In der folgenden Ausarbeitung zum Thema „Historische Romane - Zwischen Fiktionalität und Historie“, soll aufgezeigt werden, welche Eigenschaften historische Romane haben und wie sich diese auf das Verhältnis von historischer Wahrheit und fiktionaler, literarischer Ausschmückung auf die Adressaten dieser Romane auswirken. Zudem soll analysiert werden, ob und in welchem Maße historische Romane als Quelle, sowohl für die Forschung, als auch für den Geschichtsunterricht relevant sind und eingesetzt werden können.
Im zweiten Teil der Ausarbeitung steht der Wandel der Nutzung historischer Romane im dritten Reich im Mittelpunkt der Untersuchung. Hierbei sollen vor allem die Arbeiten von Hugo Aust und Frank Westenfelder zu diesem Thema Aufschluss geben.
Der Roman gilt als eine der beliebtesten literarischen Gattungen und zudem als ideales Mittel der Überlieferung von Wissen, Bildung und Ideologie. Der Begriff des historischen Romans steht allerdings bei vielen Geschichtswissenschaftlern in der Kritik. Das hohe Maß an fiktionalen Elementen, die rund um die historischen Fakten gespickt sind, lässt den historischen Roman aus wissenschaftlicher Sicht lediglich der Unterhaltungsindustrie dienen. 1
Dieser Einwand mag durchaus seine Berechtigung finden, trifft aber nicht den Kern des Ziels dieser Gattung. Die meisten Autoren diverser historischer Romane erheben keinesfalls den Anspruch, nichts anderes als die Wahrheit abzubilden und machen dieses oftmals in der Einleitung gleich zu Beginn ihres Romans deutlich. Ein wesentlich höher gestecktes Ziel ist hierbei die Herausbildung eines Geschichtsbewusstseins und die Weckung von historischem Interesse in der Leserschaft. Alles das, was der Geschichtswissenschaft durch das Sieb der Erkenntnis fällt, soll durch literarische Einflüsse seitens des Autors ergänzt und zudem zum Leben erweckt werden. 2 „Trockene“ historische Fakten führen meist nicht zu ei- nerIdentitätsbildung und auch nicht zwangsläufig in Perspektiven vergangener Zeiten. Durch literarische Ausschmückungen jedoch ist es dem Leser möglich, sich in bestimmte Personen, Zeiten, Orte und Vorgänge hineinzuversetzen und durch dargestellte Gefühle, Motivation, Mittelwahl und Bewertung, geschichtliche Abläufe besser verstehen und nachvollziehen zu können. Aust nahm diesbezüglich eine Unterscheidung in zwei elementare Aspekte vor. Er teilte die Geschichte
1 Aust, Hugo, Der historische Roman, Stuttgart 1994, S. 1f..
2 Ladenthin, Volker, Dialog über den historischen Roman als Form der Geschichtsdarstellung, in: Geschichte, Politik und ihre Didaktik 17 (1989), S.124.
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im historischen Roman in einen medialen und einen genetischen Aspekt. Unter dem genetischen Aspekt versteht man die Aufnahme, Verarbeitung und Vermittlung geschichtswissenschaftlicher Erkenntnisse und unter dem genetischen Aspekt die schöpferische Leistung, in der der Geschichte Ästhetik und Leben verliehen wird. Im oben genannten findet sich also die grundlegende Funktion historischer Romane.
Dennoch ist die herrschende Kritik durchaus berechtigt und angebracht. Vor allem im Geschichtsunterricht besteht in hohem Maße die Gefahr, dass die Schülerinnen und Schüler sich im Dargestellten verlieren und den Bezug zur historischen Wahrheit einbüßen. Zu diesem Zweck ist die Verwendung solcher Romane mit Vorsicht zu genießen. Ein mögliches Mittel, dieser Entwicklung entgegen zu wirken, ist das Mittel der Dekonstruktion. Sir Walter Scott beispielsweise, ein schottischer Schriftsteller, fügte seinen Romanen Fußnoten bei. Diese dienen als Brücke zwischen Wissenschaft und Poetik und fördern zudem das Leseverständnis. An ihnen kann der Hiatus zwischen historischer Wahrheit bzw. historischen Fakten und der Dichtkunst des Autors abgelesen und transparent gemacht werden. 3 Der historische Roman des dritten Reichs hatte genau den gegenteiligen Anspruch. Im Vordergrund stand die Verschleierung genau des oben genannten Hiatus zwischen Poesie und geschichtlicher Wirklichkeit. 4 Der Roman stieg im Zuge dessen zur beliebtesten literarischen Gattung auf, da durch ihn vielerlei Intention offenkundig oder verdeckt Preis gegeben werden konnte. Hierbei ließen sich grundlegend zwei verschiedene Zweige der Intention unterscheiden. Auf der einen Seite standen die Autoren, die dem Roman eine volkstümliche Aufgabe zusprachen und ihn zu einem Werkzeug nationaler Erziehung werden ließen. Die charakteristischen Kennzeichen dieser Werke setzen sich aus Vergangenheitsentwürfen wie Rassismus, Reichsgläubigkeit, Militarismus, Imperialismus, totale Mobilmachung der Massen, Ahnenkult, Blut- und Bodenideologie, soziale Hierarchie sowie Herrentum zusammen. 5 Im Vordergrund stand unter Berücksichtigung dieser Inhalte die Heroisierung der eigenen Vergangenheit an markant bis hin zu fabelhaften historischen Ereignissen, die auf die Gegenwart projiziert werden sollten. Durch die entstandene Verbundenheit mit der eigenen Vergangenheit, sollten die Leser sowohl erbaut werden, dem Regime Treue entgegen zu bringen,
3 Aust, Hugo, Geschichte im historischen Roman, in: Handbuch der Geschichtsdidaktik, Bergmann, Klaus [u.a.](Hg.), Seelze-Velber 1997, S.618f..
4 Aust, Hugo, Der historische Roman, Stuttgart 1994, S. 132.
5 Ebd., S. 132f..
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Arbeit zitieren:
Christopher Stickdorn, 2010, Krieg in den Medien - "Das Boot" von Lothar-Günther Buchheim: Ausarbeitung zum Thema "Historische Romane - Zwischen Fiktionalität und Historie", München, GRIN Verlag GmbH
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