Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Aufbau und Darstellung 4
2.1 Gliederung nach Huber 5
2.2 Zeit und Raum 6
3 Minne-Exkurse 7
3.1 Minnegrotten-Allegorie 8
3.2 Predigtstruktur und Sakralisierung 10
4 Symbolik 11
4.1 Gebäudesymbolik 12
4.2 Natursymbolik 13
4.3 Tier- und Jagdsymbolik 14
5 "Wunschleben" 15
5.1 Speise- und Geselschaftswunder 15
5.2 Kurzweil 16
6 Schlussfolgerungen 16
7 Literaturverzeichnis 17
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Gliederung der Minnegrottenszene bei Gottfried. 5
Abbildung 2: Aufbau der Minnegrotten-Allegorie nach Urbanek. 9
2
1 Einleitung
Als einer der größten und wohl bekanntesten Liebesromane des deutschen Mittelalters beflügelt die Geschichte von Tristan noch heute die Fantasie ihrer Rezipienten. Gibt es sie, die "wahre Liebe"? Darf diese Liebe nur heimlich im Verborgenen stattfinden und nicht legitimiert werden? Muss sie von Leid erfüllt sein? Und kann man das Rezipieren von traurigen Liebesgeschichten als Ersatz für nicht vorhandenes Liebesleid werten? Sind diese Ansichten heutzutage nicht längst überholt? Und doch! Die Dramatik der Liebenden, die sich nie ganz erreichen können zieht den modernen Leser noch immer in seinen Bann. Aber was ist eigentlich der Kern dieser Erzählung über die wahre minne? Viele Fragen kommen beim Lesen von Gottfrieds Tristan auf, doch eine Szene hinterlässt einen wirklich bleibenden Eindruck. Eine Episode voller Symbole und Anspielungen, voller Mehrdeutigkeiten und Einblicke in die Gedankenwelt des Erzählers und seiner Zeit. Der Aufenthalt von Tristan und Isolde in der Minnegrotte ist der Höhepunkt ihrer körperlichen Liebe. 1 Niemals vorher oder danach können sie sich einander so ungestört hingeben, wie dort. Gerade aufgrund dieser Augenblicke nahezu ungetrübten Glücks spielt diese Szene eine so zentrale Rolle in Gottfrieds Werk. Allerdings sticht die Minnegrottenepisode nicht nur wegen der einmaligen Ungestörtheit des Paares Tristan und Isolde aus dem restlichen Werk hervor. Auch die explizite Auseinandersetzung mit dem Thema minne findet sich am deutlichsten in dieser Szene. Eine Reihe von auktorialen Passagen und ein Exkurs zum Thema Liebe verdeutlichen das Anliegen des Werkes. In der vorliegenden Arbeit sollen verschiedene Aspekte der Minnegrottenszene angesprochen und erarbeitet werden. Zu Beginn wird der Aufbau der Episode näher betrachtet. Es folgt ein Abschnitt über die drei Minne-Exkurse und die genauere Untersuchung der Minnegrotten-Allegorie. Zum Abschluss soll näher zu den Symbolen im zu untersuchenden Textabschnitt eingegangen werden, sowie zum Speise- und Gesellschaftswunder.
1 Kolb. S. 305.
3
2 Aufbau und Darstellung
In der Literatur gibt es zwei Meinungen über die Einteilung des Minnegrottenaufenthalts. Einerseits wird dieser Teil für sich allein behandelt, andererseits wird er in engem Zusammenhang zum nachfolgenden Teil „Entdeckung und Versöhnung“ gedeutet. Zusammengenommen kann man die beiden Abschnitte auch als Waldlebenepisode bezeichnen. 2 In dieser Arbeit wird letztere Auffassung bevorzugt, da beide Abschnitte inhaltlich so eng zusammengehören, dass man sie auch zusammen untersuchen sollte, um alles zu erfassen. Bezuggenommen wird dementsprechend auf die Verse 16679 bis 17658. Zwichen den Versen 17274 und 17275 gibt es ein Zäsur, die in der neuhochdeutschen Übersetzung grafisch sogar durch den Beginn einer neuen Episode mit eigener Nummerierung und Überschrift gekennzeichnet ist. Im originalen mittelhochdeutschen Text gibt es keine solch explizite Unterteilung in Kapitel, dennoch ist die Zäsur deutlich im Wechsel des Schauplatzes der Erzählung erkennbar und wird somit zur Einleitung einer neuen Handlungseinheit. 3 Der Fokus wird zu Marke geschwenkt und läutet somit das Ende des vollkommenen Wunschlebens ein. Alle darauffolgenden Handlungen leiten unübersehbar zur Entdeckung der Liebenden hin.
Als rahmende Kontrastmotive werden Markes Zorn, welcher die Vertreibung Tristans und Isoldes bedingt und Markes Versöhnung, welche die Rückkehr der Liebenden möglich macht, gewertet. 4
Die in den Handschriften mit Großbuchstaben gekennzeichneten Abschnitte wurden in der verwendeten Ausgabe 5 beibehalten und dienen als Gliederungseinheiten. Die gesamte Episode ist durchgehend in stichischer Form gehalten und paarweise gereimt. Als sprachliche Besonderheit der Waldlebenepisode fallen dem Rezipienten die vielen eng verknüpften Symbole auf, die zum Großteil vom Erzähler direkt gedeutet werden. 6 Außerdem ist eine wiederkehrende Motivik zu erkennen, welche sich durch das ganze Werk zieht. Viele Einschübe, Wiederanknüpfungen und nachträgliche persönliche Kommentare kennzeichnen die vorliegende Episode 7 , sowie Schleifen und Schachtelungen als
2 Gruenter. S. 21.
3 Ebd.
4 Ebd.
5 Gottfried.
6 Im Kapitel 4 "Symbolik" wird auf die einzelnen Symbole näher eingegangen.
7 Gruenter. S. 45.
4
Gliederungsfiguren. 8
In den nun folgenden beiden Abschnitten wird die Gliederung der Waldlebenepisode und
ihre Einordnung in das Raum-Zeit-Gefüge betrachtet.
Gliederung nach Huber 9
2.1
Die Waldlebenepisode wird von einem schmalen Handlungsfaden durchzogen (Ankunft,
Aufenthalt , Rückkehr), der von wiederkehrenden Beschreibungsteilen durchzogen ist. 10 Es
finden sich auktoriale Passagen mit der Beschreibung eigener Erfahrungen des Erzählers
und die Auslegung einzelner Symbole der Episode.
Der Aufbau der Szene gliedert sich nach Huber wie folgt:
Ankunft
Grottenbeschreibung
Lustort 1
Bed ürfnislosigkeit (Speise- u. Gesellschaftswunder)
Lustort 2
Erfahrung des Autors
Grottenauslegung
Erfahrung des Autors
Lustort 3
Zeitvertreib des Paares
Markes Hirschjagd, der Jägermeister an der Grotte
Lustort 4 , Schwertlist
Marke an der Grotte
R ückkehr
Abbildung 1: Gliederung der Minnegrottenszene bei Gottfried. 11
8 Ebd. S. 44.
9 Huber (2001) S. 99.
10 Ebd.
11 Ebd.
5
Arbeit zitieren:
Elisabeth Eidner, 2010, Gottfried von Straßburg: Tristan - Eine unerfüllte Liebe?, München, GRIN Verlag GmbH
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