1. Einleitung 3
2. Leitlinien der Deutschland-, Außen- und Ostpolitik bis zum Beginn der sozial-liberalen
Koalition. 4
2.1 Das Wiedervereinigungsgebot 4
2.2 Der Alleinvertretungsanspruch 4
2.3 Die Hallstein-Doktrin 5
2.4 Westintegration und Magnet-Theorie 5
2.5 Politik der Bewegung und Zweizangen-Theorie. 6
2.6 Ostpolitische Neuorientierung und Große Koalition 7
3. Paradigmenwechsel 7
3.1 Selbstblockade der bundesdeutschen Deutschland- und Ostpolitik. 7
3.2 Wandel durch Annäherung - das deutschlandpolitische Konzept der SPD. 9
3.3 Das deutschlandpolitische Konzept der FDP 12
4. Die Ostverträge 13
4.1 Regierungsantritt der sozial-liberalen Koalition und Beginn der Neuen Ostpolitik 13
4.2 Der Moskauer Vertrag vom 12.08.1970. 14
4.3 Der Warschauer Vertrag vom 07.12.1970 15
4.4 Das Viermächte-Abkommen vom 03.09.1971. 16
4.5 Der Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik vom 21.12.1972. 17
5. Ratifizierung der Ostverträge und des Grundlagenvertrages 19
5.1 Parlamentarische Situation. 19
5.2 Ratifizierung der Ostverträge 20
5.3 Ratifizierung des Grundlagenvertrages 21
6. Bilanz und Bewertung der „Neuen Ostpolitik“ 22
Literaturverzeichnis : 26
2
1. Einleitung
Der Umgang mit der Deutschen Demokratischen Republik stellte seit der Gründung der Bundesrepublik eines der kontroversesten Themen der politischen Auseinandersetzung dar. Sowohl die Bundesrepublik als auch die DDR wurden in zunehmenderen Maße in ihre jeweiligen Bündnissysteme und Blöcke eingebunden und bildeten mitten in Europa ihre jeweilige Speerspitze. Die Forderung nach einer Wiedervereinigung Deutschlands schien deshalb immer mehr ungehört zu verhallen. Die Strategie der jungen Bundesrepublik, die DDR zu ignorieren, zu isolieren und durch wirtschaftliche Stärke „magnetisch“ anzuziehen, um so die Wiedervereinigung Deutschlands herbeizuführen, schien nicht aufzugehen. Erst das Aufkommen der Détente-Politik im Ost-West-Konflikt zwischen den USA und der UdSSR sollte zwar nicht die Wiedervereinigung selbst ermöglichen, jedoch eine Entspannungspolitik zwischen den existierenden deutschen Staaten begünstigen. Mit dem Antritt der ersten sozialdemokratisch geführten Bundesregierung unter liberaler Beteiligung sollte ein maßgeblicher Strategiewechsel einsetzen. Der Status quo in Deutschland und Europa sollte „überwunden“ werden, indem er zunächst nicht verändert werden sollte. Es galt einem weiteren Auseinanderdriften der deutschen Nation entgegenzuhalten. Deutschlandpolitik sollte hier stets auch Ostpolitik sein und umgekehrt.
Anhand der vorliegenden Hausarbeit sollen zunächst die Leitlinien bundesdeutscher Politik in diesen Politikfeldern bis zum Regierungsantritt der sozial-liberalen Koalition dargestellt werden, um dann auf die daraus resultierende deutschland- und ostpolitische Selbstblockade der Bundesrepublik und den einsetzenden Paradigmenwechsel einzugehen. Der Verlauf der Ost- und Deutschlandpolitik soll dann im Hinblick auf die abgeschlossenen Verträge mit der Sowjetunion, Polen und der Deutschen Demokratischen Republik dargestellt werden. Das Viermächte-Abkommen der Siegermächte wird in diesen Kontext eingebunden werden. Bevor schließlich die „Neue Ostpolitik“ der Regierung Brandt bilanziert werden soll, wird auch die Ratifizierung der Ostverträge und des Grundlagenvertrages mit der DDR und der damit einhergehenden oppositionellen Kritik der Inhalte dieser Vertragswerke dargestellt werden.
3
2. Leitlinien der Deutschland-, Außen- und Ostpolitik bis zum Beginn der sozial-liberalen Koalition
2.1 Das Wiedervereinigungsgebot
Bereits in dem am 23.05.1949 in Kraft getretenen Grundgesetz der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland war eine der Leitlinien der bundesrepublikanischen Deutschlandpolitik vorgezeichnet. Das „gesamte deutsche Volk“ wurde in der dazugehörigen Präambel dazu aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden. 1 Darüber hinaus kam dieser Präambel, die im juristischen Sinne zunächst lediglich eine Auslegungshilfe darstellt, durchaus unmittelbare rechtliche Geltung zu, wie das Bundesverfassungsgericht in dem Parteienverbotsurteil von 1956 gegenüber der damals bestehenden Kommunistischen Partei Deutschlands festgestellt hatte. 2 Aufgrund dieser unmittelbaren rechtlichen Geltung, band dieses Wiedervereinigungsgebot sämtliches staatliches Handeln 3 , insbesondere in den betroffenen Politikfeldern.
2.2 Der Alleinvertretungsanspruch
Die genannte Präambel des Grundgesetzes beinhaltete auch die Beteuerung, für jene Deutschen gehandelt zu haben, denen mitzuwirken versagt war. Dies kann bereits als ein Ausdruck des völkerrechtlichen Alleinvertretungsanspruches gesehen werden, den die Bundesrepublik Deutschland weltweit deutschland- und außenpolitisch durchzusetzen versuchte und der die Deutschland-, Außen- und Ostpolitik der Bundesregierung bis zum Regierungsantritt der sozial-liberalen Koalition maßgeblich prägte. Der Alleinvertretungsanspruch beruhte insbesondere auf der gegebenen demokratischen Legitimierung der bundesdeutschen Regierung, die die staatlichen Organe der Deutschen Demokratischen Republik ermangelten. 4 Gemäß der sog. „Kontinuitätsthese“ ging man davon aus, dass das Deutsche Reich auch nach dem Zusammenbruch Hitler-Deutschlands in den Grenzen vom 31.12.1937 erhalten geblieben sei und somit zwei Staaten auf deutschem Boden faktisch nicht existieren konnten. 5 Das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik stellte damit lediglich ein besetztes Gebiet des Gesamtstaates Deutschland dar, das mit einer von der Sowjetunion eingesetzten Regierung versehen war. Einer weiteren staatsrechtlichen Theorie
1 Vgl. Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 240.
2 Vgl. Http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4ambel_des_Grundgesetzes, abgerufen am 20.11.2005 um 20:32 Uhr.
3 Vgl. Klein in Weidenfeld / Korte (1999), S. 283.
4 Vgl. Http://de.wikipedia.org/wiki/Alleinvertretungsanspruch, abgerufen am 20.11.2005 um 20:30 Uhr.
4
nach, befand sich das „Gebilde“ der Deutschen Demokratischen Republik in einer Art Bürgerkriegszustand gegenüber der „gesamtdeutschen“ Bonner Regierung, was gleichsam die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik als nicht anerkennungsfähig erscheinen ließ. 6
2.3 Die Hallstein-Doktrin
Außenpolitischer Ausdruck des Alleinvertretungsanspruches der Bundesrepublik Deutschland bildete die erstmals am 23.09.1955 verkündete „Hallstein-Doktrin“. Diese besagte, dass die Aufnahme bzw. Unterhaltung diplomatischer Beziehungen dritter Staaten mit der Deutschen Demokratischen Republik gegenüber der Bundesrepublik als „Acte peu amicable“, als unfreundlicher Akt wahrgenommen und regelmäßig mit dem Abbruch bzw. der Nichtaufnahme diplomatischer Beziehungen seitens der Bundesrepublik beantwortet wurde. 7 Die internationale Anerkennung der DDR durch die Staatengemeinschaft sollte so verhindert werden. 8 Eine Ausnahme von der Hallstein-Doktrin bildeten die diplomatischen Beziehungen der Bundesrepublik gegenüber der Sowjetunion als eine der Mächte, die mit den übrigen Siegermächten für Deutschland als Ganzes Verantwortung zu tragen hatte. 9 Die erstmalige Anwendung der Hallstein-Doktrin erfolgte im Falle des blockfreien Jugoslawiens im Jahre 1957 und später gegenüber dem sozialistischen Kuba im Jahre 1963. 10 In beiden Fällen wurden die diplomatischen Beziehungen durch die Bundesrepublik aufgrund der Aufnahme von Beziehungen dieser Staaten gegenüber der DDR abgebrochen.
2.4 Westintegration und Magnet-Theorie
Eine weitere außen- und deutschlandpolitische Leitlinie bildete die von Bundeskanzler Adenauer verfolgte Politik der Westbindung, die ebenso eine Abkehr von der Idee eines deutschen Sonderweges beinhaltete. 11 Darüber hinaus sollte die deutsche Westbindung auch eine Wertbindung an den Westen miteinschließen und damit die althergebrachte „Schaukelpolitik“ Deutschlands zwischen den Mächten in Ost und West beendet werden. 12
5 Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 241.
6 Vgl. Http://de.wikipedia.org/wiki/Alleinvertretungsanspruch, abgerufen am 20.11.2005 um 20:30 Uhr.
7 Http://de.wikipedia.org/wiki/Hallstein-Doktrin, abgerufen am 20.11.2005 um 20:28 Uhr.
8 Vgl. Maibaum (1998), S. 34.
9 Vgl. Ebd.
10 Vgl. Http://de.wikipedia.org/wiki/Hallstein-Doktrin, abgerufen am 20.11.2005 um 20:28 Uhr.
11 Vgl. Maibaum (1998), S. 26.
12 Vgl. Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 240.
5
Adenauer war der Ansicht, dass die deutsche Teilung eine vom Osten geschaffene Tatsache sei, die dadurch von Seiten des Westens beseitigt werden müsse, indem die Bundesrepublik innerhalb einer zu vertiefenden Einbindung in die Gemeinschaft der westlichen Staaten zu einem politisch stabilen und wirtschaftlich erfolgreichen System heranwachsen sollte, dessen Anziehung sich die DDR nicht entziehen konnte. 13 Dieses auch als „Magnet-Theorie“ bezeichnete Konzept, das ursprünglich von Oppositionsführer Kurt Schumacher (SPD) entwickelt wurde, beinhaltete, dass ein ökonomisch gestärktes West-Deutschland den Osten des Landes „magnetisch“ anziehen würde und somit unweigerlich zur Verwirklichung der gesamtdeutschen Einheit führen würde. 14 Von Konrad Adenauer wurde dieser Gedanke aufgegriffen und um die Verflechtung mit der französischen bzw. westeuropäischen Wirtschaft angereichert. 15 Die Volkswirtschaften Westeuropas sollten gestärkt und die Bundesrepublik in West-Europa eingebunden werden, um wirtschaftlich stark und auch militärisch gewappnet auf gleicher Augenhöhe mit der UdSSR in Verhandlungen treten zu können, um so Zugeständnisse zur deutschen Wiedervereinigungsfrage zu erhalten. 16 Aus Sicht Adenauers war eine Wiedervereinigung ohne Bindung an den Westen nur unter der Gefahr einer „Sowjetisierung“ Deutschlands möglich und mit dem Verlust der politischen Freiheit verbunden. 17 Die Reaktion Adenauers auf den in der Stalin-Note vom 10.03.1952 gemachten Vorschlag auf Abschluss eines Friedensvertrages mit Deutschland unter Preisgabe der Westintegration erfolgte konsequenterweise abweisend. 18
2.5 Politik der Bewegung und Zweizangen-Theorie
Durch eine „Politik der Bewegung“ wurde unter Außenminister Gerhard Schröder (CDU) versucht, die DDR in ihrem eigenen Lager in eine zunehmend isolierte Lage bringen. 19 Dies sollte im Rahmen „selektiver Entspannung“ dadurch geschehen, dass unterhalb des Niveaus diplomatischer Beziehungen, vor allem wirtschaftliche Kontakte der Bundesregierung zu den osteuropäischen Staaten auf den Weg gebracht wurden und so die DDR von beiden Seiten, also durch die Bundesrepublik und die zu schaffenden guten Beziehungen zu den osteuropäischen Staaten in die „Zange genommen“ werden sollte (Zweizangen-Theorie). 20 In Folge dessen kam es in Polen, Ungarn, Bulgarien und Rumänien zur Eröffnung
13 Vgl. Görtemaker (2005), S. 7.
14 Vgl. Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 240.
15 Http://de.wikipedia.org/wiki/Magnet-Theorie, abgerufen am 15.01.2006 um 15:23 Uhr.
16 Vgl. Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 240.
17 Vgl. Görtemarker (2005), S. 6.
18 Vgl. Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 241.
19 Maibaum (1998), S. 46.
6
bundesdeutscher Handelsmissionen. 21
2.6 Ostpolitische Neuorientierung und Große Koalition
Eine vorsichtige Öffnung nach Osteuropa und grundsätzliche Gesprächsbereitschaft gegenüber den Machthabern in Ost-Berlin sollten das ost- und deutschlandpolitische Konzept der Großen Koalition unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger und Außenminister Willy Brandt bilden, wenngleich entsprechende Verständigungsversuche mit den Regierungs-verantwortlichen in Ost-Berlin insbesondere aufgrund der Unnachgiebigkeit der dortigen Führung in der Frage des Alleinvertretungsanspruches und der Hallstein-Doktrin nicht zu Stande kamen. 22
Ausgehend von den bestehenden Handelsmissionen in den osteuropäischen Staaten sollte ein Weg gefunden werden, zu normalen diplomatischen Beziehungen zu den übrigen Ostblockstaaten zu gelangen. 23 1967 konnten so seitens der Bundesrepublik diplomatische Beziehungen gegenüber Rumänien und 1968 mit dem blockfreien Jugoslawien aufgenommen werden, um insbesondere den rumänischen Emanzipationsprozess gegenüber der Sowjetunion zu unterstützen. 24 Entsprechende Spannungen innerhalb des Ostblocks sollten aufgrund dieser bundesdeutschen Maßnahme nicht ausbleiben. 25 Die Hallstein-Doktrin wurde somit in den Regierungsjahren der Großen Koalition bereits aufgeweicht. 26
3. Paradigmenwechsel
3.1 Selbstblockade der bundesdeutschen Deutschland- und Ostpolitik
Insbesondere seitens der Vereinigten Staaten wurden nach dem Bau der Mauer am 13.08.1961 und der Kuba-Krise 1962 vermehrt Bemühungen der Entspannung (Détente-Politik) verfolgt. 27 Diese standen nicht mehr im Einklang mit den unnachgiebigen bundesdeutschen Haltungen in der Deutschland- und Ostpolitik und veranlassten die US-amerikanische Regierung zu mehreren Appellen an die Bundesregierung, zu einer Neuausrichtung ihrer
20 Kleßmann (1997), S. 96.
21 Vgl. Bingen in Weidenfeld / Korte (1999), S. 597.
22 Vgl. Kuppe in Weidenfeld / Korte (1999), S. 260.
23 Kleßmann (1997), S. 97.
24 Maibaum (1998), S. 57f.
25 Vgl. Kuppe in Weidenfeld / Korte (1999), S. 259.
26 Vgl. Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 244.
27 Vgl. Glaab in Weidenfeld / Korte (1999), S. 243.
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Diplom-Verwaltungswirt (FH) Florian Döring, 2006, „Wandel durch Annäherung“, München, GRIN Verlag GmbH
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