Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Anlässe, die zur Gründung der Glocksee-Schule führten 3
3 Gründungsgedanken 5
4 Der Begriff der Selbstregulierung im Wandel 7
5 Die Glocksee-Schule in der Gegenwart 8
5.1 Schulorganisation 9
5.2 Lernorganisation 10
5.3 Das Lernen in der Unterstufe 11
6 Schlussbemerkung 13
7 Literaturverzeichnis 14
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1 Einleitung
Die Glocksee-Schule gehört zu einem der radikalsten Erziehungsversuche der Nachkriegszeit. Entstanden aus der Unzufriedenheit mit dem bestehenden Schulsystem, verbunden mit der Forderung nach einem anderen Aufwachsen der Kinder, wurde sie im Laufe ihrer Geschichte, begleitet durch vielfache Kritik von außen und interne Schwierigkeiten, schließlich als eine pädagogische Institution anerkannt und hat heute in der hannoverschen Schullandschaft einen festen Platz eingenommen. Welche Anlässe im Einzelnen zur Gründung dieser Schule geführt haben, soll im ersten Kapitel thematisiert werden.
Obwohl dem Schulversuch bei seiner Arbeitsaufnahme kein theoretisch ausgefeiltes Konzept zugrunde lag, hatten die GründerInnen klare Ansichten über die Erziehung und das Lernen ihrer Kinder, die mithilfe der Glocksee-Pädagogik verwirklicht werden sollten. Begriffe wie Selbstregulierung und ‚Entschulung‘ der Schule sowie die Vorstellung vom Lernen ohne Angst und Zwang sind in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung. Diese und weitere pädagogische Grundgedanken bildeten den Ausgangspunkt für das Schulprojekt und werden daher ausführlich im zweiten Kapitel dargestellt.
Besonders der Begriff der Selbstregulierung unterlag im Laufe der Glocksee-Schulgeschichte einem stetigen Wandel und soll deshalb noch einmal in einem eigenen Kapitel umfassend erörtert werden. Wie die Schule und das Lernen gegenwärtig organisiert sind, zeigen die nachfolgenden Ausführungen, bevor im Anschluss die Vorstellung des Lernens in der Unterstufe erfolgt.
2 Anlässe, die zur Gründung der Glocksee-Schule führten
Die 60er Jahre waren geprägt durch ökonomisch-gesellschaftliche sowie pädagogische Probleme. Verbesserungen des Bildungssystems als auch die „Verwissenschaftlichung der Schulbildung“ (Köhler / Krammling-Jöhrens 2000, S. 24) zur Erhöhung des Bildungsniveaus standen im Mittelpunkt vielfältiger Diskussionen. Die mit der Veränderung der Lebensverhältnisse einhergehende Abwendung von den
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traditionellen Mustern, Normen und Werten hin zu einer Technokratisierung, führten im Bereich der Bildung zur immer stärker werdenden Forderung nach einer ‚neuen‘ Schule. Verschiedene alternative Projekte konnten nun mit dem gesellschaftlichen Einverständnis verwirklicht werden, da sie zur Stützung des sich vollziehenden Wertewandels der nächsten Generation als notwendig achtet wurden, um auch zukünftig zum Gelingen eines optimalen Wirtschaftsprozesses beitragen zu können. Grundlegend ermöglichten diese veränderten Bedingungen schließlich die Realisierung der Glocksee-Schule in den 70er Jahren.
Der Glocksee-Schulversuch selbst ist aus der 68er Protestbewegung, gekennzeichnet durch eine Vielzahl antiautoritärer Aktionen, die bis in die 70er Jahre erfolgten, entstanden. Zu dieser Zeit waren viele, vorrangig junge Leute, der Auffassung, dass ein gesellschaftlicher Wandel stattfinden müsse. Autorität und Unterwürfigkeit sollten zugunsten einer freien und gerechten Gesellschaft aufgegeben werden. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Erziehung der Kinder gerichtet. Die Vermeidung von Autoritätsangst, Leistungsdruck und Tabus stellten dabei die primären Ziele dar. Infolge der Forderungen nach besseren Bedingungen im herrschenden System, fanden sich Anfang der 70er Jahre Eltern, LehrerInnen und WissenschaftlerInnen zu einer Initiativgruppe zusammen und gründeten das Schulprojekt Glocksee. Dabei unterlagen sie der ‚utopischen‘ Vorstellung einen Wandel der Gesellschaft über die Erziehung der Kinder herbeiführen zu können. Der Schulversuch sollte nach Meinung vieler GruppenmitgliederInnen einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Veränderung des bestehenden Schulsystems leisten, um damit letztlich der gesamten Schulentwicklung dienen zu können. Das Hauptmotiv für die Gründung dieser Schule kann in der Unzufriedenheit der GründerInnen mit der Organisation der zu dieser Zeit bestehenden Grundschulen gesehen werden. Viele von ihnen weigerten sich vehement ihre Kinder den dort vorherrschenden Bedingungen auszusetzen. Mit Rückblick auf die getätigten Ausführungen lassen sich zusammenfassend zwei Hauptgründe für das Bestreben nach der Realisierung dieser antiautoritären Schule ausmachen. Zum einen das Interesse an einer Gesellschaftsveränderung und zum anderen die Forderung nach besseren Schulbedingungen für die Kinder. (Köhler / Krammling-Jöhrens 2000, S. 24-33)
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3 Gründungsgedanken
Die „Herrschaft der Erwachsenen über die Kinder“ (Köhler / Krammling-Jöhrens, S. 45) und damit einhergehend die Abhängigkeit des Kindes vom Erwachsenen in pädagogischen Situationen abzuschaffen, stellt einen wichtigen Gründungsgedanken dar. Schriften von kommunistischen und sozialistischen Pädagogen, wie Otto Rühle und Siegfried Bernfeld, lieferten neben den Theorien der Psychoanalyse bedeutende Aspekte, die als Grundlage für die Realisierung der von den Glocksee-GründerInnen hervorgebrachten Ideen zur künftigen Erziehung der Kinder dienten. Selbstregulierung, gekennzeichnet durch die Möglichkeit der freien Bedürfnisäußerung und -regulierung sowie der kollektiven und individuellen Vertretung eigener Interessen, kann hierbei gleichermaßen als der zentrale Begriff und das primäre Ziel der Glocksee-Pädagogik angesehen werden. Man war sich darüber einig, dass zunächst einmal die Schule ‚entschult‘ werden musste, um Kindern ein selbstreguliertes Verhalten ermöglichen zu können. Zu diesem Zweck sollten traditionelle Elemente bestehender Regelschulen, wie Unterrichtsstunden im herkömmlichen Sinne, keine Berücksichtigung mehr finden, sodass für die SchülerInnen genügend Raum und Zeit für die selbstständige Lösung ihrer Konflikte zur Verfügung stehen konnte. Das Thematisieren und Austragen sowohl schulischer als auch außerschulischer Probleme sollte in der Schule als Lernprozess anerkannt werden und aufgrund dessen jederzeit durchführbar sein. (Köhler / Krammling-Jöhrens, S. 31-39)
Dass Kinder bereits frühzeitig lernen sollen ihre Konflikte selbst zu lösen und stabile Beziehungen zu anderen aufzubauen, begründete Oskar Negt in seinem Vortrag im März 1974 mit dem Argument, dadurch im späteren Erwachsenenalter über Handlungsdispositionen verfügen zu können. Die Nichteinmischung der Lehrer spielt in diesem Zusammenhang eine erhebliche Rolle. Denn erst wenn Konflikte zugelassen werden, können sich daraus Veränderungen im Verhalten ergeben, die wiederum die Beziehungen zwischen den Kindern beeinflussen. Besonders bedeutend sind in diesem Kontext die anderen Kinder. Durch das Austragen von Konflikten in der Gruppe lernen die SchülerInnen ihre Verhaltensweisen einzuschätzen und gegebenenfalls bewusst zu ändern, was letztlich entscheidend zu ihrer individuellen Weiterentwicklung beiträgt.
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Arbeit zitieren:
Kristin Kunert, 2009, Die Glocksee-Schule - Ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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