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Gliederung
1. Einleitung
2. Geburt der organisierten Kriminalität
2.1 Bruderschaft der Diebe im Gesetz
2.2 Die Grundstruktur
2.3 Das Initiationsritual
3. Eine historische Bestandsaufnahme Russlands
3.1 Umbrüche in der Perestroika
3.2 Die Mafia als Nutznießer der Privatisierung
4. Die Diebe im Gesetz betreten die große Bühne
5. Ein Staat im Staat entsteht
5.1 Gewaltenteilung im „Mafiastaat“
5.1.1 Exekutive
5.1.2 Judikative
5.1.3 Legislative
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
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1.Einleitung
„Was macht Russland?“
„Stiehlt“.
Diese Aussage 1 des russischen Schriftstellers und Historikers Karamsin ist eine humorvoll- traurige Zusammenfassung russischer Geschichte seit der Oktoberrevolution 1917. Das Entstehen eines Machtvakuums infolge von politischen Umbrüchen der Perestroika lässt in Russland einflussreiche und wohlsituierte Akteure der russischen Oberschicht sehr kreativ werden. Wo die Türe offensteht das schnelle Geld zu machen und sich Einfluss zu sichern wird sie von jemandem der die Chance sieht betreten. Die folgende Hausarbeit zeigt den Zusammenhang zwischen Russlands historischer Entwicklung seit der Perestroika und der Machtergreifung organisierter Kriminalität in der Moderne und vergleicht Letztere mit einem Staat im Staate. Hierbei soll folgende Fragestellung einen Leitfaden bieten:
Mit Gewalt zur Macht und die Macht der Gewalt: Wie konnte sich die organisierte Kriminalität in Russland zu einem Staat im Staate formen?
Zunächst befasst sich der erste Abschnitt mit der Frage von kriminellen Organisationen, speziell den Dieben im Gesetz und ihrer Entstehung, die nach und nach kriminelle Strukturen in Politik und Wirtschaft während der Perestroika einführt und ihr handeln mitbestimmt. Es soll vor allem das Selbstverständnis dieser Gruppe nachvollziehbar aufgezeigt und ihr starker Zusammenhalt als eine Bruderschaft dargestellt werden. Im zweiten Teil der Hausarbeit erfolgt eine historische Bestandsaufnahme Russlands ab dem Jahr 1985 um einen Einblick in den entstandenen politischen Umbruch und den Kampf um die Verteilung von Privateigentum während der Perestroika zu geben. Hier betraten einige diese sogenannte Tür die es möglich machte aus sozialen Ruinen einen Aufstieg zu schaffen und sich am Staat zu bereichern. Es wird aufgezeigt mit welchen Mitteln dies erreicht wurde. Der dritte Teil befasst sich mit der Verflechtung zwischen den Mafiastrukturen
1 Stanislaw Goworuchin (1994): Moskau und die Mafia, S.29
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der alten kommunistischen Partei und den neuen demokratischen Eliten. In diesem Schritt nistet sich das kriminelle Element im Staat ein. Es wird der russische Beamtenapparat vorgestellt und Gründe aufgezeigt weshalb es für Mitarbeiter des Staates von Vorteil ist, ihre Dienste an die Mafia zu verkaufen. Der letzte Teil vergleicht die politische Theorie der Gewaltenteilung nach Montesquieu mit der realen Situation der Diebe im Gesetz und zeigt auf, dass die Mafia in Russland einem Staat im Staate gleicht. Wichtig ist hier zu klären wie die Diebe im Gesetz zu ihrer Stabilität kommen. In einem abschließenden Fazit werden zentrale Aspekte noch einmal kurz wiederholt und ein Ausblick in die Zukunft eines beraubten und durch Kriminalität gebeuteten Russlands gegeben.
2. Geburt der organisierten Kriminalität
Strukturen organisierter Kriminalität in Russland haben ihren Ursprung in der neuen Gesellschaftsordnung der Ära Stalins im Jahre 1925. „Zum zentralen Kennzeichen der neuen Machtordnung wurde der Terror, der in millionenfachen Verhaftungen, Morden und Deportationen in das System der Straflager, den GULag (Glavnoe Upravlenie Lagerej „Hauptverwaltung der Lager“), gipfelte“. 2 In diesen schätzt man bis 1956, dem Jahr der Auflösung dieser, 18 bis zu 20 Millionen Inhaftierte.
In diesen GULags schlossen sich die Kriminellen verschiedener Art zusammen. Mörder, Diebe und andere Verbrecher mit unterschiedlichen Kompetenzen und Qualifikationen begannen sich zu organisieren, vornehmlich nach 3 Berufsmerkmalen. Es entstand ein Kastensystem von Taschendieben, Safeknackern, Betrügern und anderen Spezialisten.
Der Beitritt in eine solche Gruppe wurde durch die Zahlung eines Geldbeitrags in einen sogenannten Topf möglich. Dieser wird ebenso durch die Vory v Zakone, den Dieben im Gesetz verwendet und heißt dort Obschchak. Zweck einer solchen „Spendensammlung“ ist die finanzielle Hilfe im Falle einer Inhaftierung, der Bestechung von Beamten oder Polizisten oder um größere Gruppenaktionen durchzuführen.
Diese Banden begannen sich straff zu Organisieren und an Größe zu gewinnen
2 Vgl. Haumann, Heiko (2007): Die russische Revolution 1917, S. 113
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während sie Anfang der 1920er Jahre noch relativ überschaubare Gruppen waren. Ursache dieser großen kriminellen Bewegung war erstens eine durch Alexander Kerenski, ein hohes Mitglied der Regierung der Februarrevolution, durchgeführte Amnesie im Jahre 1917, die „tausende Kriminelle und Rückfalltäter“ wieder in die Freiheit entließ. 4 Allein in Moskau gab es rund dreitausend solcher Krimineller und dreißig Banden. Die zweite Ursache für die Entstehung und Herausbildung solcher Gruppen findet sich in der proletarischen Revolution Lenins. Kriminalität war in dieser Zeit eine Form seinen Protest gegen das neue Denken zum Ausdruck zu bringen. Unter diesen Opportunisten befanden sich Bourgeoisie und ehemalige Offiziere. Diese sollten später dementsprechend auch eine Führungsposition 5 ausüben.
Unter vielen dieser Banden bildete sich im Jahre 1930 eine Besondere heraus, die ein halbes Jahrhundert später noch eine der Mächtigsten sein würde. Die gesetzestreuen Diebe, die Vory v zakone. Um das Selbstverständnis dieser Gruppe zu begreifen muss eine Vorstellung ihrer Struktur vorgenommen werden.
2.1 Bruderschaft der Diebe im Gesetz
Die Vory v zakone sind eine kriminelle Elite die zur Konsolidierung und Stabilisierung der kriminellen Welt beiträgt. Doch was macht sie so Außergewöhnlich? Ihre Vorteile liegen im Verständnis der Bande. Es ist nicht nur wie bei vielen anderen, eine bloße Zweckgemeinschaft, sondern vielmehr eine Bruderschaft in der sich jeder zu wechselseitiger Hilfe verpflichtet ist. Diese Pflicht ist nur eine von vielen, die fest in einem Ehrenkodex, gleich einem Gesetz, verankert ist (daher auch der Name Diebe im Gesetz oder gesetzestreue Diebe). Bei einem Bruch gegen dieses werden harte Sanktionen in Form von Gewalt bist zum Tode legitimiert durchgeführt. Wir lernen also, dass eine eigene Judikative Gewalt existiert. Ebenfalls verfügt diese Gruppe über einen eigenen Verhaltenskode, der nur Mitgliedern bestimmt ist und durch andere kaum zu durchschauen ist. Man kleidet sich relativ unauffällig. Äußerliche Charakteristiken sind nur unterschwellig zu erkennen und ihre
3 Vgl. Illesch, Andrej (1991): Die roten Paten, S.14f.
4 Illesch, Andrej (1991): Die roten Paten, S. 16f.
5 Vgl. Illesch, Andrej (1991): Die roten Paten, S.17
Arbeit zitieren:
Dimitrij Gede, 2011, Mit Gewalt zur Macht und die Macht der Gewalt, München, GRIN Verlag GmbH
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