SE Philosophiegeschichte II Sommersemester 2010
1. Vorwort
Augustinus Aurelius gilt mit Sicherheit als eine der wichtigsten Personen im Mittelalter und hat von dessen Beginn an weit über diese Zeitalter hinaus Philosophen geprägt. In dieser Seminararbeit soll die Existenzfrage der drei Zeithorizonte bei Augustinus geklärt werden. Ziel ist dabei nicht eine allumfassende Darstellung, da dies Stoff für eine Abschlussarbeit wäre und somit hier der Platz dafür nicht reicht. Einleitend beginne ich mit einer kurzen Biographie, die dem näheren Verständnis der Person Augustinus dienen soll. Anschließend nähere ich mich dem zentralen Thema, dem Zeitbegriff bei Augustinus. Dieser wird von Augustinus in den confessiones abgehandelt. Dementsprechend stütze ich mich bei der Primärliteratur auf das 11. Buch der confessiones. Bei der Sekundärliteratur habe ich mich auf wenige Werke beschränkt, die mir am sinnvollsten erschienen. Hauptsächlich beschränke ich mich dabei auf das Buch von Friedrich Willhelm von Herrmann „Augustinus und die phänomenologische Frage nach der Zeit“.
2. Kurze Biographie
Häufig wird das Werk von Augustinus auf den kirchlichen Bereich beschränkt und es ist sicher so, dass Augustinus im Bereich der Theologie und in der Kirche vieles beeinflusst hat , doch es gilt auch auf seinen Einfluss in der Philosophiegeschichte hinzuweisen. Auch hier hat Augustinus seinen Platz und viele Neuerungen gehen hier auf ihn zurück. Zu seinem Leben haben wir außergewöhnlich viele Informationen, da Augustinus in vielen Schriften mit Bemerkungen darauf hinweist und so können wir uns davon ein relativ klares Bild machen.
Augustinus wird 354 in Thagaste/Algerien geboren und während sein Vater und die Geschwister kaum eine Rolle spielen, gilt der Mutter eine sehr große Beachtung. Bis zu ihrem Tod spielt sie eine große Rolle im Leben von Augustinus. Augustinus schlägt den Weg eines Rhetorikers ein und wird dann vor allem von der Lektüre von Ciceros Schrift Hortensius, in der dieser zur Philosophie aufruft, beeinflusst. Abschreckend auf ihn wirkt jedoch die Bibel, die er als sehr enttäuschend empfindet. Er wendet sich 373 dem Manichäismus zu, von dem er sich jedoch relativ schnell dann auch wieder abwendet. Larcher Lisa
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In dieser Zeit lebt Augustinus in Karthago und verdient sich sein Geld als Rhetoriklehrer, bevor er dann nach Rom geht.
Darauf folgt dann die Mailänder Zeit, in der Augustinus als Professor in Mailand weilt. Doch beschäftigt er sich erneut mit Cicero und auch wiederum mit dem Manichäismus. Prägend war für ihn dann die Auslegung der Bibel auf neuplatonistische Art und Weise, die er durch Bischof Ambrosius kennenlernt. Der Neuplatonismus wird von jetzt an grundlegend für sein Denken.
Bald darauf gerät er dann in eine tiefe Krise und zieht sich auch vollkommen aus seinem Beruf zurück und indessen Folge geht er mit seiner ganzen Familie nach Cassiacium in Norditalien, wo dann auch die ersten Schriften entstehen.
Als er nach Hippo gelangt, wird er dort unfreiwillig zum Bischof, nachdem Bischof Valerius stirbt. Auch in dieser Zeit schrieb Augustinus zahlreiche Werke und war auch stark mit dem Kampf gegen den Donatismus, den Pelegianismus und dem Manichäsismus beschäftigt.
Schlussendlich stirbt er 430, während Hippo belagert wird. Zu seinen Haupptwerken gehören De civitate die, de trinitate und auch die autobiographischen confessiones, die Ausgangspunkt meiner Abhandlung über die Zeit sind (vgl zu diesem Kapitel Horn, 1995: S. 12-‐22).
Die confessiones wurden von Augustinus im Jahre 397 geschrieben als er Bischof von Hippo war. Sie sind in 13 Bücher unterteilt, die alle jeweils an Gott gerichtet sind. Während die ersten Bücher eher autobiographisch sind, kann man die Bücher 10-‐13 als philosophische Bücher sehen.
Larcher Lisa
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3. Der Zeitbegriff bei Augustinus
Der Zeitbegriff bei Augustinus, der im 11. Buch der Bekenntnisse geklärt wird, hat in der Welt der Philosophie auch heute noch eine immens große Bedeutung. Mit seiner Zeittheorie beeinflusste Augustinus zahlreichen Philosophen wie Bergson, Heidegger, Husserl und noch viele mehr. Husserl schrieb davon, dass jeder, der sich mit Zeit beschäftigt Augustinus Abhandlung darüber lesen müsse (vgl. Flasch, 1993: S.10). Zunächst soll hier mit dem Aufbau der Zeituntersuchung in den Bekenntnissen begonnen werden.
4.1 Der Aufbau der Zeituntersuchung
Augustinus entfaltet seine Zeitgedanken im 11. Buch der Bekenntnisse und zunächst wird die Ewigkeit im ständigen Rückgriff auf das phänomenale Zeitverständnis als stehende Gegenwart definiert (vgl. Augustinus, 2003: S.311-‐313). Die Welt wurde für ihn also nicht aus einer Materie geschaffen, sondern aus dem ewigen Wort, das in der ewigen Weisheit ist. Das Ewige hat für ihn einen höheren Wert und steht über den Zeiten. Hier soll bereits auf die Pluralität des Wortes Zeit hingewiesen werden, denn damit ist schon klar, dass es für Augustinus die drei Zeithorizonte gibt. (vgl. Flasch, 1993: 330). Im Kapitel 14 beginnt Augustinus mit der konkreten Zeituntersuchung:
Was ist denn also die Zeit? Wer kann das leicht und schnell erklären? Wer kann das auch nur soweit denkend erfassen, daß er dann davon sprechen kann? Was kommt uns in unseren Reden vertrauter und bekannter vor als das Wort >Zeit Wir wissen sogar, wenn wir das Wort aussprechen, was das ist; Wir wissen es auch, wenn ein anderer darüber zu uns spricht. Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es; Wenn ich es jemandem auf seine Frage hin erklären soll, weiß ich es nicht (Augustinus, 2003: S. 314).
Hier wird nach also nach dem Wesen der Zeit gefragt doch wie viele andere Autoren verbindet Augustinus nicht das Denken an das Sprechen, wie es seit Willhelm von Humboldt häufig geschieht (vgl. Flasch, 1993: S. 341). Doch bevor man über das Wesen der Zeit sprechen kann, muss man erst die Frage nach dem Sein oder Nichtsein der Zeit
Larcher Lisa
Arbeit zitieren:
Lisa Larcher, 2010, Der Begriff der Zeit bei Augustinus Aurelius, München, GRIN Verlag GmbH
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