1 Einleitung
Die Schellingsche Philosophie der Weltalter thematisiert und problematisiert die philosophisch-theologische Zeitauassung auf eine grundsätzliche Art und Weise. Eine Würdigung dieser gran-
2
diosen Spekulation über das Wesen der Zeit bezieht sich dementsprechend hauptsächlich auf den Kerngedanken, denn der "wahre Gedanke eines Philosophen ist eben sein Grundgedanke, der, von dem er ausgeht." 1 Nach Schellings Ansicht wurde das mysteriöse Zeitproblem nicht tiefgründig genug erörtert. Er schrieb: "Kein Begri liegt seit langer Zeit in solcher Geringschätzung wie der der Zeit. Ohne Feststellung dieses Begris wird sich aber nie eine verständliche Entwicklung der Wissenschaft denken lassen, u. es liegt der Grund des allgemeinen Miÿverstehens aber in nichts anderem als in den ungewissen schwankenden oder völlig irrigen Begrien von der Zeit. Auch die Wissenschaft kann die freye Bewegung nicht wieder nden, ehe die Pulse der Zeit wieder lebendig schlagen." 2 Seine Kritik betraf die Oberächlichkeit und Künstlichkeit des weit verbreiteten, mechanistischen Zeitbegris, der für philosophische Spekulationen gänzlich unbrauchbar ist. Mit Blick auf Kant bemerkte er spöttisch: "Der jetzt herrschende Begri kennt überhaupt keine Zeiten, sondern nur ein Abstractum von Zeit, eine gewisse allgemeine Zeit, die er für die Zeit schlechthin hält, von der es dann ganz richtig ist zu sagen, daÿ sie eine bloÿe Form unsres Bewuÿtseyns ist, ja richtiger wäre zu sagen, daÿ sie nichts ist als eine leere selbstgemachte Form." 3 Wird die Zeit aufgefasst als eine substanzlose Äuÿerlichkeit, so bleibt sie ein philosophisch unergiebiges Konstrukt, mit dem der Gedankenug nicht in die Tiefe gelangt. Doch welches Mysterium birgt die Zeit? Zwei Aspekte wollen wir herausgreifen. Da ist zunächst das Unbehagen zu nennen, welches der immer währende Wechsel von Entstehen und Vergehen, von Leben und Tod beim Menschen hervorruft. Es steigert sich
F.W.J. Schelling, Sämtliche Werke, Hg. K.F.A. Schelling, Cotta, Stuttgart,
1856-1861, II.3, 60.
F.W.J. Schelling, Die Weltalter, Fragmente, Hg. W. Schröter, Biederstein 2
und Leibniz Verlag, München, 1946, [WA], 224. Ebd. 224. 3
3
bis zur Unerträglichkeit, wenn vertraute und geliebte Menschen aus dem Leben gerissen werden. Dabei ist die Absurdität von Aufbau und Niedergang alltäglich. Schelling war sich dieser Zerrissenheit voll bewusst. Er schrieb: "Ein Widerstrebendes dringt sich überall auf; jedermann fühlt dieses Andere, das so zu sagen nicht seyn sollte und doch ist, ja seyn muÿ; dieses Nein, das sich dem Ja, dieÿ Vernsternde, das sich dem Licht, dieÿ Krumme, das sich dem Geraden, dieÿ Linke, das sich dem Rechten entgegenstellt, und wie man sonst diesen ewigen Gegensatz in Bildern auszudrücken gesucht hat; aber nicht leicht ist einer im Stande, es auszusprechen oder gar es wissenschaftlich zu begreifen." 4 Indem sich Schelling auch diesen existentiellen Fragen zuwendet, gewinnt seine Weltalterphilosophie eine religiöse Dimension, die sich in der Transzendenz manifestiert und die das Unbehagen benennt, welches Volkelt mit folgenden Sätzen beschrieb: "Dieses von zufälligen Tatsachen beherrschte, schlechtweg unganze Leben kann unmöglich für mich das wahre Leben sein! Ich könnte daher mit begriich zugeschärftem Ausdruck sagen: im Namen der Ganzheit fordere ich in instinktiver Gewiÿheit, daÿ es für mein Ich ein Hinaus über das irdische Leben geben müsse, da nur auf diese Weise mein Ich zur Ganzheit kommt." 5 Ein weiterer Punkt betrit die Unhaltbarkeit der mechanistischen Vorstellung von der Anfangslosigkeit der Zeit. Seine Kritik der damit involvierten "schlechten Unendlichkeit" hat den Wortlaut: "Ein Ursprung oder Anfang der Zeit ... ist nach jeder mechanischen Ansicht unbegreiich. Wenn, wie insgesamt angenommen wird, die Zeit nur Eine Richtung hat: so müÿte ihr widersprechender Weise verstattet seyn, vor sich selbst herzugehen und gleichsam vorauszuschieÿen, aber ohne noch Zeit zu seyn;
J. Volkelt, Phänomenologie und Metaphysik der Zeit, Beck'sche Verlags- 5
buchhandlung, München, 1925, 193.
4
jenes, weil jede werdende Zeit eine gewesene schon voraussetzt, ... so muÿ der Anfang, der wirklich Anfang ist, den Ablauf derselben nicht erst zu erwarten haben, sondern sie muÿ gleich anfangs vergangen seyn. Ein Anfang der Zeit ist also undenkbar, wenn nicht gleich eine ganze Masse als Vergangenheit, eine andre als Zukunft gesetzt wird; denn nur in diesem polarischen Aus- 6 Damitist
einanderhalten entsteht jeden Augenblick die Zeit." bereits der Kerngedanke der Weltalterphilosophie angesprochen: Die Zeit ist als eine in sich geschlossene Gesamtheit zu begreifen, als eine transzendentale Einheit von drei "Zeiten", nämlich der vorweltlichen Vergangenheit, der Gegenwart und der nachweltlichen Zukunft. In diesem kühnen Ansatz zur Lösung des Zeitproblems geht es Schelling nicht darum, die Aneinanderreihung der jeweils gegenwärtigen Erscheinungen zu bedenken, sondern den Ursprung und Sinn von Zeit. Dabei sind die drei Zeitformen in einer organischen Einheit integriert. Dieser geniale Gedanke Schellings bedeutet, dass die Zeit nicht nur mehrgliedrig ist bzw. eine ganze Masse umfasst, sondern ein hochgradig organisiertes, einheitliches Gebilde darstellt, das mit Fug und Recht mit einem lebenden Organismus verglichen wird. Im Gegensatz zum äuÿerlichen Zeituss der klassischen Physik kann das organische Gesamtgeschehen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einen Ursprung haben. Er liegt allerdings im Zeitlosen. Durch die Verlegung der Quelle der Zeit in die Sphäre des Absoluten ist das Rätsel der Zeit nach Schelling allerdings immer noch nicht lösbar, da es keinen stetigen Übergang vom Absoluten, Unendlichen zum Besonderen, Endlichen geben kann. Darüber lieÿ Schelling keinen Zweifel aufkommen. Daher bleibt eine Erklärungslücke, da der notwendige Sprung oder Sündenfall "nicht erklärt werden [kann], denn er ist absolut und kommt aus Absolutheit, obgleich seine Folge und das notwendige Verhängnis, das er mit sich führt,
5
die Nicht-Absolutheit ist." 7 Um die Klärung dieser Schwachstelle, die das Verhältnis zwischen Endlichem und Unendlichem zum Gegenstand hat, bemühte sich Schelling in seinem gesamten philosophischen Werk.
Ein weiterer Punkt, der bei der Beurteilung der Weltalterphilosophie zu beachten ist, betrit die fundamentale Wertschätzung der menschlichen Seele, ohne die, nach Schellings Verständnis und nach der gesamten metaphysischen Tradition, die Wirklichkeit nicht zu verstehen ist. In dieses Umfeld ist der Kerngedanke der Weltalterphilosophie eingebettet, so dass Schelling nicht von Urkräften spricht, sondern von Urwillen und nicht Wechselwirkungen vor sich sieht, sondern Urformen eines Dialogs. Der Grundgedanke der Schellingschen Lehre von der Zeit besagt, dass die Zeit in der ewigen Gegenwart wurzelt und als ein einheitliches, organisches Geschehen dreier Weltalter aus dem Zeitlosen entstammt. Diese Idee ist sehr ergiebig, da sie einerseits interessante philosophische und theologische Implikationen hat und andererseits den Zeitbegri der modernen Naturwissenschaften tangiert. Die vorliegende Neubewertung der Weltalterphilosophie knüpft an beide Berührungspunkte an.
2 Die Zeit im Spiegel der Weltalter
Die Philosophie der Weltalter behandelt die Frage, wie das schicksalhafte Werden in die Welt kommen konnte. Gleich zu Beginn der Darstellung droht allerdings ein verhängnisvoller Zirkelschluss, wenn nämlich das Werden der Zeit als ein Ereignis in der Zeit aufgefasst wird. Eine Entwicklung der Gedanken auf dieser Grundlage kann nicht überzeugen. Trotzdem vermieden weder Schelling, noch die Autoren der mir bekannten Sekundärliteratur, konsequent diesen Irrweg. Vielmehr werden Bilder und Metaphern be-
F.W.J.Schelling, Schriften 1804-1812, Union Verlag, Berlin, 1982, 66. 7
6
nutzt, die ein Geschehen voller Dynamik und Dramatik schildern, also das Werden des Werdens als einen zeitlich fortlaufenden Prozess darstellen. Schelling selbst war sich dieser Laxheit durchaus bewusst, denn er schrieb: "Ich habe gewagt, die Gedanken, welche sich mir über das Organische der Zeit und der drey groÿen Abmessungen derselben, die wir als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterscheiden, durch oft wiederholte Betrachtung gebildet haben, schriftlich aufzuzeichnen; doch nicht in strengwissenschaftlicher, nur in leicht mittheilender Form, damit sie die Unvollständigkeit ihrer Ausbildung selbst anzuerkennen scheinen ..." 8 Allerdings muss zugestanden werden, dass die Darstellungsschwierigkeiten der Weltalterphilosophie erheblich sind, zumal gemäÿ ihres Grundanliegens die Existenz des Menschen wesentlich ist. Von der Hochachtung des Menschen wollte Schelling unter keinen Umständen ablassen, denn "je menschlicher wir alles nehmen, desto mehr können wir hoen, uns der wirklichen Geschichte zu nähern." 9 Die Schwierigkeit betrit also die Auswahl einer passenden Illustration der Schellingschen Grundgedanken, die eine Dynamik ausdrückt, die gar keine ist, ja keine sein darf, weil der Urgrund der Zeit im Absoluten ruht. Auf die prinzipielle Denkbarkeit einer zeitlosen Dynamik wird weiter unten eingegangen.
Als eine allererste Annäherung zur Lösung des Darstellungsproblems, bei der die genannte Inkonsequenz vermieden wird, schlagen wir ein stark vereinfachtes Bild vor, durch das leider nur wenige Gedanken Schellings illustriert werden können. Dazu denke man sich eine riesige, unbewegliche Urblase, die wegen ihrer Durchsichtigkeit von weitem so gut wie nicht wahrnehmbar ist. Sie symbolisiert den höchsten Urwillen bzw. nach Schellings Worten, die reine Lauterkeit. Ihre Unsichtbarkeit verweist auf die
WA, 13.
8 WA, 10.
9
7
Ambivalenz, denn das "Höchste ist kein Seyendes u. doch auch kein Nichtseyendes; dieÿ läÿt sich auch so ausdrücken: das Höchste ist u. ist doch auch nicht." 10 Alles beginnt mit diesem Urwesen im höchsten Himmel, denn es ist das "Nichts, oder Aehnliches. Ja wohl ist es ein Nichts, aber wie die (lautre) Freyheit ein Nichts ist; wie der Wille, der nichts will, der keine Sache begehrt, dem alle Dinge gleich sind, und der darum von keinem bewegt wird. Ein solcher Wille ist Nichts und ist Alles. Er ist Nichts, in wie fern er weder selbst wirkend zu werden begehrt, noch nach irgend einer Wirklichkeit verlangt. Er ist Alles, weil doch von ihm als der ewigen Freyheit allein alle Kraft kommt, weil er alle Dinge unter sich hat, alles beherrscht und von keinem beherrscht wird." 11 So gelangen wir zu der Erkenntnis: "Nur eine unbewegliche, göttliche, ja, wie wir richtiger sagen würden, übergöttliche Gleichgültigkeit ist das schlechthin Erste, der Anfang, der zugleich auch das Ende ist." 12 Diese deutlichen Sätze reizen zum Widerspruch, denn nur Gott allein kann das Erste und Höchste sein. Schelling wiegelte ab und gab zu bedenken: "Denn unter Gott können wir nur das höchste Gute denken; also einen schon bestimmten Willen; in dem Willen aber, der nichts will, ist weder dieÿ noch das, weder Gut noch Bös, weder Seyendes noch Seyn, weder Zuneigung noch Abneigung, weder Liebe noch Zorn, und doch die Kraft zu allem." 13 Damit entwirft Schelling bereits im Anfangsteil der Weltalterphilosophie den theologisch problematischen Mythos vom werdenden Gott.
Ein zweiter Blick auf die Blase oenbart eine Dualität. Man erkennt, dass die starre Form, die Unbeweglichkeit des Ballons, das Resultat zweier sich kompensierender Urwillen ist, die gegenläug auf Kontraktion bzw. Expansion drängen. Diesem Kräfte- Ebd.228. 10 Ebd. 15. 11 Ebd. 132. 12 Ebd. 134. 13
8
paar entspricht in der mythologischen Übersetzung ein sich selbst bejahender, expandierender Wille, der sich verströmen könnte, wenn er nur wollte, und ein sich selbst verneinender, auf Kontraktion angelegter anderer Wille, der will, aber nichts hat, was er wollen kann. Diese komplementären und doch untrennbaren Vollzugsweisen des Willens, der nichts will und des Willens zur Existenz, werden von Schelling als Urelemente eines Dialogs gedeutet. Wenn sie nur wollte könnte die reine Lauterkeit ihre übermächtige Fülle rückhaltlos mitteilen, denn der andere Wille ist begierig darauf diesen Schatz aufzunehmen, um seine innere Leere und Substanzlosigkeit zu überwinden. Ein Beobachter der Urblase würde dieses "Geschehen" bei genauerer Betrachtung vielleicht als unscheinbare, schwache Oszillationen einer stehenden Welle auf der Oberäche wahrnehmen, die aus der Ferne noch nicht erkennbar waren. Diese von Ort zu Ort verschiedenen, statischen Deformationen werden durch die Expansion des geistigen und die Kontraktion des materiellen Willens hervorgerufen. Sie bilden ein einheitliches Geschehen der ewigen, vorweltlichen Vergangenheit. In ihr manifestiert sich die expandierende Lauterkeit mit ihrem ohnmächtigen Willen zur Selbstdarstellung. Sie kann sich von der kontrahierenden Kraft nicht abwenden, da sie an ihrer Bewusstwerdung festhält. Umgekehrt kann der kontrahierende Wille nicht aufhören zu wollen, da er gegen sein Wollen unfrei ist. Nimmt man schlieÿlich eine Lupe zur Hand, so werden Einzelheiten auf der Urblase sichtbar. Ein grausiges Bild voller Dramatik ist erkennbar. Es wird deutlich, dass die sanften Eindellungen des Ballons durchsetzt sind von Spannungen, die bis an die Zerreiÿfestigkeit heran reichen. Die unterschiedlichen Willen erscheinen auf dieser Stufe wie verwandelt. Dem schöpferischen Spiel der Kräfte, das in friedfertiger Form vielfältige Ideen zur Darstellung bringt, tritt nun ein Bild des unproduktiven Streits gegenüber, das ein zwanghaftes, kreisendes Werden darstellt, welches in unendlich viele rotierende Zentren auseinander läuft. Die
9
Dramatik kommt in Gang durch die treibende Kraft des zweiten Willens, der mittlerweile wollen kann und den ersten Willen einschränkt. In dieser Begegnung transformieren sich beide Willen und konstituieren als Ganzheit einen wirkenden Willen in der Form einer Herrschaftsstruktur. Daraufhin will sich die reine Lauterkeit in sich zurückziehen. Das löst im anderen Willen einen "Schreck" aus, denn er fürchtet den Absturz ins Nichts durch die drohende Entleerung. Die Dramatik spitzt sich zu und es kommt zum Streit. Diese "Zänkerei" der Urwesen ist die Quelle der Zeit, weil sich nämlich die Lauterkeit in eine Macht verwandelt, die auf Verwirklichung und Entwicklung dringt. Das Ergebnis ist: Der Vater zeugt den Sohn, der jenes verhängnisvolle, zwanghaft kreisende Werden ausdrückt. Die Funktion des Sohnes liegt auf der Hand, denn ohne "den Sohn wäre blos das Princip der Zeit, nicht die wirkliche, und ebenso blos die Möglichkeit der Schöpfung." 14 Er repräsentiert einen weiteren Willen, der den expandierenden, geistigen Willen und den kontrahierenden, materiellen Willen voneinander trennt. In der Rückschau erscheint somit der Vater als jener Januskopf, der durch Selbstbefruchtung einen Sohn zeugt, dessen Wille bis zum Wahnsinn getrieben ist. Es werden in einer tieferen Schicht Spannungsverhältnisse sichtbar, die eine neue Qualität haben, weil sie die Zerreiÿgrenze überschreiten. Diese Bild befriedigte Schelling, denn er schrieb: "Die gröÿte Bestätigung der Wahrheit unserer Beschreibung liegt darinn, daÿ jenes drehende Rad der Geburt, jener wilder sich selbst zerreiÿende Wahnsinn noch jetzt das Innerste aller Dinge, und nur beherrscht und gleichsam zugutegesprochen durch das Licht eines höheren Verstandes, die eigentliche Kraft der Natur und aller ihrer Hervorbringung ist." 15 Allerdings erscheint die Schöp-
F.W.J.Schelling, System der Weltalter, Münchener Vorlesungen 1827-28, 14
Vittorio-Klostermann, Frankfurt am Main, 1998, 207. WA, 43. 15
10
fung im Sohn noch auf ewige Weise in der Gestalt von Urbildern, die sich erst noch durch einen unerklärbaren Akt in den zeitlichen Erscheinungen "realisieren". "Bis zur Geburt des Sohns ist
16 Die zeitliche Welt der endlichen
alles Wunder, alles Ewigkeit."
Dinge und Erscheinungen wird erst als Resultat eines Abfalls erkennbar. Was zeitlich ist gehört nicht zu den Sphären der Ewigkeit, sondern ist Teil einer Schattenwelt, die einen ganz anderen Charakter hat als das Absolute. Das Kennzeichen der durch eine Diskontinuität abgefallenen Zeitlichkeit der erfahrbaren Welt ist dessen Nichtigkeit, die sich darin äuÿert, dass alles nur für einen Moment hingehalten wird, um anschlieÿend sofort wieder zu verschwinden. Bei Schelling lesen wir: "Das Absolute ist das einzig reale, die endlichen Dinge dagegen sind nicht real; ihr Grund kann daher nicht in einer Mitteilung von Realität an sie oder an ihr Substrat, welche Mitteilung vom Absoluten ausgegangen wäre, er kann nur in einer Entfernung, in einem Abfall von dem Abso- 17 Obwohldie Scheinwelt hinfällig ist, übernimmt
luten liegen."
sie, wie jeder Bestandteil des Organismus, eine wichtige Funktion im Dialog der Urwillen, der auf Selbsterkenntnis ausgerichtet ist. Deswegen "ereignet" sich das letztlich einheitliche Zeitgeschehen auf zwei ganz verschiedenen Ebenen. Zum einen in der Gestalt des Sohnes in der jenseitigen Welt des Absoluten und zum anderen in der diesseitigen Scheinwelt der Nichtigkeiten. Umgekehrt spiegelt sich im Wesen des Lebens der sich immer wieder gebärende und immer wieder sich selbst aufhebende Charakter der organischen Zeit, der als ein unausweichliches Schicksal durch die Rückbezüglichkeit der Urwesen in die Welt kam. Wenn die Zeitlichkeit im System der Weltalter also ein Organismus ist, stellt sich die Frage nach dem leitenden Prinzip dieser selbstbezüglichen Organisationsform. Diese Funktion wird vom WA, 77.
16 F.W.J. Schelling, Schriften 1804-1812, Union Verlag, Berlin, 1982, 63.
17
11
Geist übernommen. Er ist der Bauplan der Blase, er kennt den eschatologischen Sinn. Durch ihn ist jeder einzelnen Zeit das Ende mit eingeschrieben, obwohl es eigentlich der nachweltlichen Zukunft angehört. "Der Geist erkennt, in welchem Maÿ die ewige Verborgenheit des Vaters aufgeschlossen und als Vergangenheit gesetzt werden soll. Der Geist ist also der Eintheiler und Ordner der Zeiten. Denn die Verschiedenheit und die Folge der Zeiten beruht nur auf der Verschiedenheit dessen, was in jeder als Vergangenheit, als Gegenwart und als Zukunft gesetzt ist. Nur der Geist erforschet alles, auch die Tiefen der Gottheit. In ihm allein ruht die Wissenschaft der kommenden Dinge; ihm allein steht es zu, das Sigel zu lösen, unter welchem die Zukunft beschlossen liegt." 18
Ein theologisches Problem der Weltalterphilosophie ergäbe sich aus der fehlenden integrativen Vermittlung zwischen Gottes Ewigkeit und der unüberwindlich abgefallenen, diesseitigen, zeitlichen Welt. Hat wegen dieser Distanz das in den Weltaltern gesetzte "vor uns" und "nach uns" mit der realen Welt überhaupt etwas zu tun? Wegen des organischen Charakters der Zeit bejaht Schelling eindeutig diese Frage. Denn wir müssen unsere Auassung von der Zeit gründlich korrigieren. Da Gott der Schöpfer der Zeiten ist, trit uns am Ende der Zeit - im Tod also - nicht Nichts, sondern Gott. Darum ist die Ewigkeit nicht eine nach dem Tod eintretende Wirklichkeit, sondern eine Tiefendimension der Zeit. Nach dieser Auferstehungshonung ist der Tod zwar Bestandteil der geschöpichen Ordnung, aber keine Kraft, die den lebendigen Organismus der Schöpfung vernichtet. In der Weltalterphilosophie wird "mit dem groÿartigen Gedanken der Entmachtung des Todes Ernst gemacht: dieser führt ja lediglich zu einer Änderung der das Ewige der Seele nicht wesenhaft berührenden Umstände und Bestimmungen; es liegt darin eine folgerichtige Weiterfüh-
WA,82.
18
12
rung der Lehre von der Nichtigkeit der erscheinenden Welt." 19
Schelling "nimmt also mit äuÿerster theologischer Präzision die Paulinische Theologie auf und lässt den Tod aus dem Fall entspringen, weil durch den Fall die Verbindung mit der Ewigkeit zerrissen ist." 20 Durch den Sündenfall ist der ganze Mensch, be-
stehend aus Leib, Geist und Seele, dem Tod verfallen. Im Diesseits lebt der Mensch unwesentlich und entfremdet, weil er erst durch die Auferstehung in sein wahres Wesen versetzt werden kann, das schon immer transformiert in Gott ruht. Durch die eigentliche Menschwerdung, die demgemäÿ Leib, Geist und Seele umfasst, wird letztlich die Störung der ursprünglich im Urwesen angelegten Harmonie überwunden.
3 Zum vermeintlichen Scheitern
Schellings Weltalterphilosophie steht unter einem schlechten Stern. Der Autor selbst schien sich seiner Sache nicht sicher: "Gedruckt wurden mehrere Bögen, aber sie wurden jeweils zurückgenommen, 1811, 1813, 1814. Wir kennen die Bruchstücke aus dem Nachlaÿ, wobei von dem ersten Teil mehr als zwölf Entwürfe vorliegen." 21 Diese Unsicherheit des Autors schlägt bei den Kritikern
in Ablehnung um, die so heftig ist, dass der Eindruck entsteht, das Scheitern von Schellings Lehre von der Zeit sei endgültig besiegelt. Sehr prägnant brachte Wieland diese Einschätzung des Systems der Weltalter auf den Punkt, als er schrieb: "Jede Interpretation der Weltalterphilosophie ist unvollständig, wenn sie sich nicht die Frage stellt, warum Schelling mit dieser Konstruk- W.Heinrich, Schellings Lehre von den letzten Dingen, Stifterbibliothek,
19 Salzburg, 1955, 43.
K. Appel, Zeit und Gott, Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wi-
20 en, Zürich, 2008, 149.
R. Goebel, Schelling Künder einer neuen Epoche des Christentums, Urach- 21 haus, Stuttgart, 28.
13
tion scheiterte." 22 Mit anderen Worten liegt die Untauglichkeit
dieser Philosophie deutlich auf der Hand und es komme nur noch darauf an, die unerträglichen Schwachstellen genau zu benennen. Tatsächlich standen und stehen Schellings kühne Gedanken zum Wesen der Zeit quer zu diversen Pfeilern der Geistesgeschichte, deren Unerschütterlichkeit den Rang höchster Evidenz hat. Auf vier wichtige Argumente soll hier kurz eingegangen werden.
3.1 Zur Zeitauassung
Schellings Ausgangspunkt zur Entwicklung seines Systems der Weltalter ist eine leidenschaftliche Kritik an der mechanistischen Zeitauassung, die er im Grunde als oberächlich demaskiert. So tiefsinnig wie seine Kritik auch daher kommen mag; man will ihr nicht recht folgen und fragt sich, ob sie nicht längst widerlegt sei. Wie kann die fundamentale Bedeutung der klassischen Zeit bestritten werden angesichts ihrer Denknotwendigkeit, ihrer Allgegenwart, ihrer exakten Messbarkeit, ihrer Universalität und ihrer überwältigenden Bewährung in Wissenschaft und Technik? Mancher Naturwissenschaftler wird sich daher heimlich fragen: Weiÿ der Philosoph überhaupt noch, worüber er spricht? Als Erwiderung hilft es nicht, auf die Unterschiedlichkeit der philosophischen und naturwissenschaftlichen Aspekte des Zeitproblems zu verweisen, denn auf der fundamentalen Ebene kann es diese unerträgliche Diskrepanz nicht geben. Tatsächlich kennt die klassische Zeitanschauung, die sich im alltäglichen Leben immerfort bestätigt, kein Geheimnis der Zeit. Anders als der Kirchenvater Augustinus gibt sie auf die Frage "Was ist Zeit?" prompt eine klare Antwort. Sie geht auf Newton zurück und hat den Wortlaut: "Die absolute, wahre und mathematische Zeit verieÿt an sich und vermöge ihrer Natur gleichförmig und ohne Beziehung auf irgendeinen Ge- W.Wieland, Schellings Lehre von der Zeit, Carl Winter Universitätsverlag,
22 Heidelberg, 1956, 12.
14
genstand." 23 Nach dieser Denition bezeichnet Geschichtlichkeit einen eindeutigen Strom von Ereignissen. Zur gedanklichen Erfassung dieser einzigartigen, unwiderruichen Geschichte werden von verschiedenen Seiten Informationen zum Geschehen gesammelt und zusammengefügt. Die Summe aller dieser Teilaspekte spiegelt als Grenzwert das tatsächlich abgelaufene, wahrheitsgemäÿe geschichtliche Geschehen wider. Denn jedes Ereignis der Historie ist eine feststehende Tatsache, die prinzipiell nur eine einzige umfassende Deutung zulässt. Die zeitliche Progression ist einzigartig und singulär. Dementsprechend kann über ihre Herkunft und ihr Fortschreiten nichts weiter festgehalten werden als deren Schrankenlosigkeit. Wegen seiner Einzigartigkeit kann dem Geschehen selbst nichts geschehen, kann das Werden nicht ge-worden sein. Diese Erkenntnis widerspricht vehement dem Anliegen der Schellingschen Weltalterphilosophie, die das Werden des Werdens thematisiert. Damit ist scheinbar mit wissenschaftlicher Strenge nachgewiesen, dass Schellings System der Weltalter hinfällig ist. Es gibt kein Bündel, kein System und schon gar nicht einen Organismus der Zeiten. Vielmehr ist das Bild einer einzigartigen, unendlich dünnen, geraden Schnur angemessen zur metaphorischen Symbolisierung der Zeit.
3.2 Zum Werden des Werdens
Das bereits angesprochene Darstellungsproblem der Weltalterphilosophie hat eine tiefe Wurzel. Wie lässt sich nämlich verstehen, dass die uranfängliche reine Lauterkeit mit ihrem selbstgenügsamen Willen, der nichts will, eine bis zur Zerrissenheit getriebene Welt hervorbringen kann, ohne dabei an Veränderung, Prozess, Entwicklung oder Zeit zu denken? Wie kann ein "anfangs" ausgeglichenes Urwesen mit sich in Streit geraten, wenn
23 I. Newton, Mathematische Prinzipien der Naturlehre, London, 1687.
15
es der Zeit und somit jeder Veränderung enthoben ist? Spätestens seit der Lehre des Aristoteles ist man in der Naturphilosophie von der engen Bindung zwischen Bewegung und Zeit fest überzeugt. Eine alternative, abgeschwächte Variante des Problems wurde von Krüger beschrieben: "Wenn der Grund schon dierenziert ist, kann er nicht Grund von Dierenz sein. Liegt aber die Differenz gar nicht im Grund, kann der Grund nicht Grund von Dierenz sein. Aufgrund dieser Aporie ist es unmöglich, eine interne Ausdierenzierung des absoluten Grundes anzunehmen und sie zu leugnen." 24 Wir geraten somit in eine prekäre Lage, weil nicht angegeben werden kann, in welcher "Raum-Zeit" sich das dramatische Geschehen der Urwillen eigentlich abspielt. Wenn zur Beantwortung dieser drängenden Frage nicht wenigstens eine metaphorische Denkmöglichkeit aufgezeigt werden kann, dann steht es sehr schlecht um Schellings Weltalterphilosophie.
3.3 Zur Ausdierenzierung des Unendlichen
Bis ins 19. Jahrhundert hinein hatte die aristotelische Lehre von der Unendlichkeit einen überwältigenden Einuss auf die Geistesgeschichte. Im Zentrum dieser Naturphilosophie stand die kontinuierliche Bewegung in all ihren Formen. Wegen der dabei vorausgesetzten unbegrenzten Teilbarkeit des Raums kommt in ihr daher das Unendliche in Betracht. Es äuÿert sich jedoch nur als Potentialität in dem Sinne, dass eine verfeinerte Registrierung des Bewegungsablaufs immer möglich sein muss. Dementsprechend haben das immer Kleinere und das immer Gröÿere einen ontologischen Status, nicht aber das aller Kleinste und das aller Gröÿte. Der Begri unendlich dient als universeller Platzhalter, durch den ein immer weiter, immer gröÿer, immer später, immer genauer, immer besser usw. zugelassen wird. Es handelt sich um M.D. Krüger, Göttliche Freiheit, Mohr Siebeck, Tübingen, 2008, 308.
24
16
einen universellen, abstrakten Begri, der nur negativ bestimmbar ist. Eine aktuale oder ausdierenzierte Unendlichkeit wäre ein Unding. Somit ist das Unendliche in der aristotelischen Philosophie, wie insgesamt in der antiken Vorstellungswelt, wegen seiner Unbestimmtheit negativ belegt und gänzlich untauglich zur spekulativen Erfassung Gottes. Ins Unendliche ein trinitarisches Geschehen zu projizieren, wie es unter anderem in Schellings Weltalterphilosophie vorgeführt wird, ist deshalb undenkbar und zu verwerfen. Diese Einschätzung ist auch heute noch weit verbreitet.
3.4 Zum Pantheismus-Vorwurf
Die Verurteilung der Weltalterphilosophie hat auch einen ernsten theologischen Hintergrund, denn Schelling hatte "eine Lehre vom werdenden Gott konzipiert, die sowohl der herrschenden theologischen Tradition des Christentums als auch der Tradition der philosophischen Theologie widersprach, indem sie diese Tradition nicht überwand, sondern vernichtete, auch wenn es Schelling noch gelang, den Schöpfungsgedanken einzubauen. So bleibt es zunächst eine oene Frage, ob die Weltalterphilosophie unter diesem Aspekt eine Verirrung oder einen Höhepunkt im Denken Schellings darstellt." 25 Tatsächlich ist die radikale Idee, Gott aus einer abgrundtiefen Gleichgültigkeit eines Urwillens, der nichts will, dem alles gleich ist, hervorgehen zu lassen, starker Tobak. Mit dem Christentum ist diese Einstellung nicht zu vereinbaren. Als Kronzeugen für die Richtigkeit dieser Schlussfolgerung sei Guardini herangezogen, der schrieb: "Der Akt der Schöpfung ist noch in einem anderen Sinne absolut. Er geht aus keiner inneren Notwendigkeit hervor, wie sie im Pantheismus behauptet wird. Nach dessen Anschauung entstehen die Dinge aus dem schöpferi- W.Wieland, Schellings Lehre von der Zeit, Carl Winter Universitätsverlag,
25 Heidelberg, 1956, 20.
17
schen Drang des göttlichen Ursprungs. Diese Göttlichkeit "muÿ" schaen, weil sie unendlich reich ist; oder weil sie nur so sich selbst verstehen und sich selbst behaupten kann. Von solchen metaphysischen Mysterien weiÿ die Genesis nichts." 26 Die theo-
logische Tragfähigkeit des Systems der Weltalter ist mit diesem oenbar nicht zu entkräftenden Pantheismus-Vorwurf erheblich abgewertet. Aber damit nicht genug. Die Ablehnung kann so weit gehen, dass die theologischen Implikationen der Weltalterphilosophie in Gänze als Ballast verworfen werden. Diese Lesart ndet sich beispielsweise bei Xian, der schrieb: "Das Tote in Schellings Philosophie ist, grob gesagt, das Theologische, welches vom strengen philosophischen Standpunkt aus unsinnig, unbedeutend, schädlich, übrigens angesichts der Philosophiegeschichte und der christlichen Dogmen auch nichts Neues und Originelles ist." 27
Fassen wir alle Vorwürfe und Reservationen zusammen, so entsteht unausweichlich der Eindruck, dass die Weltalterphilosophie im Ganzen gründlich gescheitert ist und bestenfalls, gleich einem Trümmerfeld, die eine oder andere brauchbare Idee bereithält.
4 Zur Neubewertung
In den zurückliegenden 200 Jahren und insbesondere im 20. Jahr-hundert haben sich die Naturwissenschaften sowohl in die Tiefe, als auch in die Breite mit einem erstaunlichen Tempo entwickelt. Weltweit steigt der personelle und materielle Aufwand für die Forschung mit beachtlichen Zuwachsraten. Das Ergebnis ist nicht nur ein partikuläres Wissen, das sich bei technologischen Anwendungen glänzend bewährt und bestätigt, sondern
R. Guardini, Die Existenz des Christen, Ferdinand Schöningh, München, 26 Paderborn, Wien, 1977, 84.
Gang Xian, Schellings Idee der Weltalterphilosophie und seine Lehre von 27
der Zeit, Dissertation, 2004, 19.
18
auch eine fundamentale Neuausrichtung der gesamten Naturphilosophie. Die Gedanken und Konzepte dieser revolutionär neuartigen Weltsicht stehen an Kühnheit der Weltalterphilosophie Schellings nicht nach. Wurde durch die klassische Physik die Welt enträtselt, weil sie eine Physik der greifbaren Dinge war, so kehrt das Geheimnis zurück in der Gestalt der Relativitätstheorie und Quantenmechanik, deren Grundgesetze nicht länger dem Augenschein entsprechen. Im Gegensatz zur spekulativen Philosophie, sind diese fundamentalen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse jedoch durch eine Vielzahl von Experimenten überwältigend abgesichert. Behält man die Selbstbeschränkung der Naturwissenschaften auf ihren Gegenstand im Auge, so kann mit Recht von einer zeit- und ortslosen Oenbarung gesprochen werden, die jedermann zugänglich ist und ihn bindet. Die Fülle des Materials, wodurch dieses fundamentale Wissen abgesichert wird, ist mittlerweile so überwältigend, dass eine Philosophie oder Theologie, die sich davon abwendet, mit Recht nicht ernst genommen wird. Zwischen Schellings System der Weltalter und der klassischen Naturauassung konstatierten wir eine gegenseitige Abneigung. Eine interessante Frage ist, ob sie eventuell umschlagen kann in Zuneigung auf Grund des erweiterten Gesichtskreises der modernen Naturwissenschaften.
4.1 Zur Zeitauassung
Ein starkes Argument zu Gunsten dieser Honung ergibt sich gerade aus der Neubewertung der schärfsten Kritik der Weltalterphilosophie, die von der klassischen Zeitauassung abgeleitet wurde, nach der das zeitliche Geschehen in der Natur einzigartig ist. Für Schelling hingegen war Zeit eine "ganze Masse" und nicht einfach nur eine "singuläre Linie". Tatsächlich nähert sich die Quantenphysik, die weithin anerkannt das Fundament der modernen Naturwissenschaften bildet, der Schellingschen Auassung
19
an. Das betrit zwei Kerngedanken der Weltalterphilosophie: 1. die Zeit ist ein mehrgliedriges Gebilde und 2. ist sie innerlich als Ganzes organisiert, weshalb der Vergleich mit einem Organismus nicht weit hergeholt ist. Diese grundlegende Revision des naturwissenschaftlichen Zeitbegris ergibt sich aus einer Auassung der Quantenmechanik, die als "stochastic history interpretation" 28 bekannt geworden ist. Was nach dieser Interpretation der Quantenphysik ganz allgemein über das zeitliche Geschehen ausgesagt wird, muss die klassische Zeitauassung wie ein Schlag ins Gesicht treen. Die Vorstellung von einer eindeutigen Abfolge von tatsächlichen Ereignissen wird fallengelassen. Stattdessen belehrt uns die Quantentheorie: Nichts steht denitiv fest. Mehr noch: In ihrer allgemeinen Gestalt verbietet sie sogar die Konstruktion von Historien. 29 Erst durch die Zusatzforderung, dass ein geeignet deniertes Dekohärenzfunktional 30 diagonal ist, kann
Vgl. R.B. Griths, Consistent Quantum Theory, Cambridge University 28 Press, 2003.
Die Denition einer Historie bezieht sich auf ein geschlossenes Quantensy- 29
stem und eine diskrete Abfolge von Zeitpunkten t1, t2, . . . , tn. Die alternativen Eigenschaften des Quantensystems zum Zeitpunkt t werden repräsentiert durch einen vollständigen Satz von orthogonalen Projektions-operatoren {Pα(t)} (mit Pα(t)P β (t) = δ αβ Pα(t)), die im Heisenbergbild
gegeben sind. Wegen der Vollständigkeit gilt die Gleichung
Pα(t) = I,
α wobei I der Einheitsoperator im Hilbertraum ist. Jede Sequenz von Pro-jektionsoperatoren {Pα(t)} zu den Zeitpunkten t1, t2, . . . , tn deniert eine Historie. Der zugehörige Klassenoperator Cα = Pα n (tn) . . . Pα 1 (t1) ist selbst ein Projektionsoperator im Hilbertraum der Historien, wenn alle Faktoren des Produkts miteinander kommutieren. Es ist ein wesentliches Merkmal der Quantenphysik, dass diese Bedingung nicht immer erfüllt ist.
Man betrachte einen vollständigen Satz von sich gegenseitig ausschlie- 30
ÿenden Historien {α} = (α1 . . . αn). Wegen der Vollständigkeit summieren sich die entsprechenden Klassenoperatoren Cα zum Einheitsope-
rator im Hilbertraum der Historien Cα(t) = I. Mit Hilfe des an- α fänglichen Zustandsvektors |Ψ wird jeder individuellen Historie α ein Vektor |Ψα = Cα|Ψ zugeordnet, dessen Norm die Wahrscheinlichkeit
20
man auf sinnvolle Weise von dynamischen Abläufen sprechen. Sie stellen sich aber immer nur als ein ganzes Bündel von Möglichkeiten dar, wobei prinzipiell nur die Wahrscheinlichkeiten für die "Realisierung" einzelner Abläufe bestimmbar sind. Aber es geht noch weiter. Durch ein Bündel möglicher, kompatibler Historien kann sich immer nur ein fest umrissener Anteil des denkbaren Eigenschaftsspektrums manifestieren. Die anderen komplementären Eigenschaften des quantenmechanischen Systems sind, im schroffen Gegensatz zur klassischen Physik, prinzipiell nicht existent. Sie können in einem anderen Bündel von Historien in Erscheinung treten, die allerdings inkonsistent zum ursprünglichen Bündel sind. Gemäÿ der quantenmechanischen Naturauassung wird jeder naturgeschichtliche Verlauf aufgefasst als eine Gesamtheit von inkonsistenten Gesamtheiten. Und es ist prinzipiell nicht entscheidbar, welche konkrete Historie sich "realisiert". Sinnvoll sind nur Aussagen über die Wahrscheinlichkeiten, die möglichen Historien zugeordnet werden können. Immer gibt es nach der Quantenphysik verschiedene, sich ausschlieÿende Geschichtsabläufe, von denen prinzipiell viele auf dieselbe Gegenwart führen. Daher ist die Vergangenheit nicht eindeutig, 31 sondern eine Gesamtheit, eine Masse, um mit Schellings Worten zu reden. Eine Frage, die sich sofort aufdrängt, führt uns noch einen Schritt weiter. Wie lässt sich nämlich eine fundamentale Quan-tentheorie, die indeterministisch und voller Unwägbarkeiten ist, mit dem weltweit gültigen klassischen Determinismus zusammen
p(α) = Cα|Ψ 2 = Ψ|C † α Cα|Ψ für das Auftreten der exakt dekohärenten Historie {α} angibt, wenn die Interferenz zwischen verschiedenen Zu-standsvektoren der Historiengesamtheit verschwindet. Diese Bedingung
beinhaltet die Diagonalität des Dekohärenzfunktionals Ψ|C † α C β |Ψ = 0,
wenn α = β. Exakte Dekohärenz ist allerdings nur ein Sonderfall in der viel reichhaltigeren Quantenphysik.
31 Vgl. J.B. Hartle, Quantum Pasts and the Utility of History, arXiv: gr-qc/9712001, 1997.
21
bringen? Tatsächlich muss mehr in Betracht gezogen werden als die dynamischen Quantengesetze, nämlich die Bedingungen für die Herausbildung der klassischen Welt. Für eine umfassende Theorie eines geschlossenen Quantensystems konstitutiv sind zusätzlich die Anfangs-Wellenfunktion und eine hinreichend ungenaue, grobkörnige Darstellung der möglichen Ereignisse. Die Anfangsbedingungen für unser Universum wurden kurz nach dem Urknall festgelegt. Aus ihnen geht das quasiklassische Erscheinungsbild der Welt hervor, das sich bis in die ferne Zukunft und über den gesamten sichtbaren Kosmos erstreckt. Die Besonderheiten dieser quasiklassischen Wirklichkeit sind bestimmt zum Einen durch die Allgegenwart von grobkörnigen Historien mit extrem hohen Realisierungswahrscheinlichkeiten und zum Anderen durch verschwindend kleine Nichtdiagonalanteile des Dekohärenzfunktionals inkonsistenter Historien, wodurch der Eindruck entsteht, dass alle möglichen Eigenschaften auch allen möglichen Objekten unbeschränkt zukommen. Es drängt sich die Illusion eines einzigartigen, unwiederholbaren Fortschreitens aller Eigenschaften der Dinge und Erscheinungen in der Zeit auf. Der klassische Zeitbegri ist somit das Resultat einer Idealisierung, die durch die extrem untypische Verfasstheit der Welt nahe gelegt wird. In der Tat muss man sich über die Existenz der uns so vertrauten klassischen Welt umso mehr wundern, als nur eine verschwindend kleine Zahl von geschlossenen Quantensystemen ein quasiklassisches Verhalten zeigt. Daher leben wir in einer exotischen Welt, die uns von der Quantenwirklichkeit weitgehend abschirmt. Ausgenommen die makroskopischen Quanteneekte, gibt uns nur die Mikrowelt Kunde von den tief verwurzelten Naturgesetzen. Insofern die Anfangsbedingungen so maÿgebend festlegen, welche Bündel von Historien durchgängig durch ihre spezisch hohen Realisierungswahrscheinlichkeiten ausgezeichnet werden, agiert das System der quantenmechanischen Historien als Ganzes. Demnach existiert ein übergeordnetes leitendes Prinzip, was Schelling in
22
seiner Weltalterphilosophie mit einem Organismus verglich. Es ist interessant diesen Vergleich etwas weiter zu treiben. Dann wird sichtbar, dass die Welt durch ihre strikte Einschränkung auf den quasi-klassischen Bereich im "Bann" der anfänglichen "Erbsünde" steht, die nachwirkt, die alles Weitere bestimmt, die "mitgetragen" werden muss und von der sich die Welt selbst nicht befreien kann. Ferner gibt es die Analogie, dass das "groÿe Reich" der überwältigenden quantenmechanischen Möglichkeiten jenseits des "Sündenfalls" liegt, der eigentlich nicht den Kern des Ganzen beschädigt, sondern ein Irrweg ist, sozusagen das Resultat einer "freien Fehlentscheidung". Indem auf unergründliche Weise, sozusagen von "auÿen" her, ein uranfänglicher, quantenmechanischer Zustand gesetzt wird, entfaltet sich ein quasiklassischer Kosmos, in dem sich der Mensch wiederndet. Alternativ dazu ist denkbar, dass beispielsweise durch periodische Randbedingungen die erfahrbare Welt ein in sich geschlossenes Gebilde darstellt. Diese Variante der Weltalterphilosophie wäre eher mit der mystischen Theologie zu vergleichen, für die eine jenseitige Welt nicht in Frage kommt. Diese wagen, metaphorischen Vergleiche belegen ganz und gar nicht, dass Schelling die Kerngedanken der Quantenphysik auf philosophischem Gebiet vorweggenommen hätte. Womöglich aber sind sie hinreichend suggestiv, um einen Stimmungswandel zugunsten der Weltalterphilosophie einzuleiten.
4.2 Zum Werden des Werdens
Schellings Weltalterspekulation führt auf eine weitere drängende Frage, ob nämlich das Werden des Werdens überhaupt darstellbar ist. Wie bereits angedeutet, liefert die Quantentheorie eine interessante Illustration der prinzipiellen Denkbarkeit. In ihrer allgemeinen Gestalt gibt es in der Quantenmechanik nur abstrakte Möglichkeiten, über deren eventuelle "Realisierung"
23
überhaupt nichts ausgesagt werden kann, da nicht einmal herkömmliche Realisierungswahrscheinlichkeiten bestimmt werden können. 32 Um sich der klassischen Zeitauassung anzunähern, muss die Konsistenzbedingung erfüllt sein. Sie fordert für ein Bündel von möglichen Historien das Verschwinden der Nichtdiagonalelemente der Dekohärenzmatrix. Die verbleibenden Diagonalelemente sind die Realisierungswahrscheinlichkeiten der zugehörigen Historien. Aber auch in diesem Bild ist die klassische Zeit noch nicht erkennbar. Denn das Zeitgeschehen stellt sich immer noch dar als ein ganzes Bündel inkonsistenter Gesamtheiten von vielen möglichen Geschehnissen. Zur Beschreibung dessen, was tatsächlich "passiert" muss eine geeignete Gesamtheit konsistenter Historien ausgewählt werden. Das ist allerdings problematisch, weil die Konsistenz eine Eigenschaft der gesamten Historie ist. So können konsistente Historien durch spätere Ereignisse inkonsistent werden, so dass die gesamte Einteilung neu geordnet werden muss. Dadurch aber ändert sich das Geschehen von Anfang an. An dieser Stelle wird die herausragende Bedeutung sichtbar, die in der Quantenwelt einem frei entscheidbaren Wesen zukommt. Eine Erscheinung mit freiem Willen ist prinzi- Fürexakt dekohrente Historien ist das Dekohärenzfunktional diagonal. 32
Wegen der Vollständigkeit der Klassenoperatoren Cα gilt daher für
die Wahrscheinlichkeit einer Historie α: p(α) = Ψ|C † β Cα|Ψ =
β Ψ|Cα|Ψ. Für gewisse, nicht exakt dekohärente Historien der Quantenwelt ist der letzte Ausdruck in dieser Gleichung jedoch komplex oder negativ. Um auch diese Ereignisse in eine einheitliche Beschreibung einzubinden, können verallgemeinerte Wahrscheinlichkeiten eingeführt werden p(α) =ReΨ|Cα|Ψ, die nur eine Regel der Wahrscheinlichkeitstheorie nicht erfüllt, nämlich dass p(α) zwischen Null und Eins liegt. Selbst wenn die verallgemeinerten Wahrscheinlichkeiten für quantenmechanische Hi-storien im Intervall [0, 1] liegen, ergibt sich nicht zwangsläug das Bild eines identizierbaren zeitlichen Ablaufs. Zusätzlich erforderlich ist dafür wenigstens die näherungsweise Gültigkeit der Dekohärenzbedingung, was sich allerdings bei hinreichend grober Aufzeichnung der Historie einstellen kann.
24
piell in der Lage, Historien zu bewirken, die quer zum "Trend" stehen. Eine Unzahl von Beispielen dieser Art sehen wir beim Werdegang technischer Produkte. Sowohl in der Schellingschen Philosophie, als auch in der modernen Quantentheorie konstatieren wir somit eine hohe Wertschätzung der Freiheit für das Verständnis der Wirklichkeit. Um schlieÿlich die klassische Zeit aus dem quantenmechanischen Bild hervorgehen zu lassen, muss eine weitere drastische Einschränkung gemacht werden. Sie betrit die Forderungen, dass sich eine Vielzahl von Ereignissen nahezu mit Sicherheit "realisieren" und dass die Nichtdiagonalelemente des Konsistenzfunktionals inkonsistenter Historien nahezu verschwinden. 33 Erst wenn diese einschneidenden Bedingungen erfüllt sind, steht vor uns das klare Bild der klassischen Zeit. In groben Umrissen ist damit der quantenmechanische "Werdegang" des Werdens dargestellt.
Eine weitere Illustration, die zeigt, wie das Werden des Werdens als ein zeitloses Geschehen aufgefasst werden kann, nimmt ihren Ausgangspunkt bei nichtkommutativen Geometrien, in denen zwar ein globaler Zustand denierbar ist, nicht jedoch lokale geometrische Gegebenheiten, wie z.B. Punkte und deren Nachbarschaft. Mit Mitteln dieser mathematischen Theorie lässt sich ein interessantes Weltmodell entwickeln. 34 Nach dieser Idee ist die Welt fundamental zweigeteilt. Unterhalb der Plancklänge (ca. 10 −35 m) herrscht das nichtlokale Regime der Quantengravitation, das auf einer nichtkommutativen Geometrie basiert. Infolgedessen gibt es in diesem Milieu keinen uns geläugen raum-zeitlichen
Die Zeitverläufe in der Erfahrungswelt sind nicht exakt dekohärent. Doch 33
ist die Orthogonalität der Zustandsvektoren von verschiedenen Historien in den meisten Fällen extrem genau realisiert. Der Überlapp ist lediglich von der Gröÿenordnung 10 −E , wo E ∝ 10 20 . Die Allgegenwart dieser sehr genauen Dekohärenz ist eine Eigenart unserer erfahrbaren Welt. Vgl. M. Heller, Creative Tension, Templeton Foundation Press, Pennsyl- 34 vania, 2003.
25
Rahmen. Es ist prinzipiell unmöglich, irgendeine Raum-Zeit Geometrie zu identizieren. Erst wenn das Universum über das Planckregime hinauswächst, wird eine kommutative Geometrie zunehmend wirksam, so dass sich als Folge eines eventuellen Phasenübergangs lokale Entitäten zeigen und das geläuge Raum-Zeit Regime Gestalt annimmt. Unter diesen Bedingungen muss ein Beobachter mit Singularitäten in der Raum-Zeit rechnen. Für ihn nähme die Zeit ihren Anfang beim Urknall. Diese Sichtweise ist aber an den makroskopischen Standpunkt des Beobachters gebunden. Unterhalb der Planckskala würde er nicht länger von einer Anfangssingularität sprechen können, da es dort keinerlei lokale Raum-Zeit Kongurationen gibt. Vielmehr oenbart sich eine zeitlose ganzheitliche Welt. Ein dort angesiedelter Schöpfer kennt die gesamte Geschichte nicht aus der Erinnerung und Prophetie, sondern auf einen Schlag, da sie im globalen Zustand dieser nichtkommutativen "Prägeometrie" kodiert ist. Unter Schöpfung wäre auf dieser Ebene eine verallgemeinerte Dynamik zu verstehen, die ohne den Begri der Zeit auskommt. Damit wird abermals der philosophischen Ansicht widersprochen, dass Veränderung notgedrungen an die Existenz der Zeit gebunden ist. Die Schöpfung des zeitlichen Universums aus einem zeitlosen Zustand ist nicht von vornherein widersinnig, sondern prinzipiell denkbar. Das belegen die angeführten Beispiele.
4.3 Zur Ausdierenzierung des Unendlichen
Wie steht es um das aktual Unendliche? Die Dominanz der aristotelischen Lehre von der Unendlichkeit, für die das aktual Unendliche undenkbar ist, wurde erst im 19. Jahrhundert nachhaltig erschüttert, als es Gregor Cantor gelang, durch die Begründung der Mengenlehre, eine befriedigende Theorie des Kontinuums zu entwickeln, in der aktual unendlich viele Elemente gehandhabt werden. Cantor gilt als Gründungsvater der Mengenlehre, in der
26
er das aktual Unendliche zum Gegenstand der mathematischen Forschung machte. Die Handhabbarkeit unendlicher Mengen und deren Ausdierenzierung waren für ihn nicht nur für die Mathematik bedeutend, sondern auch für die Metaphysik. Er betrieb ein intensives Studium kirchlich-theologischer Texte und erfasste die tiefe Bedeutung der Idee des aktual Unendlichen für das Weltbild. An den berühmten Mathematiker C.F. Gauÿ gewandt schrieb er: "Wenn aber aus einer berechtigten Abneigung gegen solches illegitime Aktual-Unendliche sich in breiten Schichten der Wissenschaft, unter dem Einusse der modernen epikureischmaterialistischen Zeitrichtung, ein gewisser Horror Inniti ausgebildet hat, der in dem erwähnten Schreiben von Gauÿ seinen klassischen Ausdruck und Rückhalt gefunden, so scheint mir die damit verbundene unkritische Ablehnung des legitimen Aktual-Unendlichen kein geringeres Vergehen wider die Natur der Dinge zu sein, die man zu nehmen hat, wie sie sind, und es läÿt sich dieses Verhalten auch als eine Art Kurzsichtigkeit auassen, welche die Möglichkeit raubt, das Aktual-Unendliche zu sehen, obwohl es in seinem höchsten, absoluten Träger uns geschaen hat und erhält und in seinen sekundären, transniten Formen uns überall umgibt und sogar unserm Geiste selbst innewohnt." 35
Bei der mathematischen Fragestellung geht es um den Gröÿenvergleich im Kosmos der unendlichen Mengen. Er basiert auf einem Theorem, nach dem jeder Menge eine gleichmächtige Kardinalzahl zugeordnet werden kann. 36 Für jede unendliche Menge M zeigt sich, dass die Menge P (M ) aller Teilmengen von M eine gröÿere Mächtigkeit hat, als die Menge M selbst. Indem nun nacheinander Potenzmengen P (M ) gebildet werden, wird eine
G. Cantor, Über die verschiedenen Standpunkte in bezug auf das aktuelle 35
Unendliche, Gesammelte Abhandlungen mathematischen und philosophischen Inhalts, Hg. E. Zermelo, Berlin, Heidelberg, New York, 1980. Vgl. L. Neidhart, Unendlichkeit im Schnittpunkt von Mathematik und 36
Theologie, Cuvillier Verlag, Göttingen, 2007.
27
unendliche Hierarchie von unendlichen Mengen sichtbar. Durch diese Konstruktion entstehen unendliche Mengen unterschiedlicher "Gröÿe". Im höchsten Olymp dieser Hierarchie thront die transnite Menge aller Mengen, die bezeichnender Weise auf derselben Stufe steht wie die widersinnige Russel Menge (die Menge aller Mengen, die selbst nicht zur Russel Menge gehören). Am unteren Ende benden sich die abzählbaren Mengen. Schnell wird klar, dass sich das Mengenuniversum der anschaulichen Vorstellung entzieht. Schon auf der unteren Stufe der nicht abzählbaren Mengen begegnet uns ein Rätsel, das als innite monkey theorem bekannt ist. Es basiert auf dem Borel-Cantelli Lemma, nach dem eine beliebige endliche Zeichenfolge mit Sicherheit mindestens einmal in einer unendlich langen, zufälligen Zeichenkette auftritt. Die Illustration dieses Lehrsatzes ist verblüend, denn er besagt, dass in einer einzigen irrationalen Zahl, in der keine Zier vor einer anderen bevorzugt ist, jede endliche Ziernkombination vorkommt. Da digital gespeicherte Fotograen durch eine endliche Abfolge binärer Ziern kodiert werden, sind daher in der besagten irrationalen Zahl nicht nur alle möglichen Fotos vergangener Zeiten gespeichert, sondern auch alle möglichen Bilder, die noch in Zukunft gemacht werden können. Allerdings ist diese umfassende bildliche Dokumentation der gesamten Menschheitsgeschichte unaundbar im unendlichen Kauderwelsch der Ziernfolge verborgen. Dass eine einzige irrationale Zahl diesen Reichtum an Information tatsächlich beherbergt ist jedoch unvorstellbar.
Ebenso irritierend ist, dass bei unendlichen Mengen das scheinbar Winzige vom scheinbar Riesigen nicht zu trennen ist. Ein Beleg für diese Vermutung ist die Tatsache, dass ein beliebig kurzes, endliches Teilstück einer Geraden gleichmächtig ist zum gesamten Euklidischen Raum mit abzählbar unendlich vielen Dimensionen. Zur Veranschaulichung dieses Vergleichs denken wir z.B. an die lineare Abmessung einer Ameise. Diese kurze Strecke kann einein-
28
deutig abgebildet werden nicht nur auf den uns geläugen, über alle Grenzen sich erstreckenden, dreidimensionalen Raum, sondern auch auf einen unendlichen Raum mit abzählbar unendlich vielen Dimensionen. Daher scheinen das "ganz Kleine" und das "ganz Groÿe" in der Mengenlehre prinzipiell nicht voneinander geschieden zu sein. Die angeführten Beispiele suggerieren, dass zwischen verschiedenen Mengen entweder Gleichmächtigkeit besteht oder die "Gröÿere" von "unten" her durch Vereinigung oder Potenzmengenbildung aufgebaut werden kann. Dementsprechend hätte Schellings Idee vom Abfall, von den zwei unüberbrückbar getrennten Welten, in der Mengenlehre keine Entsprechung. Tatsächlich gibt es aber auch für diese Idee eine Analogie in der Mengenlehre. Bei Berücksichtigung des Universenaxioms ist die Existenz von unerreichbaren Kardinalzahlen gesichert. Zu ihnen führt kein "Weg" von "unten" her, auch nicht mittels Potenzmengenbildung. Die somit im Jenseits liegenden unerreichbaren Kardinalzahlen sind so groÿ, dass im zugehörigen Mengenuniversum die gesamte Mengenlehre abgehandelt werden kann. Damit ist die prinzipielle Denkbarkeit eines unüberwindlichen Auseinanderfallens der Hierarchie von Unendlichkeiten durch Gegebenheiten auf dem Gebiet der transniten Mengenlehre illustriert. Darüber hinaus hat mittlerweile die Bedeutung von gehandhabten, aktualen Unendlichkeiten so sehr zugenommen, dass deren umfassende Leugnung den technischen Fortschritt ernsthaft behindern würde. Durch die vielseitige Vertiefung des Unendlichkeitsbegris wird die diesbezügliche Kritik, die sich gegen die Weltalterphilosophie wendet, erheblich entkräftet.
4.4 Zum Pantheismus-Vorwurf
Die theologische Bewertung der Weltalterphilosophie ist eine schwierige Aufgabe, zu deren Lösung Schellings Gesamtwerk mit herangezogen werden muss. Das übersteigt den Rahmen des vorliegen-
29
den Beitrags. Hier beschränken wir uns auf die Beurteilung der theologischen Tragweite der Schellingschen Lehre von der Zeit. Besonders beeindruckend ist die Ausstrahlungskraft seiner Ideen. Eine interessante Variante der Weltalterphilosophie wird so-fort sichtbar, wenn vom Abfall abgesehen wird. Dadurch entsteht eine Weltsicht, die von Schelling nicht vertreten wurde, die aber ebenfalls tief in der Geistesgeschichte verwurzelt ist. Zur ersten Orientierung nehmen wir das einfache Bild der "Urblase" erneut auf. Nun zeigt eine genauere Betrachtung der Oberäche zwar immer noch ein Wirrwahr zerrissener und verschlungener Fäden, aber aus der Blase ist nichts heraus gebrochen und in ein ganz anderes Reich abgestürzt, in dem die endlichen Dinge ihr wesenloses und nichtiges Dasein fristen. Alle Dinge und Erscheinungen gehören zur Blase. Da gibt es öde Bereiche aber auch Gegenden, in denen sich Wunder ereignen. Doch all der unendliche Reichtum an Formen und Strukturen ruht in der Zeitlosigkeit auf ewig. Daher verschwindet die Zeit und alle Dinge erhalten einen absoluten Status in ihrem Selbstsein. Die Allgegenwart von Bewegung und Veränderung im menschlichen Leben ist dementsprechend das Resultat einer Selbsttäuschung. Beschränkt auf das Weltbild der Physik wird dieser Gedanke besonders leidenschaftlich von Barbour vertreten. 37 Die Gesamtheit aller starren Basiselemente und Strukturen, die sein physikalisches Weltmodell konstituieren, bilden eine gigantische Landschaft, die er Platonia nennt. Dieses Land hat drei wesentliche Merkmale: 1) Unter den unendlich vielen lokalen Zustandskongurationen benden sich so genannte Zeitkapseln. Wie bei einer Sammlung von Bildern eines Spiellms handelt es sich um zusammengehörige starre Weltelemente, die in ihrer Gesamtheit eine Geschichte repräsentieren. 2) In Platonia gibt es spezielle
Vgl. J.B. Barbour, The End of Time. The Next Revolution in Our Under- 37
standing of the Universe, Phoenix House, Oxford, 2000.
30
Strukturen (Lebewesen), die auf rätselhafte Weise die eingeprägten Zeitkapseln als Dokumentation eines zeitlichen Ablaufs interpretieren. 3) Platonia hat die Form eines Kegels. Die Spitze bezeichnet den Urknall. Dort gibt es nur einen einzigen Punkt, so dass keine Geschichten kodiert sind. Mit wachsendem Abstand zur Singularität wächst die Anzahl der in Platonia abgelegten Bilder und der mit ihnen assoziierten Geschichten stark an. Dadurch wird eine Zeitrichtung etabliert: nur wenige Historien gibt es in der Nähe, dafür umso mehr Geschichten weiter ab vom Urknall. Aus quantenmechanischer Sicht ist Barbours zeitloser Zustandsraum mit einem Monstermolekül zu vergleichen. Alle möglichen Anregungszustände dieses gigantischen Moleküls bilden ein unendliches Muster von Zeitkapseln, die Zeitlichkeit suggerieren können, aber wiederum eben nur in anderen Zeitkapseln, die ebenfalls völlig starr und unbeweglich sind. Wie die Illusion von Bewegung und Veränderung in bestimmten Zeitkapseln (Lebewesen) zustande kommt bleibt in diesem physikalischen Weltbild völlig im Dunkeln.
Es ist bemerkenswert, das Meister Eckharts Mystik konsequenter im Sinne der Quantenmechanik verfährt als Barbour mit seinen kühnen Spekulationen über eine Physik ohne Zeit. Bei Eckhart steht nämlich der Betrachter, bzw. das "Seelenfünklein", im Mittelpunkt und nicht irgendwelche Zeitkapseln, die einen ontologischen Status beanspruchen können. Wie Schelling, so setzt auch Eckhart ein höchstes, übergöttliches Wesen an den Anfang. Diese Gottheit reicht über jeden Unterschied und damit selbst über Gott hinaus. Es ist ein Sein, das zugleich Nichtsein ist und als unbeweglicher Grund alle Bewegung bewirkt. Das Höchste hat nichts, will nichts und bedarf nichts; es wirkt nichts und gebiert nichts. 38 Indem die Gottheit als Wesen aller Wesen aufgefasst wird, steht für sie nur der abstrakteste, inhaltsloseste Begri
Meister Eckhart, Hg. F. Pfeier, G.J. Göschen Verlagshandlung, 1857, 532.
38
31
zur Verfügung. Hierbei kann Meister Eckhart ebenso wenig wie Schelling stehen bleiben. Die wahren Dinge und Erscheinungen müssen verortet werden. In der Weltalterphilosophie nden wir die Vorstellung von der Zuspitzung eines dramatischen trinitarischen Geschehens, das sich im Abfall entlädt. Die endliche und wesenlose Existenz ist durch den Sprung unüberbrückbar entfernt von Gott. Anders sieht das die mystische Theologie, nach der die Immanenz des Unendlichen im Endlichen und des Endlichen im Unendlichen betont wird. Der Mystiker kennt keinen prinzipiellen Unterschied zwischen Seele und Gott; sie sind im Grunde ein und dasselbe. Denn nur wenn das göttliche Ebenbild, durch Christus erhoben aus der Verdunklung durch die Sünde, im Vater seine Heimstätte hat, kann die Heilserwartung sinnvoll sein. Durch die Göttlichkeit der Seele ist sie "der Ort aller Dinge; aber sie selber ist ohne Ort." 39 Das Einzelne, Besondere und Endliche ist dagegen wesenlos und nichtig. Die Nichtigkeiten sind Bestandteile einer Scheinwelt, zu der auch die zeitlichen Erscheinungsformen der Seele gehören. Denn die vermeintlich wirkliche Zeit ist eine Illusion, durch die der Blick auf Gott, auf den Kern der Seele nur verhüllt wird. Nichts hindert die Seele so sehr an die Erkenntnis Gottes als Zeit. 40
Schellings Weltalterphilosophie und deren mystische Variante stehen für Transzendenz und Immanenz und sind daher scheinbar streng voneinander zu trennen. Tatsächlich aber sind beide Standpunkte aufeinander bezogen und angewiesen. Das deutet sich besonders in der christlichen Lehre an, in der beide Geistesrichtungen vertreten sind. Denn nur so wird verständlich, dass der Mensch, der im Zustand der Sünde ist (d.h. unendlich entfernt von Gott), durch Christus (der den Menschen leibhaftig erschien) mit Gott versöhnt werden kann. Eine ähnliche Annäherung der
Ebd. 515. 39 Ebd. 105. 40
32
Standpunkte gibt es zwischen den Varianten der Weltalterphilosophie. Durch Schellings genialen Gedanken von der organischen Zeit ist sein transzendentes System der Weltalter auch auf Immanenz ausgerichtet. Denn das System der Zeiten bildet eine Einheit, die sogar so umfassend Einheit ist, dass Schelling von einem lebendigen Organismus spricht. Er schrieb: "In einem Ganzen, darinn Alles und Jedes den Abdruck rhythmisch folgender Zeiten zeigt, kann nichts einzeln, nichts für sich genommen werden." 41 Als Bestandteil der allumfassenden Gesamtheit ist unser gegenwärtiges Leben nicht jetzt in Gott, "denn in Gott ist keine Zeit; es ist auf ewige Weise in Gott. Das künftige Leben ist also in Gott nicht von dem gegenwärtigen getrennt. Der gegenwärtige Zustand der Welt und der künftige, das gegenwärtige Leben des Menschen und das zukünftige ist in Gott nur Ein absolutes Leben." 42 Damit ist die Bedeutung der Immanenz für Schellings Lehre von den Weltaltern eindrucksvoll herausgestellt. Umgekehrt kommt die Immanenzlehre der mystischen Weltaltervariante nicht ohne Transzendenz aus. Andernfalls müsste sie bei der Feststellung stehen bleiben, dass das Endliche nicht ist und das wahrhaft Seiende im inhaltslosen Nichts versinkt. Ohne die Schöpfung in Gott, repräsentiert durch die in ihm organisch verbundenen Weltalter, hätte der Kern der Seele kein Material, um den Dingen ihr wahres Wesen zu verleihen. Keine menschliche Seele kann sich zum Universum erweitern und ist daher auf diesen Fundus angewiesen. Wir sehen, dass die Weltalterphilosophie und deren mystische Variante miteinander verochten sind. Deren einheitliche Quelle ist Schellings Grundgedanke zur Weltalterphilosophie. Seine Lehre gewinnt dadurch eine überwältigende theologische Ausstrahlungskraft. Sie betrit nicht nur das Christentum, sondern auch
F.W.J. Schelling, Weltalter-Fragmente, Frommann-Holzboog Verlag, 41
Stuttgart-Bad Cannstatt, 2002, 169.
F.W.J. Schelling, Sämtliche Werke, Hg. K.F.A. Schelling, Cotta, Stuttgart, 42 1856-1861, I.6, 565.
33
die mystische Religiosität, die sich nicht nur im Katholizismus und Protestantismus ndet, sondern auch im Susmus des Islam, in der Kabbala des Judentums, sowie im Hinduismus und Zen Buddhismus. Die Einordnung der Weltalterphilosophie in diesen gröÿeren Rahmen könnte dem weltweiten Gedankenaustausch bedeutende Impulse verleihen.
5 Schlussbemerkungen
Die Zeit ist omnipräsent in den Naturwissenschaften, in der Technik und im alltäglichen Leben. Ihre existentielle Bedeutung erhellt sofort aus einer einfachen Feststellung, nämlich der, dass durch die Zeit die Existenz auf ein üchtiges Jetzt begrenzt wird. Auf der einen Seite steht der Abgrund des Nichts, in dem alle gewesenen Erscheinungen aufbewahrt sind und auf der anderen Seite gibt es das Nichts der noch kommenden Dinge. Dieses beunruhigende Erscheinungsbild drängt sich unerbittlich überall auf und begünstigt die Vorstellung von einer zusammenhangslosen, sinnentleerten Welt. Gegen diese Übermacht des Augenscheins steht die philosophische Spekulation über eine Tiefendimension der Zeit. Und in der Tat: Wer zu den Wurzeln möchte, muss in die Tiefe gehen. "Einzig ein Denken, welches an den Grund geht, d.h. an den Anfang aller Zeit rührt, kann Auskunft geben über einen Ausweg, der über den Abgrund des Chronos und die Macht des annihilierenden Todes hinausführt." 43 Damit ist angesprochen, worum es in der Weltalterphilosophie geht. Das Zeitproblem, so wie es in der Weltalterphilosophie verstanden wird, ist wissenschaftlich nicht greifbar. Es ist von grundsätzlich anderer Art als das fundamentale Problem, wie Zeit aufgefasst werden
K. Appel, Zeit und Gott Mythos und Logos der Zeit im Anschluÿ an Hegel 43
und Schelling, Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien, Zürich, 2008, 137.
34
muss beispielsweise in der Theorie der Quantengravitation. Zwar geht es auch auf diesem Gebiet der wissenschaftlichen Forschung um fundamentale Grundsatzfragen. Die philosophische Spekulation in Schellings Lehre von der Zeit geht aber einen ganz anderen Weg, weil sie eine Tiefendimension der Zeit postuliert, die nicht diesseits, sondern in geheimnisvollen Mächten gründet, die nicht einfach zur erfahrbaren Welt gehören, sondern sie irgendwie übersteigen. Die Seinsweise dieser nicht greifbaren, auÿerweltlichen Mächte (bei Schelling werden sie Willen genannt) ist für uns das ganz Andere, das nicht von stoicher, sondern von geistiger Natur ist und sich am ehesten oenbart in Ansehung des Personalen. Indem Zeitlichkeit gemäÿ der Schellingschen Lehre letztlich in überweltlichen Mächten gründet, macht er in seiner Weltalterphilosophie den Weg dafür frei, die Heilserwartung der Menschen zu thematisieren. Damit betritt er das Gebiet des Religiösen. Ersichtlich kann es daher keine direkte Beziehung zwischen der Weltalterphilosophie und den naturwissenschaftlichen Beiträgen zum Zeitproblem geben. Jedoch können, wie Schelling zur Motivation seines Anliegens eingangs bemerkte, exponierte Vorstellungen der klassischen Physik, der philosophischen Spekulation im Wege stehen. Es war das Ziel unseres Diskussionsbeitrags, derartige Gegenargumente der mechanistischen Weltsicht zu entkräften.
Aus heutiger Sicht ist die Grundidee der Schellingschen Weltalterphilosophie von der Tiefendimension der organischen Zeit nicht mehr widersinnig, sondern verwandt mit korrespondierenden Ideen der modernen theoretischen Physik. Eine Würdigung des Schellingschen Werks hat ferner zu berücksichtigen, dass Schellings Weltalter "das erste Werk in der Geschichte der ganzen westlichen Philosophie [ist], das sich umfassend und durchgehend der Problematik "Zeit" widmet." 44 Die-
GangXian, Schellings Idee der Weltalterphilosophie und seine Lehre von 44
35
ser erste, kühne Entwurf wurde oenbar von einer derart bevorzugten Hand geschrieben, dass deren tiefer Gehalt erst knapp 200 Jahre nach seiner Ausarbeitung eine angemessene Würdigung von Seiten der Naturwissenschaften nden konnte, nämlich auf der Grundlage einer konsistenten Interpretation der Quantenphysik. Die einstmalige Ablehnung könnte daher in ein Interesse umschlagen. Käme es zu einer gegenseitigen Wertschätzung zwischen der Weltalterphilosophie und den Naturwissenschaften, dann würden beide Seiten davon protieren. Der weltweite und fachübergreifende Diskurs würde vermutlich sprunghaft durch viele brillante Ideen ganz unterschiedlicher Art bereichert werden.
36
Arbeit zitieren:
Dr. Peter Kleinert, 2010, Schellings Philosophie der Weltalter im neuen Licht, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache): Schellings Philosophie der Weltalter im neuen Licht ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache): neuer Titel erschienen: Schellings Philosophie der Weltalter im neuen Licht
Peter Dr. Kleinert hat einen neuen Text hochgeladen
Natur und Technik. Physik/Chemie. Hauptschule Nordrhein-Westfalen. Neu...
Siegfried Bresler, Bernd Heepmann, Matthias Pollmann, Wilhelm Schröder
Perspektiven Der Philosophie: Neues Jahrbuch Band 34 - 2008.
Georges Goedert, Martina Scherbel
Perspektiven Der Philosophie. Neues Jahrbuch Band 35 - 2009
Georges Goedert, Martina Scherbel
Gesamtausgabe Abt. 2 Vorlesungen Bd. 42. Schellings Abhandlung über da...
Martin Heidegger, Hildegard Freick
Der Karlsruher Physikkurs 2. Daten, Elektrizität, Licht
Ein Lehrbuch für die Sekundars...
Friedrich Herrmann
Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung
Vortrag am XIV. Kongress des P...
Thomas Mann
Urbaum, Weltenbaum, Hüterin de...
Fred Hageneder, Andy McGeeney, Christian Wolf, Chris Worrall
0 Kommentare