In der nun folgenden Hausarbeit werde ich die wechselnden Verhältnisse zwischen den
beiden großen Konfessionen auf der einen Seite und dem NS- Regime auf der anderen Seite
näher darstellen. Da gerade in den letzten Jahren beide Kirchen verstärkt in die Kritik geraten
sind, sich in ihrer Geschichte mit den jeweiligen Systemen nicht zu ihrem Schaden arrangiert
zu haben, soll diese Hausarbeit Mut und Verzweifelung, Hoffnung und Resignation von
Kirchenführern, aber auch von mutigen Normalbürgern darstellen und zeigen, dass es aus der
heutigen bequemen und ungefährlichen Couch- Perspektive völlig ungerechtfertigt wäre, sich
pauschal abfällig über das Verhalten der Kirchen in dieser sehr schwierigen Zeit zu äußern.
Darüber hinaus ist es mir wichtig, die Motive beider Seiten für ihr jeweiliges Verhalten zu
benennen und zu erklären, denn nur so kann begriffen werden, warum seitens der Kirchen
oder/und des Regimes in dieser und nicht in einer anderen Weise gehandelt wurde.
Unter III. habe ich drei Hauptereignisse herausgesucht, mit deren Hilfe man die Standpunkte
der beiden großen Kirchen zu verschiedenen Zeiten gegenüber dem Regime verdeutlichen
kann.
Im Punkt IV. werde ich das Verhalten der beiden Kirchen in der Phase des zweiten
Weltkriegs beschreiben. Dabei sollen sowohl kirchliche Aktionen und die darauffolgenden
staatlichen Reaktionen u.u. aufgezeigt werden.
Unter V. werde ich auf Menschen des kirchlichen Lebens in dieser Zeit eingehen. Ich werde
ihre jeweiligen Standpunkte und die dazugehörigen Begründungen darstellen und ihre
Schicksale schildern. So will ich mit dem weit verbreiteten, aber schlichtweg falschen
Vorurteil aufräumen, dass es während der braunen Diktatur nur ``Radfahrer`` und
Duckmäuser in Deutschland gegeben habe.
Danach werde ich abschließend unter VI. ein Resumee aus der bearbeiteten Thematik ziehen.
Da dieses Thema sehr umfangreich ist, habe ich in dieser Hausarbeit nur die meines Erachtens
wichtigsten Ereignisse aufgelistet. Deshalb erhebt diese Hausarbeit keinerlei Anspruch auf
Vollständigkeit. Sie soll vielmehr einen kurzen Überblick über diese spannungsgeladene und
schwierige Zeit vermitteln.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorwort
II. Kirche vor 1933
III. Kirche während 1933- 1939
III.I Die Barmer Theologische Erklärung vom Mai 1934
III.II Die Dahlemer Bekenntnissynode vom Oktober 1934
III.III Päpstliches Rundschreiben „ Mit brennender Sorge“ von 1937
IV. Kirche im zweiten Weltkrieg (1939- 1945)
V. Kirchlicher Widerstand anhand von 3 Beispielen
V.I Julius von Jan
V.II Clemens August Graf von Galen
V.III M.J. Metzger
VI. Resumee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis der beiden großen christlichen Konfessionen zum nationalsozialistischen Regime. Ziel ist es, die Motive für das jeweilige Verhalten der Kirchen aufzuzeigen und dabei mit pauschalen Vorverurteilungen aufzuräumen, indem sowohl Anpassungszwänge als auch mutiger Widerstand beleuchtet werden.
- Analyse der kirchlichen Haltungen gegenüber dem NS-Regime vor und während der „Braunen Diktatur“.
- Untersuchung zentraler Ereignisse wie der Barmer Theologischen Erklärung und des päpstlichen Rundschreibens „Mit brennender Sorge“.
- Darstellung der Rolle der Kirchen während des Zweiten Weltkriegs unter Berücksichtigung staatlicher Repressionen.
- Würdigung individuellen kirchlichen Widerstands anhand ausgewählter historischer Persönlichkeiten.
Auszug aus dem Buch
V.II Clemens August Graf von Galen
Als ein weiteres Beispiel für den frühen Widerstand einzelner Kirchenangehöriger will ich den ehemaligen Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, nennen, der wegen seiner Couragiertheit gegenüber den Missständen des NS- Regimes ehrenvoll als „Der Löwe von Münster“ in die Geschichte eingegangen ist.
In seiner Predigt , die er am 03.08.1941 hielt, prangerte er im Kern die Euthanasiepraktiken des Regimes an. Anhand von mehreren ausgesuchten Textpassagen werde ich die Kernaussagen seiner beherzten und logisch zu Ende gedachten Predigt hervorheben.
(...) Seit einigen Monaten hören wir berichte, dass aus Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig erhalten dann die Angehörigen nach kurzer Zeit die Mitteilung, die Leiche sei verbrannt.(...) unerwartete Todesfälle (...) absichtlich herbeigeführt (...) .
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorwort: Der Autor erläutert die Zielsetzung, die Spannungsfelder zwischen Kirchen und NS-Regime differenziert zu betrachten und individuelle Schicksale aufzuzeigen.
II. Kirche vor 1933: Die Reaktion der Kirchen auf den Aufstieg des Nationalsozialismus wird thematisiert, wobei verschiedene Typen katholischer Kirchenführer identifiziert werden.
III. Kirche während 1933- 1939: Dieses Kapitel behandelt den kircheninternen Widerstand durch die Bekennende Kirche und ihre programmatischen Erklärungen.
III.I Die Barmer Theologische Erklärung vom Mai 1934: Fokus auf die Kernaussagen der Erklärung, die den totalitären Staat in die Schranken göttlicher Gebote verweist.
III.II Die Dahlemer Bekenntnissynode vom Oktober 1934: Analyse der inhaltlichen Forderungen der Synode, die eine Unabhängigkeit der Kirche vom staatlichen Einfluss einfordert.
III.III Päpstliches Rundschreiben „ Mit brennender Sorge“ von 1937: Erörterung der kritischen Haltung des Vatikans gegenüber dem NS-Regime bei gleichzeitiger Wahrung eigener kirchlicher Interessen.
IV. Kirche im zweiten Weltkrieg (1939- 1945): Untersuchung der strategischen Motive des Regimes zur zeitweiligen Schonung der Kirchen sowie der zunehmenden staatlichen Repressionen im Kriegsverlauf.
V. Kirchlicher Widerstand anhand von 3 Beispielen: Einleitung in die Beispiele individuellen Mutes gegen die Verrohung des Staates.
V.I Julius von Jan: Darstellung der Bußpredigt des Pfarrers von Jan nach der Reichskristallnacht und seiner anschließenden Verfolgung.
V.II Clemens August Graf von Galen: Würdigung des Widerstands des „Löwen von Münster“ gegen die Euthanasiepraxis der Nationalsozialisten.
V.III M.J. Metzger: Porträt des Priesters Max Josef Metzger, der für sein Eintreten für Weltfrieden und Völkerversöhnung hingerichtet wurde.
VI. Resumee: Zusammenfassende Reflexion über die Ambivalenz des kirchlichen Handelns und das persönliche Risiko, das mit offenem Widerstand verbunden war.
Schlüsselwörter
Kirchengeschichte, Nationalsozialismus, Drittes Reich, Widerstand, Bekennende Kirche, Euthanasie, Clemens August Graf von Galen, Julius von Jan, Max Josef Metzger, Reichskonkordat, Kirchenkampf, NS-Regime, Glaubensbekenntnis, Totalitarismus, Moral.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen den christlichen Kirchen und dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland zwischen 1933 und 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den kirchlichen Widerstand, die Reaktionen der Kirchen auf staatliche Indoktrination, das Verhältnis von Staat und Konfession sowie die Rolle einzelner mutiger Akteure.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den einseitigen Vorwurf der widerspruchslosen Anpassung zu differenzieren und aufzuzeigen, wie kirchliche Führer und Gläubige unter dem Druck einer Diktatur agierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung von Primärquellen wie Synoden-Erklärungen, päpstlichen Rundschreiben und zeitgenössischen Predigten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung kirchenpolitischer Ereignisse zwischen 1933 und 1939, das Verhalten der Kirchen während des Zweiten Weltkriegs sowie die detaillierte Vorstellung dreier Widerstandspersönlichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Widerstand, Kirchenkampf, Nationalsozialismus, Euthanasie und die Namen der behandelten Persönlichkeiten wie von Galen und von Jan.
Wie unterscheidet sich der Widerstand von Julius von Jan von dem anderer Kleriker?
Sein Widerstand zeichnete sich durch eine sehr frühe, öffentliche Bußpredigt unmittelbar nach den Pogromen der Reichskristallnacht aus, was ihn zu einer mutigen Ausnahme innerhalb der damaligen kirchlichen Landschaft machte.
Warum konnte die Kirche den Nationalsozialismus laut Autor nicht frühzeitig stoppen?
Der Autor führt dies auf die fatale Unterschätzung der Skrupellosigkeit des Regimes durch die Kirchenführung sowie auf die Hoffnung zurück, sich mittels des Konkordats vor staatlichen Eingriffen absichern zu können.
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- Georg Thielmann (Author), 2003, Die Rollen der christlichen Kirchen vor und in der "Braunen Diktatur", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18120