Inhaltsverzeichnis
1. Das Allfinanzkonzept und dessen Bedeutung in Deutschland. 1
2. Die Motive der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz 2001 unter
Zugrundelegung des Allfinanzkonzeptes 2
2.1 Partizipation am wachsenden Markt für Altersvorsorge durch
Skaleneffekte 2
2.2 Ausbau des Asset Management durch Bündelung distinktiver
Ressourcen 5
3. Die Motive des Verkaufs der Dresdner Bank an die Commerzbank 2008 und die
damit verbundenen Folgen des Allfinanzkonzeptes. 7
3.1 Konzentration auf die Stärkung der Bancassurance - Strategie 7
3.2 Das Scheitern des integrierten Allfinanzkonzerns 8
4. Die Auswirkung der Transaktionen für die Allianz und die Chancen des
Allfinanzkonzeptes heute 10
5. Literaturverzeichnis 14
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1. Das Allfinanzkonzept und dessen Bedeutung in Deutschland
Die vorliegende Hausarbeit analysiert die Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz 2001 und den anschließenden Verkauf an die Commerzbank 2008. Hierzu werden die Motive der Transaktionen unter dem Aspekt des Allfinanzkonzeptes dargestellt. Zum Schluss werden das Ergebnis der Transaktionen und die Aktualität des Allfinanzkonzeptes diskutiert. Allfinanz bezeichnet grundsätzlich den Vertrieb von Bauspar-und
Versicherungsleistungen durch eine Bank, sowie im Umkehrschluss den Vertrieb von Bankleistungen durch eine Versicherungsgesellschaft. Ein Vorteil liegt in den geringeren Kosten. Fixkosten werden über mehrere Produkte verteilt. Zudem sind die Vertriebskosten niedriger als die Kosten der Makler bzw. Agenten. Aber auch der Bekanntheitsgrad der Bank und die höhere potenzielle Kundenabdeckung bringen Vorteile.
In den 80er Jahren wurde das Allfinanzkonzept durch erzielbare Verbundeffekte fokussiert. Diese „Economies of Scope“ stellt Farny vor und erweitert das Modell mit einer „Handels- bzw. Vermittlungsstufe“. Die Unternehmen der Handelsstufe treten, im Gegensatz zu den Banken und Versicherungen, mit dem Kunden in direktem Kontakt und vermitteln die Bank- bzw. Versicherungsprodukte. 1 Porter stellt in der von ihm entwickelten Branchenstrukturanalyse fünf Kräfte des Wettbewerbs heraus. Eine der Kräfte ist die Gefahr durch Substitutionsprodukte. Um dieser Gefahr zu entgehen, schließen sich Wettbewerber zusammen, um gegenseitig Ersatzprodukte anzubieten. Diese Geschäftsmodelle werden als „Allfinanzmodelle“ bezeichnet. 2 Eine Neuinterpretation des Allfinanzkonzeptes unter Berücksichtigung des Resource-based View arbeitet ausführlich Börner heraus. Der Resource-based View umfasst Konzepte, die auf distinktiven Ressourcen zurückgehen. Durch die Bündelung dieser einzigartigen Merkmale können Kernkompetenzen entwickelt werden, welche wiederum Wettbewerbsvorteile schaffen. 3 Welche Bedeutung wird jedoch dem Allfinanzkonzept in Deutschland zur Zeit der Übernahme der Dresdner Bank beigemessen? Und wie lässt
1 Vgl. Farny (1991), S. 163ff.
2 Vgl. Porter (2008), S. 58f.
3 Vgl. Börner (2000a), S. 58ff. Weitere Ausführungen zu „Kernkompetenzen“ finden sich bei Börner (2000b) S. 76ff. und zu den Merkmalen distinktiver Ressourcen auf S. 75
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es sich in Bezug zu anderen Ländern abgrenzen? 1999 schafft der US-Kongreß das Glass-Steagall-Gesetz ab. Banken und Versicherungen sind nicht mehr strikt getrennt und können nun Ihre Geschäftsrisiken durch Fusionen diversifizieren. Dies führt weltweit zu einer deutlichen Steigerung der Anzahl und des Volumens von Mergers. In Frankreich und Spanien dominieren die Allfinanzkonzepte; gefolgt von Portugal, Italien und Belgien. In Bezug auf die Lebensversicherungen setzten Spanien 65%, Frankreich 60%, Belgien und Italien je 50% durch Allfinanzanbieter um. Im Vergleich lag der Umsatz in Deutschland bei nur 18%. Dies kann darin begründet werden, dass vor der Übernahme der Dresdner Bank noch immer in Deutschland die Agenten den Versicherungsmarkt dominierten. Zudem waren die gesetzlichen Auflagen für Versicherungsprodukte wesentlich höher als in den Nachbarländern. 4 Versicherer tätigen auch Geschäfte, die nach §1 Kreditwesengesetz unter enumerative Bankgeschäfte fallen. Nach §7 Versicherungsaufsichtsgesetz ist es den Versicherern jedoch verboten, versicherungsfremde Geschäfte zu tätigen. Hinter diesem Hintergrund versteht sich die Aussage von Schulte-Noelle „Der Allfinanzbegriff ändert sich im Zeitablauf und er ist von Land zu Land verschieden.“ 5
2. Die Motive der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz 2001 unter Zugrundelegung des Allfinanzkonzeptes
2.1. Partizipation am wachsenden Markt für Altersvorsorge durch Skaleneffekte
Einen Trend, den Versicherungsunternehmen kritisch erkennen, ist ein deutliches Abflachen der Wirtschaft. Dieser Rückgang wird in der Schaden-, Unfall-, Kraftfahrzeug- und Industrieversicherung deutlich. Als Gründe nennt Schulte-Noelle: Stagnierende Einkommen, eine Erhöhung der Preissensibilität und die Übernahme höherer Risiken, um die Prämien niedrig zu halten. 6 Der wichtigste Trend wird jedoch in der kapitalgedeckten Altersvorsorge gesehen. „Dort, in der Personenversicherung
4 Vgl. Scor Newsletter (2003), S. 1ff.
5 Vgl. Schulte Noelle (1998), S. 117
6 Vgl. Schulte Noelle (1998) , S. 112f.
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liegen die Wachstumspotentiale der Zukunft.“ 7 Dies liegt daran, dass dieser Markt in den letzten Jahren bereits signifikante Zuwachsraten zu verzeichnen hatte. Von 1998 bis 1999 legten die Bruttobeiträge der Lebensversicherungen in Deutschland von 7942 Mio.€ auf 8916 Mio.€ zu. 8 Dies entspricht einer prozentualen Steigerung von 12,3%. Die anstehende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung 2000/2001 senkte das Nettorentenniveau eines idealtypischen Sozialversicherungspflichtigen. Die freiwillige Altersvorsorge, in Form der Riester-Rente, sollte durch eine Altersvorsorgezulage staatlich unterstützt werden. In Bezug auf die demografische Lage sieht die Allianz eine Änderungsrate des Verhältnisses zwischen der Staatsrente und kapitalgedeckten Vorsorgeformen von gegenwärtig 80:20 auf etwa 50:50 Prozent. 9 Zudem wird von einem „Attractive long-term savings market in Germany“ gesprochen, wobei die Wachstumsraten von 1999 bis 2004 im Bereich: Life 9% Equities 14% Investment Funds 17% liegen sollen. Der wichtigste Absatzkanal ist der Bankenbereich. Dort soll nach dem Zusammenschluss mit der Dresdner Bank der Umsatz im Bereich: Equities 92% Funds 72% Life 20% betragen. Dies führt somit unmittelbar zu einer „leading position“ auf dem Rentenmarkt. 10 Mit der Akquisition der Dresdner Bank sollen Skaleneffekte erzeugt und für die Partizipation an dem Markt für Altersvorsorge genutzt werden. Synergien erklären sich dadurch, dass der Wert der Unternehmung nach der Akquisition größer ist als es die Summe der einzelnen, voneinander unabhängigen Unternehmungen vor dem Zusammenschluss war. Es wird unterstellt, dass durch „financial synergies“ geringere Kapitalkosten, durch „operational synergies“ geringere operative Kosten und durch „collusive synergies“ höhere Preise auf Grund gemeinsamer Preispolitik erzielt werden. Besonders bei den operative synergies finden die Konzepte der Economies of Scale und der Economies of Scope Beachtung. Economies of Scale sind Skaleneffekte, bei denen die Stückkosten durch einen erhöhten Output sinken. Economies of Scope bezeichnet hingegen positive Verbundeffekte, auf Grund von Leistungsbündel. Der damalige Vorstandsvorsitzende Schulte-Noelle betont, dass die eigene Produktion Skalenerträge sichert, einen strategischen Vorteil bietet und
7 Vgl. Schulte Noelle (1998), S. 114
8 Vgl. Geschäftsbericht Allianz Gruppe (2000), S. 111
9 Vgl. Schulte Noelle (2003), S. 7f.
10 Vgl. Allianz Transaktionen, Präsentation(englisch) Folie 4ff.
Arbeit zitieren:
Matthias Frerix, 2011, Eine endliche Geschichte: Allianz und Dresdner Bank, München, GRIN Verlag GmbH
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