Inhaltsverzeichnis
I. Die Prunkgräber der europäischen Frühbronzezeit 3
1. Die Prunkgräber der Aunjetitzer Kultur in Mitteldeutschland und Polen 4
1.1. Leubingen 4
1.2. Helmsdorf 5
1.3. Dieskau 6
1.4. Das Kindergrab von Apolda 7
1.5. Łęki Małe 7
1.6. Zusammenfassung 8
2. Die Prunkgräber der Rhônekultur 8
2.1. Thun-Renzenbühl 9
2.2. Sion-Petit Chasseur 9
3. Die Prunkgräber der südenglischen Wessex-Kultur 9
3.1. Bush Barrow 10
3.2. Clandon Barrow 11
3.3. Zusammenfassung 11
4. Die Prunkgräber der bretonischen Frühbronzezeit 12
4.1. Kernonen, Plouvorn 12
4.2. „La Motta“, Lannion 13
4.3. Zusammenfassung 13
II. Die Interpretation der Prunkgräber in der Forschung 14
1. Ökonomische Faktoren 14
2. Soziale Faktoren 15
3. Kultische Faktoren 15
4. Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 17
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Einleitung I.
In der Frühbronzezeit entsteht in Europa ein System von Kulturen, die trotz regionaler Eigenheiten und teilweise großer räumlicher Entfernung zueinander erstaunliche Gemeinsamkeiten aufweisen. So findet man etwa in jeder frühbronzezeitlichen Kulturgruppe von Mitteldeutschland über die Bretagne bis nach Wessex, im Süden bis in die Rhone-Kultur der Westschweiz, das Phänomen der sogenannten Prunkgräber. Es handelt sich hierbei um besonders reich ausgestattete, oft überhügelte und mit einer hölzernen oder steinernen Grabkammer versehene Bestattungen, in denen wohl bedeutende Persönlichkeiten beigesetzt wurden. Früher oft als „Fürstengräber“ bezeichnet, werden sie heute in der Forschung lieber als Prunkgräber betitelt, da man über den sozialen Status des Toten anhand des Reichtums seines Grabes noch keine Aussagen treffen kann und sich dieser Begriff rein auf den materiellen Aspekt der Grabausstattung bezieht. Das Auftreten dieser Art von Prunkgräbern ist in ganz Europa auf die frühe Bronzezeit beschränkt. Neolithische Vorläufer in diesen Dimensionen des Reichtums gibt es nicht, und auch nach dem Verschwinden der frühbronzezeitlichen „Fürsten“ sollte es mehrere Jahrhunderte dauern, bis Grabausstattungen wieder einen vergleichbaren Reichtum erreichten (ZICH 2004, 156). Im Folgenden möchte ich erst die herausragenden Gräber der Frühbronzezeit Europas vorstellen, um dann in einem zweiten Teil die unterschiedlichen Interpretationsansätze und momentanen Forschungsdiskussionen darzustellen.
I. Die Prunkgräber der europäischen Frühbronzezeit
Die Frühbronzezeit ist die längste der Phasen der europäischen Bronzezeit. Von etwa 2200 - 1600/1550v. Chr. setzte sich die Nutzung von Zinnbronze allmählich in allen Kulturen Europas durch und es entstand ein weitläufiges Handelssystem, was zu einem regen Austausch der Kulturzentren untereinander sowie zu einem nie dagewesenen Wohlstand führte (HÄNSEL 2009, 113). Besonderen Reichtums erfreuten sich die Aunjetitzer Kultur, die Wessex-Kultur und die Träger der Bretonischen Frühbronzezeit. Hier entwickelten sich soziale Gefüge, die die Errichtung der Prunkgräber zur Folge hatten.
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1. Die Prunkgräber der Aunjetitzer Kultur in Mitteldeutschland und Polen
Die Aunjetitzer Kultur bildet einen der großen frühbronzezeitlichen Kulturkomplexe in Europa. Von etwa 2300 - 1600 v. Chr. bevölkern Angehörige dieser Kulturgruppe das Gebiet zwischen Mitteldeutschland im Norden bis nach Böhmen und Mähren im Süden. Die östlichsten Fundorte finden sich in Schlesien und Großpolen, die westliche Grenze bildet das westliche Niedersachsen. Üblicherweise legten die Träger der Aunjetitzer Kultur große Flachgräberfelder an, auf denen sie ihre Toten in Hockerlage mit dem Kopf im Süden und Blick nach Osten bestatteten. (ZICH 1997, 18f.)
Ausnahmen bilden die monumentalen, einzeln stehenden Grabhügel von Leubingen, Helmsdorf und Dieskau in Mitteldeutschland. Auch in Polen finden sich Grabhügel der Aunjetitzer Kultur, allerdings von geringeren Ausmaßen und zu kleinen Nekropolen angeordnet. Die überhügelten Gräber bilden auch eine Ausnahme von der sonst eher spartanischen Beigabensitte, die etwa in den Gräberfeldern von Wahlitz bei Magdeburg und Großbrembach in Thüringen erkennbar ist (ZICH 1997, 19).
1.1. Leubingen
Das Prunkgrab von Leubingen im Kreis Sömmerda in Thüringen wurde bereits 1877 von Friedrich Klopfleisch ausgegraben, allerdings erst 1906 von Paul Höfer anhand der sorgfältigen Grabungsberichte Klopfleischs veröffentlicht (HÖFER 1906). Zum Zeitpunkt der Ausgrabung war der Hügel im Gelände noch gut erkennbar, bei seiner Errichtung hatte er wohl einen Durchmesser von 33-34m und eine Höhe von etwa 8m. Der dafür nötige Arbeitsaufwand mit bronzezeitlichen Mitteln ist kaum vorstellbar und erforderte mit Sicherheit eine zentrale Organisation, die die nötigen Mengen an Arbeitskräften aufbringen und kontrollieren konnte. Sicher spielte der schon aus weiter Ferne erkennbare Grabbau eine ebenso große Rolle wie die Beigaben.
Unter dem Hügel fand sich eine hölzerne Grabkammer, in der eine senile Person in gestreckter Rückenlage in Nord-Süd-Ausrichtung mit dem Kopf im Norden, sowie ein etwa zehnjähriges Kind im rechten Winkel zueinander übereinander gelegt bestattet waren. Eine Erklärung dieser sonderbaren Anordnung der Toten und deren Verhältnis zueinander bleibt bis heute unklar. Auffällig ist auch, dass sich die Lage der Toten von der üblichen Bestattungssitte der klassischen Aunjetitzer Kultur (ost-west-ausgerichtete Hocker) erheblich unterscheidet.
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Auch die Beigaben heben dieses Grab eindeutig unter den gleichzeitigen Bestattungen hervor. Es fanden sich neben den Toten (zum Teil ebenfalls kreuzförmig übereinander gelegt) eine Stabdolchklinge, zwei Randleistenbeile, drei Meißel und eine ins Neolithikum datierte Serpentinit-Axt. Die ebenfalls reichen Goldbeigaben setzen sich aus zwei Ösenkopfnadeln, einem Armring und zwei Lockenringen zusammen.
Zugeordnet werden sämtliche Beigaben der älteren Person, eine Verbindung zu dem Kind wird in der Forschung einhellig abgelehnt (vgl. etwa HÖFER 1906, 99; VANKILDE 1999, 104). Ein Vergleich des Beigabenreichtums etwa mit Beigaben aus dem Gräberfeld von Singen (KRAUSE 1988), die im Höchstfall einen Vollgriffdolch und ein Randleistenbeil beinhalten, hebt dieses Grab, das in seiner reichen Ausstattung fast (siehe unten) einzigartig ist, zusätzlich hervor. Svend HANSEN (2002, 151) spricht hier von einer „Überausstattung“ vor allem mit Waffen, auf deren Bedeutung weiter unten eingegangen werden soll. 1989 konnte das Leubinger Prunkgrab anhand sehr gut erhaltener Eichenhölzer aus dem Grabbau auf 1942±10 v. Chr. datiert werden (BECKER ET AL. 1989, 427).
1.2. Helmsdorf
Ebenfalls sehr früh gegraben, jedoch gut dokumentiert, wurde das Prunkgrab von Helmsdorf im Kreis Mansfelder Land in Sachsen-Anhalt. 1907 entdeckt und veröffentlicht (GRÖßLER 1907), erregte vor allem die Öffnung der hölzernen Grabkammer, in der auf einer ebenfalls hölzernen Totenlade der Bestattete lag, großes Aufsehen bei der Dorfbevölkerung (ZICH 2004, 156). In ihrer Annahme, ein Goldschatz käme zutage, lagen die Leute auch nicht falsch. Der Hügel, unter dem die Grabkammer mit der aus Eichenholz gezimmerten Totenlade lag, entsprach von den Dimensionen etwa dem Leubinger Hügel. Auch in der Bauweise der Grabkammer finden sich deutliche Gemeinsamkeiten. Im Gegensatz zu Leubingen war in Helmsdorf allerdings eine Einzelperson bestattet. Ein männlicher Erwachsener, der in gestreckter Rückenlage, ebenfalls Nord-Süd-orientiert, auf der Totenlade aufgebahrt war. Die auffälligsten Gemeinsamkeiten finden sich jedoch bei den Beigaben. Auch der Helmsdorfer „Fürst“ besaß eine reiche Waffenausstattung, die aus einem Randleistenbeil, einem Dolch, einem Meißel und einer neolithischen Diorit-Axt bestand. Die goldenen Beigaben setzten sich aus zwei Nadeln, einem Armring und zwei Lockenspiralen zusammen,
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was bis auf wenige typologische Unterschiede exakt der Ausstattung des Leubingers entspricht.
Die erheblichen Ähnlichkeiten der beiden Gräber werden umso erstaunlicher, wenn man beachtet, dass sie knapp 100km voneinander entfernt sind, und, wie die Dendrodatierung der Totenlade zeigte (BECKER ET AL. 1989, 427), das Helmsdorfer Grab 100 Jahre nach dem Leubinger Hügel (1840±10 v. Chr.) errichtet wurde.
1.3. Dieskau
Das Dieskauer Prunkgrab konnte leider nur noch in bereits zerstörtem Zustand untersucht werden, wobei 1979 von den Ausgräbern ein Zusammenhang zwischen bereits sehr 1874 auf einem Acker aufgelesenen Goldfunden und dem zu dieser Zeit noch etwa 2m hohen und 60m im Durchmesser messenden Hügelgrab hergestellt wurde (SCHMIDT/NITZSCHKE 1980). Auch erkannten sie eine Ähnlichkeit zu den mitteldeutschen Prunkgräbern, was die Lage, Größe und den Bau des Grabhügels betraf (SCHMIDT/NITZSCHKE 1980, 180). Unter dem Hügel, dessen ursprüngliche Größe wohl ebenfalls der des Leubinger Hügels ähnlich war, fanden sich Reste einer rechteckigen Steinsetzung, die wohl den Rand und die Ummantelung der vergangenen hölzernen Grabkammer gebildet hatte. Daran war noch die nordsüdliche Ausrichtung des Grabes zu erkennen, weitere Aussagen konnten aufgrund einer vollständigen Beraubung und Zerstörung des Grabes nicht gemacht werden (SCHMIDT/NITZSCHKE 1980, 182).
Der ursprünglich als Hortfund angesprochene Goldfund von Dieskau, der wahrscheinlich zumindest einen Teil der Grabbeigaben darstellte und heute verschollen ist, beinhaltete ein goldenes Randleistenbeil, drei goldene Armreifen und einen Armring aus goldhaltigem Silber (SCHMIDT/NITZSCHKE 1980, 182). Damit reiht sich das Grab von Dieskau, was Grabbau und Ausstattung betrifft, problemlos unter die anderen Aunjetitzer Prunkgräber ein. Das Fehlen einer „Überausstattung“ mit Waffen, so es nicht durch die Beraubung begründet wird, wird nach HANSEN (2002, 152) durch das Auftreten einer sogenannten „Überwaffe“, der goldenen Beilklinge, wettgemacht.
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Arbeit zitieren:
Laura Geyer, 2010, Prunkgräber der Frühbronzezeit, München, GRIN Verlag GmbH
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