Inhalt
Abbildungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
1. Einleitung 1
2. Mittelständische Unternehmen 2
2.1 Definition des Mittelstandes 2
2.2 Charakteristika mittelständischer Unternehmen 3
2.3 Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand 6
3. Basel II - Auslöser des Ratingphänomens 7
3.1. Von Basel I zu Basel II 7
3.2 Basel II und das Drei-Säulen-Konzept 8
4. Rating als Chance für mittelständische Unternehmen 13
4.1 Definition des Begriffes „Rating“ 13
4.2 Externes und Internes Rating 14
4.3. Ratingsymbolik 15
4.4 Auswirkungen des Ratings auf den Mittelstand 18
4.5 Risiken aus Sicht von mittelständischen Unternehmen 19
5. Vorrausetzungen für ein positives Rating 21
5.1 Typische Probleme bei mittelständischen Unternehmen 21
5.2 Optimierungsmaßnahmen für das Rating 24
6. Fazit 26
Quellenverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die drei Säulen von Basel II
Abbildung 2: IFD-Rating-Skala
Abbildung 3: Ratingverteilung eines typischen Mittelstandsportfolios
II
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Vereinfachte Darstellung der Eigenkapitalunterlegung seitens der Banken für Kredite an verschiedene Kreditnehmer gemäß den Basel I Vorgaben ............................................. 8
Tabelle 2: Unterschiede zwischen bankinternen und externen Ratings .......................................... 15
Tabelle 3: Ratingskalen von Standard & Poor's .............................................................................. 16
III
1. Einleitung
Kleinere und mittlere Unternehmen, der so genannte Mittelstand, bilden das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Sie beschäftigen knapp 20,45 Millionen Personen, dies entspricht einer Quote von 79,5 % aller Arbeitnehmer in der privaten Wirtschaft. Insgesamt existieren 3,72 Millionen mittelständische Unternehmen, ihr relativer Anteil an Unternehmen in Deutschland beträgt damit 99,6 %.Sie erwirtschaften ca. 49% der Nettowertschöpfung und bilden über 83% aller Lehrlinge aus. 1 Nationale oder internationale Entwicklungen, die den Mittelstand negativ beeinflussen, können somit schnell zu makroökonomischen Spannungen und schwerwiegenden volkswirtschaftlichen Problemen führen. Das aus betriebswirtschaftlicher Sicht wahrscheinlich auffälligste Merkmal dieser Unternehmen ist die Art ihrer Finanzierung, die im Vergleich zu großen Unternehmen und Konzernen wesentlich undifferenzierter betrieben wird. Mittelständische Unternehmen finanzieren sich in
Deutschland überwiegend über klassische Bankkredite. Sie weisen mit durchschnittlich ca. 8% eine äußerst niedrige Eigenkapitalquote auf, die im Vergleich zu Großunternehmen als gering anzusehen ist. 2 Der für mittelständische Unternehmen schwierige Zugang zum Kapitalmarkt erschwert die Kapitalbeschaffung und führt zu einer recht hohen Abhängigkeit von der Kreditfinanzierung. Unabhängig von der Problematik der Mittelstandsfinanzierung steht im Vordergrund die radikale Veränderung der Bankenaufsicht internationaler Institute. Der Baseler Ausschuss hat eine Anpassung der Eigenkapitalunterlegungsvorschriften, deren bisherige Regelungen im Wesentlichen bereits seit 1988 gelten, eine Rahmenvereinbarung zur „Internationalen Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderung“ erarbeitet, kurz „Basel II“ genannt. Ziel dieser Vereinbarung ist es, das internationale Finanzsystem zu stärken, da die bisherigen Regelungen der Dynamik der Märkte nicht mehr gerecht wurden. Eine tragende Säule dieser Rahmenvereinbarung ist die risikogerechte Unterlegung von Krediten mit Eigenkapital. Anhand von internen oder externen Ratings wird festgelegt in welcher Höhe die Kredite mit Eigenkapital zu unterlegen sind. Für risikoreiche Kredite müssen die Banken mehr Eigenkapital unterlegen als für scheinbar sichere. Demzufolge wird die Kapitalaufnahme für kleine und mittelständische Unternehmen erschwert, da sich die Kreditkosten entsprechend der Risikokosten anpassen.
Als Folge dessen werden die Ratings von Unternehmen immer wichtiger in Verbindung mit der Aufnahme von Krediten. Diese Arbeit soll sich zunächst mit den Vorschriften der Baseler
1 http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=99 Stand 15.03.2010
2 Vgl. Schumacher, M.: „Rating für den Mittelstand: Neue Ansätze zur Prognose von Unternehmensausfällen“, Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag / GWV Fachverlag, 2006, S. 1 ff.
1
Ausschüsse beschäftigen und dann den Fokus auf die Probleme und Chance des Ratings von mittelständischen Unternehmen legen. Der Verfasser verzichtet hierbei auf die Darstellung der verschiedenen Ratingsystematiken sowie dem Ratingverfahren.
2. Mittelständische Unternehmen
2.1 Definition des Mittelstandes
Im Mittelpunkt dieser Kolloquium-Arbeit stehen die mittelständischen Unternehmen. Mit einer solchen Eingrenzung geht die Vermutung einher, dass sich diese Unternehmen signifikant von anderen Unternehmen unterscheiden - insbesondere von Konzernen. Welsh & White formulieren die Besonderheit mit dem Satz „A small business is not a little big bussiness.“ 3
In der Literatur finden sich zahlreiche, unterschiedliche Definitionen, die eine Abgrenzung mittelständischer Unternehmen vornehmen. Für diese Hausarbeit soll die Definition des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn zu Grunde gelegt werden.
Zunächst kann der Mittelstand auf qualitativer und quantitativer Weise abgegrenzt werden. Das IfM, Bonn definiert auf quantitativer Ebene unabhängige Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten und weniger als 1 Million € Jahresumsatz als kleine Unternehmen und solche mit bis 499 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von bis unter 50 Millionen €, die keine kleinen Unternehmen sind, als mittlere Unternehmen. Die Gesamtheit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) setzt sich somit aus allen unabhängigen Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und weniger als 50 Millionen € Jahresumsatz zusammen. 4
„Die qualitativen Abgrenzungsmerkmale beschreiben Besonderheiten von mittelständischen Unternehmen, die sich vom Wesen her von anderen Unternehmensgrößen differenzieren. Dabei stellt die qualitative Abgrenzung mittelständischer Unternehmen nicht auf eine quantitative Betriebsgröße, sondern auf den ganz besonderen Betriebstyp des mittelständischen Unternehmens ab.“ 5 Mögliche Merkmale sind häufig die vorkommende Einheit von Eigentum und Leitung, rechtliche Selbständigkeit, der Autonomiegrad, d.h. die Unabhängigkeit von Konzernen oder Großunternehmen oder das weitgehende Fehlen von Filialbetrieben. Außerdem ist die Dominanz der persönlichen Kontakte zu Kunden, Lieferanten und die für das mittelständische Unternehmen relevanten Öffentlichkeit sowie
3 Welsh, J. A., White, J. F.: „A small business is not a little big business” In: Harvard Business Review 07/1981, S. 18-32
4 Vgl. Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 11 ff.
5 Schneck, O.: „ Rating: Wie Sie ihre Bank überzeugen“, 2.Aufl., München: Beck Wirtschaftsberater im Deutschen Taschenbuch Verlag, 2008, S. 9
2
der geringe Formalisierungsgrad zu nennen. 6 Obgleich diese Merkmale dazu beitragen sollen, Abgrenzungen zwischen mittleren und großen Unternehmen vorzunehmen wird in der Literatur keine eindeutigen Angaben darüber gemacht, wie viele Kriterien letztlich zutreffen müssen, um ein Unternehmen dem Mittelstand zuordnen zu können. 7
„Der Baseler Ausschuss gibt eine quantitative Eingrenzung vor, die sich bei der Abgrenzung zu kleinen Unternehmen bzw. Gewerbetreibenden implizit durch die Möglichkeit ergibt, Kreditengagements unter einer Höhe von 1 Mio. Euro dem Retailgeschäft zuzuordnen.“ 8 Das bedeutet, dass Kredite dieser Größenordnung nicht den relevanten Auflagen der Rahmenvereinbarung zur Messung der Kapitaladäquanz unterliegen.
2.2 Charakteristika mittelständischer Unternehmen
Die Diskussion über eine sinnvolle Abgrenzung und Definition von mittelständischen Unternehmen deutet bereits auf die Besonderheiten des Mittelstandes hin. Demzufolge soll dieses Kapitel einige Tendenzaussagen hinsichtlich verschiedener Charakteristika des Mittelstandes darstellen. Im Folgenden werden solche Tendenzen aufgeführt, die sich sowohl positiv als auch negativ auf die Bewertung mittelständischer Unternehmen im Rahmen eines Ratings auswirken können. „Anzuführen sind in diesem Zusammenhang Besonderheiten hinsichtlich der
• Finanzierungssituation,
• Dominanz der Geschäftsführung bzw. des Eigentümers,
• Organisationsstruktur
• Strategischen Unternehmensführung,
• Hohen Flexibilität sowie
• Ressourcenknappheit.“ 9
Die Finanzierung in mittelständischen Unternehmen differiert meist von dem der großen Konzerne. So weist der Mittelstand in Deutschland fast schon traditionell eine recht geringe Eigenkapitalquote auf, da deutsche Bilanzvorschriften einen niedrigen Ausweis an
6 Vgl. Behringer S.: „Unternehmensbewertung der Mittel- und Kleinbetriebe: Betriebswirtschaftliche Verfahrensweisen“, 4. Aufl., Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2009, S. 10 ff.
7 Vgl. Schneck, O.: „ Rating: Wie Sie ihre Bank überzeugen“, 2.Aufl., München: Beck Wirtschaftsberater im Deutschen Taschenbuch Verlag, 2008, S. 9.
8 Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 12.
9 Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 14.
3
Eigenkapital eher begünstigen. Zumindest aus steuerlicher Sicht ist Eigenkapital die teuerste Kapitalqualität. 10 Die durchschnittliche Eigenkapitalquote liegt bei ca. 8%. Unter ökonomischen Gesichtspunkten kommt dem Eigenkapital jedoch sowohl eine Haftungs- als auch eine Verlustausgleichsfunktion zu. Das Eigenkapital soll somit als Puffer in wirtschaftlichen Krisen dienen und soll dazu beitragen Notlagen zu überbrücken. „8% sind hierbei jedoch kaum ausreichend und schon kleine, kurzfristige Krisen oder Veränderungen können zur Unternehmensinsolvenz führen.“ 11 Nach wie vor dominiert der traditionelle Bankkredit die Finanzierung. Andere Außenfinanzierungsformen spielen, mit Ausnahme des Gesellschafterdarlehens, eine untergeordnete Rolle. Die Möglichkeit den Kapitalmarkt in Anspruch zu nehmen ist für mittelständische Unternehmen erschwert.
Eine wichtige Position bei mittelständischen Unternehmen nimmt die Geschäftsleitung in Form des Unternehmers ein. So nimmt die Geschäftsleitung üblicherweise recht aktiv am Betriebsgeschehen teil und arbeitet in Funktionsbereichen mit. Der Unternehmer ist intensiv an der Ausarbeitung sowie dem Vorleben der Unternehmenskultur beteiligt. Darüber hinaus nimmt er eine bedeutende Stellung in Entscheidungssituationen ein. Dies gilt ganz besonders, wenn Eigentum und Unternehmensführung zusammenfallen und der Unternehmer ein persönliches Risiko trägt. Hierbei wird von dem Eigentümer-Unternehmer gesprochen. Diese Situation führt grundsätzlich zur Entscheidungszentralisation, die sich bezüglich der Flexibilität durchaus positiv auswirken kann. Diese Chance birgt auch das Risiko der schweren Ersetzbarkeit sowie der Überlastung der Geschäftsleitung. Meist sind mittelständische Unternehmen von den Handlungen der Geschäftsleitung abhängig und damit verbunden ist auch die auf die Geschäftsleitung zugeschnittene Aufbau- und Ablauforganisation des Unternehmens. 12
Mittelständische Unternehmen weisen häufig eine flache Organisationsstruktur auf. Nur selten gibt es eine mittlere Managementebene zwischen Geschäftsleitung und ausführender Ebene oder Stabstelle zur Unterstützung der Geschäftsleitung. In Verbindung mit der geringen Arbeitsteilung, die zu komplexen Anforderungen des einzelnen Arbeitsplatzes führen, entsteht dabei auch ein erhöhtes Personalrisiko. Daraus ergibt sich ein höherer Anteil eines Mitarbeiters an der Gesamtleistung als in Relation zu stark arbeitsteiligen und
10 Vgl. Pleister, C.: „Bedarfsgerechte Finanzierungen für den Mittelstand“, in: Krimphove, D., Tytko, D. (Hrsg.): „Praktiker-Handbuch: Unternehmensfinanzierung“, Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag, 2002, S. 880 ff.
11 Schumacher, M.: „Rating für den Mittelstand: Neue Ansätze zur Prognose von Unternehmensausfällen“, Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag / GWV Fachverlag, 2006, S. 1 ff.
12 Brinkkötter, C. J.: „Rating im Mittelstand: Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien“, Lohmar: Josef EUL Verlag, 2007, S. 14.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Kress, 2009, Rating mittelständischer Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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