Dr. Christine Wiezorek absolvierte 1996 ihr Studium zur Diplompädagogin an der Freien Universität Berlin. Sie war DFG-Promotionsstipendiatin im Bielefeld-Kasseler Graduiertenkolleg: Schulentwicklung an Reformschulen im Hinblick auf das allgemeine Schulsystem. 2003 promovierte sie zur Dr. phil. an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit dem Prädikat „summa cum laude“. Nebenbei wirkte Dr. Wiezorek bei unterschiedlichen Projekten im Bereich der Erziehungswissenschaften mit und ist seit dem Sommersemester 2005 an der Friedrich-Schiller-Universität am Institut für Erziehungswissenschaften tätig.
Ihre 2003 verfasste Dissertationsarbeit „Schule, Biografie und Anerkennung - Eine fallbezogene Diskussion der Schule als Sozialisationsinstanz“ stellt als literarisches Werk den Schwerpunkt der vorliegenden Rezension dar und wird im Weiteren näher erläutert und kommentiert.
Schule, Biografie und Anerkennung thematisiert die schulbiografische Entwicklung von ostdeutschen Schülern, welche in den 1980er und 1990er Jahren die Schule im Bundesland Thüringen absolvierten und somit das Schulsystem der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (im Nachfolgenden: DDR) und jenes neu eingeführte System ab dem Jahre 1990 miterlebten.
Basierend auf dem allgemeinen Verständnis von Sozialisation, sprich Integration in die Gesellschaft, formuliert Wiezorek ihre Hinführung an die Diskussion zunächst über die Definition von Schule als Sozialisationsinstanz. Sie setzt dabei voraus, dass es sich speziell auf ihre Arbeit um eine „strukturelle Gegebenheit der Biographie“ (vgl. Wiezorek 2005, S.18) handelt. Weiterhin stellt sie den Einfluss der Familie dem der Schule entgegen. Sie betrachtet in ihrer Studie zwei verschiedene Seiten, inwiefern Kinder und Jugendliche in die Gesellschaft integriert und sozialisiert werden können. Dabei spielen sowohl Schule als auch die familiäre Beziehung eine wichtige Rolle in der Biographie der Schüler. Deren Handeln und Agieren in der Gesellschaft wird maßgeblich durch verschiedene Instanzen beeinflusst, wodurch auch eine gewisse Aufgabe und Pflichterfüllung an die Schule und die Familie herangetragen wird. Dies geschieht im Wesentlichen durch die Gesellschaft und die in ihr verankerten Gesetze und Normen.
Im nächsten Schritt ihrer Analyse konfrontiert Wiezorek den Leser mit der Bildungs- und Familienpolitik der ehemaligen DDR. Für ihre Diskussion zweckdienlich erarbeitet sie zunächst wesentliche Merkmale der selbigen heraus und vergleicht diese anschließend mit dem Äquivalent in der Bundesrepublik. Auffallend dabei sind die in der DDR einheitlichen
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Lehrpläne des gleichsam einheitlichen Schulsystems, die Schule als „Institution des Staates“ (vgl. Wiezorek 2005, S. 91) und die Teil- oder Vollbeschäftigung ostdeutscher Frauen und Mütter. Die Autorin schafft im selben Schritt eine Verbindung zu ihren Thesen bezüglich der Schule als Sozialisationsinstanz und proklamiert die Aufgaben der Schule im täglichen Leben des Schülers, welche von der sozialistischen Erziehung der Jugend bis hin zur Beeinflussung des Privatlebens innerhalb der Familie reichen. Ausgehend von diesen Aspekten führt Wiezorek drei Gespräche mit ehemaligen Schülern einer Realschule in Thüringen, welche die strukturellen Veränderungen während der Wendejahre in ihrer Schulzeit auf verschiedene Art und Weise erlebten. Zunächst wird von einem jungen Mann berichtet, welcher mit der Umstrukturierung der Schulformen erhebliche Rückschläge im Bezug auf seine Benotung erfahren musste. Die Folgen seiner zurückgehenden Leistungen wurden sowohl von den Lehrern verstärkt negativ Beurteilt als auch von den Eltern mit Intoleranz behandelt. Der Schüler konnte hier keine positiven Erfahrungen mit den neuen Herausforderungen machen, da seiner Meinung nach zum einen die Lehrer noch dem alten Schul- und Rechtssystem treu waren und zum anderen die Eltern zu hohe Erwartungen hegten, wodurch der innere Druck stets anstieg. Der zweite Schüler sah in der Schule eine Art zweites Zuhause und integrierte sich in die neue Schulform durch Mitwirkung an der Schülervertretung und durch Bemühung eines mittelmäßigen Zensurenschnittes, um nicht das erworbene Ansehen im Freundeskreis zu verlieren. Angebote auf das Gymnasium lehnte er stets ab, da er sehr stark von seinem Freundeskreis geprägt, seinen Schul- und Bildungsweg auslegte. Trotz der Fixierung auf die Freunde, pflegte der Schüler einen umgänglichen Kontakt zu den Lehrern, wodurch seine Stellung in der Schulgemeinschaft keine unrühmliche gewesen ist. Für den dritten Schüler ist die Schule eine Art zweites Zuhause. Seine Fähigkeiten handwerklichen Bereich entwickelt er vor allem in der Umgebung der Schule. Diese zeigt sich vor allem darin, dass er schon früh damit begonnen hat, einen Schulschrank zu reparieren und zu verbessern. Außerdem verdient er früh sein eigenes Geld, welches auch dazu diente, eine Klassenfahrt zu finanzieren. Sein Schulleben ist geprägt von Auseinandersetzungen mit den Lehrern und dem vorbelasteten Familienbild durch seine älteren Geschwister. Wiezorek beurteilt im Anschluss an die Gespräche die Aussagen und setzt sie in Verbindung mit den von ihr gestellten Thesen. Dabei bestätigt sich für sie, dass die Schule, vor allem wenn sie Veränderungen erfährt, prägend für das Leben der Schüler ist. Anhand der drei Befragten zeigt sie auf, in wie weit diese Veränderungen greifen können. Der erste findet schlecht Anschluss an das neue System und verliert sich in der unteren Hälfte des
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Arbeit zitieren:
Felix Eibenstein, 2010, Rezension - Dr. C. Wiezorek: Schule, Biografie und Anerkennung, München, GRIN Verlag GmbH
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