1. a) allgemeine Auseinandersetzung mit den Didaktischen Prinzipien in der politischen Bildung In der politischen Bildung wird von sechs unterschiedlichen Didaktischen Prinzipen gebrauch gemacht. Diese sechs Tools für die Planung von Lernangeboten lassen sich analytisch voneinander unterscheiden, miteinander ergänzen und repräsentieren somit einen jeweils anderen didaktischen Zugang zum Gegenstandsfeld der politischen Bildung (vgl. Sander, 2007: 190). Somit ermöglichen sie einen abwechslungsreichen und auf das Thema abgestimmten Unterricht. Es handelt sich hierbei um themenübergreifende Handlungsempfehlungen, die der Lehrkraft bei der Planung, Durchführung und Auswertung von Lehreinheiten helfen soll.
Bei der Handlungsorientierung werden die Lernenden an einzelne Themen durch aktives Handeln herangeführt („learning by doing“). Lerngegenstände sollen so strukturiert und ausgewählt werden, dass die Lernenden mannigfaltige Gelegenheiten zu einem aktiv handelnden Umgang mit ihnen erhalten. Durch dieses Prinzip soll vor allem die Handlungskompetenz der Lernenden geschult und ausgeprägt werden. Ziel ist die freie und selbstständige Meinungsbildung der Lernenden, sowie deren Umsetzung und Vertretung (vgl. Sander, 2007: 198).
In dem didaktischen Prinzip der Schülerorientierung, auch Adressatenorientierung genannt, wirken Lernende an der Gestaltung des Unterrichts mit. Lerngegenstände sollen demnach so gewählt werden, dass sie die Lernenden als Subjekt ernst nehmen, ihre Lebenserfahrung und Lerninteresse berücksichtigen und an ihrem Vorwissen und ihren Voreinstellungen über Politik anschlussfähig sind (vgl. Sander, 2007: 191). Dadurch wird erreicht, dass der Unterricht nicht fernab des Interesses und Verständnisses der Lernenden für politische Themen besteht und ein hoher politischer Realitäts- und Praxisbezug gesichert wird und selbst komplizierte Lernprozesse anschaulich und verständlich bleiben. Bei der Problemorientierung werden dem Lernenden lebendig empfundene politische Problemsituationen gestellt, die zum Nachdenken und zur Problemlösung anregen sollen. Aufgrund dessen sollen Lerngegenstände so gewählt werden, dass stets der Problem- und Konfliktgehalt von Politik und Gesellschaft deutlich wird (vgl. Sander, 2007: 194). In der Wissenschaft sind diese gestellten Probleme i.d.R. bereits gelöst. Die Problemlösungsfähigkeit hat hierbei Vorrang vor der Wissensanhäufung. Ziel soll sein, die Neugier und das Interesse der Lernenden zu wecken und somit auch die Aktivität bzw. Effektivität des Lernens zu steigern. Wichtig hierbei ist, das Vermitteln von Wissen und Kompetenzen, die zur künftigen Problembearbeitung erforderlich sind.
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Das Exemplarische Lernen bildet eine vertretbare Strategie die Stofffülle des politischen Unterrichts zu reduzieren. An konkreten politischen Einzelbeispielen sollen verallgemeinerbare Erkenntnisse über Politik erworben werden. Das dabei gewonnene Wissen und Verständnis der Lernenden ist später auf eine Vielzahl anderer, ähnlicher Situationen im Sinn von Transferlernen, anwendbar.
Dieses didaktische Prinzip der Wissenschaftsorientierung hat sich erst im Laufe der Zeit, mit der Verwissenschaftlichung des gesellschaftlichen Lebens, wirklich durchgesetzt (vgl. Sander, 2007: 199). Es geht darum, den Lernprozess an den Inhalten und Verfahren der Wissenschaft auszurichten. Der Unterricht muss eng verzahnt sein mit ihren Bezugswissenschaften, was in der politischen Bildung insbesondere die Politikwissenschaft als primärer Bezugswissenschaft ist. Dieses Prinzip ist für ein gutes fundiertes politisches Grundwissen unabdingbar.
Das Prinzip der Kontroversität bezeichnet eine Unterrichtspraxis, in der die Inhalte so gewählt werden, dass die kontroverse Natur des Politischen deutlich wird (vgl. Sander, 2007: 196). Als zentraler Bestandteil des Beutelsbacher Konsens´ von 1976 handelt es sich beim Kontroversitätsgebot um ein fundamentales Prinzip des Politikunterrichts. Es werden den Lernenden dabei Alternativen aufgezeigt und so die Pluralität von Politik und Gesellschaft deutlich gemacht. Kontroversen helfen den Lernenden Themen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und verstehen zu können und somit auch bei deren Meinungsbildung. b) vertiefende Auseinandersetzung der Handlungsorientierung
Im Folgenden werde ich vertieft auf das didaktische Prinzip der Handlungsorientierung eingehen, da es mir sehr geeignet für einen lebendigen, sinnvollen und somit effektiven Unterricht erscheint. Der Ursprung bzw. die historischen Wurzeln der Handlungsorientierung finden sich in Rousseaus Vorstellung eines ganzheitlichen Bildungsideals und in der Reformpädagogik, wie bspw. der durch Pestalozzi formulierten Trias von Kopf, Herz und Hand im Rahmen seiner Idee der Elementarlehre.
Ausgangspunkt der Handlungsorientierung ist die Forderung nach einem realitätsbezogenen und praktischen Unterricht, in dem die Lernenden nicht nur theoretische Kenntnisse erwerben, sondern diese auch durch eigene praktische Anwendung erfahren. Der Weg zum eigen-ständigen Handeln. Unterricht soll demzufolge weniger durch die Lehrperson bestimmt und geleitet werden, sondern vielmehr aus dem aktiven Miteinander der Lernenden heraus entstehen. Wodurch ein Zugewinn an Wissen allein durch praktische Erfahrungen und Aktivitäten möglich wird. Wichtig ist dabei hin und wieder das Klassenzimmer zu verlassen,
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um das aktive Handeln und Erfahrungszugewinne in realen gesellschaftlichen Situationen zu Ermöglichen. Dies könnte in Form von Museumsbesuchen, Zukunftswerkstätten oder Exkursionen geschehen. Die Vielzahl an unterstützenden Methoden im handlungsorientierten Unterricht sind hierbei zugleich Abwechslung und Motivation für die Lernenden. Wichtig an dieser Stelle sei zu erwähnen, dass die doch eher vage Definition von Handeln eine konzeptionelle Schwäche in der Handlungsorientierung darstellt. Hierbei kann es sich um jede Form menschlichen Verhaltens handeln, wobei selbst das Schweigen ein Handeln darstellt und somit zum Missverständnis des Konzeptes führen kann (vgl. Sander 2007: 198).
Sinnvoll ist daher eine Unterscheidung des Handelns in reales und simulatives Handeln sowie produktive Gestalten, wie sie auch Heinz Klippert vorgenommen hat (vgl. Reinhardt 2007: 146f.). Reales Handeln bezieht sich in der politischen Bildung auf die Mitbestimmung der Lernenden am Schulalltag. Dies kann zum Beispiel in Form von Mitarbeit an einer Schülerzeitung, Expertenbefragungen oder Schulsprecherwahlen geschehen. Das simulative Handeln holt die außerschulische Realität mit Hilfe von Rollenspielen, Planspielen und Zukunftswerkstätten in das Klassenzimmer. Die Lernenden erhalten die Möglichkeit, sich in bestimmte Situationen oder Personen aktiv hineinzuversetzen und so komplizierte Strukturen verstehen und lernen zu können. Beim produktiven Gestalten geht es gezielt um die Verarbeitung und Darstellung von Wissen mit Hilfe der aktiven Aufgabengestaltung, wie bspw. durch Tabellen, Plakate oder Referate umsetzen. Diese Unterteilung verhindert eine im didaktischen Sinn falsche Vorstellung von Handeln und fördert somit das richtige Verständnis des Prinzips der Handlungsorientierung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Prinzip der Handlungsorientierung eine Vielzahl von Kompetenzen schult, die unabdingbar für eine politische Meinungsbildung und auch deren Vertretung sind. Durch aktives und passives Handeln wird gelernt, verstanden, erfahren und somit der Wissensstoff auch leichter im Gedächtnis abgespeichert. Der handlungs-orientierte Unterricht kann eine Möglichkeit bieten den stofforientierten und eng geführten Politikunterricht, der den Lernenden durch seine starke Lehrerzentriertheit in die Rolle des passiven, rezeptiven Lernen drängt, zu verbessern. Deshalb finde ich dieses Konzept gerade in der politischen Bildung sehr gut, da so das eher theoretische Fach an Lebhaftigkeit gewinnt und das Interesse der Lernenden weckt werden kann.
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c) Konkrete Darstellung des selbst gewählten Prinzips anhand eines selbst konzipierten Unterrichtsbeispiel
Als Beispiel für eine Methode des handlungsorientierten Unterrichts wurde die Projektmethode gewählt. Das folgende Unterrichtbeispiel ist in der Klassenstufe 3 der dualen Berufsausbildung angesiedelt und für eine Unterrichtseinheit von 90min konzipiert. Durchgeführt werden soll diese Methode zum Thema „Möglichkeiten politischen Handelns bzw. politischer Partizipation“.
Es werden vier unterschiedliche Partizipationsmöglichkeiten zur Auswahl gestellt: öffentliche Schriftstücke (z.B. Leserbriefe an Zeitungen), Engagement in Parteinen bzw. Verbänden, Teilnahme an Bürgerinitiativen, Demonstrationen oder Unterschriftssammlungen, sowie die Nutzung des Petitionsrechts und der Bürgersprechstunden.
Die Projektarbeit läuft in sechs Phasen ab (vgl. Emer und Lenzen 2005: 205 f.). In der ersten Phase, der Initiierungsphase, wird das Thema vorgestellt und der genaue Umfangsrahmen abgesteckt, sowie Ideen und Probleme für das Projekt gefunden und für deren spätere Bearbeitung festgehalten. Den Lernenden wird kurz der Ablauf erklärt und zeitliche Vorgaben zur Orientierung gegeben. Die Einstiegsphase beginnt mit der Einteilung der Arbeitsgruppen. Im hier konzipierten Unterrichtsbeispiel soll es vier Gruppen mit je sechs Teilnehmern geben. Die Lernenden sollen in den einzelnen Gruppen herausfinden, welche Möglichkeiten politischer Partizipation umgesetzt bzw. verwirklicht werden können und welche Chancen sich für sie daraus ergeben. Die Lernenden sollen mit den zur Verfügung gestellten Materialien Informationen, Argumente, Vor- und Nachteile sammeln, sowie sich mit dessen Umsetzung beschäftigen. Dabei werden in der dritten Phase, der Planungsphase, die Arbeitsaufträge klar formuliert und verteilt. Innerhalb der Gruppen werden die Aufgaben, durch einen gewählten Gruppenleiter, festgelegt. Vor der vierten Phase, der Durchführung, muss sichergestellt werden, dass alle mit dem genauen Ablauf und dem Rahmen der Arbeit vertraut sind und keine offenen Fragen mehr hinsichtlich der Aufgabenstellung,durchführung und -bearbeitung bestehen. Während der Projektdurchführung bearbeiten die Lernenden selbstständig die gestellten Arbeitsaufträge und fassen ihre Ergebnisse zusammen, bei Fragen steht die Lehrperson natürlich zur Verfügung. Bei der Projektpräsentation, der fünften Phase, tragen die Teilnehmer ihre Ergebnisse, Ziele und Lösungen der Klasse vor. Sie erläutern ihre Herangehensweise und vermitteln ihren Klassenkameraden den neu erworbenen Stoff. Wie bei allen handlungsorientierten Methoden kommt auch hier der Auswertungsphase eine große Bedeutung zu. In ihr sollte die Arbeit ausgewertet und konstruktive Kritik angebracht werden. Dies kann sowohl durch Reflexion innerhalb der Gruppe, als auch durch
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Arbeit zitieren:
Julia Struve, 2011, Didaktische Prinzipien, Methoden und Medien im Gemeinschaftskundeunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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