3.3 Neurobiologische Faktoren 22
3.4 Psychologische Theorien 23
3.4.1 Depressionsmodell von Seligmann 23
3.4.2 Depressionsmodell von Beck 23
3.4.3 Depressionsmodell von Lewinsohn 24
3.5 Psychoanalytische Ansätze 25
3.6 Sozialwissenschaftliche Erklärungstheorien 26
3.6.1 Psychosoziale Faktoren 26
3.6.2 Depression als Ausdruck einer sozialen Gratifikationskrise 26
3.6.3 Depressionen bei Kindern als Folge elterlicher Depressionen 27
3.7 Medikamente 27
3.8 Gesellschaftliche Aspekte 28
4. Behandlungen von Depressionen 31
4.1 Allgemeine Fakten 31
4.2 Pharmakotherapie 32
4.3 Psychotherapie 33
4.4 Lichttherapie 36
4.5 Sport und Bewegung in freier Natur 36
4.6 Wachtherapie 37
4.7 Alternativen bei sehr schweren Depressionen 37
4.8 Elektrokrampftherapie 37
5. Drei Erfahrungsberichte 39
5.1 Nähere Erläuterung 39
5.2 Fragen als Grundgerüst für die Erfahrungsberichte 40
5.3 Erfahrungsbericht Markus Zimmermann (Name geändert) 42
5.4 Erfahrungsbericht Susann Schäfer (Name geändert) 50
5.5 Erfahrungsbericht Christian Nagel (Name geändert) 53
5.6 Schlussbemerkung zu den Erfahrungsberichten 55
6. Alternative Heilmethoden 56
6.1 Allgemeine Fakten und wissenschaftliche Erklärung 56
6.2 Yoga und Meditation 65
6.3 Energiearbeit und Reiki 68
6.4 Ayurvedische Behandlung 70
6.5 Schamanische Behandlung 74
6.6 Kunst- und Ausdruckstherapie 77
6.7 Musik als heilende Kraft 78
6.8 Familienstellen 80
6.9 Homöopathie 82
7. Depression- Krise als Chance- Aufruf zur eigenen spirituellen Entwicklung 85
7.1 Allgemeine Fakten 85
7.2 Tieferes Verständnis für das Vorhandensein einer Seele 86
7.3 Das höhere Selbst und die physische Persönlichkeit 87
7.4 Integration von eigenen Schattenseiten 90
7.5 Veränderung von Gedanken- und Verhaltensmuster 92
7.6 Entwicklung von Selbst- und Nächstenliebe 94
7.7 Selbstfindung und Beachtung des eigenen Körperrhythmus 95
7.8 Integration der weiblichen und männlichen Anteile in uns 97
7.9 Entwicklung von Kreativität und Annäherung an die Natur 98
8. Prävention von Depressionen 99
8.1 Drei Phasen der Prävention 99
8.1.1 Tertiäre Phase 100
8.1.2 Sekundäre Phase 100
8.1.3 Primäre Phase 101
8.2 Die neue Medizin der Emotionen und andere präventive Methoden 104
8.3 Kommunikation und Berührung 107
9. Nachspann 108
Literaturverzeichnis 111
1. Einleitung
„Depression ist nicht nur eine Krankheit des Körpers und der Psyche, sondern eine Krankheit des Herzens. Sie gibt uns die Chance, unseren Geist, unserem Leben und unserem Herzen mehr Tiefe zu erschließen.“ (Martin 2000: 9) Viele berühmte, außergewöhnliche Persönlichkeiten und Künstler litten an dieser psychischen Erkrankung, wie beispielsweise Ernest Hemingway, Van Gogh, Maler Hugo van der Goes. Die Depression wird heutzutage sogar als Volkskrankheit bezeichnet, die auch erfolgreiche Menschen mit einem starken sozialen Rückhalt betreffen kann. Der Tod des Fußballspielers Robert Enke schockierte die Bevölkerung. Den Menschen wurde besonders nach diesem Ereignis bewusst, dass die Depression als Erkrankung ernst genommen und nicht verharmlost werden darf. Ich denke, dass viele Depressionsfälle auch unerkannt bleiben, weil die Menschen heutzutage viele Gelegenheiten haben sich vom Alltagsstress abzulenken, oder diesen auch mit einem Suchtverhalten kompensieren. Aber durch die Verdrängung der Depression wird ein Teil der Persönlichkeit unbeachtet gelassen oder sogar abgespalten. Dies kann wiederum zu einer Entfremdung der eigenen Person führen. In meinem Leben bin ich einigen mir sehr nahe stehenden Menschen begegnet, die an einer Depression in verschiedenen Ausprägungen erkrankt sind. Auch bei mir kam es vor, dass ich in bestimmten Phasen meines Lebens an depressiven Verstimmungen litt. Ich stellte mir oft die Frage, was die Ursache für dieses sehr tief gehende emotionale Leiden ist. Es wurde mir auch bewusst, dass sich das Leben nach Überstehen einer Krise ändern kann. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich schließlich mein Diplomthema ergeben.
Neben allgemeinen Fakten zur Depression, Ursachen und anerkannten Behandlungen und Ausführungen zur Prävention werden in meiner Diplomarbeit alternative Heilmethoden aufgezeigt. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass eine Krise immer auch eine Chance in sich birgt. Ich glaube, dass alle Menschen im Leben die Möglichkeit erhalten, eine geistige und spirituelle Entwicklung zu erfahren,
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indem sie die Herausforderungen in schwierigen Phasen erkennen, eine innere Kraft entwickeln und bestimmte Erkenntnisprozesse durchlaufen.
2. Beschreibung der psychischen Erkrankung Depression
Zu den weltweit bedeutendsten und schwerwiegendsten Krankheitsbildern gehören die depressiven Erkrankungen. Sie können unterschiedliche Ausprägungsformen annehmen. Bis zu ca. 20% der Bevölkerung sind von einer Depression betroffen (vgl. Schwarzer 2004: 226).
Ich denke, dass die erhöhte Zahl der depressiven Erkrankungen daraus resultiert, weil in den letzten Jahren verstärkt begonnen wird, die seelischen Störungen in ihrer Vielfalt wissenschaftlich exakt zu untersuchen und genauer zu diagnostizieren. Das Risiko einer Depressionserkrankung steigt meiner Meinung nach auch aufgrund psychosozialer Belastungen unserer Zeit und Gesellschaft. Depressionen werden zwar als eigenständige Störungsgruppe abgegrenzt. Sie sind aber häufig mit anderen Störungen verbunden. Dazu gehören beispielsweise Manien, Ängste, Furcht- und Trauerreaktionen sowie Persönlichkeitsauffälligkeiten. Wenn man resignativ-depressive Reaktionen bei anderen körperlichen und psychischen Erkrankungen sowie mildere Formen depressiver Störungen zu einer Depressionserkrankung dazu zählt, dann gehört die Depression vermutlich zu den häufigsten psychischen Beeinträchtigungen. Sie kann während allen
Lebensabschnitten auftreten (vgl. Hautzinger 1998: 3). Eine Stoffwechselstörung im Gehirn verursacht Depressionen. Das Denken, die Gefühle, der Körper der Betroffenen, die sozialen Beziehungen, das ganze Leben sind beeinträchtigt. Obwohl dieser psychischen Erkrankung eine enorme Bedeutung zugemessen wird, kann sie häufig nicht erkannt oder aber nur unzureichend behandelt werden. Dies verursacht großes Leiden und Verlust an Lebensqualität für die Betroffenen und deren Angehörigen (vgl. Schwarzer 2004: 226). Manche Menschen verstehen unter dieser psychischen Erkrankung eine Trauer, die durch schmerzliche Trennung oder durch den Tod eines geliebten Menschen ausgelöst wurde. Doch selbst diese Empfindungen gleichen nicht annähernd einer
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krankhaften Depression. Auch verbindet jeder Mensch mit dem Wort Depression etwas sehr Subjektives. Meiner Meinung nach kann das eigentliche Leid der Betroffenen niemand nachvollziehen.
2. 1 Definition Depression
Die Depression gehört zu den affektiven Störungen (ICD -10: F30-39), die mit Beeinträchtigung des Antriebs und der Stimmung einhergehen (vgl. Schwarzer 2004: 227).
Gefühle von Niedergeschlagenheit und tiefer Trauer treten bei vielen Menschen meist nach belastenden Ereignissen auf. Beispiele hierfür ist der Tod eines geliebten Menschen oder das Ende einer Partnerschaft. Diese Gefühle lassen jedoch nach einer bestimmten Zeit nach und sind ganz normal bei einem Trauerprozess. Eine Depression liegt in diesem Fall noch nicht vor. Auch ist es dem Betroffenen noch möglich, sich kurzzeitig durch einfühlsame Gespräche mit Freunden oder Aktivitäten abzulenken. Bestehen die Gefühle jedoch über einen langen Zeitraum, kann sich dieser Zustand zu einer Depression steigern. Neben der tiefen Trauer und Niedergeschlagenheit empfinden die Betroffenen meist auch eine quälende emotionale Leere und Freudlosigkeit. Verschiedene körperliche Beschwerden treten in vielen Fällen zusätzlich auf. Selbst die gesamte Lebensführung des Betroffenen kann stark beeinträchtigt sein. Depressive haben große Schwierigkeiten alltägliche Aufgaben, wie den Haushalt oder die Ausübung eines Berufs zu bewältigen. Oft treten starke Selbstzweifel auf. Die Betroffenen haben kein Interesse mehr an Dingen, die ihnen früher wichtig waren. Selbst der Zuspruch von nahe stehenden Personen oder andere Ablenkungen bereiten ihnen keine Erleichterung (Internetquelle 1).
Unterschieden wird zwischen einer pathologisch niedergedrückten Stimmung (Depression), einer krankhaft gehobenen Stimmung (Manie) und einem phasenhaften Wechsel von depressiven und manischen Phasen (Manischdepressive Erkrankung; bipolare affektive Störung). Die Manie wird als eigenständige Störungsgruppe abgegrenzt, ist aber häufig mit der unipolaren Depression verbunden (vgl. Schwarzer 2004: 227).
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2.2 Differentialdiagnosen unipolar affektiver Störungen
Zu den Unterteilungen der unipolar depressiven Störungen zählen depressive Episoden, Anpassungsstörungen und Dysthymien. Die möglichen Symptome dieser Erkrankungen sind identisch. Unterschiede in der Diagnostik ergeben sich durch die zeitliche Erstreckung der Symptome, durch die Menge zeitgleich auftretender Beschwerden sowie durch den Zusammenhang (innerhalb eines halben Jahres nach dem Ereignis) depressiver Symptomatik mit einer psychosozialen Belastung (vgl. Hautzinger 1998: 10).
2.2.1 Depressive Episode
Eine depressive Episode wird unterteilt in leicht, mittel oder schwer. Diese gelegentlich auftretende negative Befindlichkeit kann bei fast jedem Menschen auftreten, ähnlich der Melancholie. Diesen Zustand bezeichnet man jedoch noch nicht als normale oder schwere Depression. Zu den Symptomen der leichten, mittleren oder schweren depressiven Episode zählen (vgl. Hautzinger 1998: 10). 1. Gedrückte, depressive Stimmung, die für den Betroffenen ein deutlich abnormes Ausmaß annimmt und bis zu etwa 2 Wochen anhält 2. Verlust von Freude und Interesse an Aktivitäten, die bis Dato kein Problem darstellten, beziehungsweise mit Anstrengung verbunden waren 3. Erhöhte Ermüdbarkeit oder verminderter Antrieb 4. Verlust von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen 5. Ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle oder unbegründete Selbstvorwürfe
6. Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder Suizid, oder suizidales Verhalten 7. Vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen, Unentschlossenheit 8. Änderung der psychomotorischen Aktivität mit Hemmung oder Agitiertheit (subjektiv oder objektiv) 9. Verschiedenste Arten von Schlafstörungen 10. Gesteigerter Appetit oder Appetitverlust mit entsprechender Gewichtsveränderung (vgl. Hautzinger 1998: 10f)
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Eine leicht depressive Episode liegt vor, wenn insgesamt mindestens vier der zuvor aufgezeigten Symptome (1) bis (10) zutreffend sind. Darunter müssen zwei der Symptome (1) bis (3) vorliegen.
Sind mindestens sechs der Symptome (1) bis (10) für den Betroffenen zutreffend sowie mindestens zwei der Symptome (1) bis (3), dann liegt eine mittelschwere depressive Episode vor.
Im Falle das acht von den aufgezeigten zehn Symptomen und alle drei Symptome (1), (2) und (3) auf die Situation der Betroffenen passen, liegt höchstwahrscheinlich eine schwere Episode vor (vgl. Hautzinger 1998: 10f). Mit diesem emotionalen Zustand der depressiven Episode reagieren die Menschen auf krisenhafte Ereignisse oder auf eine aktuell empfundene bedrückende persönliche Situation. Um diese Lage zu umgehen oder zu überwinden, versuchen die Betroffenen den sozialen Kontext zu reflektieren und sich selbst besser zu verstehen. Sie ziehen eine praktische Schlussfolgerung daraus, um mit der schwierigen Situation umzugehen oder diese zu überwinden. Zu den zentralen Beschwerden zählen Gefühle der Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, Gefühle der Sinnlosigkeit, Gefühlsarmut auch geschätzten und geliebten Menschen gegenüber. Hoffnungslosigkeit und Angst begleiten diese beschriebenen Zustände. Wenn diese Zustände eine bestimmte Intensität oder Dauer nicht überschreiten, können sie noch als normale oder gesunde Reaktionen auf verschiedenste Erfahrungen eingestuft werden, wie beispielsweise bei Misserfolgen, Verlusten, Belastungen, Zeiten der Einsamkeit, Erschöpfung oder Ziellosigkeit. Ungelöst ist die Frage in der Depressionsforschung, an welchem Punkt die Grenze zwischen den normalen Reaktionen und den klinisch auffällig erachteten Symptomen überschritten wird (vgl. Summer 2008: 15).
2.2.2 Somatisches Syndrom einer Depressiven Episode Von einem somatischen Syndrom einer depressiven Episode spricht man dann, wenn mindestens vier Merkmale aus den folgenden acht Symptomen zutreffend sind (vgl. Hautzinger 1998: 11).
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1. Starker Verlust von Freude und Interesse der normalerweise als angenehm empfundenen Aktivitäten
2. Eingeschränkte Fähigkeit, emotional auf Aktivitäten, Ereignisse und Personen zu reagieren, auf die vorher normalerweise emotional reagiert wurde
3. Erwachen am frühen Morgen zwei Stunden oder mehr vor der gewohnten Aufstehzeit
4. Morgentief, das morgens stärker empfunden wird als abends
5. Von anderen bemerkt oder berichtete Hinweise auf ausgeprägte psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
6. Deutlicher Appetitverlust
7. Gewichtsverlust (etwa 5% oder mehr im vergangenen Monat)
8. Deutlicher Libidoverlust (vgl. Hautzinger, 1998: 11)
2.2.3 Dysthymia
Eine depressive Stimmung, die häufig wiederkehrt und für einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren anhält, bezeichnet man in der Fachsprache Dysthymia. Sind mindestens drei der folgenden elf genannten Merkmale für eine Person zutreffend, kann das ein Zeichen dafür sein, dass eine depressive Störung, Dysthymia, vorliegt (vgl. Hautzinger, 1998: 12).
1. Verminderte Aktivität oder Energie
2. Schlafstörungen
3. Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit, Verlust des Selbstvertrauens
4. Häufig auftretende Konzentrationsschwierigkeiten
5. Häufiges Weinen
6. Verlust von Freude oder Interesse an angenehmen Aktivitäten oder sexuellen Begehren
7. Gefühl der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit
8. Erkennbares Unvermögen zur Bewältigung der Anforderungen des alltäglichen Lebens
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9. Negative Einstellung, Pessimismus hinsichtlich der Zukunft, Grübeln über die Vergangenheit 10. Sozialer Rückzug 11. Verminderte Gesprächigkeit (vgl. Hautzinger, 1998: 12)
In dem Falle, dass depressive Symptome im Zusammenhang mit dem Tod einer nahestehenden oder geliebten Person stehen, geht man aber von einer sozial erwarteten Trauer aus. Sollte die Trauer allerdings über mehr als sechs Monate andauern, könnte dies ein Zeichen für ein Entstehen einer depressiven Episode oder Dysthymie sein (vgl. Hautzinger 1998: 12).
Wenn die diagnostischen Kategorien nicht zur Anwendung kommen oder passen, obwohl eine deutlich depressive Symptomatik vorliegt, kann eine andere affektive Störung diagnostiziert werden. Wichtig ist auch abzuklären, ob körperliche Prozesse oder bestimmte Substanzen eine depressive Erkrankung gefördert haben, beziehungsweise Auslöser für diese sind. Des Weiteren sollte zwischen schizophrenen und schizoaffektiven Störungen abgegrenzt werden (vgl. Hautzinger 1998: 12).
Die schizoaffektive Störung wird als eine psychische Störung bezeichnet, die Symptome einer manisch-depressiven Störung als auch Symptome einer Schizophrenie in sich vereint. Symptome, die zu dem schizophrenen Formenkreis zählen, wie beispielsweise Halluzinationen oder Wahn, können bei einer schizoaffektiven Störung zusätzlich auftreten (Internetquelle 2).
2.3 Differentialdiagnosen bipolar affektiver Störungen
2.3.1 Manische Episode
Eine gehobene, expansive oder gereizte Stimmungslage des Betroffenen in deutlich erkennbarem Ausmaß ist kennzeichnend für eine manische Episode. Das Kriterium für diese Episode ist erfüllt, wenn die krankhafte Stimmung mindestens eine Woche anhält und mindestens drei Merkmale aus den folgenden hier aufgeführten
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Merkmalen von (1) bis (9) auf die betroffene Person zutreffen, beziehungsweise drei Merkmale, falls die Stimmung nur gereizt ist. Es liegt erst dann eine manische Episode vor, wenn die in den folgenden Punkten aufgeführte Symptomatik eine starke Beeinträchtigung für den Betroffenen aufweist (vgl. Hautzinger 1998: 8f).
1. Motorische Ruhelosigkeit, gesteigerte Aktivität
2. Gesteigerter Rededrang
3. Als subjektiv empfundenes Gefühl von Gedankenjagen oder Ideenflucht
4. Verlust normaler sozialer Hemmungen, führt meist zu unangemessenen Verhalten
5. Vermindertes Schlafbedürfnis
6. Größenideen oder überhöhte Selbsteinschätzung
7. Ständig sich ändernde Aktivitäten und Pläne oder Ablenkbarkeit
8. Leichtsinniges Verhalten, dessen Risiken den Betroffenem nicht bewusst ist (rücksichtsloses Fahren, törichte Unternehmungen)
9. Sexuelle Taktlosigkeiten oder gesteigerte sexuelle Energie (vgl. Hautzinger 1998: 8f)
2.3.2 Hypomanie
Hat der Betroffene innerhalb von vier aufeinanderfolgenden Tagen eine gehobene oder gereizte Stimmung und treffen drei von den folgenden genannten Merkmalen (1) bis (7) zu, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Hypomanie. Es liegt erst dann eine manische Episode vor, wenn die in den folgenden Punkten aufgeführte Symptomatik eine starke Beeinträchtigung für den Betroffenen aufweist (vgl. Hautzinger 1998: 9).
1. Motorische Ruhelosigkeit oder gesteigerte Aktivität
2. Gesteigerter Rededrang
3. Konzentrationsschwierigkeiten oder Ablenkbarkeit
4. Vermindertes Schlafbedürfnis
5. Gesteigerte sexuelle Energie
6. Leichtsinniges oder verantwortungsloses Verhalten
7. Übermäßige Vertraulichkeit oder gesteigerte Geselligkeit
8
(vgl. Hautzinger 1998: 9)
2.3.3 Zyklothymia
Wenn in einem Zeitraum von mindestens zwei Jahren die instabile Stimmung des Betroffenen mit vielen Perioden einer Depression und einer Hypomanie einhergeht, spricht man von der sogenannten Zyklothymia. Auch können in dieser Zeitspanne Intervalle von normalen Stimmungen auftreten. Mindestens drei von den hier aufgeführten Merkmalen (1) bis (8) müssen auf die betroffene Person zutreffen (vgl. Hautzinger 1998: 9). 1. Verminderte Aktivität oder Energie 2. Schlafstörungen
3. Gefühl von Unzulänglichkeit oder Verlust des Selbstvertrauens 4. Konzentrationsschwierigkeiten 5. Sozialer Rückzug
6. Verlust von Freude und Interesse an angenehmen Aktivitäten 7. Verminderte Gesprächigkeit
8. Grübeln über die Vergangenheit, Pessimismus bezüglich der Zukunft (vgl. Hautzinger 1998: 9f)
Die Unterscheidung zwischen einer unipolaren Depression und einer bipolaren Störung ist bei der Diagnose sehr wichtig, da dies therapeutische Konsequenzen hat. Normalerweise wird eine unipolare Depression psychotherapeutisch und pharmakologisch anders behandelt als eine bipolare affektive Störung (vgl. Hautzinger 1998: 8).
2.4 Symptome der Depression
Die folgenden Symptome sind typisch für eine Depression. Zu der depressiven Verstimmung einer ernsthaften Erkrankung zählen innere Leere, Lust- und Freudlosigkeit. Die Betroffenen zeigen wenig Interesse für ihre Umwelt und leben oft
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in ständiger Ängstlichkeit. Hinzu kommt ein Gefühl der Gefühlslosigkeit, auch geschätzten und geliebten Personen gegenüber (vgl. Schwarzer 2004: 228). Der Verlust der Freude am Leben und die Unfähigkeit andere Gefühle, wie Schmerz und Liebe zu empfinden, wird als qualvolles Leid beschrieben. Die Betroffenen befinden sich in einem Teufelskreislauf, der ohne professionelle Hilfe sehr schwierig zu durchbrechen ist (vgl. Wilms & Jarmer 1999: 69).
Die depressive Antriebsstörung stellt ein weiteres Symptom dar. Zu einem Problem für die Betroffenen werden alltägliche und private Aktivitäten, die bis dato gut zu bewältigen waren. Sie können sich oft schwer entscheiden, bleiben handlungsunfähig. Auch fehlen Initiative und Schwung. Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen sowie die Neigung über alles nachgrübeln zu wollen, ist dem Symptom der depressiven Denkhemmung zugeordnet. Häufig machen sich die Betroffenen über die gleichen Themen, wie Schuld, Angst, Versagensgefühl, Perspektivlosigkeit oder Ähnliches Gedanken. Zu den depressiven körperlichen Beeinträchtigungen zählt man Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder ein Übermaß an Nahrungsaufnahme sowie Libidoverlust. Auch treten oft Schwindel, Kopf-, Rücken-, Magen- oder Brustschmerzen auf, ohne dass eine organische Ursache gefunden werden kann. Zudem ist zu erwähnen, dass die körperlichen Symptome so in den Vordergrund der Wahrnehmung rücken können, dass die eigentliche Erkrankung übersehen wird (vgl. Schwarzer 2004: 228). Eine nicht zu unterschätzende Gefahr stellt die Selbsttötung (Suizid) von depressiven Menschen dar. Ungefähr 10 bis 20 % der Betroffenen setzen ihrem Leben ein Ende. Aber selbst für Fachleute ist es sehr schwierig diese Suizidgefahr zu erkennen und richtig einzuschätzen. Fest steht, dass eine akute starke Angst des Patienten, eine lang anhaltende und schwere Depressivität, massive Selbstvorwürfe und Schulderleben ein erhöhtes Risiko darstellen. Auch zu beachten sind Suizide oder Suizidversuche in der Herkunftsfamilie, im sozialen Umfeld sowie Suizidversuche des Erkrankten selbst. Es sollte gehandelt werden, wenn aus Gesprächen mit dem Betroffenen herausgehört wird, dass der depressiv Erkrankte sich häufig Gedanken über einen Suizidversuch gemacht und eventuell auch schon Vorbereitungen getroffen hat. Eine stationäre Behandlung sollte dann in Betracht
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gezogen werden, wenn kein ausreichender Schutz für den betroffenen Menschen gewährleistet werden kann (vgl. Schwarzer 2004: 228f).
2.5 Formen der Depression
Wenn Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Traurigkeit gemeint ist, werden oft die Begriffe „Depression“ und „depressiv“ verwendet. Dauern diese Zustände länger an, kann es auch zu einer Depression kommen. Jedoch sind die Übergänge zwischen einer bedrückten Stimmung und einer leichten Depression fließend. Ab einem bestimmten Schweregrad besteht aber kein Zweifel mehr am Vorliegen der psychischen Beeinträchtigung. Die Herausforderungen für Psychotherapeuten ist es zwischen leichteren und sehr schweren Depressionen zu unterscheiden. Die Symptome der Depression, wie Verminderung des Antriebs, Interessenlosigkeit, gestörter Schlaf usw. treten bei allen Formen der Depression auf, aber in unterschiedlicher Ausprägung und Zahl (vgl. Wilms & Jarmer 1999: 72). Wenn der depressiv Erkrankte trotz Freudlosigkeit und Antriebsarmut noch teilweise seine Berufs- und Hausarbeit ausüben kann, liegt eine mittelschwere Depression vor. Zu betonen ist, dass der Betroffene nur mit großer Anstrengung und erheblich eingeschränkter Leistung diese alltäglichen Dinge bewältigen kann. Bei schweren Depressionen wird die Berufsarbeit unmöglich. Selbst einfache Tätigkeiten im Haushalt sind dann in diesem Falle nicht mehr zu leisten. Menschen, die unter einer leichten Depression leiden, fallen ihrer Umgebung meist nicht auf. Sie sind noch in der Lage sich zu gewohnten Aufgaben zu zwingen. Die gedrückte Stimmung sowie die Antriebsverminderung können durch Ablenkung vorübergehend verschwinden. Viele Betroffene glauben in dieser Situation den Zustand mit gutem Willen zu beenden. Dies stellt sich dann aber später möglicherweise als schlimmer Irrtum heraus. Selbst leichte Depressionen, die Wochen, Monate oder gar Jahre andauern, bedeuten im Vergleich zu mittelschweren oder schweren Depressionen großes Leiden (vgl. Wilms & Jarmer 1999: 72f).
Die Unterscheidung der Depressionen nach dem Schweregrad ist wichtig, weil die Schwerpunkte bei der Behandlung verschieden sind. Die Psychotherapie wird bei leichten Depressionen angewandt. Vorübergehend können Medikamente verordnet
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werden, wenn keine zufriedenstellende Besserung des Patienten zu verzeichnen ist. Bei einer mittelschweren Depression ist sowohl die Psychotherapie erforderlich als auch die Verordnung von Antidepressiva. Um einen Suizid oder die unerträgliche Qual einer schweren Depression zu verhindern, bekommt der Patient bei der Behandlung antidepressive Medikamente verabreicht. Jedoch wird keine Psychotherapie verordnet (vgl. Wilms & Jarmer 1999: 73). Ältere Ausführungen beschreiben einen Unterschied zwischen einer endogenen-, einer reaktiven- und einer neurotischen Depression. Die endogene Depression wird im klinischen Alltag auch als affektive Psychose bezeichnet, die aufgrund veränderter Stoffwechselprozesse im Gehirn ausgelöst wird. Sie tritt ohne Ursache auf. Diese Erkrankung kann jedoch auch genetisch bedingt sein. Länger andauernde belastende Erfahrungen in der Bografie eines Menschen können das Entstehen einer neurotischen Depression fördern, die auch als Erschöpfungsdepression bezeichnet wird. Es ist möglich, dass sich eine reaktive Depression als Folge eines aktuellen Ereignisses entwickelt, was von dem Betroffenen nicht verarbeitet wurde. In den vergangenen Jahrzehnten stellte sich aber heraus, dass es einen fließenden Übergang bei der endogenen-, reaktiven- und neurotischen Depression gibt. Beispielsweise kann eine neurotische Depression in eine endogene Depression übergehen. Umgekehrt spielen bei einer endogenen Depression auch Persönlichkeitsprobleme und Umwelteinflüsse eine Rolle. Das heißt, dass reaktive und neurotische Faktoren die endogene Depression beeinflussen können (vgl. Wilms & Jarmer 1999: 73f).
Aktuell gültig ist heute das beschreibende ausgerichtete Diagnoseschema nach ICD-10 in der psychiatrischen Wissenschaft, indem ein Unterschied zwischen einer depressiven Episode und einer länger anhaltenden depressiven Störungen gemacht wird. Die Intensität der Depression wird mit leicht, mittelgradig, schwer und schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen beschrieben. Für eine chronifizierte Depression ist der Begriff Dysthymia erklärend. Die Manisch-depressive Erkrankung, die auch bipolare affektive Störung genannt wird, ist durch abwechselnde Episoden von einer Depression und einer gehobenen Stimmung (Manie) gekennzeichnet. Alle Stimmungslagen von abgrundtiefer Einsamkeit und starker Euphorie sind hierbei möglich. Man geht davon aus, dass
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sich die erste Episode zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr ereignet. Die Zahl der erlebten Episoden variiert von Person zu Person. Patienten sind zwischen den Episoden symptomfrei. Sie gelten in dieser Zeit als psychisch gesund. Nach Schätzungen zufolge leiden 1% der Bevölkerung an einer manisch-depressiven Erkrankung. Frauen und Männer erkranken gleichermaßen häufig an einer bipolaren Störung. Im Gegensatz dazu liegt das Risiko bei Frauen höher an einer unipolaren Depression zu erkranken (Internetquelle 3).
Die saisonale Depression wird auch als Winter- oder Lichtmangeldepression bezeichnet, die in den Monaten November bis März auftreten kann. Die Ursache für die Winterdepression ist der Mangel an Sonnenlicht. Kennzeichnend für diese Art der psychischen Beeinträchtigung sind verminderte Tatkraft, verstärkte Müdigkeit, schlechte Laune, zunehmende Stimmungsschwankungen, ein gesteigerter Appetit in den Herbst- und Wintermonaten sowie ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Diese Symptome werden im Frühjahr von einer leichten Hochstimmung abgelöst. Etwa jeder vierte Bundesbürger erkrankt an einer leichten Winterdepression. Und bei 2 bis 5% der Bevölkerung ist die saisonale Depression besonders ausgeprägt. Frauen, besonders mittleren Alters, leiden häufiger an einer Winterdepression (Internetquelle 4).
10% der Frauen erkranken nach der Geburt an einer Wochenbettdepression, die sogenannte postpartale Depression. Zu der Ursache zählen neben der hormonellen Umstellung Schwangerschaftsprobleme, ein Geburtstrauma, Probleme mit dem Baby oder schwierige soziale Verhältnisse. Aber auch eine Veranlagung der Frau für depressive Erkrankungen, unverarbeitete Ereignisse in der Kindheit, eine Schilddrüsendysfunktion oder ein niedriger Hämoglobinwert können eine Wochenbettdepression verursachen. Annahmen von Experten zufolge müssen jedoch viele Faktoren zusammenkommen, damit diese Erkrankung ausgelöst wird. Zu den Symptomen zählen Ängste, Aggressionen, Schlaflosigkeit, Panikattacken, Müdigkeit, Herzrasen und Weinen. Viele Frauen berichten von Schuld- und Minderwertigkeitsgefühlen und darüber, dass sie Probleme haben, ihrem Kind Liebe entgegen zu bringen. Bei wenigen Frauen treten sogar Selbstmordgedanken oder Wahnvorstellungen auf. Interessanterweise ist die Wochenbettdepression in anderen Kulturen nicht bekannt. Der Grund hierfür ist vielleicht, dass sich mehrere
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Personen in der Familie oder im Bekanntenkreis um das Kind kümmern. In ländlichen Gegenden in Japan beispielsweise kehrt die junge Mutter in ihr Elternhaus zurück und erhält dort Unterstützung von ihrer Familie (Internetquelle 5). Als Sonderform bezeichnet man die Anaklitische Depression (Anaklise: Abhängigkeit von einer anderen Person). Diese Form der Depression tritt bei Babys und Kindern auf, die vernachlässigt oder allein gelassen wurden. Aber auch fehlende Zuwendung, Geborgenheit und Sicherheit sind Ursachen für diese Depressionsform. Die Gefühle werden in Jammern, Weinen, Anklammern und anhaltendes Schreien ausgedrückt. Auch Kontaktstörungen und Apathie können später auftreten. Mit körperlichen Beschwerden geht die somatisierte Depression einher. Diese wird auch als larvierte (lateinisch: larva: hinter einer Maske) Depression bezeichnet. Körperliche Symptome, wie Rückenschmerzen, Beklemmungen im Brustbereich und Kopfschmerzen verdecken das eigentliche Hauptproblem einer
behandlungswürdigen Depression. Die somatisierte Depression wird nicht als eigenständiges Krankheitsbild betrachtet, da sie eher zu einer Diagnose zählt, die im Rückblick gestellt werden kann. Wird die Depression als solche erkannt und diagnostisch eingeordnet, ist sie nicht mehr larviert. Für Ärzte ist dieser Begriff jedoch als dauerhaft präsente Mahnung wichtig, damit sie auf dieses Phänomen achten (Internetquelle 6).
Die organische Depression ist vererbbar und aufgrund der erhöhten Umweltbelastung auch erworben. Dabei liegt ein Mangel an Mikronährstoffen vor, wie Spurenelemente und Vitamine. Das Vitamin B6 ist zuständig bei der Bildung von Neurotransmittern im Gehirn und beugt Depressionen vor. Vielfältige Symptome sind bei dieser Form der Depression typisch: Gelenkschmerzen in der Jugend, gehäufte Infekte in der Kindheit, Schilddrüsenprobleme, starke Regelschmerzen, Migraine und Konzentrationsstörungen. Als letztes Symptom tritt schließlich die Depression auf. Die organische Depression ist nicht mit herkömmlichen Antidepressiva behandelbar, da die Medikamente dem Körper noch zusätzliche Vitamine entziehen würden (Internetquelle 7).
Etwa 15-40% aller depressiven Störungen ordnet man der atypischen Depression zu. Sie stellt eine Unterform der Depression dar. Die Bezeichnung „atypisch“ weist
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daraufhin, dass die Symptome nur teilweise der diagnostischen Klassifikation einer Depression gleichen. Zwar fühlen sich die Betroffenen antriebslos und niedergeschlagen, paradoxerweise sind aber auch Zeichen einer erhöhten inneren Aktivität vorhanden. Merkmale der atypischen Depression sind
Stimmungsaufhellbarkeit, vermehrter Appetit oder Gewichtszunahme und eine bleierne Schwere des Körpers. Meist nehmen die betroffenen Personen persönliche Zurückweisungen überempfindlich lang anhaltend wahr (Internetquelle 8). Die agitierte Depression tritt bei älteren Menschen häufiger auf als bei jungen Menschen. Erkrankten Personen werden von einem rastlosen Bewegungsdrang getrieben, der aber nicht zielgerichtet ist. Der Betroffene kann nicht still sitzen und weder Arme noch Hände ruhig halten. Dies ist oft mit Nesteln und Händeringen verbunden. Des Weiteren haben die Patienten häufig das Bedürfnis sich mitzuteilen und zu beklagen (Internetquelle 9).
2.6 Häufigkeit, Geschlecht, Alter und soziale Schicht
Affektive Störungen, besonders die Depression, zählt zu den häufigsten psychischen Störungen der Menschen im Erwachsenenalter. Es wurden epidemiologische Untersuchungen in England, Skandinavien, USA und Deutschland durchgeführt. Diese weisen daraufhin, dass 15-30 % der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens klinisch manifeste depressive Episoden, in häufigen Fällen, mittleren Schweregrades durchleben. Im Vergleich zu den endogenen und psychotischen Depressionen treten die reaktiven und neurotischen Depressionen hierbei zehnmal so häufig auf. Allgemein ist auch zu erwähnen, dass ein Anstieg der Depression in den letzten Jahrzehnten zu verzeichnen ist, besonders in Westeuropa und Nordamerika (vgl. Will & Grabenstedt & Völkl & Banck 1998: 45).
In den westlichen Industrienationen liegt die Häufigkeit von behandlungsfähigen Erkrankungen aller Frauen bei 4,5% bis 9,3% und 2,3% bis 3,2% bei den Männern. Die Annahme, dass Frauen doppelt so oft wie Männer an einer Depression erkranken, hat sich mit diesen Forschungsergebnissen bestätigt. Der Grund hierfür ist eine hohe Sensibilität der Frauen, höhere Rückfallquoten sowie chronische Verläufe der psychischen Erkrankung. Zunehmend gleichen sich diese Werte jedoch
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an, da auch Männer offener mit ihren Gefühlen umgehen und Unterstützung suchen (vgl. Will & Grabenstedt & Völkl & Banck 1998: 46). In jedem Lebensalter kann eine behandlungswürdige Depression auftreten, insbesondere aber zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Es besteht aber keine Annahme, dass mit zunehmendem Alter höhere Depressionsraten zu erkennen sind. Im hohen Alter sind jedoch eher Männer betroffen als Frauen (vgl. Will & Grabenstedt & Völkl & Banck 1998: 46).
Zwischen der sozialen Herkunftsschicht und dem Auftreten von Depressionen besteht kein Zusammenhang. Bei chronisch verlaufenden schweren Depressionen, wie auch bei anderen psychischen Erkrankungen erfolgt sehr oft ein sozialer Abstieg. Schutzfaktoren gegen depressive Erkrankungen sind soziale Faktoren, wie beispielsweise die Geborgenheit der Familie, vertrauensvolle persönliche Beziehungen und positive berufliche Gegebenheiten. Personen, die getrennt leben oder geschieden sind und keine vertrauten Beziehungen oder Freundschaften führen, haben ein erhöhtes Risiko an einer Depression zu erkranken. Zu weiteren Risikofaktoren gehören Überlastung im Haushalt mit drei oder mehreren Kindern, signifikante Objektverluste, wie der Tod eines nahestehenden Menschen sowie Trennung, Arbeitslosigkeit, schwere Erkrankungen und Stress, insbesondere auf Arbeit (Will & Grabenstedt & Völkl & Banck 1998: 47).
2.7 Verlauf und Prognose
Der Verlauf einer depressiven Erkrankung oder einen bipolaren Störung kann sehr unterschiedlich sein. Depressive Episoden können in verschiedene Phasen unterteilt werden. Die folgende Abbildung verdeutlicht dies.
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(vgl. Hautzinger 1998: 15)
Eine kurze Zeitphase der partiellen oder vollständigen Besserung depressiver Symptomatik bezeichnet man in der Fachsprache als Remission. Recovery bedeutet die Genesung der Krankheit über einen längeren Zeitraum. Diese Zeitspanne kann sich zwischen zwei und sechs Monaten erstrecken. Man spricht von einem Rückfall, wenn sich depressive Symptome während einer partiellen Besserung vor der Genesung, der sogenannten Gesundung, zeigen. Tritt eine neue depressive Episode nach einer vollständigen Genesung der Erkrankung wieder auf, liegt eine Wiedererkrankung vor (vgl. Hautzinger 1998: 16). Die therapeutischen Interventionen sind auf diese Phasen abgestimmt. Als Akuttherapie bezeichnet man die Reduktion von Symptomen während der depressiven Episode. Eine Erhaltungstherapie wird bei Patienten durchgeführt, um sie in der Phase einer partiellen Besserung vor Rückfällen zu schützen. Das Ziel einer prophylaktischen Therapie besteht darin, die Wiedererkrankungen von Depressionen zu verhindern (vgl. Hautzinger 1998: 16). Typische Parameter einer Depression sind Ersterkrankungsalter, Phasendauer, Phasenanzahl, Phasenitensität, Ausmaß und Dauer des symptomfreien Zyklus, Phasenlänge (Abstand zwischen dem ersten Phasenbeginn und dem zweiten Phasenbeginn) sowie das Ergebnis des bisherigen Verlaufs (vgl. Hautzinger 1998: 16).
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Es stellt sich als sehr schwierig für fachkompetente Personen heraus, zwischen uni-und bipolaren Verläufen zu unterscheiden. Selbst nach einer oder mehreren unipolaren Verläufen können manische Episoden auftreten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach etwa drei unipolaren Verläufen eine manische Phase ankündigt, liegt bei 10 bis 30%. Es gibt einige Merkmale, die das Risiko einer bipolaren Erkrankung der Patienten begünstigen. Hierzu zählen ein junges Lebensalter, Schuldgefühle der Betroffenen, psychomotorische Retardierung, starke Belastungen in der Familie mit affektiven Erkrankungen und das Vorkommen einer Manie in der Familie (vgl. Hautzinger 1998: 16).
Bipolare Personen durchleben in einem Zeitraum von über 30 Jahren etwa sieben bis acht depressive Episoden. Dagegen sind es vier bis fünf Episoden bei Patienten mit einer unipolaren Störung. Gemäß neueren Arbeiten stellen einphasige Depressionen eher eine Ausnahme dar. Die natürliche Phasendauer einer bipolaren affektiven Erkrankung wird nach Angaben älterer Arbeiten auf sieben bis acht Monaten geschätzt. Aus neueren Arbeiten geht hervor, dass eine unipolar depressive Episode ungefähr fünf Monate lang andauert und die Phasendauer der bipolaren Erkrankung sich über vier Monate erstreckt (vgl. Hautzinger 1998: 16). Die depressive Episode und die depressionsfreie Phase werden zusammen als Zykluslänge bezeichnet. Diese dauert bei unipolaren Erkrankungen etwa 4,5 bis 5 Jahre und bei einer bipolaren Störung 2 bis 3 Jahre. Im hohen Lebensalter verkürzen sich die beschwerdefreien Zeiten (vgl. Hautzinger 1998: 17). Die Prognose, der Ausgang depressiver Erkrankungen, kann nur grob geschätzt werden. Der Grund hierfür ist die methodisch wenig vergleichbare und heterogene Befundlage. Ungefähr die Hälfte oder zwei Drittel der Patienten sind in der Lage, ihren gewohnten Alltag wieder aufzunehmen. Häufig bestehen aber einige Beschwerden trotzdem weiter. Ca. 30% der an einer bipolaren Störung erkrankten Patienten haben fünf Jahre nach dem Anfang der vollständigen Genesung keine Rückfälle mehr. Bei der unipolaren Störung sind es hingegen 42%. An einer Chronifizierung; Minimaldauer der Beschwerden von 2 Jahren, der unipolar als auch bipolaren Erkrankung, erleiden zwischen 10 und 20% der Patienten. Etwa 15% der chronischen Krankheitsfälle werden durch Suizid beendet. Selbst moderne
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Behandlungsformen konnten dieser Tatsache noch nicht entgegenwirken (vgl. Hautzinger 1998: 17).
Dank der Psychopharmakotherapie lassen sich zwar die Intensität der depressiven Phasen und Rückfälle mindern, die Dauer der depressiven Phasen wird dadurch aber nicht abgekürzt. Positiv zu bemerken ist aber, dass Patienten auch nach langer Krankheitsdauer genesen können. Auch bei einem höheren Lebensalter besteht die Chance einer Gesundung. Einen chronischen Verlauf haben in vielen Fällen neurotische Depressionen. Ausgelöst wird diese Form der depressiven Erkrankung durch psychisch unverarbeitete negative Erlebnisse, die oft in der Kindheit liegen. Auch Rückfälle sind bei dieser Art von Depression zu verzeichnen. Der interpersonelle Bereich, wie die Interaktion mit Freunden, Familie, Bekannte usw. ist bei den Betroffenen stark eingeschränkt. Die chronisch psychosozialen Einschränkungen in diesen Bereichen führen zu einem erhöhten Rückfallsrisiko, weil diese Faktoren das Leben der erkrankten Personen deutlich einschränken. Es ist davon auszugehen, dass ein verstärkter Grad der neurotischen Erkrankung den Krankheitsverlauf einer Depression negativ beeinflusst. Als ungünstig stellt sich also die Verbindung zwischen einer Depressionserkrankung und Störungen mit Angstsymptomen und hypochondrischen Zügen heraus. Ausgeprägte innerseelische Konflikte sowie die damit zusammenhängenden Probleme der Objektbeziehungen und Realitätsbewältigung haben ihre Ursache meist schon in der frühen Entwicklung der Kindheit (vgl. Will & Grabenstest & Völkl & Banck 1998: 48 f). Depressiv erkrankte Personen haben unter einem erhöhten Risiko an folgenden körperlichen Krankheiten zu leiden. Hierzu zählen Arteriosklerotische Herzerkrankungen, Asthmabronchiale Erkrankungen, Beeinträchtigungen des zentralen Nervensystems, Heuschnupfen oder Allergien, Diabetes mellitus, Infektionserkrankungen sowie die Schwächung des Immunsystems (vgl. Hautzinger 1998: 17).
Depressionen treten in Verbindung mit anderen psychischen Erkrankungen oder Störungen sehr häufig auf, wie zum Beispiel bei Angststörungen (Soziale Ängste, Phobien, generalisierte Angst-, Panikstörungen), Posttraumatischen Belastungsstörungen, Zwängen, Substanzmissbrauch, Essstörungen,
Substanzabhängigkeiten, sexuelle Störungen, Schlaf-, Somatoforme- sowie
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Psychophysiologische Störungen. Zu den somatoformen Beeinträchtigungen gehören medizinisch nicht erklärbare Körpersymptome. Psychophysiologische Beeinträchtigungen sind körperliche Störungen, die durch psychische Probleme verursacht werden. In vielen Fällen treten mitunter auch hirnorganische-, schizophrene- und verschiedene Persönlichkeitsstörungen auf. Neben der depressiven Erkrankung wurde gemäß der Epidemiological Catchment Area Study in 77% der Fälle eine weitere Diagnose für andere psychische Erkrankungen gestellt. Mit 50% zählen die Angststörungen zu den am häufigsten auftretenden Erkrankungen. Substanzinduzierte Abhängigkeiten machten neben der depressiven Erkrankung etwa ein Drittel aus. Dasselbe gilt auch für somatoforme Störungen (vgl. Hautzinger 1998: 18).
Die Frage, ob Depressionen zeitlich gesehen vor oder nach einer der Parallelerkrankungen auftreten, ist nicht zuverlässig zu beantworten. Bei 60 bis 80% befragten Probanden zu urteilen, entstehen Depressionen erst nach der Ersterkrankung (vgl. Hautzinger 1998: 18).
3. Ursachen der Entstehung von Depressionen
3.1 Allgemeine Fakten
Schon Hippokrates stellte mit seiner Theorie der schwarzen Galle die erste Entstehungstheorie zur Depression vor. Seit dieser Zeit entwarfen die Menschen viele Hypothesen über den Ursprung der Depression. In den letzten Jahrzehnten wurde sehr viel darüber geforscht. Um heute die verschiedenen Erklärungsversuche ordnen zu können, ist eine Unterscheidung in biologische-, psychologische Faktoren und die entsprechenden Modelle wichtig (vgl. Huber 1992: 97f). Dies wird in Punkt 3.2 näher erläutert.
Das Zusammenspiel unterschiedlicher psychischer und biologischer Ursachen kann eine Depression auslösen. Treten belastende Lebensereignisse bei einer Person zusätzlich auf, die bereits eine erhöhte Anfälligkeit für diese psychische Erkrankung hat, führt dies in vielen Fällen zu einer Depression. Liebeskummer, Beziehungsprobleme, die Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen oder
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Arbeit zitieren:
Doreen Pannasch, 2011, Depression - Krise als Chance, München, GRIN Verlag GmbH
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