Inhaltsverzeichnis
Abschnitt Seite
1. Vergleich verschiedener Übersetzungen: 1
2. Kontext und Abgrenzung des Textes: 1
3. Gliederung des Textes: 3
4. Literarkritik, Überlieferungs-, Redaktionsgeschichte I: 3
5. Formkritik: 6
6. Traditionsgeschichte: 8
7. Redaktionsgeschichte II: 12
8. Religionsgeschichtlicher Vergleich: 12
9. Einzel - Exegese: 12
10. Skopus: 15
11. Verkündigungsansatz: 15
Anhang :
- Literaturverzeichnis
1. Vergleich verschiedener Übersetzungen:
Ich habe bei dieser Arbeit, so weit es mir mit meinen Sprachkenntnissen möglich war, mit dem griechischen Urtext (in der Ausgabe von Nestle) gearbeitet. Als deutsche Übersetzung diente Luther ´84. Obwohl die Elberfelder Übersetzung einige Wörter genauer wiedergibt z.B. „πύλαι άδου“ mit „Hades Pforten“, Luther dagegen: „Hölle“. Ich habe mich allerdings für den Luthertext entschieden, weil er mir geläufiger ist und ich diesen als Paralleltext in: Nestele-Aland „ Das Neue Testament Griechisch und Deutsch“ vorliegen hatte.
2. Kontext und Abgrenzung des Textes: 2.1.Stellung im Werk:
Die öffentliche Tätigkeit Jesu in Galiläa findet mit 16, 13-20 ihren Abschluss. Nun geht der Weg nach Jerusalem. Demzufolge lässt sich sagen, dass hier die zweite Hälfte des Matthäusevangeliums beginnt. Die typischen Themen der matthäischen Theologie treten nun deutlich in den Gemeindeordnungen hervor. Diese Kapitel werden durch das Bekenntnis des Petrus eingeleitet. 1
2.2. Abgrenzung nach vorn:
Zu Beginn des Kapitels 16 setzt sich Jesus mit den Pharisäern auseinander, die Jünger werden vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer gewarnt. Der Ortswechsel in 16, 13 macht deutlich: Hier beginnt jetzt etwas Neues, nicht nur räumlich, sondern auch inhaltlich. Schon allein durch diese Abgrenzung erfolgt eine Abwendung von der Lehre, Frömmigkeit usw. des zeitgenössischen Judentums.
2.3. Abgrenzung nach hinten:
Eine inhaltliche Abgrenzung wird nicht wirklich vorgenommen, V 21 setzt zwar mit einer neuen Einleitung ein, aber inhaltlich ergibt sich kein Bruch. Auf das Messiasbekenntnis des Petrus folgt nun das „Messiasgeheimnis“. Die Geschichte Jesu ist nun, bis zum Einzug in Jerusalem, die Geschichte mit seinen Jüngern. Diese bilden das neue Gottesvolk.
1 Vgl. F. Rienecker, Das Evangelium des Matthäus, S.299.
1
3.Gliederung des Textes: Die Perikope ist wie folgt aufgebaut:
1) Die Frage Jesu an seine Jünger nach der Meinung der Leute über den Menschensohn: V 13-14
2) Jesu Frage an seine Jünger, wer er nach ihrer Meinung sei: V 15-16
3) Die Verheißungen an Petrus: V 17-19
4) Das Messiasgeheimnis: V 20
4. Literarkritik, Überlieferungsgeschichte, Redaktionsgeschichte I: 4.1. Synoptischer Vergleich:
Als Grundlage für diesen Arbeitschritt wende ich die allgemein anerkannte „Zwei-Quellen-Theorie“ an, bei der ich von einer Markuspriorität ausgehe. Im Weiteren wird zu zeigen sein, ob diese Theorie sich hier verifizieren lässt oder nicht. Als Quelle dient der Text in Mk 8, 27-30. Die Vergleichsperikope bei Lukas ist: Lk 9, 18-20.
V 13: Mt und Mk setzen beide mit einer Ortsangabe ein, Cäsarea Philippi wird genannt, wobei Mt verallgemeinert: „τὰ µέρµ Καισαρείας τής Φιλίππου“, dagegen Markus 8,27: „τὰς κώµας Καισαρείας τη̃ ς Φιλίππου“. Bei Lk fehlen sämtliche Ortsangaben in dieser Perikope.
Weiterhin ist auffällig, dass Mt den Menschsohntitel „ο υιὸς του̃ α̉ νθρώ που“ aus Mk 8,31 vorzieht, während bei Mk/Lk Jesus nach sich selbst fragt.
V 14: Die Antwort der Jünger auf Jesu Frage nach seiner Person, bzw. nach dem „Menschensohn“ (Mt), fällt bei allen Synoptikern gleich aus: Johannes der Täufer, Elia, oder einer der Propheten. Lukas bezeichnet die namenlosen Propheten noch etwas genauer:“ ...προφήτης τις τω̃ ν α̉ ρχαίων α̉ νέστη.“ (Lk 9,19). Mt nennt nun in dieser Personen-Aufzählung, die von den Jüngern vorgenommen wird, noch den Propheten Jeremia.
V 15: Diese Passage ist bei allen Synoptikern inhaltlich gleich: Die Frage Jesu an seine Jünger, was sie denn meinen, wer er sei.
V 16: In allen drei Evangelien gibt Petrus die Antwort auf Jesu Frage. Auffällig ist das Mt ihn noch genauer Bezeichnet: „Σίµων Πέτρος“, dagegen Mk und Lk nur: „Πέτρος“. Die Antwort auf die Frage Jesu fällt bei allen Synoptikern gleich aus. Jeder bringt den
2
Christustitel „χριστὸς“. Doch immer in einer etwas anderen Form. Bei Markus finden wir nur die Bezeichnung „ο χριστός“(8,29); bei Mt „ο χριστὸς ο υιὸς του̃ θεου̃ του̃ ζω̃ ντος.“ Und Lk „τὸν χριστὸν του̃ θεου̃ .“(9,20).
V 17-19: Hier weicht die Erzählung des Matthäus von denen der anderen Synoptiker ab. Auch finden sich keine Hinweise, dass Matthäus hier eine Traditionen bzw. eine Erzählung aus Q verarbeitet. Es ist nachfolgend u.a. dieser Abschnitt zu analysieren und zu diskutieren.
V 20: Nun läuft die synoptische Erzählung wieder parallel. Alle enden mit dem Gebot Jesu, dem so genannten „Messiasgeheimnis“, an die Jünger. Allerdings benennt Mt diese hier nochmals ausdrücklich als solche „µαθητής“. Bei Mk und Lk scheint klar zu sein zu wem dieses Gebot gilt.
4.1.2. Bewertung und Diskussion des synoptischen Vergleichs:
Zu Beginn des synoptischen Vergleichs habe ich mich mit der Anwendung der Zwei-Quellentheorie, für eine Markuspriorität, ausgesprochen. Zunächst ist diese nachweisbar, denn V 13-16.20 stimmen inhaltlich mit der Markusdarstellung in Mk 8, 27-29 überein. Nun gilt es zu überlegen, ob die Zwei-Quellentheorie noch haltbar ist, wenn man sich den Erzählkomplex Mt 16, 17-19 anschaut. Denn dieser fehlt in der Darstellung des Markus. Auch finde ich keinen Hinweis, dass diese Tradition (V. 17-19) aus „Q“ stammen könnte, denn dann würde diese sicherlich auch bei Lukas erscheinen. Es ist für mich nicht einleuchtend, warum Lukas gerade diese Tradition weggelassen haben sollte. Dieser musste doch eigentlich besonders großes Interesse an der Person des Petrus gehabt haben. Er spielt ja in der von ihm festgehaltenen Apostelgeschichte eine wesentliche Rolle.
Zur Diskussion:
U. Luz bemerkt, dass V 17 nicht allein stehen kann, da ein Objekt fehlt, welches den Inhalt der Offenbarung an Petrus angibt. Es ist also die Frage zu stellen, was diesem Vers ursprünglich voraus ging, wenn dieser eine alte Tradition ist. Dazu sind drei Antwortmöglichkeiten aufzuzeigen und ihre Wahrscheinlichkeit ist dabei abzuwägen: (1) Die Verse 17-19 waren die ursprüngliche Antwort Jesu auf das Petrusbekenntnis, diese ist aber dann von der Mk-Überlieferung verdrängt worden. So z.B. Bultmann, der allerdings Vertreter der traditionellen Mk-Priorität ist. Nicht erklärbar ist aber, warum in der Mk-Redaktion die Antwort Jesu gestrichen worden sein soll. 2 „Eine Polemik gegen Petrus lässt sich weder bei Markus (vgl. Mk. 16,7; 11,21; 13,3) noch sonst im Neuen Testament finden, auch wenn Gegensätze zwischen ihm und Paulus existiert haben (Gal 2,11f)“. 3
2 Vgl. U. Luz, EKK Matthäusevangelium 1/2, S. 454.
3 E.Schweizer, NTD Matthäus, S. 218.
3
(2) Nimmt man an, dass V 17 Teil eines verloren gegangenes Traditionsstückes ist, so ist Mt 16, 17-19 wahrscheinlich ein Brückstück aus einem österlichen Erscheinungsbericht. Die Frage ist aber, warum ging es verloren bzw. warum blieb davon nur ein zweiter Teil erhalten? Zudem wäre in einem Erscheinungsbericht die Antwort Jesu auf ein Bekenntnis, als eine Spitzenaussage, ein formales Unikum. 4
(3) Die dritte Möglichkeit ist diese, dass V 17 nachträglich an das Petrusbekenntnis angefügt wurde. 5
Beurteilung:
Mir wurde deutlich, dass die dritte Deutung von den oben Gezeigten am plausibelsten erscheint. Indirekt wird dadurch die Markuspriorität belegt. Es scheint, dass in den Grundtext den Matthäus von Markus übernommen hat, eine Sondertradition (V 17-19), die sich nicht in „Q“ finden lässt, hier eingebaut wurde. Ob dies Matthäus selbst getan hat oder ob es ein späterer Redaktor war, muss sich noch zeigen. Mit V 20, wie im synoptischen Vergleich deutlich wurde, befinden wir uns dann wieder ganz auf der Tradition des Markus.
Es scheint also sinnvoll in der weiteren Darstellung von der Richtigkeit der Zwei-Quellentheorie, mit einer Markuspriorität, auszugehen. Auch wenn Mt hier keine Quelle „Q“ verarbeitet, so zusagen nur auf eine Quelle zurückgreift, besteht für mich kein Grund, durch den Textbefund, diese Theorie zu falsifizieren.
Weitere Beobachtungen der Verse 17-19:
V 17: Die Matthäismen „α̉ ποκριθεὶ ς δὲ“ + Subj; „είπον“ mit Dativ weisen auf die Autorschaft des Matthäus hin, außerdem klingt hier noch 11, 25-27 an. Man kann also annehmen, dass V 17 von Matthäus selbst gebildet wurde.
V 18: Die Einführung „κα̉ γὼ δέ σοι λέγω ότι“ kann auf Matthäus zurückgehen, aber kaum „µου τὴν ε̉ κκλησίαν“. So findet sich bei Matthäus „µου“ nur siebenmal als vorangestelltes Possessivpronomen, hingegen 66-mal als nachgestelltes. 6 Überhaupt ist „ε̉ κκλησία“ nach meiner Konkordanz nur zweimal bei den Synoptikern, hier an dieser Stelle und in Mt 18,17 bezeugt, bei Johannes finden wir scheinbar dieses Wort gar nicht. Unter dem Punkt Traditionsgeschichte ist nun zu erörtern, welche Vorstellungen sich hinter „ε̉ κκλησία“ verbergen, um Rückschlüsse ziehen zu können, ob wir es hier mit einem historisch Jesus Logion zu tun haben, oder ob dieses Logion aus der nachösterlichen Gemeinde stammt.
Weitere unmatthäische sprachliche Eigentümlichkeiten zeigen („κατισχύω“ auch „ε̉ πί“ mit Dativ), dass hier eine Tradition vorliegt, die nicht von Matthäus bearbeitet wurde. 7 Es
4 Vgl. U. Luz, EKK Matthäusevangelium 1/2, S. 454.
5 Vgl. Ebda., S. 454.
6 Vgl. Ebda., S. 454.
7 Vgl. U. Luz, EKK Matthäusevangelium 1/2, S.455.
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Maik Wunder, 2003, Historisch-kritische Exegese zu Matthäus 16, 13-20, München, GRIN Verlag GmbH
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