichen.
II. Rudolf Ottos Biographie
Rudolf Otto wurde am 25. September 1869 in Peine geboren. 1888 begann er sein Theologiestudium an der Universität Erlangen, wechselte jedoch bald an die theologische Fakultät der Universität Göttingen. 1898 promovierte er mit einer Dissertation über den heiligen Geist bei Luther. Im gleichen Jahr erhielt er eine befristete Lehrbefugnis für einige Themen der Religionsgeschichte und Religionsphilosophie, unter anderem für die Geschichte der Systematischen Theologie. Nach acht Lehrjahren wurde Otto 1906 zum Außerordentlichen Professor in Göttingen ernannt. Neun Jahre später trat er eine Professur für Systematische Theologie in Breslau an, und nur zwei Jahre darauf wechselte er in
1 Otto, Rudolf. Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen. München 1963.
2 Gantke, Wolfgang. Der umstrittene Begriff des Heiligen. Eine problemorientierte religionswissenschaftliche Untersuchung. Marburg 1998.
den Lehrstuhl nach Marburg. Nebenher hatte er das Amt eines Abgeordneten im Preußischen Landtag inne und wurde 1919 sogar Mitglied der Preußischen Landesversammlung. Rudolf Otto reiste viel nach Asien und in den Nahen Osten, wodurch sein Interesse am Hinduismus gefördert wurde. Aus diesem Interesse heraus entstand auch die „Religionskundliche Sammlung“ in Marburg, die er 1927 gründete. Aufgrund gesundheitlicher Probleme wurde Otto bereits im Alter von 59 Jahren emeritiert. 1936 stürzte er aus einem Turm in Staufenberg bei Marburg. Ob dieses ein Selbstmordversuch oder ein Unfall war, wurde nie geklärt, unter anderem weil Rudolf Otto ein halbes Jahr später, am 6. März 1937, in Marburg an einer Lungenentzündung starb. 3
III. Rudolf Ottos Betrachtungsweise des Heiligen
Für Rudolf Otto ist das Heilige ein sehr komplexes Gefühl, so dass er versucht es über mehrere Wege zu beschreiben. Wenn eine Sache, die mit rationalen Prädikaten beschrieben wird, automatisch auch rational wäre, dann wäre auch das Göttliche rational, da es mit Prädikaten wie „Geist“, „Allmacht“ oder „Wille“ 4 beschrieben wird. Weil sich das Übersinnliche jedoch nicht in Worte fassen lässt, bzw. weil diese Prädikate das Göttliche nicht vollends beschreiben können, wird das Unmögliche versucht, nämlich das Irrationale mit rationalen Prädikaten zu beschreiben. Laut Otto seien diese Prädikate synthetisch und könnten nur korrekt verstanden werden, wenn sie als „Träger“ 5 des Begriffs anerkannt würden, der nur in sich selbst und nicht in den Prädikaten erkannt werden könne. Somit stünden sich Religion und Rationalismus als Gegensatz gegenüber. 6
Auch entziehe sich, so Otto, der Begriff des Heiligen dem Rationalen und sei somit ein „ineffabile“ 7 , also begrifflich unerklärbar. Überhaupt etwas als heilig anzuerkennen komme nur in einem religiösen Kontext vor. Im philosophischen und theologischen Sinne wird der Begriff heilig als das „absolute sittliche Prädikat“ 8 verwendet, in diesem Zusammenhang ist der Ausdruck natürlich auch begrifflich
3 Alles, Gregory D.: Rudolf Otto (1869-1937). In: Michaels Axel (Hg.): Klassiker der Religionswissenschaft. Von Friedrich Schleiermacher bis Mircea Eliade. München 1997.
4 Otto 1
5 Otto 2
6 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 1-2
7 Otto 5
8 Ebd.
erklärbar. Als Beispiel führt Otto an dieser Stelle Kants heiligen Willen an, welches der Wille ist „der aus Antrieb der Pflicht ohne Wanken dem moralischen Gesetz gehorcht.“ 9 Auch wenn das Wort heilig hier die sittliche Bedeutung mit einschließt, so ist es damit nicht erschöpft. Für diesen Teil, „das Heilige minus seines sittlichen Momentes minus seines rationalen Momentes,“ 10 führt Otto den Begriff des Numinosen ein. Das Numinose lebt in allen Religionen als ihr Kernstück, erst hierdurch wird eine Religion zu einer Religion. Um zu erklären was das Numinose sei, könne man nur erklären was es nicht sei, sagt Otto. Es sei auch nicht „im strengen Sinne lehrbar sondern nur anregbar, erweckbar - wie alles, was ‚aus dem Geiste’ kommt.“ 11 12
Als Reflex auf die Begegnung mit dem Numinosen spricht Otto vom Kreaturgefühl, „das Gefühl der Kreatur die in ihrem eigenen Nichts versinkt und vergeht gegenüber dem was über aller Kreatur ist.“ 13 Weil das Numinose nicht begrifflich erklärt werden kann, ist es nur möglich es durch die Beschreibung der Gefühlsreaktion die es auslöst zu verdeutlichen. Für Otto ist hierbei das Kreaturgefühl die sekundäre Gefühlsbestimmung nach der primären, objektbezogenen, die im Folgenden erläutert wird. Das Unterste jeder Gefühlsregung ist das „Gefühl des mysterium tremendum, des schauervollen Geheimnisses.“ 14 Auch an dieser Stelle betont Otto jedoch wieder, dass mit diesem Begriff etwas gesagt wird, was sich eigentlich begrifflich nicht verdeutlichen lässt. 15
Als körperliche Auswirkung des Tremendum führt Otto die Gänsehaut an, welche für ihn eine körperliche Reaktion auf ein übernatürliches Erlebnis ist. Nach dem Tremendum, der Scheu, „bleibt mystisches Erschauern, und es löst als Begleit- reflexim Selbstgefühl das beschriebene Kreatur-gefühl aus, das das Gefühl ist eigener Nichtigkeit, eigenen Versinkens gegenüber dem in der ‚Scheu’ objektiv erlebten Schauervollen und Großen selber. [sic]“ 16 Um das Tremendum so gut wie möglich zu beschreiben fehlt jedoch noch „das Moment von ‚Macht’ ‚Gewalt’
9 Otto 5
10 Otto 6
11 Otto 7
12 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 5-7
13 Otto 10
14 Otto 13
15 Der Absatz ist eine Zusammenfassung von: Otto 8-14
16 Otto 19f
Arbeit zitieren:
Lisa Jensen, 2009, Klassische und moderne Ansätze der Religionsphänomenologie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik: Klassische und moderne Ansätze der Religionsphänomenologie ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik: neuer Titel erschienen: Klassische und moderne Ansätze der Religionsphänomenologie
Lisa Jensen hat einen neuen Text hochgeladen
G Alles
G Alles
Theorien abweichenden Verhaltens 1: "Klassische" Ansätze
Eine Einführung für Soziologen...
Siegfried Lamnek
Wolfgang Stützel - Moderne Konzepte für Finanzmärkte, Beschäftigung un...
Eberhart Ketzel, Stefan Prigge, Hartmut Schmidt
Erkenntnis Orientated: A Centennial Volume for Rudolf Carnap and Hans ...
A Centennial Volume for Rudolf...
W. Spohn
0 Kommentare