Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Theorie des sozialen Konflikts. 4
2.1 Definition und Klassifizierung von „sozialer Konflikt“ 4
2.2 Klassifizierung der auf Sri Lanka vorhandenen Konflikte. 5
2.3 Bildung von Konfliktgruppen und Merkmale der
sozialen Selbstdefinition. 6
2.4 Intensität, Gewaltsamkeit und Regelung von sozialen Konflikten. 6
2.5 Definition von Ethnozentrismus, Ethnie und ethnischem Konflikt. 7
2.6 Entstehung ethnischer Konflikte in postkolonialen Staaten und
der Einfluss der Kolonialzeit. 8
3. Ethno-nationalistischer/separatistischer Terrorismus und
Guerilla als Austragungsform sozialer Konflikte. 10
3.1 Definitions- und Abgrenzungsversuch. 10
3.2 Taktiken, Techniken und Ziele des ethno-nationalen Terrorismus. 11
4. Der Tamilenkonflikt auf Sri Lanka. 13
4.1 Einleitung. 13
4.2 Konfliktgegenstand. 13
4.3 Der Aufstieg der LTTE. 14
4.4 Konfliktverlauf ab 1983. 15
4.4.1 Der ethnische Bürgerkrieg 1983-1987. 15
4.4.2 Die Intervention Indiens 1987-1990. 16
4.4.3 Der zweite Eelam-Krieg. 18
4.4.4 Von 1996 bis 2003. 19
4.5 Taktik der LTTE. 20
5. Schlussteil. 23
6. Literaturverzeichnis. 24
2
1. Einleitung
Terrorismus und Guerilla als Austragungsformen sozialer Konflikte sind nicht erst seit den Anschlägen und Entwicklungen der jüngsten Zeit ein kontrovers diskutiertes Thema. Seit dem Ende der Kolonialzeit kam es weltweit zur Bildung einer beträchtlichen Zahl unabhängiger Staaten mit heterogenen Gesellschaften. Diese Entwicklung führte in einigen Staaten zu Minderheitenkonflikten, welche unter bestimmten Voraussetzungen durch ethnonationalistischen bzw. separatistischen Terrorismus und Guerilla ausgetragen wurden. So auch auf Sri Lanka, wo die „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) etwa dreißig Jahre lang einen militanten Kampf gegen den singhalesischen Staat und ihre Widersacher führte. Das besondere an der LTTE ist jedoch, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen Terrororganisationen ihrer Art letztlich Erfolg hatte. Aus diesem Grund und aufgrund der Tatsache, dass der Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen auf Sri Lanka, der in den letzten zwanzig Jahren als offener Bürgerkrieg ausgetragen wurde, kaum in den westlichen Medien präsent war und ist, entschied ich mich diese Thematik in meiner Hausarbeit aufzugreifen.
Der Analyse der LTTE und des Bürgerkriegs auf Sri Lanka liegt im ersten Abschnitt des Hauptteils eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des sozialen Konflikts zugrunde. Neben der Definition und einer Klassifizierung sozialer Konflikte werden in diesem Teil Fragen zu den Strukturhintergründen, zur Bildung von Konfliktgruppen und zu Verlaufsformen sozialer Konflikte beantwortet. Abschließend wird im Kontext einer Definition der Begriffe „Ethnie“, „Ethnozentrismus“ und „ethnischer Konflikt“ auf die Entstehung ebensolcher ethnischer Konflikte in postkolonialen Staaten eingegangen.
Im zweiten Abschnitt des Hauptteils werden „ethno-nationaler“ bzw. „separatistischer“ Terrorismus und Guerilla als Austragungsformen sozialer Konflikte näher betrachtet. Nach genauerer Definition der Begrifflichkeiten erfolgt eine analytische Untersuchung der Taktiken, Techniken und Ziele solcher militanten Organisationen.
Der letzte Teil schließlich befasst sich mit dem empirischen Beispiel Sri Lanka und der LTTE. Neben einer Einleitung zum Konfliktgegenstand und einer Beschreibung des Konfliktverlaufs seit Ausbruch des Bürgerkrieg 1983, werden in diesem Teil der Aufstieg der LTTE zum alleinigen Vertreter der Tamilen auf Sri Lanka sowie die Taktik der LTTE untersucht.
3
2. Theorie des sozialen Konflikts
2.1 Definition und Klassifizierung von „sozialer Konflikt“ 1
Definiert man den Begriff des sozialen Konflikts in einer verallgemeinernden Weise und klammert dabei die Frage nach den Umständen und Bedingungen sozialer Konflikte in bestimmten Gesellschaften aus, hat es Ralf Dahrendorf bereits trefflich formuliert. „Unter diesen Umständen [...], dass wir irgendwelche Konflikte stets und überall dort finden werden, wo menschliche Gesellschaften bestehen. Alle Gesellschaften kennen soziale Konflikte.“ (Dahrendorf ,1972: S.21)
Konflikt muss dabei im sozialwissenschaftlichen Sinne als unterschiedlich intensiver, latenter oder manifester Zusammenstoß zwischen verschiedenen sozialen Einheiten gesehen werden. „Sozial soll ein Konflikt heißen, wenn er sich aus der Struktur sozialer Einheiten ableiten lässt, also überindividuell ist.“ (Dahrendorf, 1972: S.24) Demnach wäre beispielsweise ein Konflikt zwischen zwei Personen, welcher bloß auf gegenseitiger Antipathie beruht kein sozialer Konflikt.
Um die Vielfalt der in dieser Definition beinhalteten sozialen Konflikte zu ordnen, schlägt Dahrendorf eine Klassifizierung verschiedener Arten nach zwei unterschiedlichen Gliederungskriterien vor. Das erste Kriterium ist der Umfang der sozialen Einheit des untersuchten Konflikts, nach welchem wir fünf Arten sozialer Konflikte unterscheiden können.
Erstens, Konflikte innerhalb und zwischen einzelnen sozialen Rollen, wie z.B. der Familienrolle oder Berufsrolle. Zweitens, Konflikte innerhalb einzelner sozialer Gruppen, wie Vereinen, Familien oder Berufsgruppen. Drittens, Konflikte zwischen organisierten (Interessengruppen) oder nichtorganisierten (Quasi-Gruppen) sozialen Gruppierungen innerhalb regionaler oder institutioneller Gesellschaftssektoren. Dazu gehören sowohl Konflikte zwischen Gewerkschaften und Unternehmerverbänden als auch zwischen Lehrern und Verwaltung im Schulwesen. Viertens, Konflikte zwischen organisierten oder nicht-organisierten Gruppierungen, die eine ganze Gesellschaft im Sinne einer territorialen staatlichen Einheit erfassen, wie z.B. zwischen Partein oder auch zwischen zwei Landesteilen mit gegensätzlichen Konfessionen. Fünftens, Konflikte innerhalb größerer Einheiten bzw. übergesellschaftlicher Verbindungen wie z.B. Föderationen oder zwischen zwei Staaten.
1 Vgl. Dahrendorf, 1972: S. 20-28
4
Das zweite Gliederungskriterium orientiert sich am Rangverhältnis der am Konflikt beteiligten Gruppen bzw. Elemente. Dabei unterteilt Dahrendorf wiederum in Konflikte zwischen ranggleichen Gegnern und zumindest unter einem gewissen Gesichtspunkt einander über- bzw. untergeordneten Gegnern, sowie in Konflikte zwischen dem Ganzen der betreffenden Einheit und einem ihrer Teile. Letztlich erhält man fünfzehn Arten sozialer Konflikte, welche ein weitreichendes Spektrum abdecken und sich in ihrer Gesamtheit nicht theoretisch erfassen ließen. Aus diesem Grund bietet sich eine weitere Gruppierung der Konfliktarten in die Kategorien „Rollenkonflikt“, „Konkurrenz“, „Klassenkampf“, „Minderheiten“ und „abweichendes Verhalten“, „Proporzkampf“ und „internationale Beziehungen“ an.
2.2 Klassifizierung der auf Sri Lanka vorhandenen Konflikte
Nun müsste man die auf Sri Lanka vorherrschenden Konflikte jeweils einem dieser Teilbereiche zuordnen und diesen näher betrachten, da eine gemeinsame Erklärung der Strukturhintergründe aller sozialen Konflikte nicht möglich ist. Im Bezug auf Sri Lanka stellt sich jedoch das Problem, dass wir es mit vielen unterschiedlichen sozialen Konflikten der jeweiligen Gruppen zu tun haben. So liegt beispielsweise sowohl ein Rollenkonflikt aufgrund der sozialen Verfestigung der Gehorsamverpflichtung bei den Soldaten vor, als auch ein Konflikt der Internationalen Beziehungen durch das Eingreifen Indiens in den Bürgerkrieg auf Sri Lanka.
Von größerer Bedeutung für diese Arbeit werden jedoch die Klassenkämpfe sowie die Minderheitenkonflikte sein. Ein Klassenkampf, welcher eine recht allgemeine Erscheinungsform des sozialen Konflikts ist und aufgrund von und um Herrschaft stets in allen Gesellschaften vorzufinden ist, wäre auf Sri Lanka der Kampf der terroristischen Organisation LTTE gegen ihre terroristischen Schwester-Organisationen um die Vormachtstellung. Dieser Konflikt, insbesondere der Minderheitenkonflikt zwischen Singhalesen und Tamilen, dessen Strukturhintergründe in der Dynamik von Eigengruppe und Fremdgruppe zu suchen sind, rücken von nun an in den Fokus der theoretischen Analyse. 2
2 Vgl. Dahrendorf, 1972: S. 31-34
5
2.3 Bildung von Konfliktgruppen und Merkmale der sozialen Selbstdefinition Eine Voraussetzung für die Austragung von Klassenkämpfen oder Minderheitenkonflikten ist die Bildung bzw. Organisation von Konfliktgruppen. Dahrendorf beschreibt diesen Prozess in drei Etappen. 3
Die erste Etappe greift auf den Kausalhintergrund des Konflikts zurück und dient der Unterscheidung der Konfliktfronten im Sinne von Positionsträgern oder Quasi-Gruppen. Dabei werden ihnen Gemeinsamkeiten unterstellt, welche ihnen aber nicht bewusst zu sein brauchen. Die zweite Etappe besteht aus der Bewusstwerdung der latenten Interessen durch die jeweilige Quasi-Gruppe und der anschließenden Formierung zur Interessengruppe. Dies hängt jedoch wiederum von der speziellen Art des Konfliktes ab. Im Fall von Minderheitenkonflikten wie auf Sri Lanka ist eine Organisation der Minderheit unter bestimmten technischen, sozialen und politischen Vorraussetzungen von Nöten um den Konflikt zu manifestieren, andernfalls bliebe er latent. Die dritte Etappe umfasst die organisatorische Identität der Konfliktparteien bzw. der Konfliktelemente. Haben sich diese sichtbar gebildet ist die Endgestalt des Konflikts erreicht.
Der Aspekt der Identitätsfindung spielt gerade für Minderheitenkonflikte eine besondere Rolle. Jakob Rösel spricht in diesem Zusammenhang von den drei Merkmalen der sozialen Selbstdefinition. 4 Die Selektion umfasst Merkmale wie beispielsweise Abstammung, Sprache oder Religion nach denen sich Gruppen konstituieren und abgrenzen können. Parallel dazu verläuft der Prozess der Kultivierung, der die selektierten Merkmale aufwertet und ihnen auf Dauer einen Verpflichtungscharakter zuspricht. Letztlich unterliegt alles einer Interpretation, welche die Gruppenmerkmale als „primordial“ und somit als unverzichtbar, umwandelbar und nicht verhandlungsfähig deklariert.
2.4 Intensität, Gewaltsamkeit und Regelung von sozialen Konflikten 5
Soziale Konflikte unterliegen einer Formveränderung je nachdem welche Bedingungen und Aspekte auf sie einwirken, wodurch wiederum Fragen nach den Dimensionen und den Faktoren der Variabilität sozialer Konflikte aufgeworfen werden. Bezüglich der Dimensionen betont Dahrendorf die Intensität und Gewaltsamkeit sozialer Konflikte. Die Intensität lässt sich am Grad der Teilnahme der Betroffenen ausmachen, die Gewaltsamkeit hingegen reflektiert das gewählte Mittel der Ausdrucksform, welches vom Krieg bis zur freundlichen
3 Vgl. Dahrendorf,1972: S.35f
4 Vgl. Rösel,1997: S.13ff
5 Vgl. Dahrendorf,1972: S.37-47
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Arbeit zitieren:
Daniel Rupprecht, 2004, Sozialer Konflikt auf Sri Lanka, München, GRIN Verlag GmbH
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