Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Entwicklung der slawischen Schriftsprache 2
1.1 Glagolica 2
1.1.1 Kyrill und Method 5
1.2 Cirilica 9
2. Entwicklung der slowenischen Schriftsprache im 16. Jahrhundert 11
2.1 Bohoričica 12
3. Der ABC-Krieg in der Mitte des 19. Jahrhunderts 14
3.1 Metelčica 14
3.2 Dajnčica 17
3.3 Gajica 18
3.3.1 Die kroatische Gajica 18
3.3.2 Die slowenische Gajica 20
3.4 Ogrica 21
4. Zusammenfassung 25
5. Literaturverzeichnis 27
1
Einleitung
In dieser Arbeit wird ausgehend von der Entstehung der ersten Schriftform für die slawischen Sprachen durch den Gelehrten und Slawenapostel Konstantin von Thessaloniki (Kyrill) im 9. Jahrhundert chronologisch die Entwicklung der Schriftformen im Slowenischen vom 16. bis ins 19. Jahrhundert verfolgt.
Weiters wird neben der glagolitischen Schrift auch das kyrillische Alphabet und ihre Ausbreitung im Laufe der Jahrhunderte näher erläutert, wobei auch dem Schrifttum politischer und kirchlicher Einfluss nicht fern stand.
Außerdem ist dem Brüderpaar Kyrill und Method ein eigenes Unterkapitel gewidmet, da diese beiden Personen als die Wegbegründer des slawischen Schrifttums und der slawischen Literatur schlechthin gelten.
1. Entwicklung der slawischen Schriftsprache
1.1 Glagolica
Die älteste slawische Schrift, die Glagolica, wurde ca. um 860 von dem Gelehrten Konstantin von Thessaloniki, der später als Mönch den Namen Kyrill annahm, für Zwecke der ersten slawischen Kirchengründung und für seine Großmährische Mission entwickelt. Aufgrund der eingeschränkten Eignung des griechischen Alphabet für die slawischen Sprachen und der Betonung der kulturellen Eigenständigkeit der Slawen durch ihn, konzipierte er die glagolitische Schrift als sog. „Abstandschrift“. Konstantin legte ihr zwar das griechische System (Buchstaben mit Laut- und numerischer Funktion) zugrunde, schuf jedoch ein von anderen Schriften formal unabhängiges, neues Alphabet, wobei er sich dem Einfluss anderer Schriften nicht ganz entziehen konnte.
Als Quellen dienten ihm neben den griechischen Minuskeln auch insbesondere das georgische und semitische Schriftsystem. Ebenfalls spielten christliche Symbole wie Kreuz, Kreis oder Dreieck bei der Formgebung eine wichtige Rolle. Aus der sog. Urform der Glagolica entwickelte sich zunächst eine runde, dann auch eine eckige Variante, die vor allem in Kroatien und ab dem 16. Jahrhundert auch für den Buchdruck verwendet wurde. Die runde Variante dominierte hingegen im bulgarischmakedonisch-serbischen Raum.
Als am Ende des 9. Jahrhunderts auf dem Territorium des bulgarischen Reiches die kyrillische Schrift größtenteils aus der griechischen Schrift entwickelt wurde, sind einige
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Zeichen der glagolitischen Schrift beibehalten worden, und zwar für Laute, die im Slawischen vorhanden waren, im Griechischen aber fehlten.
Ab dem Ende des 10. Jahrhunderts wurde die glagolitische Schrift von der kyrillischen, der Cirilica, immer mehr und mehr verdrängt, sodass sie schon im späten 12. Jahrhundert allenfalls als Geheimschrift noch eine gewisse Rolle spielte. In Kroatien hingegen konnte sie sich noch lange halten, auf der Insel Krk und in der nordwestkroatischen Region Istrien sogar bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Eines der ältesten und bekanntesten Kulturdenkmäler der slawischen Sprache und Geschichte in glagolitischer Schrift ist die um das Jahr 1100 verfasste Tafel von Baška.
Abbildung 1: Das glagolitische Alphabet mit lateinischer Transliteration 1
Um die Wende zum 20. Jahrhundert erschien ein katholisches kirchenslawisches Messbuch in glagolitischer Schrift und im Jahre 1976 wurde im nördlichen Istrien ein Denkmal für die Glagolica errichtet, die glagolitische Allee, die über 6 Kilometer von Roč nach Hum führt.
1 http://de.wikipedia.org/wiki/Glagolitische_Schrift
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1.1.1 Kyrill und Method
Das Brüderpaar entstammte der Familie eines hohen byzantinischen Staatsbeamten in Thessaloniki, das zu jener Zeit von slawischen Siedlungen umkränzt war, aus denen das Slawische in vielfältiger Weise auch in die Stadt vordrang. Kyrill, der jüngere und anfangs bedeutendere der beiden wichtigsten Missionare im slawischen Raum, und Method standen im Spannungsfeld zwischen griechisch-byzantinischen und römischdeutschem Einfluss und erreichten trotz vieler Widerstände eine echte Inkulturation des Christentums bei den Slawen.
Die beiden Brüder wurden anfangs des 9. Jahrhunderts als Konstantin und Michael in Thessaloniki geboren und sie wuchsen in einem gebildeten griechischen Milieu griechisch-slawisch zweisprachig auf. Ihre höhere Ausbildung erhielten sie in Konstantinopel im Umfeld des Patriarchen und des Kaiserhauses. Method, der ältere Bruder, schlug die Beamtenkarriere ein, stieg zum Statthalter einer slawischen Provinz auf, quittierte schließlich den Dienst und trat in ein Kloster ein. Konstantin vertiefte sich in die theologischen, philosophischen und philologischen Studien, wobei er auch noch Griechisch, Latein sowie Syrisch und zum Teil Hebräisch lernte. Nach dem Abschluss seiner Studien an der kaiserlichen Universität in Konstantinopel und seiner Weihung zum Diakon im Jahre 848 wurde er deren Bibliothekar, Archivar und Sekretär von Ignatius (847-857), dem Patriarchen von Konstantinopel.
Nach einem halbjährigen Aufenthalt in einem Kloster wurde er an der Universität in Konstantinopel Philosophieprofessor, in dessen Zeit auch die Kontroverse mit dem abgesetzten ikonoklastischen Patriarchen Johannes fiel. Als einer der theologisch gebildetsten Männer seiner Zeit wurde Konstantin „der Philosoph“, wie er in Anerkennung seines herausragenden Wissens bald genannt wurde, vom Kaiser wiederholt mit diplomatischen politisch-theologischen Missionen beauftragt, so zu den islamischen Arabern und den judaisierenden Chasaren jenseits des Schwarzen Meeres.
Seine Mission (850-851) am arabischen Hofe des Kalifen Al Mutawakkil in der Stadt Samarra war nicht nur wegen der Eintreibung von Abgaben und Unterdrückung der Christen seitens der Araber gedacht, sondern auch als ein intensiver theologischer Disput mit den mohammedanischen Gelehrten und Mönchen, wobei es vor allem um den dreieinigen Gott ging, dessen Existenz die islamischen Gelehrten nicht anerkennen wollten. Angeblich wollten die Araber ihn sogar vergiften, da er sich auch als sehr guter Kenner des Korans erwies.
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Auf Einladung des Herrschers der Chasaren machte Konstantin dann etwa 860 eine Mission bei diesem nördlich des Kaukasus sesshaften Volk, dessen jüdischer König ein friedliches Zusammenleben von Juden, Moslemen und Christen ermöglicht hatte. Auf dem Weg dorthin hielt er sich einige Zeit in der Stadt Cherson auf, in der er die hebräische, chasarische und gotische Sprache sowie den Dialekt und die Schrift der Samariter lernte. Dort fand er auch die sterblichen Überreste des um 101 verstorbenen heiligen Klemens, über dessen Entdeckung er drei griechische Schriften verfasste, und die er dann später bis nach Rom brachte.
Abbildung 2: Kyrill und Method 2
Bei den Chasaren führte er erfolgreich theologische Dispute mit jüdischen Gelehrten und Rabbinern und es ließen sich immerhin etliche Chasaren taufen. Die Mission war somit ein voller Erfolg und der Herrscher der Chasaren schrieb dem byzantinischen Kaiser später einen Dankesbrief, in dem er die Mission lobte und die Freundschaft seines Volkes zusicherte.
Nach der Zerschlagung der Awarenherrschaft durch Karl den Großen zu Ende des 8. Jahrhunderts waren im 9. Jahrhundert im östlichen Mitteleuropa im fränkischen Einflussbereich eine Reihe slawischer Fürstentümer entstanden, so auch das Fürstentum von Morawien, das zumeist als Großmährisches Reich geographisch mit der Region Mähren in Tschechien identifiziert wird.
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Kyrill_und_Method
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Arbeit zitieren:
DI MMag Fabian Prilasnig, 2007, Die Entwicklung des slawischen Schrifttums, München, GRIN Verlag GmbH
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