1
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung. 2
2. Die Genese der britischen Arbeitnehmervertretung. 4
3. Die Arbeitsbeziehungen im Spannungsfeld. 6
3.1 Voluntarismus. 6
3.2 Thatcherismus. 8
4. Shop Stewards als charakteristischer Betstandteil
des Konfliktes. 13
4.1 Entstehung. 13
4.2 Verbreitung. 15
4.3 Funktionen. 17
4.4 Shop Stewards im Spannungsfeld. 19
5. Tendenzen und Ausblicke. 21
Literaturverzeichnis 23
Den verschiedenen Arbeitnehmervertretungen, allen voran den Gewerkschaften, kommt vor allem in Zeiten der wirtschaftlichen Depression eine besondere Aufmerksamkeit zu. In aktuellen politischen Diskussionen ist dieser Trend wieder deutlich zu spüren.
Gegner der kollektiven Arbeitnehmervertretung werfen den Gewerkschaften vor, sie seien „Bremser“ und würden jegliche notwendigen Reformen, die in der Regel auf eine deutliche Liberalisierung der Arbeitsbeziehungen und des Arbeitsmarktes hinauslaufen, verhindern. Vor allem von Seiten der Arbeitgebervertretung und konservativen oder liberalen politischen Kräften wird eine deutliche Reduzierung der kollektiven Macht der Gewerkschaften gefordert, da nur durch eine Individualisierung der Arbeitsbeziehungen ein Ausweg aus dem ökonomischen Niedergang zu erreichen sei. Befürworter der Gewerkschaften dagegen weißen in diesen Zeit umso stärker daraufhin, dass die depressiven Tendenzen nur durch eine Machtausweitung der kollektiven Arbeitnehmervertretung zu erreichen sei. Als wichtigster Punkt wird hier von den Gewerkschaften selbst, aber auch von sozialdemokratischen oder sozialistischen Vertretern, das sogenannte Kaufkraftargument als Unterstützung für die eigene Theorie gebraucht. Außerdem wird auf eine hohe Unsicherheit unter den Konsumenten hingewiesen, die nur durch eine deutliche Stärkung der Gewerkschaften beseitigt werden könne.
Diese Positionen stehen sich in fast allen Demokratien der Welt recht deutlich und oft nahezu unvereinbar gegenüber. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die Arbeitsbeziehungen Großbritanniens. Dieses Land weißt nicht nur eine besonders lange gewerkschaftliche Tradition auf, sondern es wurde auch wie kaum ein zweites Staatengebilde im westlichen Europa insbesondere in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts durch starke Veränderungen innerhalb der Arbeitsbeziehungen erschüttert.
3
Diese Veränderungen waren keinesfalls ohne größere politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen zu erreichen, die sich vor allem um das oben erwähnte Spannungsfeld zwischen Kollektivismus und Individualismus drehten. Weiterhin ragt dieses Spannungsfeld in Großbritannien sogar bis in die Gewerkschaften an sich hinein, da auch die verschiedenen Arbeitnehmerzusammenschlüsse als eigenständiger Akteur betrachtet immer wieder vor der Entscheidung standen mit anderen Vereinigungen zu kooperieren oder möglichst eigenständig zu bleiben.
Innerhalb dieser Hausarbeit ist es nun mein Ziel einen Ausblick zu geben, zu welchem Pol des Feldes sich die Arbeitsbeziehungen in Großbritannien zukünftig bewegen werden und was dies vor allem für die Arbeitnehmervertretung bedeuten könnte. Um dies zu erreichen möchte ich zunächst im Kapitel 2 die Genese der britischen Arbeitsbeziehungen beschreibend darlegen, da man nur durch eine Kenntnis der geschichtlichen Hintergründe zu einem objektiven Bild gelangen kann. In Kapitel 3 möchte ich dann die britische Tradition des Voluntarismus beleuchten und auch auf den beschriebenen Konflikt innerhalb dieser Grundsätze der britischen Arbeitsbeziehungen eingehen(3.1), worauf ich anschließend die dramatischen Veränderungen durch den Thatcherismus und seine Auswirkungen auf das Spannungsfeld darlegen werde.
Im 4. Kapitel soll dann mit den Shop Stewards eine britische Besonderheit erwähnt werden, die sehr dazu geeignet ist unser Problem weiter zu beleuchten, da die Shop Stewards immer ganz besonders zum Spielball dieses Konfliktes wurden. Innerhalb des 4. Kapitels möchte ich dabei wiederum kurz auf die geschichtlichen Hintergründe eingehen (4.1), bevor ich die Verbreitung (4.2) und die Funktionen (4.3) der Shop Stewards darlegen werde, um schließlich in 4.4 eine Aussage über die Position der Shop Stewards im Spannungsfeld treffen zu können.
Das Kapitel 5 bildet schließlich den Abschluss und die Beantwortung der von mir aufgeworfenen Frage. Auf der Grundlage der Kapitel 1-4 möchte ich versuchen ein Bild darüber zu vermitteln, wohin sich die britischen Ar-
4
beitsbeziehungen zukünftig bewegen könnten und welche Folgen daraus für die Gewerkschaften entstehen könnten.
2. Die Genese der britischen Arbeitnehmervertretung
Die Arbeitnehmervertretungen in Großbritannien werden oft als der Ursprung der organisierten Arbeitnehmerzusammenschlüsse bezeichnet, da wohl in keinem anderen Land der Welt die Gewerkschaften auf eine längere Tradition zurückblicken können als im Vereinigten Königreich ( McIllroy 1995, S. 1 ).
Dies war eine Folge der frühen Industrialisierung Großbritanniens. Das Vereinigte Königreich war das erste Land, welches eine nennenswerte Industrialisierung erfuhr, ein Prozess der für große Teile der Bevölkerung mit großen Veränderungen verbunden war ( Goodman u.a. 1998, S. 36 ). Nachdem die britischen Inseln zur „Werkstatt der Welt“ geworden waren, zeigten sich immer mehr die für die Arbeitnehmer negativen Konsequenzen dieser Umwälzungen wie fehlende Absicherungen im Krankheitsfalle, niedrige Löhne, unmenschliche Arbeitsbedingungen und vieles andere mehr. Der Kapitalismus zeigte durch die fehlenden Regelungen zum Schutze der Arbeiter seine negativen Auswirkungen auf die Gesellschaft immer deutlicher. Die Arbeitskräfte waren für die Besitzer des Produktionskapitals lediglich ein Kostenfaktor, den es zu minimieren galt ohne dabei die menschliche Bedürfnisse der Arbeiterklasse zu berücksichtigen ( Dürr 1979, S. 11 ).
Die erste Reaktion der Lohnabhängigen auf diese Entwicklungen waren militante Wiederstandsbewegungen wie die „Luddite-Bewegung“ aus dem Jahre 1812, die Produktionskapital wie Maschinen und Fabrikgebäude gewaltsam beschädigten oder zerstörten und eine ökonomische Neuordnung zum Ziel hatten ( Degen 1976, S. 25 ).
5
Dieser gewaltsame Kampf gegen den Kapitalismus war allerdings von herben Rückschlägen für die Arbeitnehmer gekennzeichnet. Das städtische Proletariat war aufgrund von ungeheuer erschwerten Lebensbedingungen nicht in der Lage den Wiederstand wirksam gegen Adel und Arbeitgeber zu organisieren, die auch über eine starke Mehrheit in den beiden britischen Parlamentskammern und in den Gerichtshöfen verfügten ( Degen 1976, S. 26 ).
Durch diesen nahezu aussichtlosen Kampf setzte innerhalb der Arbeiterklasse ein allmählicher Sinneswandel ein und die Einstellungen zur Industriellen Revolution und zum Kapitalismus änderten sich dramatisch. Man hatte eingesehen, dass man mit dem gewaltsamen Kampf gegen den Kapitalismus keine nennenswerten Verbesserungen für die eigene Klasse erreichen konnte. Die militanten Abwehrversuche gegenüber der Industriellen Revolution traten immer weiter in den Hintergrund. Stattdessen akzeptierte man die kapitalistische Wirtschaftordnung zunehmend als den Handlungsrahmen innerhalb dessen man versuchte die Ziele des Proletariats mit weitgehend friedlichen Mitteln zu verwirklichen ( Degen 1976, S. 26). Ab 1850 schaffte es der Staat auch durch leichte Verbesserungen der sozialen Bedingungen der Arbeiterklasse, dass die Industrielle Revolution in den Augen der meisten Arbeiter als ein historisch weit zurückliegendes Ereignis angesehen und akzeptiert wurde. Das Proletariat konzentrierte sich nun darauf seine Kräfte innerhalb der neuen Wirtschaftsordnung zu bündeln. Im Zuge dieser Entwicklungen kam es zur Gründung erster größerer Gewerkschaften, die auf friedlichem Wege für eine verbesserte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung eintraten. Als Meilenstein in dieser Entwicklung kann wohl die Gründung der „Amalgamated Society of Engineers“ (A.S.E.) im Jahre 1851 bezeichnet werden. Die A.S.E. war die erste Gewerkschaft, die aus einem nationalen Zusammenschluss von mehreren kleinen, in der Regel lokal begrenzt auftretenden, Handwerksvertretungen hervorging und eine Interessenvertretung für die Lohnabhängigen in der Maschinenbau- und Metallindustrie darstellte. Dies kann durchaus als Ausgangspunkt der
Arbeit zitieren:
Markus Baldus, 2003, Die Arbeitsbeziehungen Großbritanniens im Spannungsfeld zwischen Kollektivismus und Individualismus - unter besonderer Berücksichtung der Shop Stewards, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Merkmale des Naturalismus aufgezeigt am Werk "Die Weber"...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Die Ideologie des islamischen Fundamentalismus und ihre gesellschaftli...
Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges
Hausarbeit, 25 Seiten
Modularisierung auf der Prozessebene
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 30 Seiten
Mitgliederentwicklung in Deutschland - Welche nationalspezifischen Fak...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Seminararbeit, 18 Seiten
Markus Baldus's Text Die Arbeitsbeziehungen Großbritanniens im Spannungsfeld zwischen Kollektivismus und Individualismus - unter besonderer Berücksichtung der Shop Stewards ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Markus Baldus hat den Text Die Arbeitsbeziehungen Großbritanniens im Spannungsfeld zwischen Kollektivismus und Individualismus - unter besonderer Berücksichtung der Shop Stewards veröffentlicht
Markus Baldus hat einen neuen Text hochgeladen
Trade Union Officers: A Study of the Full-Time Officers, Branch Secret...
H. A. Clegg, Hugh A. Clegg, A. J. Killick
Der Schutz bekannter Marken unter besonderer Berücksichtigung der zivi...
Vertrags- und Haftungsfragen u...
Enzo Baiocchi
0 Kommentare