Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 4
2.1 Die Berliner Atelierwand von 1852 4
2.1.1 Visueller Befund 4
2.1.2 Interpretation 4
2.2 Die Hamburger Atelierwand von 1872 5
2.2.1 Visueller Befund 5
2.2.2 Interpretation 6
2.2.2.1 Friedrich Eggers 6
2.2.2.2 Lichtstudie zum Eisenwalzwerk 7
3. Menzels Persönlichkeit im ästhetischen Kontext. 8
4. Reale Allegorie 10
5. Schlusswort 10
6. Abbildungen 11
7. Abbildungsverzeichnis 13
8. Literaturverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Friedrich Nietzsche beschreibt die Realität als einen Zustand, der aus Einzelereignissen besteht. Diese Mannigfaltigkeit setzt sich aus Singularitäten zusammen, einem Gewimmel aus Einzelheiten. Eine allgemeine Wahrheit gibt es nicht. Die Blüte des Realismus in der deutschen Malerei war durch Schaffen und Werk des Künstlers Adolf Menzel (1815-1905) geprägt. Adolf Menzel war einer der begabtesten Zeichner dieser Realität im Sinne Nietzsches. Die Werke Menzels wurden für seine Gabe der Beobachtung bewundert. Wie sehr diese Beobachtung in einem Hauptwerk Menzels zu einem vielschichtigen Bedeutungsträger wurde, soll diese Diskursanalyse im Folgenden zeigen. Die Atelierwand von 1872 (Abb.1) und die Atelierwand von 1852 (Abb.2). Dabei denke ich an die Verlebendigung der Gegenstände in diesen Werken und das Unvollendete als künstlerische Form des Fragments. Ich analysiere nicht nur durch das Prisma der malerischen Leistung und formalen Benennung der Gegenstände. Vielmehr interessieren mich Menzels Bildkonzepte. Die folgende Hausarbeit befasst sich mit dem Fragmentarischen als künstlerische Form und als Bedeutungsträger, mit der Verlebendigung der Gegenstände und wie sich Menzels Persönlichkeit und seine Beziehung zur Außenwelt in diesen Werken spiegelt. Die Ausdrucksweise seiner Beobachtungsgabe und die charakteristischen Elemente seiner Bildkonzepte sollen in weiteren Punkten aufgeführt werden. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Hamburger Atelierwand von 1872.
3
2. Hauptteil
2.1 Die Berliner Atelierwand von 1852
2.1.1 Visueller Befund
In dieser Komposition des Abbilds einer Atelierwand in einem dunklen Raum fällt Licht von unten auf einen rechten und linken Arm aus Gips. Der rechte Arm ist angewinkelt, der linke gestreckt. Die linke Hand umfasst einen stabähnlichen Gegenstand. Darunter ist eine gehäutete linke Hand angeordnet. Im rechten Bildrand ist ein verschlossenes Fenster erkennbar. Durch dieses Fenster blickt man in die Dunkelheit. In auffallender Beleuchtung stechen zwei gipserne Arme, der linke rechts im Bild mit einem wohl als gesenkt gehaltenen Fackel zu verstehenden Objekt, der rechte angewinkelt und auf den erstgenannten deutend, besonders hervor. In der Mittelachse ist ein anatomisches, gehäutetes Handmodell platziert. Diese Hand ist eine linke. Ihr links zur Seite ist ein menschlicher Schädel - ein Totenschädel - gestellt. Am unteren Bildrand ist die Farbpalette des Malers erkennbar. Der Künstler selbst ist abwesend.
2.1.2 Interpretation
Die Faszination, die Teile des menschlichen Körpers - also ein Bruchstück des Ganzen - auf Menzel ausübten, bringt die Atelierwand in Erinnerung, die der Künstler 1852 in Berlin in der Ritterstraße gemalt hat. Die Atelierwand schließt die bildparallel angeordnete Wand im Raum hermetisch ab, um den Betrachter direkt mit den streng ausgeleuchteten Gliedmaßen zu konfrontieren. Diese sind in der Gestalt eines gebrochenen Körpers konfiguriert. An keinem Nagel befestigt, schwebt dieser scheinbare Körper in einer so prekären Position, dass jegliche Stabilität in Frage gestellt wird. Die gehäutete, linke Hand wirkt wie ein Geschlechtsteil eines Körpers. Sie kann auch als Hinweis auf Menzels Beidhändigkeit interpretiert werden. Im modernen Betrachter werden Gefühle des Ein- und Ausgeschlossen seins, des gewaltsam Gebrochenen und Labilen heraufbeschwört. Verschlossene Fenster, gebrochene Glieder, die gehäutete Hand formulieren eine Bildsprache der Verneinung und des Verlusts. Der
4
menschliche Totenschädel erinnert an die Sterblichkeit des Menschen. Die Vergänglichkeit des Irdischen soll zum Ausdruck gebracht werden. Dies deutet auf einen starken Realitätsbezug hin. Die Einzelteile der Atelierwand von 1852 wirken wie Votivgaben. Fragmente und Bruchstücke, die sich doch einheitlich zusammenfügen. Die stark orthogonale Gliederung und Achsialität der Komposition etabliert eine Verweisstruktur der Fragmente untereinander. Sehr weit gegriffen könnte man anhand dieser Atelierwand Menzels von der Paraphrase eines Selbstpoträts des Künstlers sprechen. Die Atelierwand als ein Gedächtnis. Der Realismus Menzels hält diese Objektassemblagen für bildwürdig. Die Realität und Metapher der Ruine dient als Konstruktion von Wirklichkeit.
2.2 Die Hamburger Atelierwand von 1872
2.2.1 Visueller Befund
Menzel stellt ein Ausschnitt seiner Atelierwand bei Dunkelheit dar, indem er sich selbst positioniert und von schräg unten auf die drei Reihen von Totenmasken, Gipsabgüssen und Werkzeuge blickt. Die auf einer scharlachroten Fläche angeordneten Objekte werden dramatisch und diffus von einer Lichtquelle ausgeleuchtet, die unsichtbar ist und im weiteren Bildvordergrund ihren Ursprung haben muss. Die Torsi und einige Masken sind erkennbar hohl. Ein weiblicher, hell erleuchteter Torso befindet sich in der Bildmitte. Rechts daneben wendet sich ein männlicher Torso im Dunkeln vom weiblichen ab. Links des weiblichen Torsos ist eine Totenmaske aufgehängt. In der obersten Reihe sind weitere Toten- und Lebendmasken aufgehängt. Darunter, in der Torsireihe, befindet sich am linken Bildrand ein Kopf eines Hundes oder Wolfes. In der unteren, dritten Reihe befinden sich weitere Totenmasken. Unter den Torsi hängt eine linke Gipshand, sowie Zirkel, Faden und Schere. Das Bild ist in Öl alla prima gemalt. An der Farbstruktur ist erkennbar, dass Menzel schnell gemalt haben muss. Es gab keine nachträgliche Bearbeitung. Menzel verwendete langstielige Pinsel. Über die Grundierung legte Menzel eine Imprimitur in Rottönen. Diese verleihen dem Bild einen warmen Unterton. Der Tiefenzug der Perspektive bringt den männlichen Torso
5
Arbeit zitieren:
Ralf Hemminger, 2010, Adolf Menzels Bildkonzept und Persönlichkeit in der Hamburger Atelierwand, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Kunst - Malerei: Adolf Menzels Bildkonzept und Persönlichkeit in der Hamburger Atelierwand ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Kunst - Malerei: neuer Titel erschienen: Adolf Menzels Bildkonzept und Persönlichkeit in der Hamburger Atelierwand
Ralf Hemminger hat einen neuen Text hochgeladen
Adolph Menzel, 1815-1905: Between Romanticism and Impressionism
Adolph Menzel, Claude Keisch, Marie-Ursula Riemann-Reyher
Menzel's Realism: Art and Embodiment in Nineteenth-Century Berlin
Art and Embodiment in Nineteen...
Michael Fried
Band 1: 1830 - 1855. Band 2: 1...
Claude Keisch, Marie Ursula Riemann-Reyher
0 Kommentare