Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 2
2 ANFORDERUNGEN AN DIE AUTOMOBILHERSTELLER 3
2.1 DER VERÄNDERTE MARKT 3
2.2 DIE VERÄNDERTEN TECHNOLOGIEN 4
2.3 DIE VERÄNDERTEN PRODUKTIONS- UND ENTWICKLUNGSPROZESSE 5
2.4 ZWISCHENFAZIT 6
3 PRINZIPIEN DER ARBEITSTEILUNG 7
3.1 INNER- UND ÜBERBETRIEBLICHE ARBEITSTEILUNG 7
3.2 DIE UNTERNEHMENSÜBERGREIFENDE ARBEITSTEILUNG 8
4 VERLAGERUNG VON FORSCHUNG, ENTWICKLUNG
UND PRODUKTION 8
4.1 DER BEGRIFF DER FERTIGUNGSTIEFE 8
4.2 ZULIEFERERSTRUKTUREN 9
4.3 VOR- UND NACHTEILE DES OUTSOURCINGPROZESSES 12
4.3.1 Die Automobilhersteller 12
4.3.2 Die Zulieferer 13
5 TRENDS IN DER AUTOMOBILPRODUKTION 14
5.1 DEFINITIONEN 14
5.2 MODULARISIERUNG 15
5.2.1 Modularisierungskonzepte - Beispiel BMW Roadster Z3 17
5.2.2 Single- und Golbal-Sourcing 19
5.3 DAS GLEICHTEILEKONZEPT 20
6 DIE FOLGEN FÜR DEN REPARATURSEKTOR 22
6.1 DIE KNOW-HOW-VERLAGERUNG 22
6.2 ANFORDERUNGEN AN DEN KNOW-HOW-TRANSFER
ZWISCHEN ENTWICKLERN UND WERKSTÄTTEN 24
6.3 NEUE HERAUSFORDERUNGEN FÜR FREIE WERKSTÄTTEN 25
7 FAZIT 28
8 LITERATUR 29
Abbildungsverzeichnis
ABBILDUNG 1: DEUTSCHE PKW-PRODUKTION IM I-N UND AUSLAND
ABBILDUNG 2: DIE DEUTSCHE "AUTOMOBILINDUSTRIE INSGESAMT"
ABBILDUNG 3: EINFLUSSFAKTOREN IN DER AUTOMOBILPRODUKTION
ABBILDUNG 4: ANSATZPUNKTE ZUR VERBESSERUNG DER KOSTENSTRUKTUR
ABBILDUNG 5: ENTWICKLUNG DER WERTSCHÖPFUNGSANTEILE 2002/2015
ABBILDUNG 6: TRADITIONELLE ZULIEFERERKETTE AM BEISPIEL ARMATURENTAFEL
ABBILDUNG 7: KASKADENFÖRMIGE ZULIEFERERKETTEN
ABBILDUNG 8: AUFBAU UND NEUGESTALTUNG DER ZULIEFERERPYRAMIDE
ABBILDUNG 9: TRADITIONELLE BESCHAFFUNG
ABBILDUNG 10: ZULIEFERKETTE FÜR EINE ARMATURENTAFEL BEI MODULAR SOURCING
ABBILDUNG 11: AUSWIRKUNGEN VON ÄNDERUNGEN AN EINER KOMPONENTE IN EINEM
SYSTEM
ABBILDUNG 12: ENTWICKLUNG DER ZULIEFERWERTSCHÖPFUNG NACH FAHRZEUGMODULEN
BIS 2015
ABBILDUNG 13: "FRONTEND"-MODUL FÜR DEN BMW-MINI
ABBILDUNG 14: BMW GLEICHTEILEKONZEPT (PRINZIPDARSTELLUNG)
ABBILDUNG 15:VERÄNDERTE BALANCE IM KRITISCHEN KNOW-HOW ZWISCHEN HERSTELLER
UND ZULIEFERER
ABBILDUNG 16: IDEALISIERTE DREIECKSBEZIEHUNG HERSTELLER, ZULIEFERER,
WERKST ÄTTEN
ABBILDUNG 17: ALLGEMEINE ZIELSETZUNG VON WERKSTATTSYSTEMEN
1
1 Einleitung
Die ökonomische und technologische Leistungsfähigkeit von Staaten, Gesellschaften und Volkswirtschaften wird oft mit den Kompetenzen im Bereich des Automobilbaus als Indikator beschrieben. Vor allem für die Bundesrepublik Deutschland sind unmittelbare und indirekte Abhängigkeiten wirtschaftlicher Prosperität und ökonomischen Wachstums mit der Automobilindustrie zu betrachten. 1 So konnte für das Jahr 1995 „die Größenordnung der durch die Automobilproduktion im engeren Sinne induzierten Arbeitsplatzbindung [.] auf 1,6 Millionen Erwerbstätige […]“ veranschlagt werden. 2
Hinzu kommt die enge Verknüpfung von Forschungsleistung auf verschiedensten Gebieten und deren Umsetzung im Automobilbau. Innovation wird hierbei von unterschiedlichen Akteuren gefordert und gefördert.
Es ergibt sich ein stetiger Wandlungs- und Adaptionsprozess in der Automobilentwicklung und in den Produktionsprozessen. Darüber hinaus werden nachgelagerte Dienstleistungsprozesse, wie die Wartung und Instandsetzung der Kraftfahrzeuge von eben jenen oben aufgeführten Prozessen beeinflusst bzw. zu entsprechenden Reaktionen angehalten.
Die vorliegende Arbeit beschreibt nach der Betrachtung der wichtigsten Einflussgrößen auf das Agieren der Automobilhersteller im Bereich der Produktion und Entwicklung die Trends in der Fahrzeugherstellung. Hierzu zählen neben verschiedenen Prinzipien der Arbeitsteilung auch die mittlerweile für die Automobilindustrie obligatorischen Zuliefererstrukturen, aus denen sich für die Beteiligten Vor- und Nachteile ergeben.
Darauf folgend werden die Konzepte der Modularisierung bzw. „modular sourcing“ sowie der Gleichteilestrategie als herausragende Trends in der Automobilproduktion näher betrachtet. Die Bedeutung dieser Veränderungen für die Reparatur- und Servicekonzepte der Werkstätten wird im letzten Abschnitt aufgegriffen.
1 Vgl. Filip-Koehn, 1998, S.2
2 Siehe ebenda
2
2 Anforderungen an die Automobilhersteller
In diesem Abschnitt sollen drei hervorstechende Einflussgrößen dargestellt werden, die die Automobilhersteller zu entsprechenden Reaktionen, unter anderem im Bereich der Entwicklung und Produktion ihrer Produkte zwingen. Aspekte der Personalpolitik oder der Kundenbezug sind zwar als weitere Felder des Agierens dieser Unternehmen zu betrachten, sollen jedoch mit Hinblick auf den Schwerpunkt dieser Arbeit nicht näher betrachtet werden. Diese sind zum einen die veränderten Marktstrukturen und zum anderen die sich fortentwickelden Technologien mit den daraus resultierenden veränderten Produktions- und Entwicklungsprozessen.
2.1 Der veränderte Markt
Die Automobilindustrie Deutschlands sieht sich neben den europäischen Konkurrenten verschiedenen marktbezogenen Prozessen gegenüber, die ein entsprechendes Einlenken im Sinne wirtschaftlichen Bestehens oder auch Wachstums fordern. So ist auf dem Heimatmarkt eine zunehmende Sättigung bezüglich deutscher Fabrikate zu erkennen. 3 Die hohe Markttransparenz und zunehmende Bedeutung von Produkten aus vor 10 Jahren noch als Schwellenländern bezeichneten Nationen ergänzen die Ursachen hierfür. Verkaufsargumente wie das Zertifikat „Made in Germany“ oder technologische Innovationen in Kraftfahrzeugen aus Deutschland wird in vielen Bereichen durch andere Attribute - allen voran das der Kosten - im Produktionsprozess der Konkurrenten und ein verändertes Nachfrageverhalten der Konsumenten in Frage gestellt.
Abbildung 1: Deutsche Pkw-Produktion im In- und Ausland 4
3 Vgl. Eicke v.; Femering, 1991, S.1 oder Beger, 1998, S.31
4 Quelle: Motor-Presse-Stuttgart; 2007; S.244 nach: VDA- Statistiken
3
Dennoch ist in der Pkw-Produktion eine stetige Steigerung zu beobachten (Abbildung 1). Die Steigerung der Pkw Produktionen ist jedoch mit dem bitteren Beigeschmack mindestens zweier Parallelentwicklungen verbunden. Zum einen geht dieser Prozess mit einer Auslagerung der Produktion ins Ausland einher. Hier nähern sich die Zahlen von im Inland und im Ausland produzierter Pkw tendentiell an.
Zudem ist diese Entwicklung mit einer Steigerung der Produktivität bei den Herstellern verbunden, welche letztlich auch durch erhöhte Rationalisierungsmaßnahmen erreicht wird (vgl. Abbildung 2).
Abbildung 2: Die deutsche "Automobilindustrie insgesamt" 5
Rationalisierungsmaßnahmen erscheinen jedoch nicht als alleiniger Ausweg aus der Produktivitätsfalle. Um am Markt schritthalten zu können, erschließen die Automobilhersteller neue Wege in der Produktion und der Entwicklung, welche neben der Rationalisierung beispielsweise in Form der Automatisierung oder lohnbedingter Verlagerung in das Ausland auch unternehmensübergreifende Arbeitsteilung respektive moderner Produktionsformen mit einbezieht.
2.2 Die veränderten Technologien
Die technologischen Möglichkeiten aus verschiedensten Bereichen finden in modernen Kraftfahrzeugen auf engstem Raum Verwendung. Die Kunden stellen erhöhte Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Komfort und Umweltfreundlichkeit. Gleichzeitig dürfen die Betriebs- und Wartungskosten trotz höherer Komplexität und Anzahl der verbauten Systeme möglichst nicht steigen, im günstigen Fall sollen sie sogar sinken. Zudem ist der Wunsch nach individueller Bedürfnisbefriedigung nach wie vor ein zentrales Anliegen der Endverbraucher. Die Ausstattungs- und Typenvielfalt stieg allein in den 1980er
5 Quelle: VDA Homepage: http://www.vda.de/de/aktuell/statistik/jahreszahlen/allgemeines/index.html
4
Jahren um 400%. 6 Hinzu kommt der Druck auf die Hersteller, die Produktionszyklen ihrer Fahrzeuge weiter zu verkürzen, um mit neuen Designs und Technologien ihre Wettbewerbsposition behaupten zu können. Ein weiterer Trend ist die steigende Zahl von Basisbaureihen auch bei den deutschen Automobilherstellern.
„Der Erfolg ist stets abhängig davon, wer welche neuen Modelle auf den Markt bringt.“ 7 So stieg nach Aussage des Prognoseinstituts B&D- Forecast die Anzahl der Baureihen im deutschen Automarkt von 140 Im Jahr 1980 auf 440 im Jahr 2005. Der Trend für das Jahr 2010 wird mit über 500 Baureihen angegeben. 8 Diese Vielfalt vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit bei den Automobilherstellern umzusetzen, ist unter anderem durch die Einführung von Modularisierungs- und Gleichteilestrategien sowie durch die Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungsarbeit an entsprechende Dienstleister möglich.
2.3 Die veränderten Produktions- und Entwicklungsprozesse
Im Produktionsprozess müssen durch den Einsatz moderner Technologien, wie beispielsweise komplexer Komfort und Sicherheitssysteme oder BUS-Strukturen in der Systemvernetzung neue Fertigungs- und Verarbeitungsmethoden umgesetzt bzw. entwickelt werden. Eine Herausforderung besteht dabei auch in der Entwicklungsarbeit. Komplexere Systeme und deren koordinierte Zusammenarbeit im Gesamtsystem des Fahrzeugs sind mit den oben angeführten kürzeren Produktionszyklen und Entwicklungskosten nur vereinbar, wenn mit Hilfe von Arbeitsteilung in Produktion und Entwicklung gearbeitet wird. Die Adaption und Abstimmung von Teilsystemen der Fahrzeuge stellt große Herausforderungen an die Entwicklung. Die Kommunikation von Komponenten untereinander untereinander zu ermöglichen sowie die Notwendigkeit, durch geeignete Schnittstellen Zugangsmöglichkeiten für die Wartungs- und Servicearbeit zu schaffen, erweitern die Aufgaben der entsprechenden Unternehmensbereiche. Darüber hinaus fordert die Verwendung neuer Materialien und Werkstoffe entsprechendes Know-How in der Fertigung. Hieraus ergibt sich wiederum die Forderung nach Reaktionen seitens der Automobilhersteller, denn die Verarbeitung dieses gestiegenen Know-Hows in konventioneller Form, also innerhalb des Unternehmenskerns, würde entweder zu verlängerten Entwicklungszeiten oder zu steigenden Kosten bezüglich des Personals oder
6 Vgl. Eicke v.; Femering, 1991, S.3
7 Ferdinand Dudenhöffer in: Hamburger Abendblatt 09.01.2006
8 Vgl. Motor Presse Stuttgart; 2007; S.303
5
auch notwendiger technologischer Einrichtungen führen. Alternativ hierzu ist die Verlagerung des Wissens um die Entwicklung oder Verarbeitung aus dem Kernunternehmen heraus eine Vorgehensweise, die in der Automobilindustrie erkannt und auch genutzt wird.
2.4 Zwischenfazit
Aus den oben aufgeführten Veränderungen lassen sich Notwendigkeiten für Veränderungen in der Automobilproduktion ableiten. Letztlich sehen sich die Hersteller Aufgaben gegenübergestellt (vgl. Abbildung 3), denen im harten Wettbewerb mit den Strategien von Arbeitsteilungen und veränderten Fertigungs- und Produktionsabläufen begegnet wird.
Die Automobilhersteller stehen vor der schwierigen Herausforderung, die Gleichzeitigkeit von Ökonomisierung und Flexibilisierung zu gewährleisten. Gesucht wird in diesem Dilemma nach einem Königsweg.
Die besten Möglichkeiten, um die Kosten in der Automobilindustrie zu optimieren, liegen nach einer Studie zum Kostenmanagement in diesem Sektor in der Optimierung der Fertigungs- und Beschaffungsprozesse (siehe Abbildung 4). Bei der Optimierung der Fertigungsprozesse kommen Modularisierungstendenzen zum tragen. Diese wirken sich vor allem auf die Produktionsanforderungen Rationalität, Individualisierung, Prozessoptimierung
6
und Produktvielfalt aus. Die Modularisierung in der Fahrzeugproduktion wird im Abschnitt 5.2 dargestellt.
Mit den Beschaffungsprozessen ergibt sich ein neues Betrachtungsfeld, welches im Folgenden erläutert werden soll. Die Strategien der Automobilhersteller sind als prozessual Gemeinsames zu betrachten, in dessen Vordergrund nicht mehr die einzelfunktionsbezogene Kostensenkung an sich steht, sondern eine verbesserte Wertschöpfung und Optimierung des Gesamtprozesses verfolgt wird.
3 Prinzipien der Arbeitsteilung
3.1 Inner- und überbetriebliche Arbeitsteilung
„Arbeitsteilung liegt dann vor, wenn Arbeiten in einem Leistungsprozess auf verschiedene Träger verteilt werden.“ 10
Hierbei kann zwischen der innerbetrieblichen, der überbetrieblichen und der unternehmensübergreifenden Arbeitsteilung unterschieden werden. Die innerbetriebliche Arbeitsteilung wird durch Aufgabengliederung und Arbeitszerlegung umgesetzt. Die innerbetriebliche Arbeitsteilung auf höherer Ebene ist in den betriebswirtschaftlichen Strukturen der meisten Betriebe anzufinden, wenn beispielsweise die Entwicklung und Forschung, die Beschaffung, die Produktion oder der Vertrieb von getrennten Abteilungen organisiert werden. Das Ziel hierbei ist eine Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeiten zur Steigerung der Produktivität.
9 Quelle: PCW, 2007, S.13
10 Vgl. Eicke v.; Femering, 1991, S.5
7
Arbeit zitieren:
Daniel Fedders, 2008, Moderne Produktions- und Entwicklungsstrukturen in der Automobilindustrie – Darstellung der Know-How-Verschiebung und Auswirkungen auf den Kfz-Service, München, GRIN Verlag GmbH
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