Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 4
1. Biographie 6
2. Untersuchung durch die Glaubenskongregation 8
3. Analyse des Buches in Auszügen 10
3.1. Einleitung 10
3.2. Methodenfrage 13
3.3. historisches Fundament 14
3.4. systematischer Entwurf 19
4. Schlussbemerkungen 24
5. Literaturverzeichnis 27
2
0. Einleitung
Die „Theologie der Religionen“ ist eines der gegenwärtig wichtigsten und brisantesten Themengebiete der Theologie.
Infolge eines positiv gewendeten Verhältnisses zu den anderen religiösen Traditionen, muss die christliche Theologie und die Identität von Christentum und Kirche neu dargestellt und im interreligiösen Dialog vertreten werden. Das Zweite. Vatikanum hat in den Konzilsdokumenten - vor allem in Nostra Aetate - in dieser Verhältnisbestimmung eine grundlegende Neuorientierung vorgenommen und die Verwerfung anderer Religionen aufgegeben. Mit dem Schritt hin zur Anerkennung von Elementen des Wah- 1 istder Kirche und erst recht der Theologie eine neue Aufgabe zuge-
ren und Guten
wachsen, die seit etwas mehr als zwanzig Jahren immer mehr zu einem der am lebendigsten diskutierten Fragenkomplexe der Theologie avanciert. Errichtungen von Universitätsschwerpunkten, wie dem Salzburger „Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen“, zollen dieser Notwendigkeit des Dialogs mit anderen religiösen Traditionen Tribut und setzen in der theologischen Hochschulwelt ein Zeichen für die Brisanz und Aktualität der Fragestellungen.
Im Verlauf der religionstheologischen Debatte in den Jahren nach dem Konzil, hatte sich die Diskussion leider schnell auf einige stereotype Argumentationen reduziert. Zusammenfassend möchte ich hier anmerken, dass eine umfassende Durchdringung der entstandenen Debatte durch einen umfassenden religionstheologischen Entwurf oder ein Weg in Richtung eines breiten Konsenses bis heute auf sich warten lässt. Von allen Diskussionsparteien akzeptierte Standardwerke, allgemein anerkannte Einführungsschriften in die Theologie der Religionen fehlen und sind nicht in Sicht. Einige Autorinnen und Autoren sehen es als tragisch an, dass diese Debatte schon in ihrem Aufkeimen gleich wieder verebbt. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehenwie auch in der Rezeption des von mir bearbeiteten Werkes - besorgte Fragen nach der
1 Vgl. Die Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra aetate“ (2,2), in: Rahner, Karl/ Vorgrimler, Herbert, Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Tex-
te des Zweiten Vatikanischen Konzils, Freiburg i. Br. 35 2008, 356.
4
Rechtgläubigkeit, die an der Unterscheidung von Inklusivismus oder Pluralismus entschieden werden.
„Dementsprechend akrobatisch muten manche semantische Kreationen an, um
gerade noch auf der Seite der Schafe und nicht der Böcke zu liegen zu kommen“ 2 kommentiert ULRICH WINKLER in der Einleitung zu einem Schwerpunktheft der Salzburger Theologischen Zeitschrift.
Die Arbeiten des 2004 verstorbenen Jesuiten JACQUES DUPUIS werden bis auf wenige Ausnahmen in der deutschsprachigen Religionstheologie praktisch ignoriert. Er zählt zu den weltweit bedeutendsten katholischen Religionstheologen. Seine Hauptwerke wurden in die wichtigsten Sprachen übersetzt. Deutsche Übersetzungen suchte man
aber lange Zeit vergeblich. 3
Im Frühjahr des letzten Jahres wurde sein bereits 1997 in Italien publiziertes religionstheologisches Hauptwerk „VERSO UNA TEOLOGIA CRISTIANA DEL PLURALISMO 4 von Ulrich Winkler im Rahmen der Reihe „SALZBURGER THEOLOGISCHE
RELIGIOSO“
5 erstmals in einer deutschen Übersetzung herausgegeben.
STUDIEN INTERKULTURELL“
Im Folgenden möchte ich versuchen, die zentrale Fragestellung zu formulieren, auf die Dupuis mit seinem Werk versucht eine Antwort zu finden. Sodann versuche ich, in einem Streifzug Dupuis‘ Suche nach einer Antwort auf eben diese Frage nachzugehen und den „roten Faden“ seiner Argumentation freizulegen. Vor diesen eher systematisch arbeitenden Teil möchte ich zuerst einige einleitende biographische Bemerkungen zu Jacques Dupuis und eine kurze Beleuchtung der Auseinandersetzung mit der römischen Glaubenskongregation nach der Veröffentlichung seines Buches stellen. Hiermit möchte ich einen Hintergrund schaffen, vor welchem die Intention und die Genese des religionstheologischen Entwurfs Dupuis‘ klar hervortreten soll und dadurch gleichzeitig besser in einen größeren Kontext eingeordnet werden kann.
2 Winkler, Ulrich, Jacques Dupuis’ Vermächtnis einer katholischen Religionstheologie. Editorial, SaThZ 10 (2006) 1.
3 Vgl. ebd. 2. 4 Dupuis, Jacques, Verso una Teologia Cristiana del Pluralismo Religioso, Brescia 1997. 5 Dupuis, Jacques, Unterwegs zu einer christlichen Theologie des religiösen Pluralismus, Innsbruck 2010.
5
1. Biographie
Jacques Dupuis wurde am 5. Dezember 1923 in Huppaye/Belgien in eine Ingenieursfamilie geboren. Sein Vater war Ingenieur, genauso wie seine beiden Brüder. Auch seine einzige Schwester heiratete einen Ingenieur. Dieser Hintergrund mag vielleicht seine rationale, systematische Geisteshaltung erklären. Im Alter von 17 Jahren trat Dupuis in die Gesellschaft Jesu ein. Nach sieben Jahren der Ausbildung in Belgien meldete er sich 1949 freiwillig für die Mission in Kalkutta. Sein Doktoratsstudium schloss er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom mit einer Arbeit über Origenes ab. Er lehrte 36 Jahre am St. Mary’s College in Kurseong/Indien, bevor er 1984 nach Rom an die Gregoriana berufen wurde. 1998 zog er sich von der Lehrtätigkeit zurück in den Ruhestand. Er starb nach einem Schlaganfall am 28. Dezember 2004. Dupuis eilte der Ruf voraus, ein guter Lehrer, ein hart arbeitender Wissenschaftler und ein produktiver Schreiber zu sein. Im Umgang mit seinem Umfeld war sein Auftreten geprägt von Verschwiegenheit. Er lebte zurückgezogen und hatte keine Zeit für belanglose Gespräche. Theologische Forschung, Reflexion und Schreiben waren für ihn ein Fulltimejob.
Er wurde international berühmt mit dem Buch „Verso una Teologia Cristiana del Pluralismo Religioso“, besonders als es 1998 zur kritischen Überprüfung durch die Glaubenskongregation herangezogen wurde.
Dupuis‘ Theologie war gekennzeichnet von einer großen Offenheit, die sich in der Fähigkeit manifestierte, sich immer wieder zu verändern. Seine vielen Jahre auf dem indischen Subkontinent und der dortige Kontakt mit anderen religiösen Traditionen - im Speziellen mit dem Hinduismus - weiteten seinen Blick und sind einer der Hauptgründe für seine Offenheit.
Für die Weltkirche bedeutend wurde Dupuis dadurch, dass er ihr eine bibeltheologisch und patristisch fundierte, systematisch durchdeklinierte Einleitung in das - in weiten Teilen noch brach liegende - Feld der Theologie der Religionen gegeben hat. Weil er dies aber an der Gregoriana - sozusagen im Herzen der Kirche - tat und in den wichtigsten europäischen Sprachen publizierte, wurde er für viele der Kirchenoberen zu 6
einem Objekt des Widerspruchs.
6 Vgl. Amaladoss, Michael, Jacques Dupuis SJ (5.12.1923 - 28.12.2004), SaThZ 10 (2006) 9-11.
6
2. Untersuchung durch die Glaubenskongregation
Am 21. November 1998 wurde durch die englische Zeitung „THE TABLET“ die Beschäftigung der Glaubenskongregation mit dem von Dupuis 1997 veröffentlichtem Werk publik.
Nach einem langen Verfahren wurde in etwa zeitgleich zur Publikation der Erklärung DOMINUS IESUS, die sich gegen nicht namentlich genannte „relativistische Theo- 7 wendet,durch die römische Kongregation für die Glaubenslehre, die vorliegende
rien“
(dritte) Version der „NOTIFIKATION BEZÜGLICH DES BUCHES VON JACQUES DUPUIS ‚UNTERWEGS ZU EINER CHRISTLICHEN THEOLOGIE DES RELIGIÖSEN PLURALISMUS‘“ veröffentlicht. In ihr spricht die Glaubenskongregation, vertreten durch KARDINAL JOSEPH RATZINGER als Präfekt und KARDINAL TARCISIO BERTONE als Sekretär, davon, dass das Buch „schwerwiegende Zweideutigkeiten und Schwierigkeiten aufweist, die den Leser
zu irrigen und gefährlichen Meinungen verleiten können.“ 8 Zuvor wies man darauf hin, dass in dem langen Prozess der Untersuchung und der Auseinandersetzung mit dem Autor, „dessen Bemühen anerkannt [wurde], bei der Behandlung von bisher unerforsch-
ten Problemkreisen innerhalb der Grenzen der Rechtgläubigkeit bleiben zu wollen.“ 9 Als Intention der Notifikation gibt die Glaubenskongregation an, sie beabsichtige nicht ein Urteil über das subjektive Denken des Autors zu fällen, vielmehr will sie die Lehre der Kirche in Bezug auf einige Aspekte der genannten lehrmäßigen Wahrheiten darlegen und gleichzeitig irrige oder gefährliche Meinungen zurückweisen, zu denen der Leser, unabhängig von den Absichten des Autors, auf Grund zweideutiger Formulierungen oder unzureichender Erklärungen an verschiedenen Stellen des Buches gelangen kann. Auf diese Weise erhält der katholische Leser ein sicheres, mit der Lehre der Kirche übereinstimmendes Beurteilungskriterium um zu vermeiden, dass die Lektüre des Buches zu scherwiegenden Missverständnissen und Zweideutigkeiten führt. 10
Es ist ein Verdienst seiner Gelehrsamkeit und seiner von ihm selbst immer wieder betonten Treue zur Lehre der katholischen Kirche, dass die Glaubenskongregation trotz des lang andauernden Verfahrens schlussendlich nicht in der Lage war, ihn zu verurtei-
7 Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.) / Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung DOMINUS IESUS über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche. Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche (Verlautbarungen
des Apostolischen Stuhls Nr. 148), Bonn 4 2007, 9.
8 J., Dupuis, Pluralismus, 589.
9 Ebd.
10 Ebd., 590.
7
Arbeit zitieren:
Andreas Erhard Graßmann, 2011, Jacques Dupuis‘ religionstheologischer Entwurf in seiner Veröffentlichung "Unterwegs zu einer christlichen Theologie des religiösen Pluralismus", München, GRIN Verlag GmbH
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