Ehrenwörtliche Erklärung
Hiermit erkläre ich ehrenwörtlich, die vorliegende Bachelorarbeit ohne Hilfe Dritter und nur mit den angegebenen Quellen und Hilfsmitteln angefertigt zu haben. Alle Stellen, die aus den Quellen und Hilfsmittel entnommen wurden, sind auch als solche gekennzeichnet. Diese Arbeit hat in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner Prüfungsbehörde vorgelegen.
Die auf dem beigelegten Datenträger vorliegende Datei der Bachelorarbeit stimmt mit der gedruckten Ausgabe überein.
Brigitte Wolf
Danksagung
Diese Bachelorarbeit stellt den Abschluss meines Studiums an der Pädagogischen Hochschule in Graz dar. An dieser Stelle möchte ich all jene danken, die durch ihre fachliche und persönliche Unterstützung zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben.
Für die Betreuung während der Arbeit an meiner Bachelorarbeit möchte ich mich vor allem bei Herrn DI Mag. Hanns Jörg Pongratz bedanken, der mir wertvolle Tipps, Anregungen und Kritikpunkte gegeben hat.
Mein Dank gilt allen Schülerinnen und Schülern der Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule sowie der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe Feldbach, welche sich an der Fragebogenuntersuchung beteiligten.
Anschließend geht mein Dank auch an alle hier nicht namentlich genannten Personen, die mich direkt und indirekt mit Ideen für diese Arbeit unterstützt haben.
Brigitte Wolf
Abstract
Der Chat ist ein soziales Phänomen des 20. Jahrhunderts, das sich in der jungen wie auch der älteren Generation gleichermaßen beobachten lässt.
Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, die Chat-Kommunikation darzustellen.
Der Theorieteil befasst sich im ersten Kapitel mit der Chat-Kommunikation im Allgemeinen. Hier werden die wichtigsten Begriffe im Einzelnen betrachtet und definiert. Da die Internetkommunikation einen starken Einfluss auf die sprachliche Entwicklung von Jugendlichen hat, wird auch dieser Aspekt genauer beleuchtet. Im zweiten Kapitel werden die Ursachen und das Ausmaß des Chattens beschrieben. Beginnend mit der Tatsache, dass das Chatten eine neue Freizeitgestaltung ist und zum medialen Alltag dazugehört, folgen darauf Vor- und Nachteile. Das dritte Kapitel beschreibt die bestehenden Gefahren. Im vierten Kapitel wird auf das Soziale Miteinander eingegangen. Darin geht es gezielt um die Selbstdarstellung und soziale Beziehungen im Chat. Im nachfolgenden Kapitel werden die gesellschaftlichen Auswirkungen behandelt. Das abschließende Kapitel listet die aktuell angebotenen Chatprogramme in Schulen auf.
Der empirische Teil beinhaltet die Schwerpunkte „Chatten im Unterricht“ und „Gesundheitliche Aspekte des Chattens“. Zu Beginn meiner Arbeit stellte ich mir die Frage: „Sehen Jugendliche Gefahren beim Chatten?“ Diese Fragestellung hat sich im Laufe der Datenanalyse bestätigt.
Die Bachelorarbeit endet mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer Schlussfolgerung.
Brigitte Wolf
Vorwort
Mit dem Internet werden neue Perspektiven in der globalen Kommunikation geschaffen. Es werden Verbindungen zu Freundinnen und Freunden, zu Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner in aller Welt geschaffen. Die Internetkommunikation ermöglicht, die Vernetzung von räumlich getrennten Arbeitsgruppen, so dass neue Formen der Arbeitsorganisation erleichtert werden. Das Internet wird in der heutigen Zeit auch als Kontaktbörse genutzt: In Chaträumen kann man neue Menschen kennen lernen und sein soziales Netzwerk erweitern.
Die Lebensphase Jugend ist in der modernen Informationsgesellschaft immer ein Schonraum zwischen Kindheit und Erwachsensein, den die bzw. der Heranwachsende zur Identitätsbildung nutzen kann. In der Zeit der globalen Kommunikation, wachsen Jugendliche in einer computerbasierenden Lebenswelt auf, in der Alltag, soziale Interaktionen und die Identitätsbildung immer mehr durch Medienbezüge mitgestaltet werden. Der Alltag der Jugendlichen wird sehr stark vom Internet beeinflusst. Nach einigen Ergebnissen bisheriger Studien, sind vor allem der spielerische Aspekt sowie die soziale Interaktivität des Internet für Jugendliche besonders attraktiv. Die Kommunikations-form „Chatten“ begeistert Jugendliche sehr.
Die Entstehung neuer Medien war schon immer mit Befürchtungen und Zweifel ver-bunden. Neue Medien beeinflussen die Kommunikationsfähigkeit und die Sprachentwicklung der Jugendlichen. Jugendliche müssen in der heutigen Zeit so unterstützt werden, dass sie den neuen Anforderungen in der Informationsgesellschaft gewachsen sind und sich sinnvoll an den neuen Medien beteiligen können.
Brigitte Wolf
Inhaltsverzeichnis
Ehrenw örtliche Erklärung 2
Danksagung 3
Abstract 4
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 6
Ziel dieser Arbeit - Einleitung 8
Theoretischer Teil 10
1 Chat-Kommunikation 10
1.1 Definition von Chatten 10
1.2 Was ist ein Chat? 12
1.3 Chaträume 13
1.4 Arten von Chatrooms 14
1.5 Gebrauch von Nicknames 15
1.6 Sprache im Chat 17
1.7 Verhalten im Chat 20
2 Chat-Kommunikation - Ursachen und Ausmaß. 22
2.1 Chatten - eine neue Freizeitgestaltung 22
2.2 Chatten aus Langeweile 25
2.3 Gesellschaftliche Gründe des Chattens 26
2.4 Chatten gehört zum medialen Alltag der Jugendlichen 27
2.5 Vorteile des Chattens 27
2.6 Nachteile des Chattens 27
3 Gefahren des Chattens 29
3.1 Chatten ohne Gefahr 29
3.2 Sicherheit im Chat 29
3.3 Internet und Jugendmedienschutz. 30
Kapitel : Inhaltsverzeichnis
4 Soziales Miteinander 31
4.1 Identität und Selbstdarstellung 31
4.2 Aspekte der Selbstdarstellung in der Chat-Kommunikation 32
4.3 Soziale Beziehungen und virtuelle Gemeinschaften. 33
4.4 Entwicklung von Beziehungen in einem Chat 34
4.4.1 Herabgesetzte Hemmschwelle 35
4.5 Virtuelle Gemeinschaften 36
6
Brigitte Wolf
4.6 Ehrlichkeit im Chat 37
4.7 Aggressivität beim Chatten 37
5 Gesellschaftliche Auswirkungen 38
5.1 Veränderungen durch neue Medien - Chat-Kommunikation 38
5.2 Chatsucht 38
5.3 Bessere Kommunikation durch Internetkommunikation 39
6 Schule und Chat 41
6.1 Einsatzmöglichkeiten des Chats 41
Empirischer Teil 47
7 Untersuchungsdesign 48
7.1 Dimensionen 48
7.2 Fragebogenkonstruktion 48
7.3 Auswertung der Fragenbögen 49
8 Analyse der Ergebnisse. 50
8.1 Demographische Angaben 50
8.1.1 Geschlecht 51
8.1.2 Schulbildung 51
8.1.3 Alter 52
8.2 Chatverhalten der Befragten 53
8.2.1 Chat-Kommunikation 54
8.2.2. Zeit und Ort 57
8.2.3 Gefahren 63
8.2.4 Soziales Miteinander 68
8.2.5 Schule und Chatten 80
8.3 Hypothesenüberprüfung 83
9 Zusammenfassung der Ergebnisse 84
Schlussfolgerung 86
Abbildungsverzeichnis 87
Kapitel : Inhaltsverzeichnis
Glossar 95
Literaturverzeichnis 87
Internetadressen 91
Anhang 97
H äufigkeitstabellen 101
7
Brigitte Wolf
Ziel dieser Arbeit - Einleitung
Laut einer Studie (Jänner 2008) nutzen 1,23 Milliarden Menschen das Internet in verschiedenen Formen. 1 Das Medium Internet spielt im Alltag von Jugendlichen eine immer größere Rolle. Viele Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren nutzen es regelmäßig. Für viele stehen die spielerisch-interaktiven Angebote im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang ist die Kommunikationsform „Chatten“ eine besondere Leidenschaft unter Jugendlichen. Menschen sprechen gerne miteinander - natürlich auch im Internet. 2
Was beeindruckt Jugendliche am Chatten?
Um diese Frage auf einer empirischen Basis zu untersuchen, habe ich 180 Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren befragt und deren Nutzungsmotive erforscht, die darüber einen Aufschluss geben, welchen Stellenwert die Chat-Kommunikation bei Jugendlichen einnimmt.
Im theoretischen Teil wird anhand verschiedener Themenblöcke die literarische Bearbeitung des Gegenstandes in der Vergangenheit beleuchtet. Dadurch wird eine Grundlage zum Verständnis des Themas geschaffen.
Im Detail handelt es sich bei diesem Themenblöcken und um Begriffserklärungen von:
• Allgemeines über die Chat-Kommunikation
• Ursachen und Ausmaß
• Gefahren des Chattens
• Soziales Miteinander
• Schule und Chat
8
Brigitte Wolf
Die Zusammenfassung der Ergebnisse ist ein ganzheitlicher Überblick über die Arbeit und lässt weitere Schlussfolgerungen zu. In einem abschließenden Kapitel werden die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung näher dargestellt und erläutert.
Ich hoffe, dass meine Bachelorarbeit der Leserin bzw. den Leser einen Anstoß gibt, sich eingehender mit der Thematik „Chat-Kommunikation von Jugendlichen“ zu befassen, bestehendes zu hinterfragen und den einen oder anderen Gedanken weiter zu verfolgen.
Brigitte Wolf
Theoretischer Teil
Um einen Überblick über die Thematik „Chatverhalten von Jugendlichen“ zu bekommen, ist es notwendig, die verwendeten Begriffe zu besprechen.
1 Chat-Kommunikation
1.1 Definition von Chatten
Als neue Alternative zum Telefon, Brief und Fax kann man im Internet schriftliche Dialoge von PC zu PC („Chat“) führen. Chatten („Tschätten“) ist eine neue Art der Kommunikation, welche viele Jugendliche seit dem Vormarsch des Internet begeistert. 3
"Chat" ist ein englisches Wort, das wir für den Computerbereich übernommen haben. "To chat" heißt auf Deutsch "plaudern" oder "schwatzen". Gemeint ist damit, dass man mit Hilfe des Computers mit anderen Menschen ein Schwätzchen hält. 4 Beim Chatten treffen ganze Personengruppen in einem virtuellen geschaffenen Raum (Chatroom) zusammen und kommunizieren mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Echtzeit. 5
Mit der Tastatur werden eigene Beiträge erstellt und gesendet, die jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer des Chats auf dem Bildschirm sehen kann. Die Tastatureingaben aller aktuellen Besucherinnen und Besucher, werden dabei in der Reihenfolge des Eintippens untereinander angezeigt. Es kommt ein synchroner textbasierter Dialog zustande.
Der Erfinder des Chats ist Jarkko Oikarinen, ein Student der Universität von Oulu (Finnland) im Jahre 1988. 6
Abbildung 2 (Seite 11) stellt einen synchronen Dialog aus einem Chat dar. (Logfile vom 9. Juli 2008; www.sms.at)
10
Brigitte Wolf
Auf den ersten Blick scheint nur ein zusammenhangloser Textstrom über den Bildschirm zu laufen. Versierte Chatterinnen und Chatter zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei aller Hektik den Überblick behalten, blitzschnell reagieren und mehrere Diskussionsstränge gleichzeitig verfolgen können. 7
Es gibt Chats mit bestimmten Themen oder das zwanglose Gespräch über alles und nichts. In einem Chat finden sich Menschen der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten zusammen. Man spricht im Zusammenhang mit Chats auch von Computer-Konferenzen oder Online-Dialogen. 8
Für Neuanfängerinnen bzw. Neuanfängern kann es sehr verwirrend sein, wenn sie zum ersten Mal in einem Chatraum mitdiskutieren. Es gibt einige Besonderheiten, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. So genannte Emoticons - kleine Kombinationen aus Tastaturzeichen - werden benutzt, um Stimmungen auszudrücken (Kapitel 1:
11
Brigitte Wolf
1.2 Was ist ein Chat?
In der Literatur wird ein Chat folgender Maßen definiert: 9
Meistens wird in Anlehnung an das ursprüngliche Kommunikationsprogramm Internet Relay Chat (IRC), übersetzt: „Internet übertragene Plauderei in Realtime (Echtzeit)“ eine Beschreibung abgegeben.
Begründet kann dies dadurch werden, das der IRC-Dienst, bereits Ende der 80er Jahre entwickelt wurde und bis zum Aufkommen des World Wide Web-Dienstes (WWW) in den 90er Jahren das dominierende Chatprogramm war. Erst mit dem Durchbruch des World Wide Webs sind sogenannte Web-Chats neu hinzugekommen.
Die Entwicklung der Web-Chats entwickelte sich sehr schnell. Im Jahre 1998 gab es gerade einmal 126 Chatrooms im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und der Schweiz), inzwischen ist die Zahl auf etwa 961 angestiegen. 11 Hier sind jedoch nur Web-Chats angesprochen, darüber hinaus gibt es viele weitere Chats (Chatangebote von Fernseh- und Radiosender, Fangruppen, …).
12
Brigitte Wolf
Durch diese dynamische Entwicklung ist es nicht einfach, die Chatangebote in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Schwierig ist es auch, die tatsächliche Zahl der Chat-Userinnen und User zu ermitteln. So existieren bis heute noch keine Chatstatistiken, die eine zuverlässige Auskunft geben könnten.
1.3 Chaträume
Das Chat-Angebot des Internet ist riesig und kaum zu überblicken. Jedoch haben eines alle gemeinsam: Die Anbieter profitieren von der Community-Bildung durch Chats. Jugendliche mit gleichen Interessen können sich im Chat kennen lernen und sich dort wieder treffen. Sie entwickeln dauerhafte „Chat-Gemeinschaften“. Eine solche Community erhöht sowohl den Bekanntheitsgrad als auch die Bindekraft einer Website. 12
Will man mit anderen Personen chatten, ruft man einen virtuellen Chatroom über einen Browser auf. Auf der Startseite wird man aufgefordert, sich einen selbstgewählten Pseudonym - dem sogenannten Nickname (Kapitel 1: 1.5 Gebrauch von Nicknames) anzumelden. Nachdem sich die Userin bzw. der User erfolgreich angemeldet hat, stehen unterschiedliche Chat-Channel zur Verfügung. Man kann öffentlich mit einer oder mit mehreren Personen gleichzeitig chatten oder nur mit einer bestimmten Person sich privat unterhalten. 13
Jeder „virtuelle“ Chatroom ist in einzelne Zimmer bzw. Gesprächskanäle „Channels“ unterteilt, denen anhand einer Überschrift ein bestimmtes Thema zugeordnet ist. Es handelt sich dabei um Phantasiebezeichnungen (Beispiele: Tagesträume, Sommer-Sonne-Strand-Meer, Zauberwald, Uni-Online, …).
Abbildung 4 (Seite 13) zeigt ein Beispiel von Chatroomnamen.
13
Brigitte Wolf
Die Themenbandbreite reicht vom einfachen Smalltalk über den technischen Wissensaustausch bis hin zum Flirttalk. Da das Themenspektrum sehr umfangreich ist, besuchen Jugendliche vorzugsweise gesellige Chatrooms, in denen Herumalbern und Plaudern sowie Flirten im Vordergrund stehen. Chats werden häufig mit „realen Cafés“ verglichen. Diese Kaffeehausatmosphäre ist dafür verantwortlich, dass Chatten im pädagogischen Umfeld einen „anrüchigen“ Geschmack bekommen hat:
„Denn in einem wirklichen Chat wird geflirtet, was das Zeug hält, da wird auch einmal geschimpft und geflucht, bedroht und bedrängt, fast wie im wirklichen Leben „Real Life“. (MAUSE 1997) 14
Abbildung 5 (Seite 14) stellt ein Logfile aus einer Chatsitzung vom 01. Juni 2008 aus der Ö3-Community (www.oe3.at) dar.
Arten von Chatrooms 15 1.4
Reine Chat-Portale und Community-Plattformen
14
Brigitte Wolf
Registrierungen, Fan-Shops und Vermietung von Chaträumen bei. Die Portale sind teilweise aus kleinen studentischen Privatinitiativen entstanden, haben sich aber zu gewinnträchtigen Jungunternehmen entwickelt.
Beispiele für reine Chat-Portale: Ö3 Chat, Yahoo!, …
Beispiele für Community-Plattformen: Beepworld, MySpace, SchuelerVZ, StudiVZ, …
Chats auf Websites von (Medien-) Unternehmen
Internetprovider, private und öffentlich-rechtliche Rundfunkanbieter sowie Zeitschriftenverlage bieten auf ihren Portalen auch Chaträume an. Der Anbieter kann eine Community etablieren, mit dieser in Kontakt treten und Trends erkennen.
Beispiele: Lycos-Chat, Toggo-Treff (SuperRTL), Tivi-Treff (ZDF), …
Gleiches gilt auch für Unternehmen außerhalb der Medienbranche, die über das Chat-Angebot auch eine gut besuchte Werbe- und Vermarktungsplattform für die Produkte des Unternehmens gewinnen wollen.
Beispiel: Diddls Plauderecke, …
Chats von Initiativen, Vereinen, Organisationen
Nichtkommerzielle Kinder-Chat-Anbieter haben das Ziel, einen kinderfreundlichen und sicheren Raum im Internet zu schaffen, in dem die jungen Chatterinnen und Chatter nicht von älteren Userinnen bzw. Usern belästigt oder von Werbebannern „überrollt“ werden. Häufig haben solche werbefreien Chats mit finanziellen und organisatorischen Widrigkeiten zu kämpfen, zB eingeschränkte Öffnungszeiten von wenigen Stunden pro Woche.
Beispiele: Seitenstark-Kinderchat, Schulweb, …
1.5 Gebrauch von Nicknames
Die Wahl eines Nicknamens (Nick) ist zu Beginn einer Chatsitzung notwendig. Die Nutzerin bzw. der Nutzer kann frei entscheiden, ob sie bzw. er seinen tatsächlichen Namen, Variationen davon oder einen Phantasienamen verwendet. Natürlich kann man den Nicknamen beliebig oft ändern, jedoch ständig wechselnde Nicks haben
Brigitte Wolf
einen geringen Wiedererkennungseffekt. Damit ein Nick nicht doppelt vergeben wird, kann man diesen registrieren und mit einem Passwort schützen lassen. Während des Registrierungsvorganges kann die Nutzerin bzw. der Nutzer ein eigenes steckbriefähnliches Profil erstellen (Angaben zur Person, Hobbys, …). Jede Chatterin bzw. jeder Chatter hat nun die Möglichkeit im Chat Informationen zu seiner Chatpartnerin bzw. seinem Chatpartner zu erhalten.
Abbildung 6 (Seite 16) stellt ein Profil eines Chatters dar.
Da ein Nickname das Erste ist, was im Chat von anderen Personen wahrgenommen wird, ist der Name bei der Eindrucksbildung von größerer Bedeutung wie im Real Life. Bei der Auswahl eines Nicknames sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Es gibt nun unterschiedliche Typen von Nicknames: 16
• Name, die selbstbezogene Informationen beinhalten (Ort, Alter, Aussehen, ..)
o Beispiele: Eva17, Jermey18m, …
• Name, die sich auf Begriffe im Computerbereich beziehen
16
Brigitte Wolf
Manche Nicks sind eindeutig geschlechtsspezifisch und bei vielen anderen ist die Geschlechtszugehörigkeit offen. Mit der Wahl eines neutralen oder gegengeschlechtlichen Nicknamens kann man seine wahre geschlechtliche Identität verbergen.
1.6 Sprache im Chat
In Chats werden häufig Abkürzungen und Smileys verwendet.
So genannte Emoticons - kleine Kombinationen aus Tastaturzeichen - werden zum Ausdrücken der Stimmung verwendet. Von Heiterkeit und Trauer bis hin zu komplizierten Emotionen wie Schadenfreude ist für fast jedes Gefühl ein passendes Emoticon vorhanden. Auch Abkürzungen, die fast immer einen englischsprachigen Ursprung haben, werden sowohl in Chats als auch in fast allen anderen Internet Kommunika-tionsformen eingesetzt. 17
Emoticons ist ein Kunstwort, welches aus zwei Wörtern - „Emotion“ und „Icon“ - zusammengesetzt ist. 18 Einige Beispiele für Emoticons: 19
Manche Programme machen es möglich, den Chat in eine komplexe virtuelle Welt zu verlegen, die über reinen Text hinausgeht. Dort haben die Chatterinnen und Chatter
17
Brigitte Wolf
die Möglichkeit, Bilder, die manchmal auch animiert sind, als Stellvertreter ihrer Online-Identität auszuwählen. Diese Figuren werden Avatare genannt. 20
Beispiel für Avatare (Abbildung 8):
Die nächsten Abbildungen (Abbildung 9, 10, 11) zeigen einige Beispiele von Emoticons aus verschiedenen Chatprogrammen:
18
Brigitte Wolf
einer Gruppe anzugehören. Der Aspekt der Gruppenzugehörigkeit trägt zur Festigung der neuen Sprache bei.
1.7 Verhalten im Chat
Bevor man sich in den Chat stürzt, sollte man einige Gesprächskonventionen kennen, die die Gesprächspartnerinnen bzw. Gesprächspartner erwarten. Man spricht von der Netiquette im Internet - einem Kunstwort aus „Netz“ und „Etikette“. Es handelt sich hierbei nicht um festgeschriebene Gesetze, sondern um eine Art freiwilliger Selbstkontrolle der Internet-Nutzerinnen und Nutzern. 22
Bei groben Verstößen gegen die Spielregeln, muss damit gerechnet werden, aus einem Chatroom geworfen zu werden.
Abbildung 13 (Seite 20) stellt einen kurzen Auszug aus einer Netiquette dar.
Generell sollte man beim Chatten keine Äußerungen von sich geben, die man nicht auch in einem realen Dialog sagen würde. 23
20
Brigitte Wolf
• Man sollte keine pornografischen Bilder oder Texte in Chaträumen verteilen.
• Dialogpartnerinnen und Dialogpartner sollte man nicht mit hasserfüllten oder persönlich verletzenden Bemerkungen belästigen.
• Man sollte nicht den allgemeinen Dialogverlauf durch Unmengen sinnloser Zeichenfolgen stören.
• Die Übermittlung von Werbebotschaften oder Kettenbriefen ist verboten.
Menschen im Chat, die gegen die Netiquette verstoßen, sollte man auf allgemeine Regeln hinweisen. 24
21
Brigitte Wolf
2 Chat-Kommunikation - Ursachen und Ausmaß
2.1 Chatten - eine neue Freizeitgestaltung
„Die Welt der Jugendlichen - die zwischen 13 und 20 Jahre alt sind - wird immer mehr durch neue Medien geprägt. Auch die Freizeit von Jugendlichen im beginnenden 21. Jahrhundert ist zu einem großen Teil medienbestimmt.“ 25
Wie gestalten Jugendliche ihre Freizeit? Spielen Medien wie der Computer für die Freizeitgestaltung eine wichtige Rolle?
Durch die zunehmende Vielzahl und Vielfalt neuer Medien, wie Multimedia-Anwendungen, Computerspiele, sowie Onlineangebote (Internet) - wird befürchtet, dass Jugendliche immer mehr Zeit mit neuen Medien verbringen und sich berieseln lassen. 26
Die Österreicherinnen und Österreicher lieben das Internet. Generell boomt das Internet in Österreich, das seit Jahren konstant anhält.
67 % der Österreicherinnen und Österreicher ab 14 Jahren sind aktive Internet-Userinnen und Internet-User. Damit befindet sich Österreich nach wie vor im europäischen Vergleich nach den nordischen Staaten Island (90 %), Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen im Spitzenfeld. 27
22
Brigitte Wolf
Bei dieser Statistik aus dem Jahre 2002 kann man erkennen, dass sich bereits sehr viele Jugendliche mit dem Computer bzw. Internet befassten (Computerarbeiten 14 %; spielen am Computer 12 %).
Nun möchte ich den Focus stärker auf den Computer setzen und zeige weitere Statisti-
23
Brigitte Wolf
Arbeit zitieren:
Brigitte Wolf, 2009, Chatkommunikation - Jugendliche und das Chatten, München, GRIN Verlag GmbH
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