Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Der Fall David 4
3. Ursachen von Gewaltausbrüchen 4
3.1 Gruppendynamik im Schulalltag 5
3.2 Motive 5
3.3 Erwartungs-mal-Wert Modell 6
3.4 Aggressionsmodelle 7
3.5 Implikationen für den Fall David 8
4. Umgang mit Gewaltausbrüchen 9
4.1 Bei der Gruppe ansetzen 9
4.2 Möglichkeiten für den Umgang mit dem Außenseiter 10
4.3 Implikationen für den Fall David 11
5. Fazit 11
1. Einleitung
Auch wenn unsere westliche Gesellschaft zu heutigen Zeiten weitestgehend zivilisiert ist, bleiben Gewaltausbrüche 1 beim engen Miteinander von Menschen nicht aus. In der Erwachsenenwelt werden diese Ausbrüche im Normalfall gerichtlich behandelt und der Gewalttäter bekommt eine Strafe und/oder eine Therapiemaßnahme verordnet. Wird lediglich eine Strafe verhängt, so werden die Ursachen für den Gewaltausbruch nicht weiter untersucht. Wie jedoch soll mit Gewalt in der Schule umgegangen werden? Soll der Lehrer über den Täter eine Strafe verhängen und die Ursachen unbeachtet lassen? Das scheint keine tragfähige Lösung zu sein. Ursachen für Gewalt kann es viele geben. Aus einer Sicht, die dem Menschen inhärente Eigenschaften zuschreibt, mag es sich um eine dem Täter innewohnende Disposition handeln. Es könnte auch die Lust an der Gewalt sein oder die völlige Abwesenheit einer Moral. Wie verhält es sich jedoch bei Tätern, die von ihren Mitmenschen im Allgemeinen als eher ruhig und unauffällig beschrieben werden? Handelt es sich hier um eine bislang versteckte Disposition? Wahrscheinlicher ist es, dass sich die Anwendung von Gewalt, insbesondere als unerwartete Ausnahmetat, nicht auf einen Wunsch nach Gewalt um der Gewalt willen zurückführen lässt, sondern auf Umwelteinflüsse und wie der Mensch auf diese reagiert. Wenn ein Mensch plötzlich und unerwartet eine Gewalttat begeht, so ist es gut möglich, dass dem ein schon länger vorhandenes Motiv, welches absolut nichts mit Gewalt an sich zu tun hat, zu Grunde liegt, das durch einen Anreiz aktiviert wurde. Eine genauere Bestimmung des Begriffs Motiv und welcher Art diese Motive sein können, wird in Kapitel 3.2 dieser Arbeit untersucht. Davon ausgehend, dass der Mensch viele Jahre seines Lebens in der Schule verbringt, - in Deutschland immerhin zwölf Jahre, wenn man die Berufsschulpflicht berücksichtigt - kann man annehmen, dass besonders hier auch immer wieder Gewalt ein Thema ist. Die Schüler müssen sich über einen längeren Zeitraum hinweg in einer Gruppe zurechtfinden, die sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Die Aspekte, die in dieser Arbeit untersucht werden sollen, sind die Frage nach der Ursache von Gewaltausbrüchen, insbesondere bei Außenseitern, und die Frage nach dem Umgang mit Gewaltausbrüchen. Zur Veranschaulichung der theoretischen Inhalte sollen diese auf ein Fallbeispiel angewendet werden: den Fall des Schülers David 2 , welchen ich selbst bei einem Schulpraktikum miterlebt habe.
1 Es gibt viele, auch nicht physische, Formen der Gewalt. Auf Grund der Kürze dieser Arbeit möchte ich mich
jedoch auf die Untersuchung körperlicher Gewalt beschränken und werde das Wort Gewalt synonym zu
körperlicher Gewalt benutzen.
2 Aus Datenschutzgründen ist dieser Name, sowie alle folgenden Namen, selbstverständlich abgeändert.
2. Der Fall David
David ist ein stiller, freundlicher, äußerlich normal anmutender Junge in der 10. Klasse einer integrierten Gesamtschule. Sein Klassenlehrer Herr R. kennt David seit Beginn der 6. Klasse. Er erzählt, dass David schon seit er ihn kenne immer ein Außenseiter gewesen sei, dass sich seine Position jedoch noch verschlechtert habe, seit sein einziger Freund nach Beenden der 8. Klasse die Schule verlassen hat. Probleme habe es mit David nur dahingehend gegeben, dass die Mitschüler ihn gemieden hätten und ungerne mit ihm im Unterricht zusammen gearbeitet hätten. Relativ kurze Zeit vor Beginn meines Praktikums sei in der Klasse die Zimmeraufteilung für die Klassenfahrt besprochen worden. Hierbei habe es Probleme gegeben, da sich keiner der Schüler ein Zimmer mit David hätte teilen wollen und sich alle geweigert hätten, ihre (unglücklicherweise für David) genau aufgehenden Konstellationen aufzulösen. Herr R. versuchte die Situation über ein Einzelgespräch mit dem Klassensprecher zu lösen, welcher sich erst einverstanden zeigte, mit David ein Zimmer zu teilen, dann jedoch seine Eltern einschaltete, um dies doch nicht zu müssen. Am Ende löste Herr R. die Situation so auf, dass er zwei Schüler in ein Zimmer mit David ‚zwangsversetzte‘. Während meines Praktikums wurde ich Zeugin der Situation, dass David sich in der Bahn auf einen freien Platz in einer Vierersitzreihe zu seinen Mitschülern setzte, welche daraufhin demonstrativ aufstanden, sich eine andere Reihe suchten und anfingen zu tuscheln. David blieb zurück und guckte traurig. Einen Tag später im Unterricht schlug er seinen Mitschüler Ralf, der an der Situation des Vortags völlig unbeteiligt gewesen war. Ralf hatte David einen Loser genannt, als dieser auf eine Frage keine Antwort gewusst und geschwiegen hatte. Nach dem Vorfall sprach Herr R. mit David und Ralf und trug beiden auf, sich gegenseitig zu entschuldigen. Ansonsten blieb der Vorfall ohne weitere Konsequenzen.
3. Ursachen von Gewaltausbrüchen
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, können die Ursachen von Gewaltausbrüchen unterschiedlich und vielfältig sein. Aus diesem Grund werde ich mich auf Theorien beschränken, die Ursachen von einem unerwarteten Gewaltausbruch bei einer sonst eher unauffälligen Person in einer Gruppe erklären und nicht auf die Ursachen von Gewalt bei dauerhaft körperlich aggressiven Schülern eingehen. Bevor ich das Entstehen einer Motivation zur Gewaltanwendung, die Erwartungs-mal-Werte Theorie und zwei Aggressionsmodelle näher untersuche, liefere ich zuerst eine kurze Einführung in die für den Schulalltag relevante Gruppendynamik.
3.1 Gruppendynamik im Schulalltag
Laut Karl Dambach kann man die Hierarchie der Klasse in drei Gruppen unterteilen: Gruppenführer, Mitläufer und Außenseiter (Dambach 19). Während die Rolle der Gruppenführer und Außenseiter relativ gefestigt sei, bestehe bei Mitläufern die Möglichkeit, dass sie versuchen, in die Rolle des Gruppenführers zu schlüpfen, oder die Gefahr, zum Außenseiter zu werden (Dambach 20). Welche Positionen von den Schülern eingenommen bzw. ihnen zugeteilt werden, sei nicht eindeutig an bestimmte Personenmerkmale zu knüpfen, da von der Zusammensetzung der Gruppe abhänge, welche Eigenschaften wertgeschätzt würden und welche nicht (Dambach 22). Laut Dambach sind die Positionen innerhalb einer fest bestehenden Gruppe jedoch relativ stabil, da die Mitläufer froh sind, dass sie nicht zu den Außenseitern gehören und die Außenseiter nicht die Möglichkeit haben, die Hierarchie zu ändern (Dambach 22). Zur besseren Differenzierung übernehme ich Dambachs Unterscheidung zwischen Außenseitern und Einzelgängern, welche er so vorsieht, dass Einzelgänger zwar allein am Rand der Gruppe stehen, dort jedoch nicht weiter belästigt werden, während Außenseiter direkt von Teilen der Gruppe oder sogar der ganzen Gruppe gemobbt werden (Dambach 24). Wie jedoch kommt es nun bei Außenseitern, wie auch im Fall David, dazu, dass sie zum Teil Jahre lang eine schlechte Behandlung durch ihre Mitschüler ertragen und dann unvermittelt körperliche Gewalt anwenden, die zum Teil auf Schüler gerichtet ist, welche nicht einmal direkt am Mobbing beteiligt sind? Ein Versuch diese Frage zu beantworten, wird nach einem kurzen Exkurs zur Begriffsdefinition von Mobbing gemacht. Exkurs: Mobbing
In dieser Arbeit wird der Begriff Mobbing so verwendet, wie er von Olweus definiert wurde: „Ein Schüler […] wird gemobbt, wenn er wiederholt und über eine längere Zeit den negativen Handlungen eines oder mehrerer anderer Schüler ausgesetzt ist“ (zit. in Schubarth 17). Diese sogenannten negativen Handlungen umfassen verbale, nonverbale und körperliche Schädigungen, die ein Kräfteungleichgewicht herstellen, wodurch sich der Außenseiter nicht selbst aus der Situation befreien kann (Schubarth 18).
3.2 Motive
Motive sind „[z]eitlich überdauernde Bereitschaften für bestimmte Klassen von Zuständen“ (Krapp und Weidenmann 213), anders formuliert, Dispositionen. Diese Motive werden durch situative Anreize zu einem aktuellen Zustand, der Motivation, angeregt. Zu den Grundbedürfnissen des Menschen gehört laut der Bedürfnispyramide von Abraham Maslow das soziale Bedürfnis, also die soziale Eingebundenheit. Hieraus kann man,
Arbeit zitieren:
B.A. Lisa Jensen, 2011, Ursachen von und Umgang mit Gewaltausbrüchen im Klassenverband, München, GRIN Verlag GmbH
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