Tankred Dorst: Toller
Michael Kaiser
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Ernst Toller und die Revolution in München 3
2.1. Die Vorgeschichte des Umsturzes 3
2.2. Toller und der Umsturz in München 5
3. Tankred Dorst und das Drama Toller 7
3.1. Entstehungsgeschichte 7
3.2. Aufbau und Form des Stückes 8
3.3. Die Szenen und ihr historischer Hintergrund 9
4. Rezeption und Gegenwartsbezug 11
5. Zusammenfassung 13
Literaturnachweis 14
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt Tankred Dorsts Drama Toller. Das Ziel ist es, die historischen Umstände und Ereignisse der bayrischen Revolution im April 1919 mit den geschilderten Begebenheiten in Dorsts Stück aufzuzeigen. Hierzu werden im ersten Teil die geschichtlichen Ereignisse, welche zum Umsturz in München führten, und die Rolle des Schriftstellers Ernst Tollers darin dargelegt. Der zweite Teil widmet sich der Entstehungsgeschichte und dem formalen Aufbau von Tankred Dorsts dokumentarischem Drama, sowie dem Vergleich seines Stückes mit den realen Geschehnissen. Abschließend soll untersucht werden, welchen dokumentarischen Charakter das Stück besitzt. Hierzu muss auch die Frage aufgeworfen werden, weshalb Dorst in der Mitte der Sechziger Jahre ein Theaterstück über die Räterepublik in München schrieb, welchen Gegenwartsbezug es beinhaltete und welche Brisanz es damals repräsentierte.
2. Ernst Toller und die Revolution
2.1. Die Vorgeschichte des Umsturzes
Die Einsicht, daß der Krieg nicht mehr zu gewinnen war, und die sich zuspitzende Lage in Deutschland führten im Winter 1916/1917 zur Verdrossenheit in breiten Schichten der Bevölkerung gegenüber der aktuellen Regierung. Innerhalb der politischen Opposition sah man in ihr zunehmend die Verkörperung einer gesellschaftlichen Ordnung, die ihre Existenzberechtigung verloren hatte. Das Königreich Bayern bildete keine Ausnahme, obwohl hier die meist konservative Landbevölkerung (1907: 51 Prozent) größer war als im Reichsdurchschnitt (34 Prozent)1. Die Spannung entlud sich Ende Januar 1918 in München in einem Streik der Metallarbeiter. Dabei zeigte sich, daß die Sozialdemokratische Partei viel Sympathie unter der Arbeiterschaft verloren hatte. Die Stimmung neigte der im April 1917 gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei zu, die radikalere Programme vertrat. Ihr bester Kopf in München war der Schriftsteller und Journalist Kurt Eisner. Die bayrische Regierung versuchte im Herbst, entstandene Unruhe durch Zugeständnisse aufzufangen. Eisner wurde entlassen, und am 02. November verkündete König Ludwig III., künftig seien die Minister dem Landtag verantwortlich. Dieser Ansatz zur Demokratisierung des politischen Lebens kam jedoch zu spät: Am 08. November 1918 war Bayern aufgrund von zahlreichen Aufständen Republik. Als neue Repräsentanz wirkte der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat unter dem Vorsitz Eisners, der bald auch Ministerpräsident einer neu gebildeten Regierung wurde, in welcher vier SPD-, zwei USPD-Mitglieder und ein Parteiloser vertreten waren. Beamte und Angestellte der bayerischen Verwaltung stellten sich der neuen Regierung auf deren ausdrückliches Ersuchen zur Verfügung. Die USPD, erhielt in der Wahl 1919 jedoch nur drei von 180 Mandaten, die SPD 61, die Bayerische Volkspartei 66.2
Die Kommunisten hatten zudem zum Boykott der Wahl aufgerufen. Von fast allen Parteien wurde geschlossen Eisners Rücktritt gefordert. Am 21. Februar 1919 wurde dieser vom Grafen Arco-Valley ermordet, woraufhin die Revolution in Bayern unumgänglich, und der Nationalversammlung in Weimar der revidierte Verfassungsentwurf vorgelegt wurde. In der Nacht vom 06. zum 07. April 1919 wurde die Räterepublik durch den Revolutionären Zentralrat ausgerufen, der eine Diktatur des Proletariats proklamierte. Man dekretierte die Auflösung des Landtages und der Bürokratie, die Sozialisierung von Wirtschaft und Presse, die revolutionäre Umgestaltung des Gerichts- und Bildungswesen, man verkündete eine allgemeine Arbeitspflicht und die Aufstellung einer Roten Armee. Die neue Regierung, die beinahe ausschließlich aus politischen Laien bestand, überschritt hierbei bisweilen die Grenze zum Grotesken: So erwies sich beispielsweise der für die Außenpolitik verantwortliche Franz Lipp nach einigen Tagen Amtszeit als unzurechnungsfähige Person.
2 Dorst, Tankred & Neubauer, Helmut (Hg.): Die Münchner Räterepublik. S.173
2.2. Toller und der Umsturz in München
[...]
1 Dorst, Tankred & Neubauer, Helmut (Hg.): Die Münchner Räterepublik. 1966. Frankfurt am Main. Suhrkamp. S.172
Arbeit zitieren:
Michael Kaiser, 2000, Tankred Dorst: Toller, München, GRIN Verlag GmbH
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