Gliederung
1 Einleitung 3
2 An American way of life - Die Geschichte zweier Erfolgsmodelle 4
2.1 Wikipedia - Ein Element des Web 2.0 4
2.1.1 Geschichte 4
2.1.1.1 Die enzyklopädische Idee 5
2.1.1.2 Das Internet als Voraussetzung 6
2.1.1.3 Vom Papier zur Suchfunktion 7
2.1.1.4 Erfolg auf den zweiten Klick - Die Geburtsstunde von Wikipedia 10
2.1.1.5 Beispiele für Wikiportale 11
2.1.2 Funktionalität, Wesen und Bewertung 13
2.1.3 Wikipedia ist (k)eine Enzyklopädie - Eine Diskussion 18
2.2 Die Simpsons - „Ihre beliebte Fernsehfamilie“ 19
2.2.1 Historischer Ursprung 19
2.2.2 Die Simpsons und warum sie so erfolgreich sind 20
3 Simpsonspedia 22
3.1 Vergleich mit Wikipedia 23
3.1.1 Die Hauptseite 23
3.1.2 Themenspezifik und Guides 25
4 Fazit 30
Anhang 31
Literaturverzeichnis 39
1 Einleitung
„Für jede Situation im Leben gibt es eine passende Simpsons Szene.“ 1 Auch, wenn dieses Zitat bisher wenig wissenschaftlich untermauert ist 2 , kennen es viele Fans und Zuschauer der gelben Familie. So erscheint es nicht als Wunder, dass ein solches Zitat entstehen konnte, denn die Episoden der Simpsons scheinen aus dem Leben gegriffen, aus dem Leben des Matt Groening. Eigentlich hatte der Philosophieabsolvent bis zum Jahre 1985 nur Comicstrips gezeichnet. Der Produzent James L. Brooks hingegen, auf ihn aufmerksam geworden durch eben jene Comics, bot ihm an, kurze Zeichentrickclips für das Fernsehprogramm zu entwerfen. Dass die darauf entstehenden Figuren, Die Simpsons, bald Kultstatus erreichen sollten, hatten beide wohl nicht geahnt.
Ebenso eigentlich plante der Finanzwissenschaftler Jimmy Wales im Jahre 2001 mit Wiki nur eine Ergänzung zu seinem ersten Projekt namens Nupedia, das von ihm und seinem Entwicklerkollegen Larry Sanger als internetbasierte Enzyklopädie verstanden wurde, mit dem Anspruch wissenschaftlicher Korrektheit. Wikipedia sollte ermöglichen, was bisher nicht einmal ein 30bändiger Brockhaus zu leisten vermochte: Information, Aktualität und schnelle Verwendbarkeit. Diese Hauptseminararbeit, deren Idee in einem Seminar zur Angewandten Linguistik, genauer im Rahmen einer Referatsvorbereitung zum Thema Hypertext und Hypertextlinguistik, geboren wurde, soll sich mit zwei thematisch nur durch das Wiki-Portal Simpsonspedia.net verbundenen Themenbereichen beschäftigen.
Der eine Themenbereich ist die Idee von Wikipedia, nämlich das gesamte Weltwissen kompendienartig zusammenzufügen, untereinander zu verknüpfen und schließlich im Internet frei zugänglich zur Verfügung zu stellen.
Der zweite Themenbereich behandelt den Mikrokosmos einer amerikanischen Fernsehserie, der seit 1987 auch das deutsche Fernsehkonsumverhalten beeinflusst: Die Simpsons. Beim Durchsuchen des World Wide Web nach Informationen über die beliebte amerikanische Fernsehfamilie stieß ich auf das oben erwähnte Wiki-Portal Simpsonspedia.net und erkannte viele Parallelen, aber auch Unterschiede. Dass einige Parallelen technischer Natur sein würden, war mir ob der laienhaften Kenntnis des System von Wikimedia bekannt, doch auch intratextuell und innerhalb des System fielen mir viele Gleichnisse auf.
1 So der Name einer Facebook-Gruppe (vgl. http://www.facebook.com/group.php?gid=241796759434) sowie eines
unter Simpsonsfans bekannten Zitats.
2 Hinsichtlich der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Thema bildet das Buch Die Simpsons und die
Philosophie eine Ausnahme.
3
Diese Gleichheiten und Unterschiede zu untersuchen, zuvor aber noch einen Überblick zu geben über die historische Entwicklung der enzyklopädischen Idee, des Internet, die Geschichte und Systematik von Wikipedia sowie über die Geschichte und das Erfolgsrezept der Simpsons soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
2 An American way of life - Die Geschichte zweier Erfolgsmodelle
Die Geschichte zweier Erfolsmodelle ist nötig, aber vor allem interessant zu erfahren, um zu verstehen, wie ein Wikisystem im Stile von Simpsonspedia möglich werden konnte. Denn beide Bestandteile dieses Blendings, Simpsons und pedia stehen für jeweils völlig verschiedene Bereiche des Lebens, die sich aber in einem Punkt gleichen: sie haben zu Anfang ihrer Entwicklung enorm viel Zuspruch erfahren und sind deshalb erfolgreich geworden. Worin sie sich unterscheiden, ist die Herkunft ihrer Fachgebiete. Das System, die Hardware im übertragenen Sinne, stellt die technische Voraussetzung dar, Simpsonspedia eine elektronische Grundlage zu geben und entstammt dem technischen bzw. informationstechnischen und wirtschaftlichen Lebensbereich.
Die Software, mithin die Inhalte des Internetangebotes stammen aus zwei verschiedenen Quellen. Gewissermaßen inspiratorisch ausgelöst sind sie durch die Erfolgsserie The Simpsons, die Anfang der 90er Jahre im amerikanischen Fernsehen erstmals ausgestrahlt wurde, nun bereits um Hunderte von Episoden reicher und wie völlig selbstverständlich mit deutscher Synchronisation verfügbar ist. Allerdings schreiben sich die Artikel nicht allein. Die Inspiration greift also über auf die Menschen, die Simpsonspedia erstellen, machen, aktualisieren.
2.1 Wikipedia - Ein Element des Web 2.0 2.1.1 Geschichte
Dieses Kapitel versteht sich als Zusammenfassung eines jahrhundertelang andauernden Prozesses in zeitlicher Raffung. Verständlicherweise wird der Entwicklungsfortschritt zwischen Mitte und Ende dieses Kapitels etwas schneller und detaillierter dargestellt, da die Beschreibung des Thema dann in medias res geht.
4
2.1.1.1 Die enzyklopädische Idee
Reduziert man die Idee von Wikipedia auf den tatsächlichen Nutzen, nämlich das Suchen eines Lemma und das darauf folgende Lesen des Inhalts der Seite, die unter der Überschrift des Lemma steht, so bleibt übrig, was Generationen vor uns unter der Bezeichnung Enzyklopädie 3 zusammengefasst hätten. Der Begriff Enzyklopädie ist dabei aufgrund seines Alters sehr weit geraten. Für die passende Erläuterung im hier geforderten Zusammenhang eignet sich daher die sprachliche Herleitung des Lateinischen encyclopaedia, die „Grundlehre der Wissenschaften und Künste“ weniger. Passender, vor allem begrifflich weiter gefasst scheint daher das griechische egkyklopaideia, das aus egkyklios für „kreisförmig, allgemein“ und paideia für „Lehre, Ausbildung“ zusammen gesetzt soviel bedeutet wie Universalwissen. 4 Das Universalwissen ist damit als höherwertig anzusehen als das Allgemeinwissen, da es universus, also „sämtlich[es]“ Wissen in sich vereinigen soll. Dies ist jedoch insoweit unglaubwürdig, als dass es auf spezifischen Gebieten Expertenwissen gibt, das weit über das Allgemein- oder Universalwissen hinausgeht. Entsprechende Nachschlagewerke bilden Fachlexika und Fachenzyklopädien. Somit sind Enzyklopädien zwischen Allgemeinwissen und Expertenwissen einzuordnen. Für die „enzyklopädische Idee“ gilt laut Daniela Pscheida, dass sie „zwar bereits seit dem Altertum vorhanden gewesen ist, dass sich deren konkrete Umsetzung im zeitgeschichtlichen Verlauf jedoch immer wieder deutlich gewandelt hat.“ 5 Dies geschieht laut Pscheida auf zwei Ebenen: Einerseits sind es „gesellschaftliche Glaubens- und Denksysteme“ 6 , die zur Veränderung des enzyklopädischen Wissens bzw. deren Zusammensetzung beitragen. Das Leben im 21. Jahrhundert ist sehr viel weniger von Zensur geprägt als beispielsweise das Mittelalter durch die Institution der Kirche als Glaubensinstanz oder politische Regime durch die Staatsmacht. Im heutigen Verständnis gibt es kaum Lemmata, die noch von einem Tabu bedeckt werden und somit nicht in Enzyklopädien aufgenommen werden könnten.
Zum anderen betrifft es eine, zumindest in den letzten Jahren rasante Entwicklung, nämlich die der verfügbaren Medien. Es sind einige Jahrhunderte vergangen, seit es gängig und nicht anders möglich war, mit Tinte und Gänsekiel auf Pergament zu schreiben. Eine Revolution war bereits die
3 Da der Begriff sehr alt ist und im Laufe der Zeit verschiedene Bedeutungsveränderungen erfahren hat, sei hier auf
die Bedeutungserklärung zurück gegriffen, die das KLUGE Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache. 24.,
durchgesehene und erweitere Auflage. Bearb. Von Helmar Seebold. De Gruyter: Berlin/New York 2002, S. 249 aus
dem griechischen Ursprung ableitet. Die Ableitung aus dem Lateinischen scheint mir hier zu eng gefasst.
4 Für sämtliche etymologischen Herleitungen an dieser Stellen vgl. KLUGE 2002.
5 Pscheida, Daniela: Das Wikipedia-Universum. Wie das Internet unsere Wissenskultur verändert. Transcript-Verlag:
Bielefeld 2010, S. 331.
6 Ebenda.
5
Einführung des Papiers, das zu produzieren nun sehr viel weniger kompliziert und aufwändig war als die Herstellung von Pergament. Somit hat sich also das Medium geändert; das Medium als Datenträger nämlich. Der Wechsel des Mediums als Werkzeug vollzieht sich etwa zur gleichen Zeit, nämlich in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Das Werkzeug ist nun nicht mehr ein Gänsekiel, sondern es werden bewegliche Letter einsetzt, der Buchdruck entsteht. Mit dieser gewaltigen Weiterentwicklung sind zwei distributionelle Merkmale fundamental verändert worden: der ökonomische Faktor verliert an Bedeutung, der logistische Faktor darf gewinnen. Eine weite Verbreitung von Druckerzeugnissen ist nunmehr weder problematisch noch zeitaufwändig noch teuer.
Einen medienhistorisch enorm großen Fortschritt bezeichnet am Ende des 20. Jahrhunderts die Entwicklung des Internet. Bezüglich der Verbreitungsmöglichkeiten, sowohl was Datenmenge als auch Übertragungszeit betrifft, ermöglicht das Internet, was bisher ohne Computer nicht möglich gewesen ist.
2.1.1.2 Das Internet als Voraussetzung
Die Geschichte des Internet beginnt - genau genommen - bereits im Jahre 1945. Damals hatte der US-amerikanische Ingenieur Vannevar Bush die Idee von Memex, einer Art Informationsverwalter persönlicher Art - im Prinzip der Vorläufer des heutigen Personal Computers. In seinem Aufsatz As we may think beschreibt er unter anderem auch die Möglichkeit der Vernetzung dieser Apparate: Die Idee des Internet ist geboren.
In welchen Stufen, mit welcher Geschwindigkeit und durch welche Personen das Internet zu dem geworden ist, was wir heute benutzen, ist bereits hinreichend in den verschiedensten Disziplinen erörtert worden und nur im weitesten Sinne Untersuchungsbestandteil der Angewandten Sprachwissenschaft und muss demzufolge hier in dieser Arbeit nicht ausufernd thematisiert werden. Wichtig für diese Arbeit ist nur die Art, wie man Internet definiert. Der DUDEN spricht von einem internationalen Computernetzwerk. Schon viel genauer drückt sich der Autor des Wikipedia-Artikels beim Begriff des Internet aus: „Das Internet (von engl. interconnected network), kurz das Netz, ist ein weltweites Netzwerk bestehend aus vielen Rechnernetzwerken, durch das Daten ausgetauscht werden. Es ermöglicht die Nutzung von Internetdiensten wie E-Mail, Telnet, Usenet,
6
Dateiübertragung, WWW und in letzter Zeit zunehmend auch Telefonie, Radio und Fernsehen.“ 7 Noch wichtiger ist aber, im selben Artikel beschrieben, die Aussage: „Im Prinzip kann dabei jeder Rechner weltweit mit jedem anderen Rechner verbunden werden.“
Damit ist die technische Voraussetzung dafür gelegt, dass Computer - wo immer in der Welt sie auch stehen mögen - sobald sie eine Möglichkeit 8 haben, sich am World Wide Web zu beteiligen, mit entsprechenden Rechten auf jeden beliebigen Computer der Welt, im Besonderen natürlich Server, zugreifen zu können.
Somit ist die Möglichkeit also gegeben, von verschiedenen internetfähigen Rechnern auf einen zentralen zuzugreifen, auf dem Daten gespeichert sind, die von den Nutzern der zugreifenden Rechner verändert und verwaltet werden können. Dies ist das Prinzip von Wikipedia.
2.1.1.3 Vom Papier zur Suchfunktion
Ausgehend von der enzyklopädischen Idee soll nun untersucht werden, wie die zur Lektüre auf dem Verbreitungsmedium des Papiers angepassten Lexika und Enzyklopädien ihren Weg gefunden haben, digitalisiert auf CompactDiscs und Digital Versatile Discs als Speicher zu erscheinen, bevor diese Medien mit steigendem Digitalisierungsbedarf an die Grenzen ihrer Nützlichkeit stießen.
Die Idee, Wissen systematisch zu konservieren und zwar so, dass es ein schnelles Wiederauffinden der Information nicht zum zeitraubenden Problem wird, ist so alt, dass sich ihre Wurzeln in der europäischen Spätantike finden lassen. Der bekannteste Enzyklopädist dieser Epoche war Isidor von Sevilla, der das Wissen seiner Zeit in seinem Buch Etymologiarum sive originum libri XX und der Abhandlung De natura rerum gesammelt hat. 9 Ein entscheidender Fortschritt in der Geschichte der Enzyklopädien ist um 1500 spürbar, als sich „Enzyklopädien als selbständige Gattungen entwickelten“ 10 . Als technische Voraussetzung gilt auch hier der Buchdruck, der die Verbreitung gedruckter Medien wie Enzyklopädien für die bereits existierenden Bibliotheken ermöglichte.
7 http://de.wikipedia.org/wiki/Internet
8 Natürlich gibt es im Jahre 2011 immens viele Möglichkeiten, einen PC an das Internet anzuschließen. Jede einzelne
Methode, sei es Fernsehkabel, DSL oder die analoge Modem-Variante, zu nennen, ist ebenfalls nicht Thema dieser
Arbeit.
9 Vgl. Weddige: Mediävistik 2006, S. 58
10 Stickfort 2002, S. 274, zitiert nach Pscheida 2010
7
Ein durch den Druck trotzdem nicht lösbares Problem bestand jedoch in der Systematik. Diese konnte zwar innerhalb einer Publikation durch alphabetische Ordnung bewerkstelligt werden 11 , scheiterte aber letztendlich an der Aktualisierung neu hinzugekommenen Wissens. Genau genommen ist eine drucktechnisch erzeugte Enzyklopädie dann schon wieder nicht mehr aktuell, wenn sie gedruckt wird. Um also eine brandaktuelle Wissenslieferung zu realisieren, müssten ständig Neuauflagen gedruckt werden: Ein nicht nur organisatorisch und logistisch, sondern auch finanziell unmögliches Unterfangen. 12 Die lineare Ordnung der Einträge ist somit nicht optimal. Im Kontext dieser Arbeit ist es auch von Interesse, dass sich im 19. Jahrhundert „die Gattung Enzykloädie in zahlreiche Fach- und Realenzyklopädien“ 13 splittet sowie fachbezogene Monographien und Zeitschriften hinzukommen. Mit Enzyklopädik haben zumindest letztere nichts mehr gemeinsam.
Dieter E. Zimmer hat in seinem Artikel Aufbruch der Saurier in der ZEIT den Sprung von der klassischen, gebundenen Enzyklopädie hin zu optisch-elektronischen Medien umrissen, nicht ohne auf Vor- und Nachteile resümierend einzugehen. Obwohl der Artikel bereits im Jahre 2000 erschienen ist, taugt er sehr gut zur diachronen Betrachtung. 14
Aus demselben Jahr stammt auch der Artikel in der Computerzeitschrift c't von Thomas J. Schult. Auch er untersucht verschiedene Enzyklopädien auf CD-ROM und DVD, jedoch steht bei ihm der vergleichende Aspekt über dem philosophischen. 15
Zimmer bezeichnet das Aufkommen von auf optische Computermedien digitalisierten Enzyklopädien als „dramatischste[n] Umbruch seit Gutenbergs Zeiten“. 16 Dieser Umbruch begann laut Zimmer bereits im Jahre 1989 und spätestens im Jahr 1993 kann von einer allgemeinen Akzeptanz von digitalisierten Nachschlagewerken gesprochen werden, da in diesem Jahr der anerkannte Softwarekonzern Microsoft sein Encarta auf dem EDV-Markt vorstellte. Als Vorteile dieser Distributionsmöglichkeit nennt Zimmer mehrere: Die Möglichkeit der Multimedialität sorgt dafür, dass nicht mehr nur Fotos und Karten, sondern auch „Animationen, Video- und Audioclips, Nachtigallenstimmen und Hitler-Reden, Dieselmotorenanimationen und Tangotakte“ 17 von einem Medium aus abrufbar sind. Schult erwähnt sogar, dass der Anwender im
11 Vorreiter in dieser Technik war Domenico Bandini (1355 - 1418), vgl. Stickfort 2002, S. 275, zitiert nach Pscheida
2010
12 Zur Idee Diderots vergleiche Stickfort 2002, S. 275 sowie Diderot (1750), 1961, S. 113 und 123, zitiert nach
Pscheida 2010
13 Stickfort 2002, S. 276, zitiert nach Pscheida 2010
14 Zimmer, Dieter Eduard: Enzyklopädien auf dem Weg vom Papier in die Digitalität. In: DIE ZEIT online, 10.Februar
2000.
15Schult, Thomas J.: Multimedia-Enzyklopädien: Was bieten CD-ROMs und DVDs?. In: c't - Magazin für
Computertechnik, 1/2000, S. 76
16 Zimmer, Dieter Eduard 2000, S. 1
17 Ebd., S. 4
8
Bertelsmann Universallexikon Artikel und Internetlinks sogar selbst ergänzen könne. 18 Bereits hier zeichnet sich also die Weiterentwicklung zur Interaktivität hin ab.
Der Trend, auf aktualisiertes Wissen im Internet zugreifen zu können, ist auch in Encarta 2000 erkennbar, denn dort wie in Brockhaus 2000 existieren bereits „geprüfte Linklisten“ 19 . Schließlich weist Schult auf die zeitsparende Suchfunktion hin und vergleicht Zimmer die Kapazitäten von papierner und digitaler Enzyklopädie. Im Gegensatz zu Papier ist digitaler Speicherraum sehr viel großzügiger und durch Updates aktualisierbar. 20 Als problematisch hinsichtlich der Voraussetzungen gibt Zimmer zu bedenken, dass in einer digitalisierten Enzyklopädie alle Komponenten eines Computers kompatibel und funktionsfähig sein müssen. Dies ist, im Gegensatz zur Buchenzyklopädie, ein Nachteil, denn um eine solche rezipieren zu können, sind nur Augenlicht und Verstand nötig, für den Computer die aufeinander abzustimmende Technik. Jedoch kann sich die Multimedialität auch als nützlich erweisen, beispielsweise für sehbehinderte Menschen, die dank Audiotechnik den Artikel in der Enzyklopädie auch auditiv rezipieren können.
Möchte man die Entwicklung der Enzyklopädie vom gedruckten Medium zum Internetpendant einteilen, so jedenfalls nicht nach genauen Jahreszahlen. Es ist nicht exakt am Jahr, schon gar nicht am Tag festzumachen, wann eine Phase der Enzyklopädik endete und die neue begann. Es handelt sich um eine kontinuierliche Entwicklung.
Trotzdem möchte ich den Versuch unternehmen, ein Modell zu entwickeln, was die Chronologie der Entwicklung von Enzyklopädien in unterschiedlichen Medien veranschaulicht. Ich möchte diese in vier Phasen unterteilen und zwar aufgrund folgender Anhaltspunkte: Die eingangs erwähnten antiken Autoren waren vermutlich die Vorläufer moderner Enzyklopädik, insbesondere unter dem Aspekt des Ziels, ein möglichst umfassendes Kompendium zu erstellen. Ich nenne dies als erste Phase der Enzyklopädik, da die Aufzeichnungen aufgrund des noch nicht vorhanden typographischen - Gutenbergschen - Drucks handschriftlich stattfanden. Mit jenem Fortschritt Gutenbergscher Initiative wurde die zweite Phase eingeleitet, indem die Publikation nun schneller erstellt und weiter verbreitet werden konnte. Die Wende zur zweiten Phase ist recht eindeutig bestimmbar und zwar mit den Jahrzehnten, in denen der Buchdruck die Publizierungsmöglichkeiten stark erweiterte, die Mitte des 15. Jahrhunderts also. Da Ende der 1990er Jahre nicht nur die Speicherung digitaler Daten möglich, sondern auch der unkomplizierte Transport mittels Compact Discs gängig wurde, kann der Beginn der dritten Phase
18 Vgl. Schult, Thomas J. 2000
19 Zimmer, Dieter Eduard 2000, S. 4
20 Ebd.
9
Arbeit zitieren:
Kay Nagel, 2011, Charakteristik und Besonderheiten von Wiki-Systemen am Beispiel von www.simpsonspedia.net, München, GRIN Verlag GmbH
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