1. Einleitung 3
2. Georg Simmel 3
2.1. Identität und Individualisierung 3
2.2. Die Folgen der Individualisierung 7
3. Norbert Elias 10
3.1. Identität und Individualisierung 10
3.2. Die Folgen der Individualisierung 12
4. Die Folgen der Individualisierung im Vergleich 15
5. Georg Simmel und Norbert Elias in Bezug auf ihre Aktualität 16
6. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Norbert Elias wie auch Georg Simmel machen auf Veränderungsprozesse des Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft aufmerksam und führen Konsequenzen des Modernisierungsprozesses und im Speziellen des Individualisierungsprozesses auf. (Treibel 2008 S. 90-91 und Junge 2009 S.76-77) Um festzustellen ob die Annahmen von Norbert Elias und Georg Simmel, bezüglich der Folgen der Individualisierung, Ähnlichkeiten besitzen, werde ich zuerst auf deren Ansichten über die Ausbildung der Identität des Kindes, in und durch die Gesellschaft, eingehen sowie auf einige Gründe für die weitere Individualisierung der Erwachsenen. Zudem soll geklärt werden, in welchem Zusammenhang Zivilisierung- und Individualisierungsprozesse stehen. Anschließend werde ich die, von Simmel und Elias skizzierten, Folgen der Modernisierung, bzw. insbesondere der Individualisierung wiedergeben. Anschließend vergleiche ich Simmels Prognosen mit denen von Elias. Am Ende der Hausarbeit stelle ich einen Bezug zu der Aktualität der beiden Klassiker dar.
2. Georg Simmel
2.1. Identität und Individualisierung
Wenn man Individualisierung mit der Entfaltung des eigenen Ichs gleichsetzt, so Simmel, sei die Individualisierung nur in Beziehung zu Anderen möglich. (Simmel 1907 S.315) Die Betonung des Ichs ginge erst als Erfolg eines steten Differenzierungsprozesses aus der ursprünglichen Einheit hervor. (Simmel 1907 S.319) In seinem Aufsatz „Die Kreuzung sozialer Kreise“ schreibt Simmel, im Laufe der Entwicklung baue der Mensch Beziehungen zu Gruppen auf, die anders als die naturgegebenen, sinnlicheren Beziehungen zur Familie, durch gemeinsame Interessen mit ihm verbunden seien. Diese neuen, eher frei gewählten Kreise würden die Früheren durchsetzen. (Simmel 1908a S.457-458) Die Individualität würde durch die Kreuzung dieser sozialen Kreise wie in einem Koordinatensystem bestimmt und unterschiedliche Kulturelemente würden so individuell kombiniert werden. (Simmel 1908a S.466) Simmel meint, der konzentrische Aufbau der sozialen Kreise wäre vielfach die historische Zwischenstufe zu den sich kreuzenden, nebeneinanderliegenden Kreisen. (Simmel
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1908a S.472/474) Durch die Zugehörigkeit an vielen verschiedenen Kreisen ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an den Einzelnen als Rollenträger. Dies würde die Möglichkeit zur Individualisierung erhöhen. (Simmel 1908a S.476/479)
Der menschliche Geist erzeuge, Simmels Ansicht nach, Gebilde, welche unabhängig von der erzeugenden Seele weiterexistieren. Er nennt sie objektive Kultur. (Simmel 1911 S.116) Die Ausbildung subjektiver Kultur, der Individualität, erfordert, Simmel zufolge, die objektive Kultur, wie zum Beispiel der Musik, der Kunst oder der Wissenschaft. (Simmel 1911 S.118, ROSA 2007 S.104) Geistige Differenzierung entstehe durch das Zusammenbringen von latenten geistigen Anlagen mit objektiv geistigen Produkten. (Simmel 1908b S.813) Viele verschiedene Eigenschaften, welche an und für sich objektiven Charakter hätten, machten erst zusammen die Persönlichkeit eines Menschen aus, welche nun zurückwirkend jeden einzelnen Zug als einen persönlich-subjektiven charakterisiere. (Simmel 1907 S.311/312) Simmel schreibt auch, der Mensch erhalte erst ein Gefühl von Persönlichkeit, wenn Gefühle und psychische Anregungen in großer Zahl vorliegen und ihm dadurch die Fülle der Unterschiede bewusst würden. (Simmel 1908b S.847)
Simmel unterscheidet zwischen einem quantitativen und einem qualitativen Individualismus. (Simmel 1908b S.811-812) Beide seien, laut Junge, kulturelle Angebote zur Beschreibung der Individualität. (Junge 2009 S.74) Die quantitative Individualität steht für Freiheit und Selbstverantwortlichkeit, welche dem Menschen in großen Menschenverbänden gegeben sei. (Simmel 1908b S.812) Junge merkt an, sie beschreibe die allen gegebene Einzigartigkeit jedes Menschen.
Die qualitative Individualität stehe hingegen für die Ausbildung von Besonderheiten, welche selbst erarbeitet werden müssten. Der von Simmel beschriebene qualitative Individualismus, so Junge, fordere auf Basis des quantitativen Individualismus die Authentizität des Individuums. So seien beide notwendige Be-standteile der Individualität. (Junge 2009 S.74)
Durch die Vergrößerung des sozialen Kreises würden beide Arten der Individualität gefördert. (Simmel 1908b S.812) Die qualitative Individualität, durch Arbeitsteilung gefördert, fordere, dass jeder einen spezifischen Platz in der Gesellschaft inne hat. Das Anderssein bekäme einen positiven Wert für das Leben. Es handele sich um eine zugespitzte Differenzierung der Leistungen in allen
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Lebensbereichen. (Simmel 1908b S.811) Der Sinn der Individualität sei heute das Anders- und Besonderssein, die qualitative Unvergleichbarkeit des Einzelnen. (Simmel 1913a S. 222) Simmel schreibt, erst seine eigene Unverwechselbarkeit würde dem Menschen beweisen, dass sein Leben nicht fremdbestimmt ist. (Simmel 1903 S.127)
In „das individuelle Gesetz“, so Junge, meint Simmel, dass die Verselbstständigung der objektiven Kultur den Menschen dazu bringe, die eigene Identität ohne externe Einflüsse selbst auszuformen. (Junge 2009 S.75) Solange der Menschenverband noch sehr klein und nach außen stark abgrenzt sei, gäbe es nach innen eine starken Zusammenschluss, wobei die Mitglieder gegenseitig über ihre Gesinnungen und Leistungen wachten. Erst wenn die Gruppe wächst, erhielte das Individuum durch Lockerung des inneren Zusammenhalts individuelle Bewegungsfreiheit. (Simmel 1903 S.124-125) Der Mensch sei nie ein reines Kollektivwesen oder Individualwesen. Nur die Proportionen würden variieren. (Simmel 1908b S.797 und 802) Je enger der uns umgegebene Kreis, desto geringer ist unsere Freiheit zur Individualisierung. Der Kreis selbst sei dafür aber etwas Individuelles. Er grenze sich auf-grund seiner Größe stärker von anderen Kreisen ab. Im großen Kreis sei der einzelne Mensch individueller, wohingegen die soziale Gruppe als solche weniger individuell wäre. (Simmel 1908b S.797 und S.799) Simmel bemerkt, dass in Gruppen wo ein gleichförmiger, nicht sehr vielfältiger Lebensstil herrscht, oft ein starker Individualisierungstrieb bei den einzelnen Mitgliedern aufzufinden sei. In sich extravagant benehmenden Gruppen hingegen bemerkt er, dass jeder Irrsinn automatenhaft nachgeahmt würde. (Simmel 1908b S.800) Der große Kreis würde sich eben nicht durch Gleichheit, sondern durch Individualisierung und Arbeitsteilung erhalten. (Simmel 1907 S.382) In großen Kulturgemeinschaften wäre es dem Einzelnen kaum möglich, sich selbst gegen die Gesamtheit zu bewahren. Erst wenn das Individuum sich mit anderen zusammenschließe, könne es das Gefühl von Individualität ohne Absonderlichkeiten und Verbitterung erlangen. Die Familie würde hier eine Sonderrolle einnehmen. Sie fördere die Individualisierung, weil sie eine vorläufige Differenzierung und Schutz im kleinem Kreis anböte, welche die absolute Individualisierung vorbereite und fördere, bis der Mensch der Allgemeinheit gegenüber beständig wäre. (Simmel 1908b S.800-804)
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Die Geldwirtschaft, so Simmel, schaffe eine bestimmte Form von gegenseitiger Abhängigkeit, welche den Individuen besonders viel Freiheit einräume und die Individualisierung begünstige. (Simmel 1907 S.311) Die Entlohung mit Geld mache die Menschen viel unabhängiger, als die naturalwirtschaftliche Entlohnung. (Simmel 1908b S.832) Durch die Geldwirtschaft wirkten diejenigen von denen wir abhängig sind nur als z.B. Arbeiter, Lieferanten oder Geldgeber, nicht aber als Persönlichkeiten. Die Abhängigkeit von den Leistungen der anderen Menschen stiege, während die von den dazugehörenden Persönlichkeiten sinke. (Simmel 1907 S.311/312) Die moderne Arbeitsteilung fördere diese Entwicklung. (Simmel 1907 S.313) Die dahinterstehende Person würde gleichgültig und auswechselbar. (Simmel 1907 S.314) Die strenge Ausbildung der Sachlichkeitsbegriffe geht mit der Ausbildung der individuellen Freiheit Hand in Hand. Individuelle Freiheit, die Möglichkeit zur Individualisierung, ergäben sich durch die Auswechselbarkeit der Person. (Simmel 1907 S.320) Erst die neue, unpersönliche Art von Abhängigkeit der Menschen untereinander verweise den Einzelnen stärker auf sich selbst und mache ihm seine Freiheit bewusst, mehr noch als eine Beziehungslosigkeit dies tun könne. (Simmel 1907 S.321)
Um die Unterschiede zwischen der Vormoderne und dem modernem Leben zu veranschaulichen, stützt Simmel sich auf das Beispiel vom Gegensatzpaar Großstadt und Kleinstadt bzw. ländlicher Raum. (ROSA 2007 S.88) In einer Großstadt sei es im Gegensatz zum ländlichem Leben, wegen der komplexeren Interdependenzen nötig, alle Tätigkeiten in ein festes übersubjektives Zeitschema einzuordnen. Aus selbigem Grund würde dem Einzelnen auch eine Berechenbarkeit und Exaktheit abverlangt, welche die Zurückhaltung von instinktiven, irrationalen und unabhängigen Impulsen fördere. (Simmel 1903 S.120) Der großstädtische Konkurrenzkampf sorge für ständige Differenzierung. Sich selbst als Besonders darzustellen sei in der Großstadt nur noch durch qualitative Unterschiede möglich, was zu tendenziösen Wunderlichkeiten führe. Er schreibt weiter, dass einige nur über den Umweg des Bewusstseins anderer Menschen zu einer Selbsteinschätzung fähig wären und erst so das Bewusstsein erlangten, einen bestimmten Platz in der Gesellschaft auszufüllen. (Simmel 1903 S.128) Die menschlichen Begegnungen in der Großstadt seien zudem kürzer und seltener als in der Kleinstadt. Auch dies verleite die Menschen dazu, sich möglichst individuell darzustellen. Als wichtigsten Grund für
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Arbeit zitieren:
Tanja Jacobsen, 2011, Die Folgen der Individualisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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