Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung 2
2. Ausgangslage nach 1945 2
3.1 Regierung und Parteiensystem 5
3.1.1 Parteien 6
3.1.2 SPD 7
3.2 Verfassung 8
3.3 Entnazifizierung 9
4. Wiedergutmachung 10
5. Reformen 11
5.1 Wirtschaft und Sozialwesen 12
5.2 Bildungs- und Medienpolitik 13
6. Fazit: Vorbildcharakter? 15
7. Literaturverzeichnis 17
1
1.Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, ob bzw. inwieweit in Hessen im Zeitraum 1945-1949 eine demokratische Entwicklung stattgefunden hat und in wie fern das Land dabei als Vorbild für die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland (BRD) betrachtet werden kann.
Zunächst werfe ich in Kapitel 2 einen kurzen Blick auf die Ausgangslage in Deutschland und speziell in Hessen, unmittelbar nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 08. Mai 1945.
Anschließend soll die Entwicklung der Demokratie mit besonderem Augenmerk auf Hessen analysiert werden, wobei näher auf die damalige Regierung sowie das neu entstandene Parteiensystem eingegangen wird. Daraufhin erfolgt ein genauerer Blick auf die Geschichte der Sozialdemokratie bzw. der SPD in Hessen.
Nachdem im Verlauf der Arbeit auf die Hessische Verfassung von 1946, die Entnazifizierung, sowie den Prozess der Wiedergutmachung in Hessen eingegangen wird, folgt ein Überblick hinsichtlich der umgesetzten Reformen im Bezug auf Wirtschaft und Sozialwesen und anschließend bezüglich Bildungs- und Medienpolitik in Hessen.
In Kapitel 6 versuche ich unter Zuhilfenahme verschiedener Autoren-Meinungen ein Fazit zu ziehen hinsichtlich der eingangs aufgeworfenen Frage nach der etwaigen Vorbildfunktion des neu entstandenen Landes Hessen für die ebenfalls neu gegliederte Bundesrepublik Deutschland.
2. Ausgangslage nach 1945
Im Jahr 1945 bzw. nach dem Ende des verlorenen 2. Weltkrieges stand Deutschland vor einem „Trümmerhaufen“ und schier unlösbaren wirtschaftlichen, sozialen und politischen Herausforderungen und Problemen:
Nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 hatten die Alliierten das komplette Staatsgebiet besetzt und die Regierungen der Siegermächte übernahmen daraufhin die oberste Regierungsgewalt in Deutschland. Grundlage hierfür war das am 5. Juni unterzeichnete "Vier-Mächte-Abkommen" durch die vier alliierten Befehlshaber in Berlin. Das Deutsche Reich wurde in seinen Grenzen von 1937 in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Das heutige Hessen fiel dabei, genau wie Württemberg-Baden und Bayern, der amerikanischen Zone zu.
Das Regieren wurde von der Viermächte-Verwaltung auf drei Ebenen vollzogen:
2
Oberste Entscheidungsebene war die ständige Außenministerkonferenz der vier Großmächte. Darunter befand sich der Alliierte Kontrollrat, welcher (gewissermaßen in Form einer Treuhandschaft) die von den Alliierten übernommene Staatsgewalt ausüben sollte. Der dritten und untersten Ebene kam die Funktion des Ausführens (von Erlassen, Gesetzen, etc.) zu, sie wurde aus den Militärregierungen in jeder einzelnen Besatzungszone gebildet. 1 Wie im gesamten Gebiet der späteren BRD herrschte auch in den hessischen Gebieten nach der zwölfjährigen Nazidiktatur überall große wirtschaftliche und soziale Not. Es bestand ein katastrophaler Mangel an Nahrungsmitteln; auch der Wohnraum war aufgrund der massiven Bombenangriffe durch die Alliierten äußerst knapp. Essentielle Rohstoffe waren nur in geringen Mengen vorhanden, Energie stellte ein kostbares Gut dar und viele andere existentielle Dinge waren ebenfalls nur schwer zu beschaffen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich in den ersten Nachkriegsjahren aufgrund des Missverhältnisses von Warenangebot und -nachfrage ein blühender Schwarzmarkt etablierte, welcher sich nicht gerade positiv auf die ohnehin schon marode gesamtwirtschaftliche Situation auswirkte. 2
Doch ungeachtet dieser äußerst problematischen Ausgangslage standen die damaligen Politiker vor weiteren dringlichen Aufgaben:
Die Integration von ca. einer Million Flüchtlingen und Ausgewiesenen aus dem ehemaligen Ostdeutschland und aus osteuropäischen Staaten war dringend voranzutreiben. Des weiteren mussten diejenigen Menschen, die während der Herrschaftszeit des NS-Regimes verfolgt worden waren und unvorstellbare Leiden hatten erfahren müssen, eine umfassende Wiedergutmachung erfahren.
Zudem hatte der zweite Weltkrieg unmittelbar zur Folge, dass die Anzahl der männlichen Bürger auf ca. ein Drittel der Bevölkerung dezimiert wurde und die Frauen somit regelrecht gezwungen waren, sich aus der traditionellen Rollenverteilung loszulösen und zusätzlich zu der Hausarbeit einer bezahlten Arbeit nachzugehen.
Ein weiteres, meiner Ansicht nach nicht zu unterschätzendes, Problem in den ersten Nachkriegsjahren stellte die politische Gesinnung der deutschen Bürger dar. Diese waren aufgrund der bestehenden existentiellen Nöte regelrecht zu einem Rückzug in die private Sphäre gezwungen. Außerdem wurde die Besetzung Deutschlands gerade unmittelbar nach Kriegsende nicht als erlösende Befreiung von Faschismus und Diktatur, sondern viel eher als militärische Niederlage verstanden. So war das Verhältnis von Besatzungsmacht und den
1 Vgl. URL: http: [Stand: 10.3.2008]
2 Vgl. Kropat 2003:183
3
Bewohnern der Besatzungszone von tiefen gegenseitigen Ängsten und Befürchtungen gekennzeichnet. 3
Die hessischen Politiker standen, wie ihre Kollegen im restlichen Deutschland, vor einer schwierigen und zugleich sehr bedeutsamen Aufgabe. Laut Potsdamer Abkommen sollte die Selbstverwaltung Deutschlands „von unten nach oben“ wiederhergestellt werden. Zudem sollte Deutschland trotz der Sektoren-Aufteilung als politisch und wirtschaftlich Ganzes behandelt werden.
Doch schon bald traten Probleme bei der Konzeption und Koordination einer gemeinsamen Deutschlandpolitik auf den beiden oberen Ebenen (s. Seite 3) auf. Daraus resultierte eine faktische Verlagerung der Entscheidungskompetenz auf die Ebene der einzelnen Militärregierungen, was zu einer wachsenden Eigenständigkeit der Zonen und damit zu einer Regionalisierung des besetzten Deutschlands führte. 4
3. Demokratie in Hessen
Artikel III. Punkt 9 des Potsdamer Abkommens besagt: "Die Verwaltung Deutschlands muss in Richtung auf eine Dezentralisation der politischen Struktur und der Entwicklung einer örtlichen Selbstverwaltung durchgeführt werden." 5
Dies bedeutete, dass auf Gemeinde-, Kreis-, Provinzial- und Landesebene wiedergewählte Vertreter eingesetzt werden sollten. Zu diesem Zweck sollten auch alle demokratischen politischen Parteien wieder zugelassen werden. Die Dauer der Umsetzung dieses Beschlusses variierte in den einzelnen Zonen. 6
Die damaligen hessischen Politiker und Staatsmänner standen vor der Herausforderung, eine demokratische Verwaltung aufzubauen und was nicht minder schwierig erscheint, die Bevölkerung für das Prinzip der Demokratie zu gewinnen.
Gerade der letztgenannte Punkt erwies sich als äußerst großes Problem, da besonders die älteren Bürger noch den „Schrecken von Weimar“ im Gedächtnis hatten und gegenüber dem Prinzip der Demokratie erst einmal eher skeptisch eingestellt waren. 7 Doch eine pro-demokratische Entwicklung wurde von den amerikanischen Besatzern stark forciert und tatkräftig unterstützt.
So schreibt Walter Mühlhausen: „Die Amerikaner wollten sobald wie möglich demokratische Organe auf allen Ebenen wählen lassen, ihnen Befugnisse übertragen, um so eigene
3 Vgl. Kropat 2003:175 ff
4 Vgl. URL: http: [Stand: 10.3.2008]
5 Vgl. URL: http: [Stand: 10.3.2008]
6 Vgl. URL: http: [Stand: 10.3.2008]
7 Vgl. Kropat 2003:174 f
4
Verwaltungen zu reduzieren und sich auf indirekte Kontrolle der deutschen Ämter zu beschränken. Der Aufbau demokratischer Strukturen erfolgte von ‚unten nach oben’“, 8 d.h. es fanden zuerst Wahlen in den einzelnen Gemeinden statt (Januar 1946), dann auf Kreisebene (April 1946) und schließlich dann die Landtagswahl im Dezember 1946. Trotz der prekären Lage, in der sich Hessen bzw. das gesamte Gebiet der BRD nach dem Ende des zweiten Weltkrieges befand, war es in Hessen somit in einer beachtlich kurzen Zeit gelungen, grundlegende demokratische Elemente zu entwickeln bzw. zu fördern, die später auch in der gesamten Bundesrepublik Verwendung fanden.
So beweist das neugegründete demokratische Parteiensystem noch bis in die heutige Zeit einen elementaren Charakter in Bezug auf die Politik der BRD. 9 In der Zeit vom Sommer 1945 bis zum 1. Dezember 1946 „wurde die äußere und innere Trennung von der national-sozialistischen Diktatur vollzogen und eine demokratischen Staatsordnung begonnen.“ 10
3.1 Regierung und Parteiensystem
Galt die amerikanische Besatzungsmacht anfangs noch als „Militärdiktatur“, wandelte sich das Verhältnis recht schnell zu einer weitgehenden Partnerschaft, man kann somit eher von dem Prinzip einer „Erziehungsdiktatur“ sprechen.
Kurz nach Kriegsende sprachen die Alliierten ein umfassendes Parteienverbot aus, jedoch erfolgte bereits im September 1945 die Wiederzulassung von politischen Parteien (SPD, KPD, CDU und LDP), wodurch der Demokratisierungsprozess in Hessen mit großen Schritten vorangetrieben wurde.
Allerdings bestand zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Möglichkeit, demokratische Wahlen abzuhalten. So wurde die erste Hessische Landesregierung unter dem parteilosen Ministerpräsidenten Professor Karl Geiler nicht durch Wahlen legitimiert, sondern von der Militärregierung im Oktober 1945 berufen; nur wenige Wochen nach der Gründung des Landes „Groß-Hessen“. Zu „Groß-Hessen“:
Nachdem die Einigung zwischen den Siegermächten über die Zonengrenzen stattgefunden hatte, initiierte die amerikanische Militärregierung bereits im Juni 1945 die Bildung von zwei Ländern in den hessischen Gebieten: Hessen-Nassau und Hessen (-Darmstadt).
8 Mühlhausen 1995:53
9 Vgl. Kropat 2003:174
10 Lilge 1992:15
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Valerie Grimm, 2008, Die demokratische Entwicklung Hessens 1945-1949 als Vorbild für die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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