- 2 -
Inhalt
1. Einleitung 3
1.1 Aufgabenstellung und Vorgehensweise 3
1.2 Die Beziehung zwischen Aktiv und Passiv 3
2. Englische Passivkonstruktionen 6
2.1 Das indirekte Passiv 6
2.2 Passive Verben des Sagens und Denkens 8
2.3 Das Zustandspassiv 9
2.4 Passivkonstruktionen mit get und have 11
2.4.1 Das get-Passiv 11
2.4.2 Das have-Passiv 13
2.5 Das Mediopassiv 14
2.6 Andere Bildungen des Passivs 15
3. Das Präpositionalpassiv 17
3.1 Die Passivierung von Präpositionalverben (inherent preposition verbs) 17
3.2 Die Passivbildung bei phrasal verbs 19
3.3 Präpositionale Nominalphrasen als Subjekte von Passivsätzen 21
4. Fazit 26
Literatur 28
- 3 - 1.Einleitung
1.1 Aufgabenstellung und Vorgehensweise
In dieser Arbeit sollen englische Passivkonstruktionen und ihre semantischen Grundlagen behandelt werden. Für das Herangehen an diese Aufgabenstellung erweist es sich als hilfreich, zunächst zu klären, welche Beziehung das Passiv zu dem ihm entgegenstehenden Genus Verbi, dem Aktiv, besitzt. Daher soll in einem zweiten einleitenden Teil kurz die Annahme einer Transformation des Passivs aus dem Aktiv erörtert werden. In diesem Zusammenhang spielen auch Fragen nach den Relationen von syntaktischen und semantischen Kategorien eine Rolle, die im weiteren Verlauf der Arbeit Beachtung finden sollen. Insbesondere werden der semantische Gehalt des Passivs im Unterschied zum Aktiv und semantische sowie syntaktische Restriktionen für die Passivierung von Interesse sein. Diese Betrachtungen sollen anhand der Darstellung einiger englischer Passivkonstruktionen vollzogen werden. Eine Passivkonstruktion, und zwar das Präpositionalpassiv, wird hierbei hinsichtlich seiner Beschränkungen und seines semantischen Gehalts ausführlicher behandelt werden. Die Auswahl der Passivformen erfolgt unter kontrastivem Gesichtspunkt, d.h., daß vor allem solche Konstruktionen behandelt werden, die aus Sicht des Deutschen ungewöhnlich wirken bzw. geeignet erscheinen, dem deutschen Englischlerner Probleme zu bereiten. Eine zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse bildet den Abschluß der Arbeit.
1.2 Die Beziehung zwischen Aktiv und Passiv
Mit Beginn der Transformationsgrammatik wurde das Passiv in einer transformationellen Beziehung zum Aktiv gesehen, wobei Passivkonstruktionen als Ableitungen von zugrundeliegenden Aktivsätzen aufgefaßt wurden 1 . Bei der Passivtransformation wird von aktiven Sätzen mit transitiven Verben ausgegangen, wie sie z.B. die Sätze 1) und 2) darstellen:
1 Ekkehard König: Englische Syntax II. Struktur des einfachen Satzes. Frankfurt a. M.: Athenäum Verlag 1973. S. 58.
- 4 - 1) Maryhit John.
2) Paul had damaged the car.
Diesen beiden Sätzen unterliegt die syntaktische Struktur NP 1 Aux V NP 2 , in der Aux sowohl für Modalverben als auch für das Tempus des Satzes steht. 2 Bei der Umwandlung dieser Aktivsätze ins Passiv werden mehrere, hier nicht weiter zu beschreibende Transformationsschritte wie Permutation, Substitution, Deletion und Addition angewandt, für die sich eine zusammenfassende Passivtransformationsregel aufstellen lässt: NP 1 Aux V Np 2 => NP 2 Aux be Ven (by Np 1 ) 3 . Nach dieser Regel ergeben sich für 1) und 2) folgende Passivsätze:
3) John was hit by Mary.
4) The car had been damaged by Paul.
Die Annahme des Passivs als Ableitung aus zugrundeliegenden Aktivsätzen findet jedoch auch Kritik. So kritisieren Dirven und Radden beispielsweise, daß das Passiv in der Transformationsgrammatik ausschließlich als syntaktische Kategorie, als aus der Tiefenstruktur transformierte Oberflächenstruktur betrachtet wird, während der Bedeutungsgehalt passivischer Konstruktionen nicht angemessen behandelt wird 4 . Ebenso stellt Hüllen heraus, daß im transformationsgrammatischen Modell insbesondere semantische Merkmale des Passivs zugunsten einer exakten, gut nachvollziehbaren, aber vereinfachten Darstellung vernachlässigt worden sind. 5 Als Argument gegen die Vorstellung einer Passiv-transformation und zur Betonung des Stellenwerts, den die Semantik des Passivs besitzt, wird u. a. angeführt, daß die Bedeutung aktivischer Sätze bei einer Transformation ins Passiv nicht immer unverändert bleibt. Eine Äquivalenz der Bedeutungen wird jedoch als Voraussetzung für Transformationen angesehen. 6
5) Every Student in this class read two books.
2 Rene Dirven u. Günter Radden: Semantische Syntax des Englischen. Wiesbaden: Athenaion 1977. (= Schwerpunkte der Linguistik und Kommunikationswissenschaft; Bd. 13) S. 189.
3 Ebd. S. 190.
4 Ebd. S. 190f.
5 Werner Hüllen: Linguistik und Englischunterricht 2. Heidelberg: Quelle & Meyer 1976. S. 59.
6 Vgl. Dirven u. Radden: Semantische Syntax des Englischen. S. 192.
- 5 - 6) Twobooks were read by every student in this class.
Während es in Satz 5) unbestimmt ist, welche Bücher jeder einzelne Student gelesen hat, sind es in Satz 6) zwei bestimmte Bücher, die von jedem Studenten gelesen wurden. Somit wird deutlich, daß die Passivtransformation eine Bedeutungsveränderung zur Folge hat und daher die für die Transformationsgrammatik angenommene Voraussetzung hier nicht gegeben zu sein scheint. Gegen die Passivtransformation kann weiterhin die Tatsache angeführt werden, daß nicht bei allen transitiven Verben eine Umwandlung von Aktiv- in Passivkonstruktionen möglich ist bzw. bestimmte Formen des Passivs nicht ohne weiteres in aktivische Sätze umwandelbar sind. Als transitive Verben, die nicht passivierbar sind, können z. B. Besitzverben (Satz 7)) und symmetrische Verben, d.h. zweiwertige Verben mit dem Rollenrahmen [- O, O] 7 (Satz 8)) genannt werden.
7a) John has two cars.
b)*Two cars are had by John.
Ausnahme: Two cars are owned by John.
8a) Mike resembles my father.
b) * My father is resembled by Mike.
Passivische Konstruktionen mit transitiven Verben, für die keine adäquaten Aktivkonstruktionen existieren, liegen z. B. bei den Verben des Sagens und Denkens 8 vor:
9) John is said to be clever.
Die semantischen Besonderheiten solcher Passivkonstruktionen im Vergleich zum Aktiv werden in einem späteren Abschnitt noch eingehender behandelt werden.
7 Hier ist die Rolleneinteilung nach Dirven und Radden übernommen worden, auch wenn die Definition der Rolle Objektiv bei Dirven und Radden nicht unproblematisch erscheint. Vgl. Dirven u. Radden: Semantische Syntax des Englischen. S. 146, 193.
8 Wolf Friederich: Technik des Übersetzens. Englisch und Deutsch. 4. Aufl. München: Max Hueber Verlag 1977. S. 87.
- 6 - Eszeigt sich, daß die Passivtransformation Restriktionen unterliegt, die insbesondere semantisch begründet sind. Angesichts solcher Beschränkungen, wie sie hier nur beispielhaft angesprochen werden konnten, stellt Hüllen gar die Frage, ob die Annahme einer Umkehrbarkeit von Aktiv und Passiv überhaupt Gültigkeit besitzt. 9 Es muß jedoch festgehalten werden, daß die bei der Anwendung der Passivtransformationsregel auftretenden semantischen Schwierigkeiten natürlich noch nicht als ein Beweis für das Versagen der Transformationsgrammatik gewertet werden können. So führt König aus, daß zum einen für die Passivtransformationsregel durchaus Ausnahmen bestehen können, ohne daß die Regel an sich schon an Gültigkeit verliert. Zum anderen macht er deutlich, daß die formale Darstellung der Passiverzeugung in einer solchen Weise ergänzt und erweitert werden kann, daß zumindest einige der Schwierigkeiten bei der Passivtransformation beseitigt werden. 10 Und auch Dirven und Radden bezeichnen die Passivtransformation trotz aller Kritik als geeignete Möglichkeit der Sprachbeschreibung. 11 Sie bietet nicht zuletzt Exaktheit und formale Überprüfbarkeit. Die semantischen Besonderheiten des Passivs dürfen dabei jedoch nicht übersehen werden.
Im folgenden sollen einige englische Passivkonstruktionen betrachtet und auch ihre semantischen Grundlagen bedacht werden. Die Auswahl der hier zu behandelnden Konstruktionen ist insofern kontrastiv ausgerichtet, als insbesondere solche Passivbildungen angesprochen werden, die dem deutschen Gebrauch des Passivs nicht entsprechen bzw. besondere Probleme für den deutschen Englischlerner aufweisen.
2. Englische Passivkonstruktionen
2.1 Das indirekte Passiv
Bei dreiwertigen Verben, die neben dem direkten auch ein indirektes Objekt besitzen, gibt es im Englischen im Unterschied zum Deutschen zwei Möglichkeiten der Passivbildung.
9 Hüllen: Linguistik und Englischunterricht 2. S. 62.
10 Vgl. König: Englische Syntax II. S. 60-62.
11 Vgl. Dirven u. Radden: Semantische Syntax des Englischen. S. 193.
- 7 - Sowohldas direkte als auch das indirekte Objekt können zum Subjekt des Passivsatzes werden.
10a) John gave a cigarette to Mary.
b) A cigarette was given to Mary (by John).
c) Mary was given a cigarette (by John).
Das Deutsche läßt dagegen nur das direkte Objekt als Subjekt des Passivsatzes zu.
11a) Eine Zigarette wurde Mary gegeben.
b) Mary wurde eine Zigarette gegeben.
Zwar kann das indirekte Objekt Mary wie in 11b) an den Satzanfang rücken, was typischerweise auch geschieht, doch zeigt eine Substitution durch ein Pronomen, daß die für die Subjektivierung notwendige Nominativform bei Mary hier nicht vorliegt. 12
12a) Ihr wurde eine Zigarette gegeben.
b) Mary wurde sie gegeben.
In 11b) bleibt eine Zigarette das Subjekt des Satzes. In 10c) ist die Präposition vor dem direkten Objekt Mary nicht mehr vorhanden. Die Tilgung der Präposition ist dann leicht zu erklären, wenn man annimmt, daß vor der Passivtransformation des Satzes 10a) zunächst eine Umstellung des indirekten Objektes vorgenommen wird, die dieses direkt hinter das Verb rückt.
John gave a cigarette to Mary. -> John gave Mary a cigarette.
Durch die Objektumstellung verliert das indirekte Objekt seine Präposition; durch eine nun erfolgende Passivtransformation kann 10c) erzeugt werden. 13 Zu ergänzen ist, daß bei dreiwertigen Verben, deren indirektes Objekt nicht mit der Präposition to, sondern mit for
12 Dirven u. Radden: Semantische Syntax des Englischen . S. 195.
Arbeit zitieren:
Dr. Jens Saathoff, 1993, Englische Passivkonstruktionen und ihre semantischen Grundlagen, München, GRIN Verlag GmbH
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