1. Inszenierungsstrategien in Germany s Next Topmodel 3
2. Germany s Next Topmodel 4
2.1 Konzept des Formats 4
2.2 Struktur der Sendung 6
Germany s Next Topmodel als inszenierte Reality Soap 8
3.1 Die Casting Show als Heldenreise 8
3.2. Die Rolle der Jury als moralische Instanz 10
3.3 Der Laufsteg als mediale Inszenierung 12
3.4. Semantische Räume in Germany s Next Topmodel 14
3.5. Weitere Inszenierungsstrategien 16
4. Casting Shows - Einordnung in den gesellschaftlich-
kulturellen Kontext 18
5. Fazit 19
Literatur - und Quellenverzeichnis 21
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1. Inszenierungsstrategien in Germany‘s Next Topmodel
In den letzten Jahren der deutschen TV-Geschichte dominierte vor allem ein Format die Fernsehlandschaft, nämlich das der sog. Castingshows
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. Dabei scheint es zunächst egal, ob dabei ein „Superstar“, ein „Popstar“, oder ein „Topmodel“ gesucht wird. Die hohen Einschaltquoten dieser Formate, vor allem bei der jüngeren Generation
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, sprechen für die Akzeptanz der Sendungen in der Bevölkerung. Mit
Germany‘s Next Topmodel
(GNT) zeigt der Münchner Privatsender Pro7 eines der erfolgreichsten Castingformate im deutschen Fernsehen
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. Fast alle dieser Castingshows lassen sich dem Genre des „performativen Reality-TV“ zuordnen (Lünenborg/Töpper, 2011:35)
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. Zwar vermitteln die Teilnehmer der Shows durchaus Authentizität, so ist das Produkt, die Sendung an sich, jedoch nur ein medienspezifisches Konstrukt, eine Art vorgefertigtes Spielfeld, auf dem die Teilnehmer mit ihren realen Hintergründen nur mehr zu Spielfiguren der Medienkonzerne werden. Das ganze Format stellt also nichts weiter, als eine Aneinanderreihung geschickter Inszenierungsprozesse dar, sei es durch die reine Konzeption, also den generellen Aufbau der Show, oder aber auf der Ebene der Darstellung, durch Schnitttechniken, selektive Sequenzauswahl, dem Einsatz von Musik und ähnlichem
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. Die nachfolgende Arbeit versucht diese Strategien der Inszenierung am Beispiel der Sendung
Germany‘s Next Topmodel
auf den unterschiedlichen Ebenen zu zeigen. Dabei sollen unter anderem auch semantische Räume nach dem Modell von Lotman
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zur Untersuchung herangezogen werden, sowie film- und fernsehanalytische Methoden betrachtet werden
7
. Als wichtigste Literatur bezüglich des konkreten Bezugs zur Sendung
Germany‘s Next Topmodel
kristallisierten sich hierbei vor allem die Arbeiten von Jan-Oliver Decker und Angelika Keppler heraus. Zum Schluss der Arbeit soll die Sendung in ihren gesellschaftlich-
1 Vgl.Ader/ Benninghoven (2007): Editorial In: Betrifft Mädchen 3/2007
2 Castingshows erzielen vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 und 29 Jahren hoh Einschaltquoten. (Lünenborg/Töpper, 2011:35)
3 So erzielte die 4. Staffel einen durchschnittlichen Marktanteil von 23,8% (Keppler, 2010:116) 4 Dabei handelt es sich um Sendungen die in das Leben „echter“ Menschen eingreifen und es nachhaltig verändern. Es handelt sich also nicht um Formate mit fiktiven Erzählungen und professionellen Darstellern. (vgl.Lünenborg/Töpper, 2011:35)
5 vgl. hierzu Stauber, 2007:100f und Lünenborg/Töpper, 2011:35
6 vgl. Krah, Hans: Raumktonstruktion und Raumsemantiken in Literatur und Medien. Entwurf einer textzellsemiotischen Modellierung
7 Hier stützt sich die Arbeit hauptsächlich auf Hickethier, Knut (2007): Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart.
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kulturellen Kontext verortet werden. Schließlich muss auch Germany‘s Next Topmodel als modellbildendes, semiotisches Konstrukt gesehen werden, das einen eigenen Weltentwurf modelliert, vor dessen Hintergrund jedoch, im Verbund mit ähnlich aufgebauten Castingshows, ein Rückschluss auf die Werte- und Normvorstellungen der Gesellschaft gezogen werden kann.
2. Germany‘s Next Topmodel
Im Folgenden soll es nun hauptsächlich um die Pro7 Sendung Germany‘s Next Topmodel gehen. Dabei handelt es sich um ein Castingformat, das seit dem 25. Januar 2006 existiert (Keppler, 2010:116). Die Sendung zählt bis heute zu den beliebtesten Castingshows in Deutschland und vermag, u.a. durch crossmediale Vermarktung 8 , stets hohe Einschaltquoten zu erzielen 9 .
2.1 Konzept des Formats
Wie schon beschrieben handelt es sich bei Germany‘s Next Topmodel nicht um ein fiktives Erzählmuster mit professionellen Darstellern, sondern um das sog. performative Reality-TV (Lünenborg/Töpper, 2011:35). Das Konzept und damit auch der Erfolg der Sendung baut auf verschiedenen Säulen auf. Seit 2006 sucht Heidi Klum im deutschen Privatfernsehen also nach dem „nächsten Topmodel“. Angelehnt ist die Show an das USamerikanische Vorbild America‘s Next Topmodel, welches von dem erfolgreichen Modell Tyra Banks moderiert wird 10 . Ihr deutschsprachiges Pendant stellt demnach das ebenso bekannte Modell Heidi Klum dar. Sie gibt der Sendung den „Topmodel“ Charakter, indem sie einerseits eine gebührende Nachfolgerin sucht und andererseits, als Vertreterin des Modelbusiness, die Auswahlkriterien des Castings festlegt. Propagiert wird die Besonderheit des Verhältnisses von der Person Heidi Klum zum Sendeformat durch den Zusatz Germany‘s Next Topmodel - by Heidi Klum. Sie bietet also die Basis für den Erfolg und die Anerkennung der Sendung, ihr sprechen die Zuschauer eine gewisse Kompetenz in
8 Nach Lünenborg/Töpper (2011:37) werden Castingshows durch ihre Crossmediale Vermarktung, z.B. durch exponierte Sponsorings, Berichterstattung in diversen Zeitschriften etc. zu übergreifenden Medienereignissen stilisiert.
9 Einschaltquoten: Staffel 1 bis 6 (16,2% 21,4% 23,3% 24,1% 18,1% 17,8%)
(http://www.themodelblog.de/wp-content/uploads/2011/07/Germanys-Next-Topmodel-Creative-Commons.jpg) 10 Vgl. Keppler (2010:116) und Decker (2011:135)
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Sachen Modelbusiness zu 11 . Eine weitere Säule stellt der erzeugte Soap Charakter der Reihe dar 12 . Das Konzept beruht darauf, dass am Ende der Sendung ein neues Topmodel übrig bleibt. Zwischen den ersten Folgen und dem großen Finale spitzt sich die Lage also automatisch immer mehr zu. Dass hier Konflikte entstehen ist natürlich und durchaus von den Machern propagiert. Die einzelnen Folgen jedoch verlaufen ähnlich einer Reality-TV Soap. So werden im Laufe der Show Charaktere eingeführt und etabliert. Hierbei handelt es sich um „ganz normale Mädchen“ (Keppler, 2010:116), die aus ihrem gewohnten Umfeld heraustreten in ein künstlich geschaffenes Setting, dessen Regeln von den Produzenten der Show festgelegt werden. So besitzen Castingshows durchaus die dramaturgischen Elemente einer TV-Soap, wie z.b. narrative Strukturen, oder ineinander verwobene Handlungsstränge. Außerdem agieren die Teilnehmerinnen als Serienfiguren, über die man im Lauf der Sendung mehr erfährt, mit denen man mitfühlt und in deren Alltag man Einblick bekommt. Einfache Stereotypisierungen sorgen, wie bei einer Soap, für Wiedererkennbarkeit und die Differenzierbarkeit innerhalb des Kandidatenkreises 13 . Eine weitere Säule ist die Jury, die unter der Leitung von Heidi Klum sowohl die moralische Instanz, als auch die Kompetenz der Branche darstellt, und über das Weiterkommen der jeweiligen Kandidaten entscheidet 14 . Um das angesprochene Soap Konzept wirkungsvoll umsetzen zu können, muss man die Gruppe jedoch entsprechend möglicher Konfliktpotentiale zusammenstellen. "Eine Zicke ist immer dabei. Auch optisch gibt es eine Rolleneinteilung: blond, braun, schwarz und rot.", sagt die Medienwissenschaftlerin Joan Bleicher vom Hans-Bredow-Institut in Hamburg (Neumann, 2010:11). Gesucht wird also bei der Zusammenstellung der Kandidatinnen nicht unbedingt das Topmodel, sondern ähnlich dem Casting einer TV Serie, die Charaktere, die für ausreichend Unterhaltung und Abwechslung sorgen 15 .
Des Weiteren weißt die Sendung eine serielle Struktur auf. So sind die einzelnen Folgen klar abgrenzte Einheiten, die ihrerseits auf die vorangegangenen Episoden aufbauen und Anknüpfungspunkte für kommende bieten (Keppler, 2010:116). Mit sogenannten Cliff
11 Vgl. hierzu Decker, (2011:138) der Heidi Klum u.a. als „Instanz der Beglaubigung“ bezeichnet 12 Vgl. Keppler (2010:116)
13 Vgl. Mikat Claudia - Die Landschaft der Castingshows. Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen 14 Vgl. Decker (2011:138f)
15 Siehe hierzu: Neumann: Die Fernsehmodels und die Wirklichkeit. Aus den „Salzburger Nachrichten“ vom 04.03.2010: „Die meisten Castingshows sind weniger an den Fähigkeiten der Kandidaten interessiert als an deren menschlichen Attributen und Macken.“
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hangern 16 schafft es das Format auch die Spannung sowohl über die Werbepausen, als auch zwischen den einzelnen Episoden, zu transportieren. Als angelegte Reality-TV Soap liefert die Show außerdem genügend Material für normative Diskurse und bietet somit die Möglichkeit zur Anschlusskommunikation 17 . Letztendlich stellt das Ereignis der Casting Show an sich lediglich ein sog. Pseudo Ereignis dar 18 . Durch das Aufgreifen der in der Sendung thematisierten Charaktere und Konflikte in anderen Formaten, wie z.B. durch die Sekundärverwertung in Magazinen wie RED! (Decker, 2011:135), oder durch die crossmediale Verwertung in einem eigenen Printmagazin 19 , bleibt die Sendung auch zwischen den einzelnen Ausstrahlungen präsent.
2.2 Struktur der Sendung
Nachdem im letzten Abschnitt grob auf das Konzept von Germany‘s Next Topmodel eingegangen wurde, soll im Folgenden der Verlauf der Sendung dargelegt werden. Während der Gesamtkorpus darauf ausgerichtet ist, am Ende eine Siegerin zu küren, ist jede einzelne Folge hinsichtlich ihrer Ausstrahlung mit anderen Schwerpunkten versehen. Es muss in jedem Fall darauf hingewiesen werden, dass gerade das Staffelfinale live und vor Publikum stattfindet und somit also noch einmal speziell inszeniert wird. In den einzelnen Folgen vor den sog. Live-Shows bekommen zwischen 12 und 19 Bewerberinnen jede Woche verschiedene Aufgaben gestellt (Keppler, 2010:116). In den ersten Folgen werden die geeignetsten Mädchen von der Jury auserwählt. Wenn die Gruppe der potentiellen Kandidatinnen steht, werden diese im Laufe der Sendung in die unterschiedlichsten Orte, darunter Los Angeles, New York oder Haiti, reisen, um dort entsprechende Aufgaben zu erfüllen (ebd.). Dabei wird zunächst auf der einen Seite der Luxus, der einem Topmodel - so wird es zumindest dar gestellt - zur Verfügung steht gezeigt, indem sich die Models ab einem gewissen Punkt der Sendung in einer Villa niederlassen dürfen. In den einzelnen Episoden müssen die Kandidatinnen nun also
16 Hickethier bezeichnet als Cliff Hanger eine Form des Spannungsumbruchs. Mit dem Versprechen >>Fortsetzung folgt<< wird der Zuschauer dazu verleitet, wieder einzuschalten. (Hickethier, 2007:196) 17 Vgl. Lünenborg/ Töpper (2011:35)
18 Laut Weiß (2010:50) versteht man unter einem Pseudo-Ereignis, die Tatsache, dass viele Geschehnisse, ohne die Option der Berichterstattung gar nicht stattfinden würden.
19 Germany‘s Next Topmodel, das offizielle Magazin (http://www.prosieben.de/tv/germanys-next-topmodel/ topmodel-magazin-1.2568878/) Letzter Aufruf am 10.08.2010
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Arbeit zitieren:
Sebastian Götz, 2011, Inszenierungsstrategien in Germany‘s Next Topmodel, München, GRIN Verlag GmbH
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