Kosmopolis der Postmoderne Peter Schröder
Kosmopolis
Inhaltsverzeichnis
Abstract 1
1. Einleitung 1
2. der Begriff „Kosmopolis“ 2
3. die Moderne 4
3.1 aus der Krise nährte sich die Moderne 5
3.2 das Ende der Moderne 8
3.3 mit dem Rücken voraus 10
4. die Schwelle zur Postmoderne 11
5. die neuen Papisten und Ketzer 12
6. mit dem Blick in die Vergangenheit 14
7. Fazit 16
Literaturverzeichnis
Kosmopolis der Postmoderne Peter Schröder Abstract
In seinem Buch „Kosmopolis“ beschreibt Stephen Toulmin die Unabdingbarkeit des Zusammenhangs zwischen Mensch und Natur und beruft sich dabei auf vier grundlegende Eigenschaften der Wissenschaft, welche in der Vergangenheit und der Bedeutung, welcher ihr Toulmin zuschreibt, die interdisziplinäre Wissenschaft meinte. Diese Eigenschaften nennt er das Lokale, das Mündliche, das Besondere und das Zeitgebundene.
Diese Arbeit behandelt zunächst die Epoche der Moderne in Europa und der westlichen „zivilisierten“ Welt, und ihre Entwicklungen im Bereich der „Kosmopolis“, welche die natürliche und gesellschaftliche Ordnung meint, die einst die Griechen in ihrer Philosophie entwickelten.
Nach der Betrachtung der Moderne und der sich darauf ergebenden Schlüsse, wird die Frage der Postmoderne, beginnend in den letzten Jahren des 20. Jahrhundert, behandelt, die entgegen der Hoffnung Toulmins zu dem Schluss kommt, dass es auch heute noch den Konflikt zwischen den beiden Betrachtungen und Interpretationen des Kosmos und der Polis gibt, nur haben sie ihre Masken gewechselt, was deren Erkennen und Behandeln umso erschwert. Die Frage Toulmins, ob wir an der Schwelle zu einer „Postmoderne“ oder der „dritten Phase der Moderne“ stehen, würde also eher mit letzterem beantwortet, da sich die gleichen unlösbar scheinenden Konflikte aufzeigen lassen, wie zuvor in den Jahren 1600 bis 1950.
1. Einleitung
15. September 2008, mit der Beantragung eines Insolvenzverfahrens in den USA beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Die Rede ist von der viertgrößten Investmentbank an der Wall Street, die sich im Immobiliengeschäft nicht nur verspekuliert hatte, sondern, rückblickend, über Jahre ein über die Grauzonen der Finanz- und Investmentwelt hinausreichendes Verhalten an den Tag legte. Nachdem die USA bereits in drei Fällen mehrere Milliarden US Dollar an in Schieflage geratene Finanzinstitute zahlte, Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac, konnte die Politik dem Druck des Volkes nicht standhalten und somit in diesem Fall nur zusehen, wie die Marktwirtschaft ihre Probleme selbst löste. Die Folgen dieser Insolvenz, die bald die ganze Weltwirtschaft betreffen sollten und eine Krise nach der Krise auslöste, deren Nachwirkungen sich aktuell in den sinkenden Rankings Europäischer Staaten, einer Vielzahl von Rettungsschirmen und Spekulationen gegen allerlei Währungen und sogar gegen Staaten zeigen, sind hinreichend bekannt.
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Kosmopolis der Postmoderne Peter Schröder
Wer hätte noch vor 20 Jahren, als die deutsche Wiedervereinigung gerade passierte, gedacht, dass nach dem Siegeszug der kapitalistischen Marktordnung gegen die Planwirtschaft der sozialistischen Staaten nun, da eine in ihrer Gesamtheit nur schwer fassbare und die ganze Welt umspannende Wirtschaftkrise herrscht, eben dieser Siegreiche Markt nach der direkten Einmischung, Regulierung, ja gar der Verstaatlichung durch den Fiskus ruft. Bereits zwei Jahre nach dem Ausbruch dieser wirtschaftlichen Pandemie wissen die Experten, woran es gelegen hat und wie man nun vorbeugen kann. Wirklich? Diese Arbeit befasst sich mit der philosophischen Betrachtung des Problems und richtet sich dabei an dem roten Faden des Buches „Kosmopolis“ von Stephen Toulmin aus, der mit seinem 1990 verfassten Buch den Werdegang vom Mittelalter in die Moderne beschreibt und dabei allerlei Entwicklungen der verschiedensten Arten und Richtungen erläutert und schließlich einige zukunftsweisende Anregungen und Ideen daraus entwickelt. Die von ihm durch diesen Prozess herausgestellten Erkenntnisse sollen uns helfen, die, wie er sie nennt, „Postmoderne“ oder auch die „dritte Phase der Moderne“ in ihren ersten 15 bis 20 Jahren zu analysieren und diejenigen Kräfte herauszustellen, die derzeit an die Stelle von Staat und Kirche getreten sind und somit den neuen Zündstoff für Konflikte bieten.
Was meint nun aber der Begriff Kosmopolis und warum ist er ausschlaggebend für die Umstände einer Epoche. Diese Frage muss sicherlich als erste geklärt werden, um die Schlussfolgerungen und Beschreibungen, zu denen diese Arbeit hinführt, zu verstehen. 2. der Bergiff „Kosmopolis“
Nach Toulmin setzt sich der Kunstbegriff „Kosmopolis“ aus den beiden Begriffen „Kosmos“ und „Polis“ zusammen. Diese werden im Brockhaus wie folgt beschrieben.
- Kosmos: die Welt als Ganzes, das Weltall (Universum). - In der antiken Naturphilosophie die harmonische und wohl gegliederte Ordnung des Weltalls (im Gegensatz zu Chaos). Im Einzelnen bestanden die unterschiedlichen Vorstellungen (eine einzige oder viele Welten, mit oder ohne Anfang und Ende usw.). Der Gedanke einer göttlichen Anordnung (zum Teil als großer Gesamtorganismus mit der menschlichen Ordnung als Mikrokosmos vorgestellt) trat in der Neuzeit zugunsten der Annahme zurück, dass der Kosmos als eine durch Vernunftprinzipien gegliederte Ordnung zu
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Kosmopolis der Postmoderne Peter Schröder
begreifen sei, die der Erforschung zugänglich ist (Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2009).
- Polis: [griechisch pólis »Stadt«] die, im antiken Griechenland der Stadtstaat; nach mykenischen Zeugnissen Bezeichnung für die »Burg« und die damit verbundene Siedlung. In archaischer Zeit Bezeichnung für das Siedlung und Umland umfassende Gemeinwesen. Die Polis verstand sich als Gemeinschaft von Bürgern (Politen), für die es feste soziale und ethnische Zugehörigkeitskriterien gab (Abgrenzung z. B. gegen Sklaven und Fremde, die Metöken). Sie war gekennzeichnet durch Selbstverwaltung und eine Verfassung, in der die politischen Rechte und Pflichten des Einzelnen festgelegt waren. Die Verfassung konnte demokratisch oder oligarchisch sein. Die Vollbürger waren die Träger der Souveränität. Sie traten regelmäßig zur Volksversammlung zusammen und konnten in den Rat gewählt oder durch Los aufgenommen werden. Die Blütezeit lag im 6.‒4. Jahrhundert v. Chr. (Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2009).
Die o.g. Definition von „Kosmos“ trifft recht genau diejenige, die Toulmin in seinem Buch beschreibt, während die Definition der Polis von Toulmin etwas signifikanter scheint. Er bezeichnet die „Polis“ als gesellschaftliche bzw. politische Ordnung, entgegen der kosmischen Ordnung, die sich in physikalischen bzw. naturwissenschaftlichen Strukturen begründet (Toulmin, 1991; S. 116 f.). Die Vermengung beider Begriffe in „Kosmopolis“ beschreibt nun den Gedanken, dass sich die natürliche Ordnung des Kosmos auch auf die Polis übertragen ließe. Das ist zugleich ein erster Hinweis auf die Überlegungen auf dem Weg zur Moderne und auch noch während der Moderne, die ständig damit beschäftigt waren, diese Verbindung zu erkennen und definitiv zu beschreiben. Wir wissen nun also, welche beiden Strukturen verbunden werden sollen und haben auch bereits einen ersten Hinweis darauf, dass man stets die gesellschaftliche Ordnung an der natürlichen auszurichten, was bedeutet, dass neue Erkenntnisse in den Naturwissenschaften auch automatisch das Bild der Gesellschaftsstrukturen beeinflusste.
Das sich daraus immer wieder Konflikte ergaben und welche Erkenntnisse daraus schlussendlich folgten, wird im Folgenden dargestellt und führt uns näher an die Postmoderne oder die dritte Phase der Moderne heran.
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Kosmopolis der Postmoderne Peter Schröder
3. die Moderne
Die Moderne, das stellt Toulmin nach einem recht langen Diskurs fest, begann bereits im 16. Jahrhundert. Als Kennzeichen des Beginns definiert er ins besondere den Humanismus der Renaissance in Frankreich neben den rationalistischen Errungenschaften der Naturwissenschaften und die sich daraus jeweils ergebenden politischen Strukturen des 17. Jahrhunderts (Toulmin, 1991; S. 24 ff.). Wie sich bereits in dieser Debatte um den „doppelten Ursprung“ (Krüger, 1991; S. 25) der Moderne zeigt, waren die rationalisierenden Neuerungen der Naturwissenschaften des 17. Jahrhunderts umso prägnanter, da sie der Renaissance und damit dem Humanismus arg entgegenstanden und ihm zuwider wirkten. Dieser krasse Wechsel mag viele Historiker dazu veranlasst haben, den Beginn der Moderne ausschließlich im 17. Jahrhundert zu sehen. Als Kennzeichen der Moderne lassen sich dabei unterschiedliche Dimensionen anwenden, die jeweils auf völlig unterschiedliche historische Ursprünge verweisen. In der politischen Dimension war es die klare Ausprägung der Nationalstaaten, die sich wie eine Welle über Europa ausbreitete und die nationalstaatliche Souveränität mit sich brachte, was auf der anderen Seite einen sinkenden Einfluss der Kirche bedeutete. Dies ist eben auch der Indikator, anhand dessen man das 17. Jahrhundert den Beginn der politischen Moderne ausmacht (Toulmin, 1991; S. 24). Eine zweite Dimension ist die Industrialisierung gegen Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts, die die Produktionsfähigkeit der Gesellschaft schlagartig änderte und um ein Vielfaches steigerte (Toulmin, 1991; S. 25 f.). Die letztendliche Dimension, anhand derer auch Toulmin selbst den Beginn der Moderne messen möchte, ist die Philosophie. Dies führt allerdings zu der Problematik, dass man erkennen muss, dass sich die Philosophie seit den Griechen immer nur auf jenes bezieht, wenn nicht gar nur beziehen kann, was bereits vorher erdacht wurde. In den Jahren der Moderne stellt man also bei genauerer Betrachtung fest, und das gilt wohl auch für die Zeit nach der Moderne, dass alles seinen philosophischen Ursprung schon vor langer Zeit hatte und „lediglich“ weitergedacht wurde oder neu auflebte, obgleich die Rationalisierung der Idee der Griechen entgegenstand. Das wiederum führt dazu, dass man den Beginn der philosophischen Dimension der Moderne nicht genau beziffern kann, was sich bei Toulmin sicherlich daran verdeutlicht, dass er durch sein gesamtes Werk hindurch stets auf vorherige Philosophen und „Wissenschaftler“ zu sprechen kommt und deren Erkenntnisse und Theorien in Bezug zu den modernen Philosophen stellt (Toulmin, 1991; S. 54 ff.).
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Arbeit zitieren:
Peter Schröder, 2010, Kosmopolis der Postmoderne - Ein Rückblick auf die Zukunft nach S. Toulmin, München, GRIN Verlag GmbH
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