Dank gilt Prof. Dr. Ulrich Mell, der es mir ermöglicht hat die Bachelorarbeit im Fach Ev. Theologie zu schreiben. Besonderem Dank gilt Frau Prof. Dr. Gräb-Schmidt, die sich bereit erklärt hat die Zweitkorrektur zu übernehmen. Danken will ich auch Walter Kißling und Anne Linsler welche die Arbeit Korrektur gelesen haben.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 5
2 GANG DER ARBEIT 7
3 WAS IST ETHISCHES INVESTMENT? 8
3.1 WELCHE ANSÄTZE KÖNNEN IM ETHISCHEN INVESTMENT UNTERSCHIEDEN WERDEN? 10
3.2 ANLAGEENTSCHEIDUNG ANHAND VON NACHHALTIGKEITSINDIZES 12
3.3 NACHHALTIGKEITSRATINGS 18
3.4 DER MARKT DES NACHHALTIGEN INVESTMENTS 19
4 WAS SIND INSTITUTIONELLE ANLEGER? 21
5 WAS BEUTETE VERANTWORTUNG? 24
6 SOZIALETHIK ALS VERANTWORTUNGSETHIK 26
6.1 SIEBEN KRITERIEN ALS ETHISCHE GRUNDPRINZIPIEN NACH ARTHUR RICH 32
6.1.1 DAS KRITERIUM DER GESCHÖPFLICHKEIT 34
6.1.2 DAS KRITERIUM DER KRITISCHE DISTANZ 35
6.1.3 DAS KRITERIUM DER RELATIVEN REZEPTION’ 36
6.1.4 DAS KRITERIUM DER RELATIONALITÄT 37
6.1.5 DAS KRITERIUM DER MITMENSCHLICHKEIT 39
6.1.6 DAS KRITERIUM DER MITGESCHÖPFLICHKEIT 40
6.1.7 DAS KRITERIUM DER PARTIZIPATION 41
7 ARTHUR RICHS KRITERIEN AM BEISPIEL DES DJSI WORLD 42
8 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 48
9 LITERATURANGABEN 51
Ethisches Investment 3
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: DAX-30 Unternehmen in Nachhaltigkeitsindizes 16
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Abgrenzung institutioneller Investoren 22
Abkürzungsverzeichnis
CSR: Corporate Social Responsibility Eurosif: European Sustainable and Responsible Investment Forum SRI: Socially Responsible Investments EKHN: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau DJSI World: Dow Jones Sustainability World Indexes SAM: Sustainable-Asset-Management DBU: Deutsche Bundesstiftung Umwelt ESG: environmental, social, and corporate governance issues ASPI: Advance Sustainable Performance Index ESI: Ethibel Sustainable Index NAI: Natur-Aktien-Index
Ethisches Investment 4
1 Einleitung
„Standort-Aus - Opel-Werk in Antwerpen macht dicht“ 1 , „Wer trägt die Verantwortung für die Ölpest am Golf von Mexiko?“ 2 , „US-Großbanken verneinen Schuld an Krise“ 3 , „Suizidserie reißt nicht ab - Schon wieder Selbstmord bei France Télécom“ 4 , „Tepco - Anlegern reichen Entschuldigungen nicht aus“ 5 .
Es sind Meldungen wie diese, die die Frage nach den Verantwortlichen solcher Skandale, Krisen und Katastrophen aufwirft. Die Schuldigen sind häufig schnell ausgemacht: Die gierigen „Manager“ 6 . Doch das greift zu kurz. Zumindest nach dem deutschen Aktiengesetz wird der Vorstand einer Aktiengesellschaft durch den Aufsichtsrat kontrolliert, der wiederum von der Hauptversammlung der Anteilseigner gewählt wird. Letztlich tragen also auch Kapitalbesitzer eine gewisse Verantwortung für die grundsätzliche Ausrichtung einer Unternehmung. Wer also beispielsweise Aktien von der ThyssenKrupp AG hält, unterstützt indirekt den Bau von Kampf-U- Booten,die „bis nach Pakistan“ 7 geliefert werden.
1 fro/dpa/ddp, Standort-Aus - Opel-Werk in Antwerpen macht dicht, 21.01.2010, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,673133,00.html, 19.07.2011.
2 APN/DPA, Wer trägt die Verantwortung für die Ölpest am Golf von Mexiko?, 11.05.2010, http://www.stern.de/panorama/bp-will-kleinere-stahlkuppel-wer-traegt-die-verantwortung-fuer-die-oelpest-am-golf-von-mexiko-1565505.html, 19.07.2011.
3 N24 dpa, US-Großbanken verneinen Schuld an Krise, 14.01.2010, http://www.n24.de/news/newsitem_5756837.html, 19.07.2011.
4 FAZ.NET/F.A.Z., Suizidserie reißt nicht ab - Schon wieder Selbstmord bei France Télécom, 29.09.2009, http://www.faz.net/artikel/C30125/suizidserie-reisst-nicht-ab-schon-wieder-selbstmord-bei-france-telecom-30074957.html, 19.07.2011.
5 gxb/dapd, Tepco - Anlegern reichen Entschuldigungen nicht aus, 28.06.2011, http://www.focus.de/panorama/vermischtes/tepco-anlegern-reichen-entschuldigungen-nicht-aus_aid_640926.html, 19.07.2011.
6 Dorothea Siems, Schuldfrage - Die Manager sind die Sündenböcke der Finanzkrise, 10.05.2009, http://www.welt.de/wirtschaft/article3713668/Die-Manager-sind-die-Suendenboecke-der-Finanzkrise.html, 19.07.2011.
7 Hermannus Pfeifer, Deutsche Waffen sind Nischenprodukte, 12.07.2011, http://www.taz.de/Ruestungswirtschaft/!74313/, 19.07.2011. Ethisches Investment 5
Viele private Anleger haben in den letzten Jahren umgedacht und sind zu so genannten „Ökobanken“ 8 gewechselt. Diese versprechen ihren Kunden nicht in „Rüstungsunternehmen, Atomkraftwerksbauer oder Genfood-Hersteller“ 9 zu investieren, sondern weitestgehend in ökologische, soziale und kulturelle Projekte, so genanntes ‚Ethisches Investment‘. Jedoch kommen diese Banken in Deutschland zusammen lediglich auf 200.000 Kunden 10 . Im Vergleich: Allein die Direktbank ‚Comdirect‘ kommt auf mehr als 2 Mio. Kunden 11 . Damit ist die Branche noch in einer „Nische“ 12 . Ein Grund dafür ist die „geringe finanzielle Bildung im Land“ 13 wie Henry Schäfer (2011) erklärt. Die Hoffnung liegt also auf professionellen Großanlegern, so genannten institutionellen Anlegern, welche die entsprechenden Kompetenzen besitzen 14 . Und tatsächlich wurden Ende 2009, laut einer Studie von ‚Eurosif‘ 15 , 92 Prozent der gesamten ethisch investierten Anlagen in Europa von institutionellen Investoren getätigt 16 . Doch was wird unter ‚Ethischem Investment’ verstanden? Welche
Anlagemöglichkeiten gibt es? Wer sind diese institutionellen Anleger? Welche Verantwortung tragen sie und gegenüber wem? Gibt es eine besondere Verantwortung von christlichen Anlegern? Was bedeutet Verantwortung? Wo legen die Kirchen ihr Geld an? Welche Kriterien für eine ‚christliche Geldanlage’ könnten gelten?
8 Karsten Seibel, Alternative Geldinstitute - Warum Ökobanken auf keinen grünen Zweig kommen, 23.06.2011, http://www.welt.de/dieweltbewegen/article13446451/Warum-Oekobanken-auf-keinengruenen-Zweig-kommen.html, 19.02.2011.
9 Karsten Seibel, 23.06.2011.
10 Gemeint sind: GLS Bank, Umweltbank, Ethikbank, Triodos Bank.
11 Vgl. Karsten Seibel, 23.06.2011.
12 Vgl. Karsten Seibel, 23.06.2011.
13 Karsten Seibel, 23.06.2011.
14 Vgl. Schäfer, Henry, Verantwortliches Investieren: Zur wachsenden ökonomischen Relevanz von Corporate Social Responsibility auf den internationalen Finanzmärkten, in: Gesine Bonnet, Gotlind Ulshöfer (Hrsg.), Corporate Social Responsibility auf dem Finanzmarkt, Anstöße für verantwortliches Investieren und eine nachhaltige Unternehmenspolitik, Wiesbaden 2008, S.79.
15 Eurosif (European Sustainable and Responsible Investment Forum) ist ein europäischer Zusammenschluss von nationalen Nachhaltigkeitsforen.
16 Vgl. Eurosif, PRESSEMITTEILUNG 2010 Eurosif, http://www.forum-
ng.org/images/stories/Presse/sri_study_2010_press_release_final_german.pdf, 17.07.2011, S.1. Ethisches Investment 6
2 Gang der Arbeit
Zunächst einmal soll geklärt werden, was unter ‚Ethischem Investment’ zu verstehen ist, wie es definiert wird und was der Unterschied zu ‚nachhaltigen Geldanlagen’ ist. Im Anschluss werden sechs Ansätze gezeigt, nach denen Investoren ihr Anlageuniversum in Hinblick auf ethische Kriterien bestimmen können: Negativkriterien, Positivkriterien, Integration, Engagement,
Stimmrechtswahrnehmung und Kombination. Konkrete Orientierung bei der Anlageentscheidung bieten so genannte ‚Nachhaltigkeitsindizes‘. Diese verwenden die oben genannten Ansätze. Einige dieser Indizes werden in der Arbeit vorgestellt und die Unterschiede zwischen ihnen verdeutlicht. Alternativ kann auch der Service von Ratingagenturen genutzt werden, diese werden kurz erläutert. Im Anschluss wird der Markt von nachhaltigen Produkten in Deutschland und Europa untersucht. Da institutionelle Anleger dabei eine entscheidende Rolle spielen, werden sie besonders betrachtet. Durch ihre Marktmacht kommt ihnen eine besondere Verantwortung zu. Doch wer trägt für was und gegenüber wem Verantwortung? Welche Rolle spielt Verantwortung in der Ethik? Diese Frage soll mit Hilfe von Wolfgang Hubers (1982) 17 Aufsatz ‚Sozialethik als Verantwortungsethik‘ beantwortet werden.
Nach einer Verantwortungsethik zu handeln bedeutet, die Handlung nach den erwarteten Folgen der Entscheidung zu beurteilen. Doch anhand welcher Kriterien können Anlageentscheidungen beurteilt werden? Der Wirtschaftsethiker Arthur Rich (1987) 18 entwickelte in seinem Buch ‚Wirtschaftsethik‘ sieben Kriterien des Menschengerechten: Geschöpflichkeit, Kritische Distanz, Relative Rezeption, Relationalität, Mitmenschlichkeit, Mitgeschöpflichkeit und Partizipation. Anhand dieser Kriterien soll exemplarisch untersucht werden, ob eine Anlageentscheidung nach einem Nachhaltigkeitsindex der Verantwortung von institutionellen Anlegern gerecht wird.
17 Vgl. Huber, Wolfgang, Sozialethik als Verantwortungsethik, in: Wolfgang Nethöfel, Peter Dabrock, Siegfried Keil (Hrsg.), Verantwortungsethik als Theologie des Wirklichen, Göttingen 2009.
18 Vgl. Rich, Arthur, Grundlagen in theologischer Perspektive, Gütersloh 3 1987, S.172ff. Ethisches Investment 7
3 Was ist Ethisches Investment?
Neben dem Begriff ‚Ethisches Investment‘ werden in der vorliegenden Arbeit auch die Begriffe ‚ethische Geldanlage‘, ‚nachhaltige Geldanlage oder ‚sozial verantwortliche Geldanlage‘, sowie der aus dem Englisch stammende Begriff ‚Socially Responsible Investments‘ (SRI) 19 gebraucht 20 . Nach einer Umfrage unter Anbietern von Nachhaltigkeitsindizes 21 im Jahr 2005 werden diese Begriffe weitgehend synonym verwendet 22 . Jedoch wird der Begriff ‚ethisch‘ eher bei religiösen Anlegern bevorzugt, der Begriff ‚sozial verantwortlich‘ bei Anlegern aus dem Sozialbereich und ‚Nachhaltig‘ wird eher dem Umweltbereich zugesprochen 23 . Eine einheitliche Definition gibt es nicht, jedoch wird im Allgemeinen darunter verstanden, dass neben den ökonomischen Kennzahlen, „Rendite, Risiko und Liquidität“ 24 , auch andere Gesichtspunkte, wie „ökologische, ethische und soziale“ 25 Werte berücksichtigt werden 26 . Heute werden von der Branche nachhaltige Geldanlagemöglichkeiten in „alle gängigen Anlageformen wie Anleihen, Aktien, Fonds, Zertifikate, ETF (Exchange Traded Funds), Private Equity oder Ähnliches angeboten" 27 .
19 Vgl. Ulshöfer, Gotlind, Bonnet, Gesine, Finanzmärkte und gesellschaftliche Verantwortung - eine Einführung, in: Gesine Bonnet, Gotlind Ulshöfer (Hrsg.), Corporate Social Responsibility auf dem Finanzmarkt, Anstöße für verantwortliches Investieren und eine nachhaltige Unternehmenspolitik, Wiesbaden 2008, S.13.
20 Vgl. Gabriel, Klaus, Nachhaltigkeitsindizes. Die Bewertung von Unternehmen nach sozialen und ökologischen Kriterien und die Einschätzung des Marktes für nachhaltige Geldanlage aus der Sicht der Anbieter von Nachhaltigkeitsindizes, Frankfurt am Main 2005, S.13.
21 (siehe Kapitel 3.2)
22 Vgl. Gabriel, Klaus, 2005, S.13f.
23 Vgl. Gabriel, Klaus, 2005, S.13f.
24 Schäfer, Henry, Ethisch motiviertes anlageverhalten deutscher Nonprofit Organisationen mit religiöser Zwecksetzung. Ergebnisse einer explorativen empirischen Erhebung, in: Karin Bassler (Hrsg.), Ethisches Investment, Strategien für kirchliche Geldanlagen, Stuttgart 2001, S.96.
25 Schäfer, Henry, Nachhaltige Kapitalanlagen für Stiftungen. Aktuelle Entwicklungen und Bewertung, Baden-Baden 2009, S.22.
26 Vgl. Schäfer, Henry, 2009, S.22.
27 Schäfer, Henry, 2009, S.22.
Ethisches Investment 8
Der Ursprung des ‚Ethischen Investments‘ kann auf den Anfang des 20. Jahrhunderts datiert werden, als Investoren mit christlichem Hintergrund in den USA begannen „Geschäfte mit Alkohol, Tabak oder Waffen“ 28 (so genannte ‚Sin Stocks‘ - Sünden-Aktien)aus ihren Investments auszuschließen 29 . 1971 wurde mit dem ‚Pax World Funds‘ der erste Ethische Investmentfonds gegründet, welcher Anlageentscheidungen lediglich nach „ökologischen, politischen, sozialen und religiösen Kriterien vornahm“ 30 .
Der Begriff ‚Nachhaltigkeit‘ stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wurde erstmals von Hans Carl von Carlowitz 1713 erwähnt 31 . Die Idee dahinter war: Es sollte nur so viel Holz geschlagen werden, wie auf natürliche Weise nachwächst 32 . 1972 wurde der Begriff im Bericht 33 des Club of Rome ‚Grenzen des Wachstums‘ wieder aufgegriffen und 1987 durch den Bericht der Brundtland-Kommission 34 in Deutschland eingeführt 35 . 1992 wurde, auf der UNO-Konferenz in Rio de Janeiro, das Leitbild der ‚nachhaltigen Entwicklung‘ bzw. „Sustainable Development“ 36 entworfen, wonach die „Lebens und Wirtschaftweise der Menschen so ausgerichtet werden [sollte, dass sie] generationsübergreifend betrieben werden kann, ohne dass die Lebensgrundlage der Menschen verloren“ 37 geht.
28 Gabrio, Dagmar, Ethisches Investment. Rendite mit gutem Gewissen, Düsseldorf 2001, S.10.
29 Vgl. Gabrio, Dagmar, 2001, S.10.
30 Gabrio, Dagmar, 2001, S.10.
31 Vgl. Carlowitz, Hans Carl von, Sylvicultura oeconomica. Hausswirthliche Nachricht und 2 2009. naturmässige Anweisung zur wilden Baum-Zucht, Remagen-Oberwinter
32 Vgl. Kohrs, Thomas, Grün, Anselm, Ethisch Geld anlegen, Münsterschwarzach 2008, S.130.
33 Vgl. Meadows, Dennis, Meadows, Donella H., Zahn, Erich, Milling, Peter, Die Grenzen des 14 1987 Wachstums. Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart
34 Bericht der UN-Kommission unter Vorsitz des damaligen norwegischem Ministerpräsidenten Gro Brundtland.
35 Vgl. Brand, Karl-Werner, Jochum, Georg, Der deutsche Diskurs zur nachhaltigen Entwicklung, München 2000, S.21f.
36 Schäfer, Henry, Abschlussbericht zum Projekt ImmoInvest: Grundlagen nachhaltiger Immobilieninvestments, Stuttgart 2008, S.22.
37 Schäfer, Henry, 2009, S.22.; Anpassung C.K.
Ethisches Investment 9
3.1 Welche Ansätze können im Ethischen Investment
unterschieden werden?
Um Kapital nach ethischen Kriterien anlegen zu können, müssen zunächst ethische Kriterien definiert werden. Im Anschluss muss dann ein Weg gefunden werden wie aus den Kriterien ein Anlageuniversum entstehen kann, aus dem der Investor die zu ihm passenden Anlagemöglichkeiten auswählt kann. In der Vergangenheit wurden sechs verschiedene Ansätze entwickelt 38 :
a) Negativkriterien: Bestimmte Unternehmen, Branchen oder Staaten werden vom Investmentuniversum ausgeschlossen, wenn sie gegen die ethischen Ansprüche des Investors sprechen 39 . Beispielsweise können Unternehmen die Produkte wie Alkohol, Tabak oder Rüstung herstellen ausgeschlossen werden, sowie Staaten, welche die Todesstrafe anwenden 40 . Alle Unternehmen, die diese Negativkriterien nicht erfüllen, sind Teil des Anlageuniversums.
b) Positivkriterien: Dieser Ansatz verfolgt die Strategie durch „Filterprozesse ein nachhaltiges Analageuniversum“ 41 zu erstellen, aus welchem dann Investitionen getätigt werden können. Zu dem Ansatz zählen der „Best-in- Class-Ansatz“ 42 , sowiedie Auswahl „thematische[r] Produkte“ 43 . Beim Best-in-Class-Ansatz werden aus allen Branchen jeweils, nach Nachhaltigkeitskriterien, die besten bzw. führendsten Unternehmen ausgewählt was den Vorteil hat, dass keine Branche generell ausgeschlossen wird 44 . Kriterien können dabei sein: „[E]in gut etabliertes Umwelt- und Risikomanagementsystem, Effizienzsteigerungen im Energie-und Ressourcenverbrauch [oder] umfassende Schulungsprogramme für
38 Vgl. Döbeli Sabine, Bilecen Erol, Nachhaltige Geldanlagen - Eine Übersicht für institutionelle Kunden, 2011, http://www.forum-
ng.org/images/stories/nachhaltige_geldanlagen/statusbericht_fng_2010_72dpi.pdf, 13.07.2011, S.8.
39 Vgl. Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.8.
40 Vgl. Schäfer, Henry, 2009, S.23.
41 Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.8.
42 Schäfer, Henry, 2009, S.23.
43 Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.8.; Anpassung C.K.
44 Vgl. Schäfer, Henry, 2009, S.23.
Ethisches Investment 10
Mitarbeitende“ 45 . Der ‚Best-in-Class-Ansatz‘ verfolgt das Ziel, andere Unternehmen in der Branche zu motivieren auch nachhaltig Programme umzusetzen 46 .
Beim Ansatz der thematischen Produkte bildet sich das Anlageuniversum aus Unternehmen, die bestimmte nachhaltige Produkte oder Dienstleitungen anbieten 47 , wie zum Beispiel „erneuerbare Energien, grüne Immobilien und Wasser auf der Umweltseite oder Mikrofinanzierung, Ausbildung und Investitionen in soziale Projekte auf der sozialen Seite“ 48 . c) Integration: Bei diesem Ansatz werden so genannte ‚ESG-Kriterien‘ 49 in die Finanzanalyse integriert. So werden lediglich Anlagemöglichkeiten nach Nachhaltigkeitsaspekten untersucht, welche finanziell attraktiv sind 50 . d) Engagement: Die ersten drei der hier beschrieben Ansätze sind vor einer Investitionsentscheidung anzuwenden. Die Ansätze der
Stimmrechtswahrnehmung und des Engagements können lediglich nach einer positiven Investitionsentscheidung angewendet werden 51 . Beim ‚Engagement‘- Ansatzversucht der Investor durch Gespräche mit dem Management, Einfluss auf die Geschäftspraxis einer Firma zu nehmen, um so das Unternehmen nachhaltiger auszurichten 52 .
e) Stimmrechtswahrnehmung: Investoren können auf Hauptversammlungen ihr Stimmrecht wahrnehmen, um die Unternehmenspolitik in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung zu bewegen 53 .
f) Kombination: In der Praxis werden häufig die verschiedene Ansätze miteinander gekoppelt 54 .
45 Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.8.; Anpassung C.K.
46 Vgl. Schäfer, Henry, 2009, S.23.
47 Vgl. Schäfer, Henry, 2009, S.24.
48 Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.8.
49 ‚ESG‘ steht für „environmental, social, and corporate governance issues“; Vgl. Ulshöfer, Gotlind, Bonnet, Gesine, 2008, S.14.
50 Vgl. Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.9.
51 Vgl. Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.8.
52 Vgl. Deutschen Bischofskonferenz, Mit Geldanlagen die Welt verändern ? Eine Orientierungshilfe zum ethikbezogenen Investment : eine Studie der Sachverständigengruppe "Weltwirtschaft und Sozialethik", Bonn 2010, S.45f.
53 Vgl. Döbeli Sabine, Bilecen Erol, 2011, S.9.
Ethisches Investment 11
Arbeit zitieren:
Christian Kißling, 2011, Ethisches Investment, München, GRIN Verlag GmbH
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