Inhaltsverzeichnis
Seitenzahl
1. Der Mensch als Gefangener eines 1
gesellschaftlichen Überwachungssystems
1.1. Orwells düstere Zukunftsvision 1
2. Totale Überwachung als gesellschaftliche 2
Funktion
2.1. Zu Michel Foucaults Werk „Überwachen 2
und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“
2.1.1. Das architektonische Konzept des 3
„Panoptikons“
2.1.2. Das „Panoptikon“ als verallgemeinerungs- 4
f ähiges Funktionsmodell
2.1.3. Die Bedeutung der „Panoptikonsängste“ 6
3. Die Relevanz des panoptischen Funktions- 8
systems im alltäglichen Leben
4. Die moderne Gesellschaft - eine glückliche 11
Welt der Ordnung?
5. Literaturverzeichnis 15
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1. Der Mensch als Gefangener eines gesellschaftlichen Überwachungssystems
1.1. Orwells düstere Zukunftsvision
Im Jahre 1949 erschien das Werk „Nineteen Eighty-Four“ von George Orwell, das weltweiten Ruhm erlangte. Darin beschreibt Orwell die zukünftigen Gesellschaftsverhältnisse des Jahres 1984, die durch einen totalitären Überwachungsstaat bestimmt und kontrolliert werden. Die Welt ist insgesamt in drei Supermächte unterteilt, die als totalitäre Staatssysteme die gesamte Bevölkerung beherrschen und überwachen. Ozeanien, der Staat, der in „Nineteen Eighty-Four“ beschrieben wird, stellt einen dieser drei Supermächte dar. Um eine totale Überwachung gewährleisten zu können, werden Teleschirme an allen öffentlichen Plätzen eingesetzt, die die Menschen zu jeder Zeit beobachten. Außerdem sorgen Mikrofone dafür, dass staatsfeindliche Gespräche überwacht und vermieden werden. Sie werden in sämtlichen Räumlichkeiten angebracht und sind im Gegensatz zu den Teleschirmen für die Überwachten nicht sichtbar.
An oberster Stelle steht als Führer des Überwachungsstaates die von der Staatsmacht konstruierte Figur „Big Brother“. Der Bevölkerung Ozeaniens wird die wahre Existenz dieser Machtfigur vorgetäuscht. Der Slogan „Big Brother is watching you!“ ziert zahlreiche Plakate, die die Menschen täglich an ihre totale Überwachung erinnern und demonstrieren, dass ein Auflehnen gegen die Staatsmacht zwecklos ist.
(Vgl. George Orwell: Nineteen Eighty-Four [1990]. London: Penguin Books)
Ist diese von Orwell konstruierte Zukunftsvision eines totalitären Überwachungsstaates nun tatsächlich Realität geworden?
Im Verlauf der vorliegenden Arbeit soll diese Frage diskutiert werden. Das folgende Kapitel beschäftigt sich diesbezüglich mit Michel Foucaults Werk „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“, wobei hier der Fokus auf dem Konzept des „Panoptikons“ liegt. Zunächst soll geklärt werden, was der Begründer Jeremy Bentham unter einem Panoptikon ver-stand und welche Funktion es erfüllen sollte. Nachfolgend werde ich auf die Bedeutung des panoptischen Konzeptes eingehen, die Foucault in seinem Werk beschreibt. Anschließend nehme ich Bezug auf einen Text von Zygmunt Baumann, der sich mit den sogenannten „Panoptikonsängsten“ beschäftigt. Diese stellen den Ausgangspunkt für das dritte Kapitel dar,
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in dem erläutert wird, wie präsent die Idee des Panoptikons in der modernen Gesellschaft tatsächlich noch ist, welche Funktion das Konzept erfüllen soll und welche Probleme damit ver-bunden sein können. Abschließend wird im vierten Kapitel diskutiert, inwieweit der Einsatz eines panoptischen Konzeptes in der modernen Gesellschaft vertretbar ist und wann aus moralischer Sicht Grenzen überschritten werden.
2. Totale Überwachung als gesellschaftliche Funktion
2.1. Zu Michel Foucaults Werk „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“
Michel Foucaults 1 Werk „Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses“ (franz. Originaltitel: „Surveiller et punir. La naissance de la prison“) wurde erstmals 1975 veröffentlicht. Hierin beschäftigt sich Foucault mit dem gesellschaftlichen Strafsystem vorwiegend in England und Frankreich seit Anfang des 17. Jahrhunderts. Er beschreibt die modernen Gesellschaften als „Disziplinargesellschaften“ 2 . Nach Foucault stellen sie Gebilde dar, die sich vornehmlich aus Machtstrukturen zusammensetzen und ständig neue Disziplinartechniken her-vorbringen, die den Menschen überwachen und kontrollieren. Er analysiert in seinem Werk die Entwicklungen des Strafwesens und zeigt die verschiedenen Formen der Kontrolle und Bestrafung auf, die sich seit dem frühen 17. Jahrhundert herausgebildet haben. 3 Die modernen „Disziplinargesellschaften“ sind von der Macht der Überwachung und Disziplinierung bestimmt. Mit dieser Erkenntnis kommt Foucault zu dem Schluss, dass das Gefängnis als Kontrollinstanz ein Modell für jede Institution darstellt. 4 So schreibt er beispielsweise den Psychiatrien, Krankenhäusern oder Erziehungsheimen eine ebenso kontrollierende und überwachende Macht zu. 5
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In seinem Werk bezieht sich Foucault diesbezüglich auf den von Jeremy Bentham geprägten Begriff des „Panoptikons“, einem Konstruktionsschema zum Bau von Überwachungsanstalten. 6
2.1.1. Das architektonische Konzept des „Panoptikons“
Der Begriff des Panoptikons wurde im 18. Jahrhundert von dem englischen Philosophen und Juristen Jeremy Bentham (1748-1832) geprägt. Es bezeichnet ein architektonisches Konzept zum Bau von Gefängnissen und ähnlichen Kontrollinstanzen. 7 Die Konstruktion besteht aus einem ringförmigen Gebäude, in dessen Mitte ein Wachturm positioniert ist. Das umgrenzende Gebäude ist in Zellen unterteilt, an denen jeweils zwei Fenster angebracht sind. Eines dieser Fenster ist zur Innenseite des Ringgebäudes gerichtet, sodass einem Aufseher vom Turm aus freie Sicht in die Zelleninnenräume gewährt wird. Das andere der beiden Fenster ist nach außen gerichtet. Diese Konstruktion sorgt dafür, dass die Gefangenen in ihren Zellen permanent sichtbar sind und unter ständiger Beobachtung der Aufseher stehen. Ihr Verhalten kann damit zu jeder Zeit kontrolliert werden. Da die Mauern, die die einzelnen Zellen voneinander abtrennen, den Kontakt zu anderen Mithäftlingen unterbinden, sind die Gefangenen vollkommen individualisiert. Die Aufseher selbst sind für die Zelleninsassen nicht sichtbar. Der Gefangene „ist Objekt einer Information, niemals Subjekt in einer Kommunikation.“ 8 Die Kontrollmacht, die durch das Panoptikon garantiert wird, soll den geordneten Zustand unter den Gefangenen sicherstellen. Das Konzept des Panoptikons weist dem Beobachter einen enormen Machtanspruch zu und zwingt den Überwachten zu Disziplin und Einsamkeit. Jede seiner Bewegungen wird kontrolliert, jede Auffälligkeit registriert. Der Gefangene ist einem Leben in Freiheit in jeglicher Hinsicht beraubt worden und gezwungen, sich der Kontrollgewalt zu unterwerfen. 9
Dieser architektonische Entwurf gewährleistet jedoch nicht nur die permanente Überwachung von Verbrechern, sondern ist prinzipiell als wirksame Kontrollmaßnahme anwendbar. Handelt es sich bei den Gefangenen um Kranke, so wird durch den Einschluss in die Zellen und die damit verhinderte Kontaktaufnahme zu anderen, eine Ansteckungsgefahr vermieden.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Christina Klemke, 2009, Der Mensch als Gefangener eines gesellschaftlichen Überwachungssystems, München, GRIN Verlag GmbH
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