Cross-Cultural Skills and Abilities 2
Fertigkeiten aus, die mit Erfolg im Ausland zusammenhängen sollten. Coping and Adjustment Models beschäftigten sich vor allem mit der Anpassungsfähigkeit an eine neue Kultur und dem Umgang mit Stress im dortigen Arbeitsleben, wobei sie Situationsaspekte miteinbezogen. Developmental and Learning Models basierten auf der Idee der sozialen Lerntheorie (Bandura, 1977). Sie gehen davon aus, dass interkulturelle Fertigkeiten erst im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen erworben werden können. Allerdings ging man davon aus, dass bestimmte Charakteristika nötig sind, um diese Fertigkeiten erwerben zu können. Es stellt sich also die Frage, ob interkulturelle Fähigkeiten durch Lernerfahrung erworben werden oder eher Teil der Persönlichkeit sind. Versuch einer Typologie der cross-cultural Skills and Abilities nach Thomas & Fitzsimmons (2008)
Nach über 40 Jahren Forschung herrscht noch immer kein Konsens, was die Kategorisierung von interkulturellen Fähigkeiten angeht. Die meisten Modelle gehen jedoch von drei bis fünf Faktoren aus. Nach eingehender Analyse der vorhandenen Forschung teilen Thomas & Fitzsimmons (2008) interkulturelle Fähigkeiten und Fertigkeiten grob in vier Kategorien ein: Information Skills, Interpersonal Skills, Action Skills und Analytic Skills. Information Skills
Information Skills betreffen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es uns ermöglichen, kulturelle Unterschiede wahrzunehmen und zu würdigen.
Die Kategorie umfasst beispielsweise Aufgeschlossenheit (openmindedness), die in Zusammenhang mit Interaktion mit Locals steht (Tucker, Bonial & Lahti, 2004). Des Weiteren konnte sich zeigen, dass Studenten, die vorhaben, ins Ausland zu gehen, signifikant aufgeschlossener sind als Studenten ohne Auslandspläne (Van der Zee & Van Oudenhoven, 2001).
Ein weiterer Aspekt ist die Ambiguitätstoleranz, die Fähigkeit, Unsicherheit zu ertragen. Diese Fähigkeit ist rein intuitiv höchst relevant, da das Leben und Arbeiten in einer unbekannten Kultur eine Fülle an unsicheren Situationen mit sich bringt. Die Forschung konnte einen Zusammenhang mit Interesse an interkulturellen Aktivitäten (Tucker et al., 2004), wahrgenommener eigener Tauglichkeit für den Job im Ausland (Van der Zee & Brinkmann, 2004) und Interaktion mit Locals (Tucker et al., 2004) zeigen. Der wohl wichtigste Aspekt der Kategorie Information Skills ist die kulturelle Empathie oder auch Sensibilität. Hierbei geht es um die Fähigkeit, kulturelle Unterschiede zu verstehen und zu schätzen, „being alert and sensitive to the needs, orientations, values and aspirations of other persons“ 1 (Ruben, 1977).
1 Ruben (1977), zitiert in Thomas & Fitzsimmons (2008), S. 210
Cross-Cultural Skills and Abilities 3
Ein Negativbeispiel wäre die Missachtung kultureller Besonderheiten im Urlaub.
Häufig kommt es vor, dass sich Touristen kaum mit den Gepflogenheiten ihres
Urlaubslandes auseinander setzen. So ist beispielsweise das Oben-Ohne-
Sonnenbaden an öffentlich zugänglichen Stränden in streng muslimischen Ländern
verpönt und wird von Einheimischen als Affront wahrgenommen.
Kulturelle Sensibilität steht im Zusammenhang mit Anpassung und Effektivität (Nishida, 1985), Zufriedenheit (Cui & Awa, 1992) sowie interkultureller Kommunikation und Beziehungen (Bush, Rose, Gibert & Ingram, 2001). Eine Metaanalyse von Mol et al. (2005) konnte darüber hinaus einen signifikanten Zusammenhang in Höhe von r = .29 mit Arbeitsleistung zeigen. Kulturelle Empathie scheint einer der stärksten Prädiktoren erfolgreicher interkultureller Interaktionen zu sein. Interpersonal Skills
Im Cluster der interpersonellen Fähigkeiten geht es vor allem um Kommunikation, um die Fähigkeit, mit Menschen anderer Kulturen zu interagieren. Kommunikation ist der einfachste Weg, Wissen über eine fremde Kultur zu erlangen; Wissen führt wiederum zu einer gelungenen Anpassung. Des Weiteren führt Interaktion mit anderen Menschen zu einer größeren Zufriedenheit, da der Mensch als soziales Wesen zwischenmenschliche Beziehungen braucht.
Generell geht es in dieser Kategorie vor allem um Kommunikationsfähigkeit. Ein wichtiger Aspekt sind hierbei Sprachkenntnisse. Metaanalysen konnten zeigen, dass ein positiver Zusammenhang zwischen Sprachkenntnissen und Anpassung (z.B. Hechanova, Beehr & Christiansen, 1993), sowie Job Performance (Mol et al., 2005) besteht. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass es sich hierbei nicht um einen linearen Zusammenhang handelt; Grundkenntnisse einer Sprache sind ein großer Vorteil, dann allerdings schaffen erst sehr gute Kenntnisse einen erneuten Mehrwert in Bezug auf Anpassung und Job Performance. Weitere Aspekte dieser Kategorie sind soziale Flexibilität und Geselligkeit, wobei es sich hierbei eher um Facetten der Persönlichkeit als um Fähigkeiten handelt. Sie stehen ebenfalls im Zusammenhang mit Anpassung (z.B. Parker & McEvoy, 1993).
Insgesamt lässt sich sagen, dass Fähigkeiten der Kategorie Interpersonal Skills einen großen Einfluss auf den Erfolg eines interkulturellen Managers haben. Alle Kriterien des Erfolgs werden direkt von diesen Fähigkeiten beeinflusst: Anpassung und Zufriedenheit, interkulturelle Beziehungen und schließlich Job Performance. Des Weiteren konnten die Zusammenhänge in Metaanalysen gesichert werden. Action Skills
In dieser Kategorie geht es um die Handlungskomponente, um die Fähigkeit, in ungewohnten kulturellen Kontexten, passende Verhaltensweisen auszuwählen.
Cross-Cultural Skills and Abilities 4
Beispiel hierfür wäre eine Essenseinladung in einem muslimischen Land. Dabei ist
es von entscheidender Bedeutung, auf eine angemessene Kleiderwahl zu achten:
Knie und Schulter müssen bedeckt sein. Des Weiteren wird mit den Händen
gegessen, wobei man die linke („schmutzige“) Hand nicht benutzen darf.
Eine Fähigkeit dieser Kategorie ist die Handlungsflexibilität; die Fähigkeit, gewohnte Handlungen durch neue, zum kulturellen Kontext passende Handlungen zu ersetzen. Handlungsflexibilität steht im Zusammenhang mit Anpassung und Arbeitsleistung (Shaffer, Harrison, Gregersen, Black & Ferzandi, 2006).
Eng damit zusammen hängt das Konstrukt der Social Adaptability. Darunter versteht man die Fähigkeit, die Verhaltensweisen anderer zu übernehmen, was - schon rein intuitiv - zu Anpassung, sowie zu erhöhter Zufriedenheit und positiven Interaktionen führt (Tucker et al., 2004). Allerdings scheint auch dieser Zusammenhang nicht linear zu sein. So wird beispielsweise die Übernahme des Kommunikationsstils des Interaktionspartners bis zu einem gewissen Grad als positiv wahrgenommen, da Ähnlichkeit vorgetäuscht wird. Ein zu hoher Grad an Anpassung wird jedoch eher negativ wahrgenommen (Giles & Smith, 1979). Schließlich umfasst die Kategorie Action Skills die Selbststeuerung oder self-monitoring, „the extents to which [people] can and do observe and control their expressive behavior and self - presentation“ 2 .In der Forschung zeigten sich hierbei eher unklare Befunde, was den Zusammenhang mit Cultural Effectiveness betrifft. Es konnte jedoch eine positive Korrelation mit interkulturellem Verständnis festgestellt werden (Kealey, 1989). Abschließend lässt sich anmerken, dass die Fähigkeit, zum kulturellen Kontext passende Verhaltensweisen auszuwählen, stark davon abhängt, ob man diese passenden Verhaltensweisen erkennt. Dies ist wiederum abhängig von kultureller Empathie. Analytic Skills
Die letzte Kategorie, die analytischen Fähigkeiten, hängt eng mit den Information Skills zusammen. Während die Information Skills jedoch die Wahrnehmung der kulturellen Unterschiede betonen, geht es bei den Analytic Skills um die akkurate kognitive Verarbeitung der Erlebnisse und um das Nutzen dieser Erfahrungen.
Diese Kategorie umfasst unter anderem Attributional Complexity, die Fähigkeit, Gründe für bestimmtes Verhalten in komplexen, ungewohnten Situationen genau zu identifizieren und zum Beispiel auch Situationsaspekte in Betracht zu ziehen. Dies führt zu besseren interkulturelle Beziehungen (Bush et al., 2001) und weniger Identitätskonflikt (Leong & Ward, 2000).
Ein weiterer Aspekt ist die Aufmerksamkeit oder mindfulness, wobei es in diesem Kontext um Aufmerksamkeit für aktuelle Erlebnisse in der ungewohnten Kultur geht. Die Vorstellung
2 Snyder & Gangestad (1986), zitiert in Thomas & Fitzsimmons (2008), S 213
Arbeit zitieren:
Veronika Hagenauer, 2009, Interkulturelle Kompetenzen als Führungskraft, München, GRIN Verlag GmbH
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