1 Einleitung 2
1 Einleitung
„Die Prozesse der Internationalisierung nahezu aller gesellschaftlicher Sphären, vor allem im Bereich der technologischen und ökonomischen Entwicklung sowie der Schaffung eines europäischen Wirtschaftsraumes und Arbeitsmarktes erfordern die Etablierung von Berufsbildungsstrukturen für den intermediären Beschäftigungssektor“ (Institut für Technik und Betriebsführung, 2011).
Diese Forderungen der europäischen Arbeitsgruppe der Universität Bremen sind nicht neu. Im Zuge der Globalisierung findet im Sektor der Berufsbildung eine Veränderung statt, welche unter anderem mit dem Bologna-Prozess von 1999 zu begründen ist. Die Ausgestaltung des europäischen Bildungsraums schreitet somit mit hoher Geschwindigkeit voran. Dies ist auch dringend notwendig, um den exzellenten wirtschaftlichen Stand Europas in der Welt zu sichern und auszubauen. In Zeiten zunehmender Globalisierung steigt der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften. Daher ist es wichtig, einen hohen Qualifikationsstandard der europäischen Bevölkerung zu gewährleisten. Neben einer Anhebung des allgemeinen Qualifikationsniveaus bedarf es einer Verbesserung der Durchlässigkeit und Transparenz der europäischen Berufs- und Bildungssysteme, um die steigende Nachfrage des Arbeitsmarktes nach hoher Qualifikation besser decken zu können. Diese bildungspolitischen Fragen stellen für jedes Land und für jeden Staat eine große Herausforderung dar. Bisher hatte jedes EU-Mitgliedsland für diese Fragen meist eigene Antworten und Erfordernisse, doch die stetig fortschreitende Globalisierung führte schon in der Vergangenheit dazu, dass sich Staaten und Länder innerhalb der heutigen europäischen Union (EU) bei der Frage der Berufsbildung gegenseitig unterstützten und Hilfestellung leisteten. Eine diesbezüglich herausragende Rolle in der Geschichte der EU spielte und spielt auch heute noch das europäische Zentrum zur Förderung der Berufsbildung (Cedefop 1 ). Dessen Aufgabe besteht unter anderem darin, einen europäischen Raum des lebenslangen Lernens in der EU zu fördern. Dies geschieht durch die Bereitstellung von Informationen und Analysen der beruflichen Aus- und Weiterbildungssysteme, Politik, Forschung und Praxis (vgl. Panorama, 2002, S. 5). Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte, der Organisation, den Aufgaben und der Relevanz dieses europäischen Zentrums für die Gesellschaft und verschiedene Individuen. Am Ende
1 'Cedefop' ist die französische Abkürzung für das europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (CEntreEUropéenPour le Dédéveloppement De La FormationenPRofessionnelle).
2 Die Geschichte des Cedefop 3
soll im Fazit ein kurzes Resümee bezüglich der Bedeutsamkeit des Cedefop für die Entwicklung der Berufsbildung innerhalb der europäischen Union gezogen werden.
2 Die Geschichte des Cedefop
2.1 Der Weg bis zur Gründung des Cedefop
Zu Beginn des europäischen Einigungsprozesses in den 1950er Jahren hatten viele Nationen große Probleme wirtschaftlicher und sozialer Natur. Unter anderem sorgten hohe Arbeitslosenquoten, Wohnungsmangel und die häufig notwendigen Reformen im Bildungswesen der einzelnen Nationen für Schwierigkeiten. Vorerst wollten die Staaten ihre Probleme innerstaatlich regeln. Soziale Fragen und damit auch die Frage der Berufsbildung wollte man auf nationaler Ebene beantworten, Ausnahme war an dieser Stelle Italien. Die besondere Schwere der sozialen und wirtschaftlichen Probleme Italiens, vor allem begründet durch einen hohen Arbeitskräfteüberschuss, ließ die italienische Regierung den Fokus auf Europa richten. Mit der Gründung der europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1957 zeichnete sich zwar ein schwaches Bild für eine gemeinsame europäische Sozialpolitik ab, welches jedoch mit Ausnahme von Italien vorsichtig betrachtet wurde. Erst 1961 erklärte ein italienisches Kommissionsmitglied die dringende Notwendigkeit einer Koordinierung der Berufsbildungspolitik. Diese Forderung wurde im Jahr 1963 in einem beratenden Ausschuss für Berufsbildung gehört. Die Mitgliederzahl des Ausschusses beschränkte sich auf 36 und der Fokus lag vor allem auf der Landwirtschaft. Die Wende der Sozialpolitik auf europäischer Ebene vollzog sich somit zwischen 1960 und 1970. Gründe hierfür waren die Studentenbewegungen, die soziale Erfordernisse und die Notwendigkeit von Bildungsreformen zum Ausdruck brachten, die immer stärker werdende Rolle der Gewerkschaften und die schwere Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1970er Jahre. In Folge dessen machte das deutsche Kommissionsmitglied Maria Weber die Notwendigkeit für die Gründung eines europäischen Zentrums für Berufsbildung klar. Berufsbildung sollte von nun an die wirksamste Lösung für viele wirtschaftliche und soziale Probleme sein, wobei das 1969 in Deutschland gegründete Bundesinstitut für Berufsbildungsforschung (BIBB) als Vorbild fungieren sollte. Erst nach 1974 wurde vom europäischen Rat das erste Aktionsprogramm, welches die Gründung eines Zentrums für Berufsbildung als Ziel hatte, vorgelegt. Die Arbeitsaufnahme des Zentrums sollte demnach 1975 sein und der Sitz in West- Berlin. Am zehnten Februar des gleichen Jahres wurde die Verordnung über die
3 Die Organisation des Cedefop 4
Errichtung eines europäischen Zentrums für Berufsbildung (Cedefop) erlassen (vgl. Europäische Zeitschrift, 2004, S. 71-75 und auch Schanz, 2006, S. 108).
2.2 Von den Anfängen des Cedefop bis heute
Nachdem die Verordnung zur Gründung des Cedefop erlassen war, das Personal eingestellt, der erste Direktor Carl Jørgensen bestimmt und der Sitz in West- Berlin mit Büromaterial ausgestattet war, begann die Ermittlung der Hauptthemen. Im Wesentlichen beschränkte es sich auf das Hauptthema Jugendarbeitslosigkeit. Ein im Jahr 1977 aufgelegtes Arbeitsprogramm sah die Veröffentlichung eines Bulletins, die Sammlung und Verarbeitung von Dokumenten und eine Studie zum Thema Jugendarbeitslosigkeit vor. Die Anfangsphase des Cedefop war durch viele Probleme gekennzeichnet. Bis 1982 gab es immer wieder personelle Engpässe und die Finanzmittel, die zur Verfügung standen, konnten nicht effizient eingesetzt werden. Der dritte Direktor, nach dem Franzosen Roger Faist, war der Deutsche Ernst Piehl. Er veranlasste mehr Veröffentlichungen des Cedfop und wusste dadurch die Finanzmittel effektiver zu nutzten. Der Mauerfall in Deutschland 1989 und der damit verbundene Vertrag von Maastricht 1992 hatten verheerende Folgen für das Cedefop. Dadurch, dass die europäische Zentralbank (EZB) von nun an in Deutschland ihren Sitz haben sollte, war Griechenland das einzige Mitgliedsland der EU ohne eine europäische Institution, was zur einer Verlegung des Sitzes des Cedefop von Berlin nach Thessaloniki in Griechenland führte. Dieser Umzug im Jahr 1995 brachte personelle Probleme mit sich, welche jedoch relativ schnell behoben werden konnten. Das Personal wurde unter dem neuen Direktor Johann van Rens sogar auf 79 Mitarbeiter aufgestockt. Bis heute befindet sich das Cedefop in Thessaloniki unter dem seit 2010 amtierenden Direktor Christian Lettmayr (vgl. Europäische Zeitschrift; Berufsbildung, 2004, S. 75 ff.).
3 Die Organisation des Cedefop
Das Cedefop ist eine sogenannte Fachagentur der europäischen Union. Neben vielen anderen Fachagenturen, wie beispielsweise der europäischen Umweltagentur (EEA) oder der europäischen Arzneimittelagentur (EMA), unterscheiden sich diese wesentlich von den Hauptorganen der EU. Die Fachagenturen befassen sich mit spezifisch technischen, wissenschaftlichen oder verwaltungstechnischen Aufgaben (vgl. Das Portal der europäischen Union, 2011). Das Cedefop besteht aus einer Direktion, mit dem amtierenden Direktor Christian Lettmayr und den der Direktion
Die Aufgaben des Cedefop 5
zugeordneten Stäben der Berichtserstattung und des juristischen Dienstes. Darunter gehören die vier Hauptbereiche: „Forschung und politische Analyse“, „Verstärkte Zusammenarbeit in der Berufsbildung und des lebenslangen Lernens“, „Kommunikation, Information und Verbreitung“, sowie der Bereich „Ressourcen“ (vgl. Cedefop; About us, 2011). Des Weiteren existieren noch diverse Abteilungen im Bereich der Verwaltung, dessen explizite Nennungen würden jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Eine Übersicht über das Organigramm des Cedefop zeigt Abbildung 1.
who/1095.aspx
4 Die Aufgaben des Cedefop
4.1 Die allgemeinen Aufgaben
„Allgemeine und berufliche Bildung (…) bilden die Grundlage für das künftige Wachstum Europas und das Wohl seiner Bürger.“ (Cedefop, 2009, S. 4). Dieses Zitat des Rates der europäischen Union stellt gut dar, wie wichtig der Erwerb von
Arbeit zitieren:
Tim Mehlig, 2011, Cedefop - Übersicht über eine europäische Fachagentur, München, GRIN Verlag GmbH
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