Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
1. Einleitung/ Forschungsstand 1
2. Die Gesellschaft vor und während der Industrialisierung 2
3. Anfängliche Bedenken gegen die Eisenbahn 3
3.1 Auswirkungen auf Natur und Gesundheit 3
3.2 Verdrängung von Raum und Zeit 4
3.3 Zerstörung der Landschaften 4
4. Neue Denk- und Verhaltensweisen 6
4.1 Industrialisierung des Reisens 6
4.2 Das panoramatische Reisen 7
4.3 Sport- und Freizeittourismus 9
5. Schlussbetrachtung 11
Literaturverzeichnis II
I
1. Einleitung/ Forschungsstand
Wohl nur wenige Erfindungen des 19. Jahrhunderts haben die Lebensbedingungen und den Erfahrungshorizont der Menschen so sehr verändert wie die Eisenbahn. Allerdings war der Transformationsprozess von der Kutsche zum Schienenverkehr geprägt von Skepsis und Kritik. Der technische Fortschritt im Zuge der industriellen Revolution wird in seiner gesamten Breite nur vollständig erfasst, wenn ebenso alle gesellschaftlichen Erscheinungen betrachtet werden. 1 Vor dem Hintergrund dieser Feststellungen setzt sich diese Arbeit mit dem Wandel der öffentlichen Meinung durch die Einführung der Eisenbahn auseinander. Im Anschluss an die Einleitung und den Forschungsstand erfolgt im zweiten Kapitel eine kurze Beschreibung, wie und wodurch sich die Gesellschaft vor dem 19. Jahrhunderts und mit einsetzender Industrialisierung kennzeichnete. Daran schließen sich im dritten Kapitel die anfänglichen Bedenken, die mit der neuen Transporttechnologie einher gingen, an. Zentrale Frage der Arbeit wird es sein, heraus zu arbeiten, welchen Einfluss die Erfindung der Eisenbahn auf die Gesellschaft hatte und wie sich dieselbe durch die Entwicklung der Eisenbahn verändert hat. Hierzu beleuchtet der Hauptteil dieser Arbeit die neuen Denk- und Verhaltensweisen und stellt die Bedeutung der Eisenbahn auf die Gesellschaft heraus. Im Schlussteil dieser Arbeit werden die Vor- und Nachteile noch einmal abschließend zusammengefasst und im Kontext zur weiteren Entwicklung gesetzt.
Während sich viele Veröffentlichungen meist aus der wirtschaftlichen Perspektive der Eisenbahn als Träger der industriellen Revolution zugewendet haben, liegen deutlich weniger Arbeiten vor, die Fragen des gesellschaftlichen Wandels mit Beginn der Eisenbahnentwicklung aufgreifen. Hier soll die vorliegende Arbeit anknüpfen. Wendet man den Blick auf die gegenwärtige Literatur, dann findet man Werke wie „Geschichte der Eisenbahnreise“ , verfasst vom Historiker Wolfgang Schivelbusch, sowie der Buchband „Zug der Zeit - Zeit der Züge“, herausgegeben vom Historiker Manfred Jehle, in denen gesellschaftliche Veränderungen durch die Eisenbahnentwicklung detailliert darlegt werden. Ziel dieser Arbeit ist es, diese und weitere Veränderungen aufzugreifen und in einen anschaulichen historischen Kontext zu setzen.
1 König/ Weber (1997), S.11.
1
2. Die Gesellschaft vor und während der Industrialisierung
Mit dem Einsetzen der Industrialisierung, zuerst in England, später dann im gesamten europäischen Raum, wandelte sich die mittelalterliche Ständegesellschaft zu einer Klassengesellschaft. Die Gesellschaft zur Zeit der Industrialisierung gliederte sich in Klassen, die sich, im Gegensatz zur Ständegesellschaft, nicht durch Recht und Konventionen voneinander abgrenzten. Die erste Klasse bildete die vermögende Oberschicht. Eine Stufe darunter war die obere Mittelschicht eingegliedert, die sich hauptsächlich aus höheren Beamten, Grundbesitzern, Unternehmern, Ärzten, Künstler und Rentiers zusammensetzte. Die Handwerker, Kleinhändler, Subalternbeamten, Werkmeister und besser bezahlten Arbeiter bildeten die untere Mittelschicht. Zur unteren Klasse wurden größtenteils Lohnarbeiter, untere Beamte, arme Handwerker und Kleinbauern gezählt. Das Prinzip gesellschaftlicher Organisation war die Zuordnung von Menschen in Gruppen wie beispielsweise Familien, Haushalte und Berufe. 2 Der Staat begann durch rechtsstaatliche Organisierung Sicherheit und Ordnung in die Gesellschaft zu bringen. Die mittelalterliche Ständegesellschaft hingegen vermittelte dem Bürgertum statische Gültigkeit von Sicherheit und Konsistenz durch klare hierarchische Gliederung. Zu den Rahmenbedingungen der gesellschaftlichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts gehörte, neben der Aufhebung der alten Klassenordnung und der Revolutionierung der Produktion, das Bevölkerungswachstum. Diese demographische Entwicklung hat viele Gründe, ausschlaggebend waren u.a. die verbesserten Hygiene- und Ernährungsbedingungen, sowie die vermehrten Arbeitsmöglichkeiten. Bei Überlegungen zur Produktivitätssteigerung erkannten Unternehmer, dass verringerte Arbeitszeiten, ergänzt mit strengeren Kontrollen, zu weniger Ausfallzeiten und mehr Produktionseffizienz führten. 3 Ferner wurde in den europäischen Staaten das Bildungswesen zunehmend als wirtschaftliche Ressource verstanden. 4 Folgend begann in den Betrieben eine einsetzende Reduktion der Arbeitszeit von 14 bis 16 Stunden in den 1850er Jahren auf rund 10 Stunden zum Ende des 19. Jahrhunderts. 5 . Dies ist darauf zurückzuführen, dass andere soziale Leistungen wie z.B. Pensionsansprüche, den Beamten der Eisenbahn eine generell hohe Arbeitszufriedenheit brachte. 6
2 Vgl. Ritter/Tenfelde (1992), S.118.
3 Vgl. Ritter/Tenfelde (1992), S.362.
4 Vgl. Prokasky (2004), S.54.
5 Vgl. Ritter/Tenfelde (1992), S.364.
6 Vgl. Wolf (1992, S.42.
2
3. Anfängliche Bedenken gegen die Eisenbahn
Wie es oft bei neuen Entwicklungen und Innovationen zu registrieren ist, stieß auch die Eisenbahn auf Skepsis seitens der Bevölkerung. Durch die Ungewissheit über Abläufe und externe Effekte des „Höllengefährts“ übten einflussreiche Personen über damalige mediale Kanäle, wie Zeitungen und andere Illustrationen, Kritik aus. 7 Allerdings brachten die unteren Klassen der Gesellschaft keine Erfahrung bezüglich der Eisenbahnreise mit, weil sie durch die Lokomotive überhaupt erstmalig die Gelegenheit hatten zu reisen. 8 Die Geschwindigkeit der Eisenbahn symbolisierte den Fortschritt und damit, für einen erheblichen Anteil der Bevölkerung, den Untergang alter Werte. 9
3.1 Auswirkungen auf Natur und Gesundheit
Die Widersacher der Eisenbahn befürchteten schwerwiegende Folgen für die Landwirtschaft und die Gesundheit von Mensch und Tier. Es wurden Behauptungen laut, dass die Rauchgase das Getreide schwärzen und ungenießbar machen würden. Durch den entstehenden Lärm würde das Vieh von der nötigen Ruhe und Ernährung abgehalten. 10 Gleichzeitig würden durch den Lärm und die Erschütterung Vögel verjagt werden. Renommierte Forscher und Ärzte vermuteten, dass Kälte und Feuchtigkeit, welcher die Fahrgäste ausgesetzt waren, zu körperlichen Beschwerden führen würden. Das ließ sich daraus ableiten, dass Eisenbahnwaggons der dritten und vierten Klasse bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht überdacht waren. Das Einatmen des Rauches, insbesondere in Tunneln, bereitete den Wissenschaftler ebenfalls erhebliche Sorgen. Die Auffassungen und Thesen, welche die Kritiker publizierten, waren zu keiner Zeit durch Forschung oder Experimente nachgewiesen worden.
Allerdings blieb ein anfängliches negatives Meinungsbild im Zusammenhang mit dem neuen Phänomen „Eisenbahn“ nicht aus. 11
7 Vorsteher (1985), S.405.
8 Vgl. Schivelbusch (2004), S.64.
9 Vgl. Tschoeke (1985), S.432.
10 Vgl. König/ Weber (1997), S.171.
11 Vgl. Vorsteher (1985), S.406.
3
Arbeit zitieren:
Dominik Menzel, 2010, Die Eisenbahn als Träger gesellschaftlicher Veränderung, München, GRIN Verlag GmbH
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