Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Phraseologismen und ihre Verwendung im Journalismus 4
2.1. Zu den einzelnen Textsorten im Journalismus 4
2.1.1. Die Textsorte Bericht 5
2.1.2 Die Textsorte Kommentar 6
2.2. Phraseologismen in Zeitungsartikeln 6
3. Online-Zeitungen 7
3.1. Zeitungen im Internet - Veränderte Rahmenbedingungen 7
3.2. Zu den Textsorten im Internet 9
3.2.1. Die Textsorte Bericht im Netz 9
3.2.2. Die Textsorte Kommentar im Netz 10
3.2.3. Hypertext, Threads - Begriffsdefinitionen 10
3.3. Zur Sprache in Online-Zeitungen 11
3.4. Phraseologismen in Online-Zeitungen 12
4. Diskussionsforen von Online-Zeitungen 14
4.1. Typologisierung 14
4.2. Die ausgewählten Textkorpora 17
4.2.1. 20Min.ch 17
4.2.2. spiegel.de 19
4.2.3 krone.at 20
4.3. Vorkommen von Phraseologismen in den drei Foren 21
4.3.1. Das Forum von 20Minuten 22
4.3.2 Das Forum von spiegel.de 24
4.3.3 Das Forum von krone.at 26
4.3.4. Die drei Foren im Vergleich 27
5. Betrachtungen zum Schluss 28
6. Bibliographie 30
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1. Einleitung
Ausgehend vom Seminar «Phraseologie» an der Universität Zürich (HS 2009, Prof. Dr. Ulla Kleinberger Günther) hat diese Seminararbeit die Untersuchung von Phraseologismen in Diskussionsforen von Online-Zeitungen zum Thema. Diese Foren weisen im Vergleich mit freien Foren im Internet ein spezielles Merkmal auf: Sie sind thematisch von der Redaktion vorgegeben, das heisst, sie beziehen sich fast ausschliesslich auf einen von der Online-Redaktion verfassten Text. Dieser Artikel ist meist als Bericht verfasst, und als solcher in erster Linie informierend.
In dieser Arbeit will ich mich der Frage widmen, an welchen Stellen - in redaktionellem Artikel oder Forumsbeitrag - Phraseologismen auftreten, wie und wann die JournalistInnnen als professionelle Schreibende respektive die Alltagschreiber und -schreiberinnen als Laienschreibende zu Phraseologismen greifen, und ob bei Letzteren entweder ein Bezug zum Ursprungsartikel, oder zu einem Forumsbeitrag eines anderen Users beobachtet werden kann. Veranlassen Phraseologismen in vorangehenden Beiträgen die User zu weiteren Phraseologismen und treten deshalb bestimmte phraseologische Wendungen häufiger auf? Greifen die User deshalb gehäuft zu Phraseologismen, weil die Textmenge meistens beschränkt ist und sie darum ihre Meinung schnell «auf den Punkt bringen wollen»?
Diesen Fragestellungen möchte ich mich annähern, indem ich zunächst die relevanten journalistischen Textsorten definiere und untersuche, ob und wie sie sich im Internet weiterentwickeln. Ein weiteres Kapitel dieser Arbeit untersucht eine mögliche Typologisierung von Diskussionsforen in Online-Zeitungen und die Unterscheidung gegenüber freien Diskussionsforen im Netz. Dann will ich untersuchen, welche Klassen von Phraseologismen auftreten, ob und wie sie bewusst modifiziert, oder falsch verwendet werden, und welche Funktionen sie im einzelnen Beitrag und im Forumsverlauf übernehmen. Ein weiterer Gegenstand dieser Arbeit sollen auch mögliche Unterschiede in der Verwendung von Phraseologismen in den verschiedenen Foren sein. Weil sich in Foren von Online-Zeitungen nicht nur «Gleichgesinnte» begegnen, soll diese Arbeit auch ein Versuch sein, ein allfälliges Kommunikationsprinzip zu beschreiben.
Online-Zeitungen bieten die Möglichkeit, dass der Leser Artikel praktisch umgehend kommentieren kann. Meist muss sich der User einschreiben, der Beitrag wird erst durch einen Administrator frei geschaltet, wenn er eine redaktionelle Kontrolle erfüllt hat. Nicht nur der Artikel, auch Kommentare anderer User können kommentiert werden (für diese Arbeit www.20min.ch). Andere Online-Zeitungen bieten die Möglichkeit, sich als ständiger User einzuloggen. Dazu muss der User einige Angaben über sich machen. Der Kommentar wird dann
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aber umgehend frei geschaltet. Ein solches Forum erfüllt beinahe Chatfunktionen, was sich auch in den Beiträgen zeigt (für diese Arbeit www.krone.at). Während die Kronenzeitung als Boulevardmedium eher von bildungsferneren Lesern konsumiert wird, ist die Gratiszeitung 20Minuten in der Deutschschweiz die meist gelesene Gratiszeitung, in der sich eine breit gefächerte Leserschaft ihre Informationen holt. Als Abrundung dazu verwende ich neben diesen beiden Foren zusätzlich jenes des Printwochenmagazins «Der Spiegel» (www.spiegel.de), um die Verwendung von Phraseologismen von ForumsteilnehmerInnen mit guter Bildung untersuchen zu können. In allen drei Foren habe ich die Beiträge zur Minarett-Abstimmung in der Schweiz vom 29. November 2009 ausgewählt. Die Usereinträge stammen aus dem Zeitraum zwischen dem 29. November und dem 3. Dezember 2009. Zum Spiegelforum ist allerdings zu sagen, dass es sich nicht auf einen redaktionellen Artikel bezieht, sondern auf ein von einem professionellen Administrator vorgegebenes Thema.
2. Phraseologismen und ihre Verwendung im Journalismus
2.1. Zu den einzelnen Textsorten im Journalismus
Kleinberger verweist auf Burger, der vermerkte, dass Medien nicht über eigene Sprachsysteme verfügen, sich aber der vorhandenen bedienen 1 und stellt im Weiteren fest, dass «sie [die Medien G.F.] deutlich wahrnehmbar eigene Praktiken im Umgang mit ihr, eigene kommunikative Regeln, spezifische Textsorten und somit eine inszenierte Sprachrealität [entwickeln]» (Kleinberger 2003, 415).
Zur allgemeinen Verständlichkeit soll an dieser Stelle kurz auf die im Journalismus üblichen Textsorten eingegangen werden, die medienübergreifend verwendet werden und für die grundsätzlich übereinstimmende Merkmale und Benennungen gelten. Burger stützt sich dabei zunächst auf Lüger und definiert folgende Textklassen (Burger 2005, 208): - informationsbetonte Texte - meinungsbetonte Texte - auffordernde Texte - instruierend-anweisende Texte - kontaktorientierte Texte
woraus sich folgendes Modell der wichtigsten informations- und meinungsbetonten Textsorten ergibt (ebd., 213):
1 Burger, Harald (1984), Sprache der Massenmedien. Berlin, New York (= Sammlung Göschen 2225), S. 3.
4
Meldung Bericht Reportage Kommentar
Tabelle 1
In den folgenden beiden Unterkapiteln sollen die für diese Arbeit relevanten zwei Textsorten, Bericht und Kommentar, näher beschrieben werden.
2.1.1. Die Textsorte «Bericht»
Burger bezeichnet den Bericht als «Haupttyp informationsbetonter Texte» (Burger 2005, 214). Der Bericht enthält zunächst die Elemente der Textsorte Meldung 2 , nämlich - was sich ereignet hat, - wo, wann, wie, weshalb es sich ereignet hat, - wer an dem Ereignis beteiligt war dazu kommen - der Beschrieb des Ereignisverlaufs - die Vorgeschichte und Folgen des Ereignisses
- die Einordnung in die relevanten Zusammenhänge (z. B. soziale, historische, politische, kulturelle) (ebd., 213)
Gegenüber der einfachen und kurz gefassten Meldung ist der Bericht «inhaltlich komplexer und damit auch quantitativ länger» (ebd., 214). Zudem kommen neben der reinen Darstellung der Fakten auch kommentierende Aspekte dazu. Von der Struktur her ist der Bericht konventionell mit einer Schlagzeile (Titel/Header), einem Vorspann (Lead) und dem nachfolgenden Haupttext (Body) aufgebaut und folgt inhaltlich dem Modell der «umgekehrten Pyramide» 3 , bei der die wichtigsten Informationen am Anfang des Textes stehen und im weiteren Textverlauf Spezifikationen einzelner Aspekte folgen (ebd., 214). Brodde et al. stützen Burger mit dem Verweis auf Lüger, dass «der Leser nach diesem Modell bereits zu Beginn ein Maximum an Informationen erhält und bei nachlassendem Interesse das Lesen Abbrechen könne» (Brodde et al. 2001, 342).
2 Burger definiert die Meldung als «kürzeste, einfachste und am stärksten faktenorientierte Textsorte» (Burger
2005, 213).
3 Burger schreibt dazu, dass die Texte nach diesem Modell den Redaktionen von den Presseagenturen angeboten
werden. So können die Berichte (meist von hinten her, weil es früher durch Schere und Papier so erfolgte)
gekürzt werden, ohne dass die zentralen Fakten verloren gehen (Burger 2005, 215). Brodde et al. verweisen auf
die unsicheren Telegraphenleitungen Mitte es 19. Jahrhunderts, wo es nötig war, die wichtigsten Fakten zu
übermitteln, bevor die Leitung u. U. zusammenbrach. «Informationen zu ordnen und auf den Punkt zu bringen
hat als Prinzip überlebt» (Brodde et al., 2001, 342).
5
2.1.2 Die Textsorte «Kommentar»
Gemäss Burger ist der Kommentar eine «unselbständige» Textsorte und dient als Ergänzung zu einem Bericht. Die Kenntnis über die dort gegebenen Informationen über die Fakten sind zwingend, um dem Kommentar folgen zu können (Burger 2005, 215). Zwar können auch in einem Bericht gewisse kommentierende Elemente vorhanden sein, auch wenn dieser gemäss journalistischen Handbüchern sachlich, neutral und objektiv formuliert werden soll. Burger lehnt letzteres klar ab, weil dies auf der Fiktion beruhe, dass man voraussetzungslos, ohne Standpunkt und ohne Festlegung auf ein Verständnis des Berichteten berichten könne (ebd., 224). Im Kommentar wird die subjektive, perspektivische Sicht des namentlich zeichnenden Autors - diese deckt sich in der Regel mit der Sicht der Redaktion 4 - nicht nur toleriert, sondern explizit gefordert. Um seine persönliche Meinung zu unterstreichen, verwendet der Autor/die Autorin «expressive» Sprachelemente (ebd., 215), wie Metaphern und Idiome. Dominant sind laut Burger auch wertende Sprechhandlungen, die aber nicht an eine bestimmte Stelle des Textes gebunden sind (ebd., 215). Als grundsätzliches Strukturschema eines Kommentars 5 gilt folgender Aufbau: - Darstellen/Nennen einer Sache/eines Tatbestandes - Problematisieren - Bewerten - Urteilen
- Darstellen/Nennen der Lösung/der zu treffenden Entscheidung - Auffordern zum Handlungsvollzug
In heutigen Zeitungen ist es durchaus üblich, dass Bericht und Kommentar vom gleichen Autor verfasst werden. Burger hält dies allerdings für problematisch, weil damit zwei verschiedene Rollen übernommen werden müssen (ebd., 230).
2.2. Phraseologismen in Zeitungsartikeln
Gestützt auf die Analyse einer Ausgabe der «Westdeutschen Allgemeinen» im Jahr 1989 stellt Hecken fest, dass Phraseologismen in allen Ressorts und Themenbereichen «sporadisch und nicht selten an exponierten Stellen auftreten» (Hecken 2003, 45). 30,5 Prozent der Überschriften enthalten Phraseologismen, dazu einige in jener Analyse genannten Beispiele (ebd., 45): - Trübe Aussichten, Jahreswechsel in Nebelglocke - Alleinunterhalter bringen Feten in Schwung - Gericht weist den Oberlehrer am Autosteuer in die Schranken Als «exponierte Stellen» sind neben den Überschriften auch Schlagzeilen, Dachzeilen (Spitzmarken), Unter- und Zwischentitel und Bildzeilen gemeint, wo Phraseologismen «bewusst»
4 Kommentare werden in den meisten Medienhäuser von der Chefredaktion vor dem Abdruck gegengelesen.
5 Klein, Klaus-Peter (1981), Argumentationsstrukturen politischer Kommentare. Analysen und
Unterrichtsvorschläge, in, Kübler, Hans-Dieter (Hg.), Massenmedien im Deutschunterricht, Haag und Herchen,
Frankfurt/Main, S. 142-151.
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eingesetzt würden. In Leads, Anfängen und Schlüssen dagegen sei der Einsatz von Phraseologismen nicht gezielt (ebd., 45). Diese Aussagen sind insofern nachvollziehbar, als dass Titel, Bildlegenden, etc. dazu dienen, den Zeitungslesenden zum Lesen des Artikels zu animieren, Lead und Lauftext wiederum sollen sprachlich immerhin so gestaltet sein, dass sie die LeserInnen in den Text hineinziehen. Es ist darum durchaus anzunehmen, dass JournalistInnen auch dort bewusst Phraseologismen einsetzen. Auch Preußer spricht von «aufmerksamkeiterregenden Überschriften» (Preußer 2003, 46), die das Wesentliche des Textes zusammenfassen. Das im Titel verwendete Sprachbild (z. B. «In den Zähnen liegt die Weisheit», oder «Die Vertreibung aus dem Serail») erstaunt den Leser und veranlasst ihn, den Text zu lesen. Obwohl sich Preußer auf populärwissenschaftliche Literatur bezieht, ist der Rückschluss auf journalistische Texte naheliegend, da auch Zeitungstexte in der Regel eine möglichst breite Leserschaft ansprechen sollen.
Zwar möchte man vermuten, dass die meisten Phraseologismen in Kommentaren zu finden sind, da hier, wie oben erklärt, der Autor am stärksten persönlich und sehr argumentativ in Erscheinung tritt. Wirrer stellt fest, dass die Argumentation «zu den wichtigsten Anwendungsfeldern phraseologischer Einheiten gehört» und betont deren «persuasive Kraft» (Wirrer 2007, 175).
Hierzu hält Hecken allerdings fest, dass in journalistischen Texten auch andere Textsorten, etwa Berichte, «vergleichbare Anteile [an Phraseologismen G.F.] aufweisen» (ebd., 45). Im Weiteren zitiert Hecken Burger (1998, 36) zur Verwendung von Idiomen und Metaphern in Zeitungsartikeln. Diese würden eingesetzt, weil
«ihre doppelte semantische Struktur es erlaubt, eine Verbindung zwischen der wörtlichen Lesart des Idioms oder einzelner Komponenten zum Kontext oder Elementen des Textes herzustellen» (Hecken 2003, 53).
Meist wird der metaphorische Kontext jedoch nur über eine kurze Textpassage hinweg aufrechterhalten. Speziell in Kommentaren dienen Idiome häufig «zur Selbstdarstellung der Journalisten/-innen». An anderer Stelle schreibt Burger (Burger 2005, 225), dass der Kommentar sich anderer stilistischer Mittel bediene als der Bericht, führt diese allerdings nicht weiter aus und stellt anhand eines Beispiels fest, dass «im Kommentar Metaphern und Idiome eine tragende Rolle spielen» (ebd., 224)
3. Online-Zeitungen
3.1. Zeitungen im Internet - Veränderte Rahmenbedingungen
In den letzten Jahren haben sich Zeitungen im Internet von Newsportalen, die lediglich ein Abbild der Printausgabe darstellten, zu eigenständigen Onlinemagazinen entwickelt. Sie vermitteln nicht mehr nur Nachrichten, sondern erfüllen mit Unterhaltung, Peoplethemen,
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Lifestyle, Ausgangstipps und vielem anderem, mehr als ein Printmagazin je bieten kann. Gegenüber Printmedien haben Online-Zeitungen weiter den Vorteil, dass sie zum einen Ereignisse praktisch in Echtzeit wiedergeben und laufend aktualisiert werden können, ausserdem bieten sie Zusatznutzen durch Anhängen von Bildern, Videos und Tondokumenten. So ist es der Online-Redaktion möglich, umfassende Themendossiers zu erstellen. Online-Zeitungen sind also gewissermassen eine «Fusion von Fernsehen, Zeitung, Diskussionsforen und Bibliothek» (Ruhnkehl et al.1998, 145), oder anders ausgedrückt
«ein virtuelles Informations-, Unterhaltungs- und Servicecenter [...], um ein 'Portal', das unter dem Namen einer Zeitung firmiert, aber wenig mit dieser gemein hat» (Breilmann/Dürscheid 2002, 17). Zudem können Online-Zeitungen unabhängig von Zeit und Ort gelesen werden, einzige Bedingung ist das Vorhandensein eines Computers mit Internetzugang. Kerngeschäft der Online Medien ist laut Brodde et al. die Meldung von Nachrichten. Dadurch verändern sich die Aufgaben der Tageszeitungen mit der durch die relativ lange Produktionszeit verzögerten Berichterstattung, Die meisten News sind bereits bekannt, wenn die Tageszeitung die LeserInnen erreicht. Den Tageszeitungen obliegt es, die Themen einzuordnen, zu kommentieren und über die Hintergründe zu berichten (Brodde et al. 2001, 342). Ein eigentliches Zauberwort bei den Online-Zeitungen ist die Interaktivität. Luginbühl bezeichnet Online-Zeitungen vom linguistischen Standpunkt aus dann als interaktiv, «wenn sie Dienste anbieten, welche die Kommunikation mit anderen ermöglichen» (in Burger 2005, 439).
In Online-Zeitungen kann der User sein individuelles Informationsbedürfnis abdecken 6 , kann aber auch als Reporter fungieren und Ereignisse an die Online-Redaktion melden, Fotos per Mail oder MMS zustellen, an Umfragen zu tagesaktuellen Themen teilnehmen und in Foren mitdiskutieren. Via Internet kann der Leser über eine spezielle Maske auch Briefe an die Redaktion verfassen. Zwar war es der Leserschaft schon bei den Printmedien möglich, Leserbriefe zur Veröffentlichung zu schicken, nun ist das Verfassen von Leserbriefen in Online-Zeitungen ganz ohne Medienwechsel möglich. Diese Zuschriften werden dann allerdings im Printmedium veröffentlicht.
Nebst eigentlichen Diskussionsforen bieten die meisten Online-Zeitungen zudem die Möglichkeit, redaktionelle Beiträge direkt zu kommentieren. Je nach Brisanz des Themas entspannen sich hier Diskussionen, die über Tage oder sogar Wochen geführt werden und mehrere hundert bis über tausend Postings (Beiträge) oder mehr enthalten.
6 Personalisierte Online-Zeitungen sind meistens kostenpflichtig, grundsätzlich sind die Inhalte von Online-
Zeitungen aber gratis verfügbar.
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3.2. Zu den Textsorten im Internet
Weil der User in kurzer Zeit möglichst viel Information aufnehmen will 7 , müssen die Texte kurz und kompakt sein. Auch hier haben Online-Zeitungen gegenüber den Printmedien einen Vorteil: Während in der gedruckten Zeitung der Umfang des Textes an das Seitenlayout gebunden ist, kann der Beitrag im Netz so lang - oder eben so kurz - sein, wie nötig (Ruhnkehl et al. 1998, 145). Wie oben beschrieben gehört die Berichterstattung zum Kerngeschäft der Online-Zeitungen, so dass auch im Netz die informationsbetonten Textsorten überwiegen und die Textsorte «Bericht» weiterhin zu den Haupttypen zu zählen ist. Auf sie soll im nachfolgenden Unterkapitel näher eingegangen werden.
3.2.1. Die Textsorte «Bericht» im Netz
Wie oben gesehen kann die journalistische Textgattung «Bericht» auch in der Online-Zeitung als wichtigste Textsorte gesehen werden. Die Prognosen, ob sich diese Textsorte im Internet verändert, sind unterschiedlich. Brodde et al. zitieren dazu den Handbuch-Autor und Journalisten Klaus Meier:
«Eine Nachricht 8 wird auch im World Wide Web nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide geschrieben, das Wichtigste zuerst. Aber es können vielfältige Hintergrundinformationen auf weiteren verlinkten Seiten angeboten werden, die natürlich wieder in Form umgekehrter Pyramiden aufbereitet sind.» (Brodde et al. 2001, 339 f.).
In ihrem Aufsatz analysieren die Autorinnen, ob Nachrichten in Online-Zeitungen sich an bestehenden oder neuen Strukturen orientieren, kommen aber zum Schluss, dass ein radikaler Wechsel nicht zu erwarten ist, da die Nachrichtenagenturen als Zulieferer sich an seit langem übliche Konventionen halten. Die Redaktionen ihrerseits übernehmen diese Agenturmeldungen meist unverändert. Grundsätzlich müssen die Texte segmentiert werden, um den Grenzen des Bildschirms entgegenzukommen. Aus diesem Grund werden Berichte häufig nur kurz angetextet, der Leser wird mit entsprechenden «Teasern» oder Anreissern zum Weiterklicken animiert. In ihrem Aufsatz untersuchen Brodde et al., wie diese Anreisser wirken, lassen dabei aber leider Phraseologismen völlig ausser acht, obwohl diese zuhauf vorkommen, wie nachfolgende Beispiele zeigen:
7 Ruhnkehl et al. verweisen auf den langsamen aber kontinuierlichen Rückgang bei der Lektüre von Zeitungen,
Zeitschriften und Magazingen (Ruhnkehl et al. 1998, 145).
8 Brodde et al. (2001) bezeichnen die Textsorte «Bericht» als «Nachricht», stützen sich aber bei ihrer Definition
auf die gleichen Quellen wie Burger (2005).
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Arbeit zitieren:
Gabriela Frischknecht, 2010, «Das Fass ist voll!», München, GRIN Verlag GmbH
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