2
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Nordische Brünhild-Figuren 3
2.1 Brynhild in der Snorra Edda 3
2.2 Brynhild in der Völsunga-Saga 5
2.3 Brynhild in der Thidrekssaga 6
3. Vergleich zwischen den nordischen Versionen und der Brünhild im
Nibelungenlied 7
3.1 Erweckung 7
3.2 Werbungsfahrt und Brautnacht 8
3.3 Frauenzank 10
4. Zwei Brünhild-Figuren im Nibelungenlied 11
4.1 Mächtige Herrscherin und Amazone 12
4.2 Wahrung der männlichen Weltordnung 13
4.3 Wechsel der attitude 14
5. Fazit 15
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Thema dieser Arbeit ist die Darstellung und Umsetzung der Brünhild-Figur im Nibelungenlied, was an ihr möglicherweise auf Vorlagen aus der nordischen Sagendichtung beruht und wie diese den Dichter des Nibelungenliedes beeinflusst haben.
Zuerst wird exemplarisch anhand wichtiger Sagenkompilationen skizziert, wie die Brynhild-Figur (so die nordische Schreibweise) in den skandinavischen Quellen dargestellt wird. Dann werden bedeutsame Handlungskomplexe um Brünhild aus diesen Sagen mit dem Nibelungenlied verglichen und aufgezeigt, an welchen Stellen ganz verschiedene Umsetzungen realisiert wurden. Auf dieser Basis folgt eine genauere Betrachtung der Brünhild-Figur im Nibelungenlied mit Schwerpunkt auf der Zwei-Brünhild-Figuren-Theorie. Der zweite, vergleichende Teil ist analytisch möglichst nah am Originaltext des Nibelungenliedes angelegt und orientiert sich besonders an der Sekundärliteratur von Ursula Schulze, der dritte Teil, der die Gestaltung der Brünhild-Figur im Nibelungenlied untersucht, geht unter anderem kritisch mit Gail Newmans Aufsatz „The Two Brunhilds?“ im Vergleich zu Elisabeth Lienerts und Ursula Schulzes Forschungsstandpunkten um.
2. Nordische Brünhild-Figuren
Im Folgenden soll kurz dargestellt werden, wie Brünhild in der Snorra Edda, in der Völsunga-Saga und in der Thidrekssaga dargestellt wird und welche Handlung sich um diese Figur herum ereignet. Alle drei Quellen sind in Skandinavien entstanden.
2.1 Brynhild in der Snorra Edda
Die Snorra Edda ist ein Lehrbuch für Skalden und entstand um 1220 durch den isländischen Dichter und Historiker Snorri Sturluson. 1 Sie stellt eine wichtige
1 vgl. Reichert, Hermann: Die Nibelungensage im mittelalterlichen Skandinavien. In: Heinzle, Joachim, Klaus Klein und Ute Obhof (Hrsg.): Die Nibelungen: Sage - Epos - Mythos. Wiesbaden 2003, S. 43. [im Folgenden zitiert als: Reichert: Nibelungensage im mittelalterlichen Skandinavien]
Quelle der germanischen Mythologie dar, unterliegt allerdings schon 4 christlichen Einflüssen. 2
Der Held Sigurd - ihm entspricht Siegfried im Nibelungenlied - reitet, nachdem er schon andere Abenteuer bestritten hat, zu einem Haus im Gebirge, worin sich eine schlafende Walküre aufgebahrt mit „Helm und Brünne“ befindet, welche ihr Sigurd vom Leib schneidet und woraufhin sie erwacht. Von nun an wird sie Brynhild genannt. 3
Später in der Sage geht Sigurd mit Gunnar (≈Gunther) auf Werbungsfahrt, um um Brynhild zu werben. Diese befindet sich in einer Halle inmitten der Waberlohe (ein Wall aus lodernden Flammen 4 ) und hat geschworen, nur den zu heiraten, „der es wagt[], die Waberlohe zu durchreiten“ 5 . Da Gunnars Pferd davor zurückschreckt die Flammen zu durchreiten, wechseln Gunnar und Sigurd ihre Gestalt und dieser reitet durch die Waberlohe. Daraufhin heiratet Brynhild Sigurd im Glauben, er sei Gunnar, noch am selben Abend. Um ihr aber nicht in der Hochzeitsnacht die Unschuld zu nehmen, legt er sein Schwert in die Mitte des Bettes. Am nächsten Morgen schenkt er ihr einen Ring und nimmt ihr dafür einen anderen vom Finger. „Dann [reitet] Sigurd zu seinen Gefährten zurück“ und wechselt mit Gunnar wieder die Gestalt. 6 Der Frauenzank zwischen Brynhild und Sigurds Ehefrau Gudrun, Gunnars Schwester, wird folgendermaßen in der Snorra Edda dargestellt: Beide Frauen bleichen sich im Flusswasser die Haare. Brynhild möchte weiter flussaufwärts knien, damit sie nicht das Wasser abbekommt, das Gudruns Haare durchronnen hat, und begründet ihr Recht darauf damit, dass sie den mutigeren Gatten habe. Nun positioniert sich Gudrun wiederum weiter flussaufwärts und äußert, dass Sigurd noch tapferer als Gunnar sei, woraufhin Brynhild erwidert, dass Gunnar die Waberlohe durchritten habe. Gudrun offenbart ihr dann, dass das in Wirklichkeit Sigurd war, und hält ihr zum Beweis den Ring vor, den Sigurd Gunnars Frau in der Hochzeitsnacht abgenommen hat. Brynhild veranlasst daraufhin Sigurds Tod.
2 vgl. Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. 3., völlig überarbeitete Aufl. Stuttgart 2006, S. 389f.
3 Reichert: Nibelungensage im mittelalterlichen Skandinavien, S. 45. 4 vgl. Simek, Rudolf: Lexikon der germanischen Mythologie. 3., völlig überarbeitete Aufl. Stuttgart 2006, S. 479f.
5 Reichert: Nibelungensage im mittelalterlichen Skandinavien, S. 45. 6 vgl. ebd. S. 46.
2.2 Brynhild in der Völsunga-Saga
Die Völsunga-Saga entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und kennt wie die Snorra Edda die Erweckungsszene auf dem Berg Hindarfjall: „Auf dem Berg sah er ein großes Licht, wie wenn ein Feuer bränne, zum Himmel leuchten. Aber als er hinkam, stand dort ein Zaun aus Schilden und oben heraus eine Fahne. Sigurd betrat die Umzäunung und sah, dass dort ein Mann lag und in voller Kriegsbewaffnung schlief. Er nahm ihm zuerst den Helm vom Haupt. Da sah er, dass es eine Frau war. Er schnitt ihr mit dem Schwert die wie festgewachsene Brünne vom Leib, da erwachte sie.“ 7
Nach der Erweckung Brynhilds sagt Sigurd zu ihr, dass er sie sich zur Frau wünscht, und sie erwidert „Dich will ich am liebsten haben, und hätte ich unter allen Männern zu wählen“ 8 , woraufhin sich die beiden verloben und dann zusammen eine Tochter, Aslaug, bekommen. „Die Saga handelt ausführlicher als andere Dichtungen von der Begegnung der kriegerischen Schildjungfrau mit Sigurd.“ 9 Im weiteren Handlungsverlauf sind die beiden jedoch meist voneinander getrennt, zwischenzeitlich kommt es allerdings zu einer Begegnung, bei der das Paar das gegenseitige Versprechen erneuert. Gudruns Mutter verabreicht Sigurd einen Vergessenstrank, damit er sein Gelöbnis gegenüber Brynhild vergisst und Gudrun heiratet. Das geschieht auch so und dadurch wird es möglich, dass Gunnar Brynhild heiraten kann, nachdem er die Waberlohe scheinbar durchritten hat. 10 Brynhild ist mit dieser Wendung der Geschehnisse erst nicht zufrieden und klagt „Sigurðr, sá er ek kaus mér til mannz“ 11 („Sigurd, den ich mir zum Mann erkor“), kommt dann aber ihrem Schwur nach und heiratet Gunnar. Sigurd wiederum übt sich als Brynhilds Freier in Gunnars Namen und entwendet ihr den Ring, den er ihr einst zur Verlobung geschenkt hat. Anschließend schenkt er ihn Gudrun, welche ihn Brynhild in der Flussszene vorhält, die ganz ähnlich wie die der Snorra Edda angelegt ist: Die beiden Frauen streiten darum, wer von höherem Rang ist und deshalb sein Haar weiter flussaufwärts baden darf. 12 Die sich durch den
7 Reichert: Nibelungensage im mittelalterlichen Skandinavien, S. 52.
8 ebd., S. 75.
9 Schulze, Ursula: Das Nibelungenlied. Stuttgart 1997. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe 2003, S. 184. [im Folgenden zitiert als: Schulze: Das Nibelungenlied] 10 vgl. Schulze, Ursula: Brünhild - eine domestizierte Amazone. In: Bönnen, Gerold und Werner Dahlheim (Hrsg.): Sagen- und Märchenmotive im Nibelungenlied. Dokumentation des dritten Symposiums von Stadt Worms und Nibelungenlied-Gesellschaft Worms e. V. vom 21. bis 23. September 2001. Worms 2002. Neuauflage 2006, S. 124f. [im Folgenden zitiert als: Schulze: Eine domestizierte Amazone]
11 Reichert: Nibelungensage im mittelalterlichen Skandinavien, S. 77. 12 vgl. Schulze: Eine domestizierte Amazone, S. 52f.
Arbeit zitieren:
Sören Benjamin Sobbe, 2008, Brünhild im Vergleich mit ihren nordischen Versionen und ihre Darstellung im Nibelungenlied, München, GRIN Verlag GmbH
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