Gliederung
1.Einleitung. S.3
2.Weltbild im frühen Mittelalter. S.3
3.Kurze Geschichte der Seefahrt im Frühmittelalter. S.4
4.Dantes Weltbild. S.6
5.Inhaltliche Zusammenfassung des 26. Inferno-Gesangs. S.8
6.Odysseus im 8. Höllenkreis. S.9
7. Columbus, Alexander und Odysseus. S.17
8.Literaturverzeichnis. S.22
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Einleitung
„Auch hat ja der Held und Gott / den Schiffen zum Grenzziel gesetzt / diese erhabenen Zeichen“. 1 Worauf der Sänger Pindar hier in seiner dritten nemeischen Ode am Anfang des fünften Jahrhunderts vor Christus anspielt, sind die Säulen des Herkules, die man heute als Meerenge von Gibraltar kennt. Sogar der Halbgott Herkules hat es also nicht gewagt über diese Grenze hinauszusegeln und hat für alle Seefahrer deutlich seine Säulen errichtet.
Was veranlasst deshalb Dante „seinen“ Odysseus über diese Grenze hinaus in die menschenleere Weite segeln zu lassen? Das soll in dieser Arbeit näher beleuchtet werden, wobei zuerst ein Überblick über die mittelalterliche Seefahrt gegeben werden soll, bevor der Versuch einer Interpretation des 26. Gesangs des Infernos vollzogen wird. Weltbild im frühen Mittelalter
Bevor man sich aber dem Stand der frühmittelalterlichen Seefahrt zuwenden kann, muss man sich ein Bild davon machen, wie Dantes Zeitgenossen die Welt gesehen haben. Hier konkurrieren vor allem das christlich geprägte Weltbild, das die Welt als Scheibe sieht, und das ptolemäisch-aristotelische Weltbild, das sich die Welt als Kugel vorstellt.
Die christliche Vorstellung der Welt geht vor allen auf den alexandrinischen Kaufmann und Mönch Kosmas Indikopleustes zurück. Im Jahre 550 schrieb er sein Werk Topographia Christiana, ein aus zwölf Büchern bestehendes Werk, das ein christliches Weltbild zeichnet und somit einen Gegenpart zur ptolemäischen Kugelidee bildete. Indikopleustes stellt sich die Welt als ein Rechteck vor, an dessen Grenzen Mauern sind, die den Himmel tragen. 2 Obwohl diese Ansicht der Welt weit verbreitet war, fand sie bei den nachfolgenden Generationen keinen großen Anklang mehr: „Die Weltkarte des Indienfahrers Cosmas setzt durch ihre naive und wahrhaft barbarische Einfachheit
1 Wolde, Ludwig: "Pindar: Oden", München 1956, S. 122
2 Vgl. Hausmann, Frank-Ruttger: "Dantes Kosmographie - Jerusalem als Nabel der Welt, in: Deutsches Dante Jahrbuch 1988, Bd. 63, S. 15
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den Beschauer in Erstaunen. 3
Die ptolemäische Weltkarte wurde astronomisch berechnet, wobei die Breitenangaben erstaunlich genau wiedergegeben sind (bei gleichzeitiger Schwäche bei den Längenangaben). 4 Die 127 nach Christus von Ptolemäus gezeichnete Weltkarte, die bis weit ins Mittelalter Gültigkeit besessen hat, reicht von den Säulen des Herkules im Westen bis zur Gangesmündung im Osten. Im Norden erstreckt sie sich bis zu dem Land der Skythen und im Süden bis zu der großen Wüste. Als südlichste Bewohner der Erdkugel galten die Inder und die Äthiopier. 5
Im Gegensatz zu den heutigen Weltkarten, war diese geostet und nicht genordet. Auf der anderen Seite der Kugel vermutete man unendliche Wassermassen ohne festes Land und Menschen. Auf der bewohnten Nordhälfte liegt bei den sogenannten T-O-Karten im Zentrum Jerusalem, die heilige Stadt: „So spricht Gott, der Herr: Das ist Jerusalem, ich habe es mitten unter die Völker und die Länder ringsum gesetzt“. 6 Im Norden befindet sich Asien, im Südwesten Europa, und im Südosten Afrika. Die anderen beiden Kontinente, Australien und Amerika, waren am Anfang des Mittelalters noch unbekannt.
Kurze Geschichte der Seefahrt im Frühmittelalter
Anfang des elften Jahrhunderts zerbricht die Vorherrschaft der Byzantiner (sie verlieren 1004 zum Beispiel die Macht über Bari) und auch die Sarazenen verlieren an Einfluss durch den Anführer der Normannen Guiscard. Dies bietet eine große Möglichkeit für die Hafenstädte Venedig, Amalfi, Genua, und Pisa ihre Machtposition auszubauen, da sie die Endpunkte der orientalischen Handelsrouten bilden.
Amalfis herausragende Stellung hatte allerdings 1135 ein Ende, als es von
3 Humbolt, Alexander: Kritische Untersuchung zur historischen Entwicklung der geographischen Kenntnisse von der Neuen Welt und den Fortschritten der nautischen Astronomie im 15. und 16. Jahrhundert. Frankfurt am Main 2009
4 Vgl. Henning, Richard: Terrae incognitae Band 1: Altertum bis Ptolemäus. Leiden 1944, S. 162f
5 Vgl. Riessner, Claus: Dante und das geographische Weltbild seiner Zeit, In: Deutsches Dante-Jahrbuch 1980/81, Bd. 55/56, S.249f
6 Die Bibel - Einheitsübersetzung der heiligen Schrift. Stuttgart 2006, Ezekiel 5,5
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Pisa geplündert und erobert wurde. Pisa, im Gegensatz zu Amalfi, trat offen in den Krieg mit der arabischen Welt ein, und mit Hilfe der Normannen besiegten sie 1062 die arabische Flotte in den Gewässern von Palermo. 7 Vor allem Venedig gewann nun an Macht, da es über eine große Flotte verfügte und in der Adria konkurrenzlos war. Venedig betrieb Seemachtpolitik und nach der Eroberung Istriens wurde es unabhängig. 8 Ein wichtiges Ereignis, das die Entwicklung der Schifffahrt förderte, war der erste Kreuzzug, der 1099 mit der Eroberung Jerusalems endete. Die Seestaaten boten den Kreuzfahrern ihre Handelsschiffe für den Transport von Waffen und Truppen an und erhielten dafür im Gegenzug Küstengebiete in den eroberten Territorien , um ihre Vormachtstellung in Handel mit dem Orient auszubauen.
Die große logistische Aufgabe, die mit dem Kreuzzug verbunden war, machte deutlich, dass neue Entwicklungen im Bereich der Schiffstechnik von Nöten waren. Schon 1039 geht aus einer venezianischen Urkunde hervor, dass ein Eisenanker gemietet werden kann, und Mitte des dreizehnten Jahrhunderts wurden erste Kaianlangen und Kräne in Betrieb genommen. Den Kompass in seiner heutigen Form gab es damals noch nicht. Es gab eine magnetisierte Nadel, die in einem Korken auf Wasser trieb, aber dieses Messinstrument war noch sehr ungenau. Der Trockenkompass wurde wahrscheinlich erst Anfang des 15. Jahrhunderts verwendet. 9
Vielmehr orientierten sich die Seefahrer der Antike und des frühen Mittelalters an den sogenannten Periploi, Reiseanleitungen. Sie enthielten Angaben über den Verlauf der Küsten, Wegangaben, ein Verzeichnis der Häfen, und warnten vor möglichen Gefahren, wie Untiefen.
Abgelöst wurden sie Ende des 13. bis Anfang des 14. Jahrhunderts von den Protolankarten. Sie sind eine Weiterentwicklung der Periploi. 10 Die Angaben sind
7 Vgl. Procacci, Giuliano: Geschichte Italiens und der Italiener, München 1989, S. 17
8 Vgl. Pemsel, Helmut: Weltgeschichte der Seefahrt Bd.1 - Geschichte der zivilen Seefahrt. Wien 2004, S. 25
9 Vgl. Sauer, Albrecht: Zur terrestrischen Navigation im Mittelalter und früher Neuzeit. In: Deutsches Schifffahrtsarchiv: wissenschaftliches Jahrbuch des Deutschen Schifffahrtsmuseum. Kuden 1998, S. 373
10 Vgl. De Toledo, F. Javier Villalba Ruiz: Die Wahrnehmung der Welt: Geographische Kenntnisse, in: Novoa Portela, Felicano/ Cordoba Zoilo, Joaquin M. (Hrsg.): Legendäre Reisen im Mittelalter, Darmstadt 2008, S. 27
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nun präziser und werden durch Texte gestützt. Küstenlinien und Landungsstellen sind nun durch Erfahrungsberichte sehr wirklichkeitsgetreu wiedergegeben. Es existierten Portolankarten für das Mittelmeer, das schwarze Meer und die atlantische Europaküste. Mithilfe von Protolankarten zeichnete Vesconte 1321 eine ziemlich präzise Landkarte, die von De Mauro 1459 weiterentwickelt wurde, wobei sowohl empirische Forschungsergebnisse, als auch alte christliche Vorstellung in seiner Karte vereint sind. 11 Im Gegensatz zu den christlichen Weltkarten sind die Portolankarten genordet, was die Verwendung der frühen Form des Kompasses nahe legt. 12
Die weit verbreitete Annahme, die damaligen Seefahrer hätten sich bei ihren Reisen nur in Küstennähe aufgehalten, widerspricht Höckmann. Schon ab dem 1. Jahrhundert vor Christus gab es die astronomische Nautik. Damals orientierten sich die erfahrenen Seefahrer an den Sternbildern, um den Kurs für längere Reisen zu berechnen. Als Hilfsmittel dienten ihnen das Astrolabium, das Gnomon und Sternenkarten. 13
Aufgrund der frühen Pilgerreisen sind die Weltbilder zu Dantes Zeiten trotzdem noch sehr christlich geprägt, aber man steht am Anfang einer Entwicklung, in der mehr und mehr Wert auf empirisch nachgewiesene Angaben gelegt wurde. Die „antici“ und die „moderni“ befinden sich im Kampf, und am Ende gehen die „moderni“ als Sieger daraus hervor. Dantes Weltbild
Der Theologe Dante war der christlichen Anschauung verbunden, und dennoch entschied auch er sich für das von Ptolemäuas und Aristoteles vertretene Kugellmodell der Welt, wie man an einigen Stellen in der Divina Commedia sieht, wenn er für die Beschreibung der Welt Begriffe wie „palla“, „tondo“ oder „globo“ verwendet. 14
11 Vgl. Baumgärtner, Ingrid: Kartographie, Reisebericht und Humanismus. Die Erfahrung in der Weltkarte des venezianischen Kamaldulensermönchs Fra Mauro (gest. 1459) in: F. Reichert (Hrsg.): Fernreisen im Mittelalter , Berlin 1998 S.161f
12 Vgl. a.a.O., S. 163ff
13 Vgl. Höckmann, Olaf: Antike Seefahrt. München 1985, S. 160ff 14 Vgl. Hausmann, S. 13
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Arbeit zitieren:
Dottore Florian Schmidt, 2009, Dantes Odysseus als visionärer Seefahrer? - Die Odysseusdarstellung im Canto 26 des Inferno, München, GRIN Verlag GmbH
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