Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Grundzüge der Philosophie David Humes 2
III. Induktion und moralische Wertung
3.1. Begriffsklärung 5
3.2. Vergleich 9
3.3. Das Humesche Gesetz 10
3.4. Alternative Perspektiven
3.4.1. Immanuel Kant 12
3.3.2. Karl Popper 13
IV. Fazit 13
Quellenverzeichnis 16
1
I. Einleitung
David Hume (1711-1776) ist einer der bedeutendsten und meistrezipierten Denker der Neuzeit. Aufgrund seiner umfangreichen und vielseitigen Betrachtungen lässt er sich kaum kategorisieren: Er gilt als Empirist und Skeptiker mit Tendenzen zum Rationalismus und Naturalismus, hat historische Werke verfasst 1 und sowohl die theoretische und praktische als auch die religiöse Philosophie sowie die Ökonomie maßgeblich beeinflusst. 2 Er war einer der wenigen Philosophen, denen es vergönnt war, noch zu Lebzeiten Anerkennung und Ruhm für ihre Werke zu ernten.
Insbesondere seine Ausführungen zur Erkenntnistheorie und Moralphilosophie trafen weithin auf Resonanz: Hume erkannte mit als erster das Problem der induktiven Schlüsse für den Erkenntnisgewinn und wirkte mit seiner konsequentialistischen Moralphilosophie wegbereitend für den Utilitarismus. 3 Daher sollen genau diese Aspekte von Humes Philosophie, seine Ansichten zum Induktionsproblem und zur moralischen Wertung, in der vorliegenden Arbeit in Form eines Vergleiches thematisiert werden. Zur Gewährleistung von Verständlichkeit und zur Hinführung erfolgt zunächst ein kurzer Überblick über die Grundzüge von Humes Philosophie, der sich grob an seinen Werken „Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand“ 4 und „Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral“ 5 orientiert. Daraufhin wird explizit auf die Begriffe der Induktion und der moralischen Wertung eingegangen, indem beide erklärt und miteinander verglichen werden. Dies führt zu einer kurzen Beleuchtung des Humeschen Gesetzes. Letztlich sollen kurz alternative Perspektiven zu Humes Ansicht aufgezeigt werden.
II. Grundzüge der Philosophie David Humes
Humes Philosophie ist in all ihrer Komplexität recht kontinuierlich. 6 Als Grundlage allen Wissens sieht Hume (als Empirist) die Erfahrung. Er unterteilt die Bewusstseinsinhalte des Menschen in impressions (Eindrücke, Erlebnisse) und ideas (Vorstellungen). Die intensiveren Eindrücke gehen dabei auf direkte, unmittelbare Sinneswahrnehmungen (oder reflexive Selbstwahrnehmungen; Affekte, Emotionen, Wollen) zurück, während die Ideen oder Vorstellungen Erinnerungen an bestimmte Erlebnisse darstellen. Ideen sind also die (schwächeren) Abbilder von Eindrücken (Copy-These 7 ). Dabei lassen sich laut Hume alle Vorstellungen auf Erlebnisse zurückführen; sowohl einfache als auch komplexe Ideen (die mittels Kombination verschiedener einfacher Eindrücke in der Phantasie entstehen) haben nach Hume ihren Ursprung in Erfahrungen. Die Quellen aller Verknüpfungen (Assoziationen)
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der Vorstellungen sind dabei Ähnlichkeit, raum-zeitliche Berührung und Verursachung. 8 Nach Hume gibt es zwei Strukturen des Denkens und Urteilens: die relations of ideas (Vorstellungsbeziehungen) und die matters of fact (Tatsachen) 9 . Die relations of ideas sind dabei a priori wahr. Es handelt sich um evidente, nicht gehaltserweiternde analytische Urteile über den Inhalt von Begriffen, die nicht widerlegbar sind und durch reines Denken erkannt werden. Die Behauptung ihres Gegenteils enthielte einen logischen Widerspruch. 10 Matters of fact hingegen sind kontingent: Ihr Wahrheitsgehalt lässt sich nicht durch reines Denken, sondern nur durch Beobachtung (empirisch) erschließen. Dabei bleibt das Gegenteil immer denkbar. Tatsachenurteile sind durch ihren gehaltserweiternden Charakter nur a posteriori bestimmbar. 11 Sätze, die durch das Nachdenken über Tatsachen gewonnen und durch Beobachtung bestätigt werden, erlangen auch nach wiederholter Bestätigung keinen Evidenzcharakter. Vergangene Tatsachenerfahrungen stellen dabei die Leitlinien für das Denken dar. Das Subjekt stellt aufgrund der gegebenen Erfahrung Prognosen für gegenwärtige Tatsachen auf. Es geht also davon aus, dass die Natur gleichförmig sei 12 - denn es vergleicht Vergangenes (auch unbewusst) mit Gegenwärtigem, da eine bestimmte Situation die Erinnerung an eine vergangene ähnliche Situation hervorruft und das Subjekt instinktiv Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der gegenwärtigen und der vergangenen Tatsache herausstellt. Dieser problematische induktive Schluss 13 , der der Gewohnheit entspringt, ist kontingent und instinktiv. Bei wiederholter Beobachtung von zeitlich unmittelbar aufeinander folgenden Ereignissen interpretiert das Subjekt eine kausale Beziehung in diese Ereignisse hinein. Diese kausale Beziehung ist jedoch nicht sichtbar. Das Subjekt hat keine Einsicht in die Naturgesetze, in die geheimen Kräfte 14 und kann die Verknüpfung zwischen den Ereignissen nicht erkennen. Es projiziert aber die geistige Verknüpfung (im Subjekt) auf die Objekte und glaubt daher, durch Einsicht in die Prinzipien zu der Schlussfolgerung gelangt zu sein, dass Ereignis A die Ursache und Ereignis B die Wirkung ist. Durch die zeitliche Folgeunmittelbarkeit stellt das Subjekt eine notwendige Verknüpfung zwischen den Ereignissen her und schafft somit einen (subjektiven) Zusammenhang, der jedoch entgegen seines Glaubens nicht zwangsläufig das Abbild einer objektiven physikalischen Notwendigkeit (welche zwar existiert, aber nicht erkannt werden kann) ist. Die Prognose beruht auf dem positivem Glauben, dass Vergangenes und Künftiges gleichförmig sind, weil es empirisch so beobachtet wurde. Diese gewohnheitsbedingte Hypostasierung wird durch den lebenspraktischen Erfolg der subjektiven Verknüpfung legitimiert: das Subjekt verlässt sich auf die Kräfte und gewinnt so das Vertrauen, mit der Welt umgehen zu können.
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Dieses Prinzip ist nach Hume nicht nur auf die Außenwelt (derer sich das Subjekt nie ganz sicher sein kann) anwendbar, sondern auch auf die Verbindung zwischen den Charaktereigenschaften, den Motiven und dem Willen des Menschen. Das Subjekt erkennt keine innere notwendige Verknüpfung zwischen Motiven, Umständen, Charakterzügen und Willen. Es weiß, dass es gewohnheitsmäßig handelt und fühlt den inneren Willen, aber der Wille ist nicht beliebig, sondern drängt sich dem Subjekt gewissermaßen auf. Es handelt in der Notwendigkeit der Bedürfnisbefriedigung. Der Wille ist nicht frei. 15 Das Kausalprinzip ist auch hier gültig: es gilt sowohl für Naturereignisse als auch psychische Vorgänge und menschliche Handlungen. Allerdings kann es natürlich nie Sicherheit geben. Der Mensch lässt sich vor allem von der Gewohnheit leiten: „So ist Gewohnheit die große Führerin im Menschenleben.“ 16
So kann auch der Glaube an Gott laut Hume kaum gerechtfertigt werden: Gott ist nicht empirisch beobachtbar. Jeglicher Glaube an Gott ist eine Projektion, da der Mensch einen Begriff der Weltordnung benötigt und von dieser Weltordnung auf ein höheres Wesen schließt, welches die Kraft dazu hat, eine Art „Masterplan“ umzusetzen. Dies ist jedoch kein Erfahrungsschluss und somit laut Hume ein Trugschluss: aus der Beschaffenheit der Welt sollte nicht auf ein höheres Wesen geschlossen werden. Damit stellt sich Hume gegen die zeitgenössische englische Gesellschaft, in der zwischen Kirche und Staat eine enge Verbindung vorherrscht.
Den Glauben an Wunder kritisiert Hume insofern, als dass er Wunder als Verletzung der Naturgesetze (der geheimen Kräfte) charakterisiert - und diese Verletzung ist für Hume quasi ausgeschlossen, da Naturgesetze allgemein gültig sein müssen. Um ein Wunder anerkennen zu können, dürfte es nur eine einzige Alternative geben, nämlich den Glaube an ein noch unwahrscheinlicheres Ereignis. Es gibt nach Hume daher erfahrungsgemäß maximal außergewöhnliche, aber kaum wunderbare Ereignisse. 17
Zusammenfassend: Erkenntnis basiert also nicht auf Vernunft, sondern immer auf Erfahrung. Jede Erstellung von Prognosen, jeder induktive Schluss ist eine instinktive, körperliche Funktion.
Humes Moralphilosophie 18 wiederum basiert (wie viele andere ebenfalls) letztlich auf dem Streben des Menschen nach Glück und Harmonie. Laut Hume ist der Mensch ein von Grund auf soziales Wesen. Es strebt intuitiv nach Frieden und versucht, Konflikte zu vermeiden. Laut Hume wohnen jedem Menschen bestimmte Moralvorstellungen von Natur aus inne. Unter Moral fasst Hume jegliche Arten des Verhaltens der Menschen zueinander. 19 Erfahrung fließt nur insofern in das moralische Verhalten ein, als dass sie durch elterliche Erziehung
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Arbeit zitieren:
Sina Volk, 2011, David Hume: Induktion und moralische Wertung - ein Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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