Mario Braun Theorieprojekt BASA 08
Berufswahltheorien im Kontext schulischer Maßnahmen zur Studien- und Berufswahlorientierung
Inhalt :
Inhaltsverzeichnis................................................................................................. 2
1. Einführung 3
2. Definitionen
2.1. Berufswahl 5
2.2. Studien- und Berufswahlorientierung 5
2.3. Ausbildungsreife 6
2.4. Studierfähigkeit als Ziel gymnasialer Bildung 6
3. Zur Berufswahlforschung 7
4. Theorien der Berufswahl 8
4.1. Der „person-job-fit“-Ansatz 8
4.2. Der Entscheidungstheoretische Ansatz 11
4.3. Der Entwicklungspsychologische Ansatz 13
4.4. Der Allokationstheoretische Ansatz 15
5. Transfer in die Praxis der Studien- und Berufswahlorientierung 17
6. Studien- und Berufswahlkompetenz 18
7. Schlussfolgerungen für die Studien- und Berufswahlorientierung am
Gymnasium 19
Quellenverzeichnis 21
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Berufswahltheorien im Kontext schulischer Maßnahmen zur Studien- und Berufswahlorientierung
1. Einführung
Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe stehen vor der schwierigen Entscheidung für einen der zahlreichen möglichen Bildungswege nach dem Abitur: Studium, Berufsausbildung, Freiwilliges Soziales Jahr, Auslandsaufenthalt, Praktikum - die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt.
Schule leistet einen wesentlichen Beitrag, junge Menschen auf diese Entscheidung vorzubereiten. Und sie trifft in diesem Prozess auf Partner wie Eltern, Wirtschaft und Hochschulen. Positive Rahmenbedingungen, wie etwa die Verankerung des Themenfeldes zumindest als Verweis in den Lehrplänen der einzelnen Bundesländer, fördern die Verstetigung solcher Maßnahmen, die der umfassenden Vorbereitung von Schülerinnen und Schülern auf den späteren Übergang in Ausbildung und Studium dienen.
Die „Hinführung zur Berufs- und Arbeitswelt“ wurde 1993 durch die Kultusministerkonferenz (KMK) für die Sekundarstufe I in allen Schulformen vorgeschrieben. Eine Präzisierung hierzu fand jedoch nicht statt. Es gibt kein einheitliches Konzept für die Einbettung berufsorientierender Inhalte in den Lehrplan. Das Themenfeld Arbeitslehre bzw. Berufsvorbereitung wird teilweise als Fach, im Fächerverbund oder in bestehenden Fächern unterrichtet. Am Gymnasium konzentriert sich die Aus-einandersetzung mit diesen Inhalten auf die Klassenstufen 9 und 10. (von Wensierski u.a. 2005, S.50).
Aufgabe der Gymnasien bleibt es also, aus der grundsätzlichen Anforderung, Schülerinnen und Schüler auf den Übergang in Ausbildung oder Studium vorzubereiten, konkrete Konzepte zur Umsetzung und Einbettung von Maßnahmen der Studien- und Berufswahlorientierung im Schulalltag zu entwickeln.
Der Vergleich schulischer Konzepte zur Studien- und Berufswahlorientierung zeigt regelmäßig, dass es in der Ausgestaltung konkreter Aktivitäten in diesem Themenbereich unterschiedlichste Ansätze gibt, die von der einfachen Vermittlung des Wissens über Berufsbilder, über eine Schwerpunktsetzung im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung bis hin zur komplexen Verknüpfung verschiedenster Facetten der Studien- und Berufswahlthematik im Fachunterricht und in außerunterrichtlichen Angeboten reicht. In einer Handreichung der Landesarbeitsstelle Schule - Jugendhilfe Sach-
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sen e.V. zur Arbeit mit dem Berufswahlpass als Instrument zur Studien- und Berufs-wahlorientierung in Sachsen heißt es dazu zum Beispiel:
„Die Schulen und ihre Partner leisten über mehrere Schuljahre vielfältige und wertvolle Beiträge zur Berufs- und Studienorientierung. Es gibt Schulen mit hervorragenden Wirtschaftskooperationen in Einzelprojekten und Schulen mit einem breiten Angebot an Aktivitäten und Maßnahmen. Das große Manko besteht jedoch darin, dass einzelne Beiträge und Inhalte nicht oder nur unzureichend aufeinander abgestimmt sind und für den Jugendlichen im Ergebnis nicht im Sinne einer soliden Orientierungsgrundlage zusammen fließen. Bei vielen Angeboten und Inhalten ist mitunter weder der Schule, dem außerschulischen Anbieter noch dem Jugendlichen bewusst, dass hier für die Berufs- und Studienorientierung relevantes Wissen vermittelt wird und Ergebnisse entsprechend gesichert werden müssen.“ (Landesarbeitsstel- le Schule - Jugendhilfe Sachsen e.V. 2005, S.2)
Eher selten basieren schulische Angebote zur Studien- und Berufswahlorientierung auf einer belastbaren theoretischen Annahme zum Berufswahlverhalten der Schülerinnen und Schüler sowie der realen Einflussfaktoren auf die individuelle Berufswahlentscheidung.
Berufswahltheorien betrachten den Prozess der Studien- und Berufswahlorientierung aus verschiedenen Perspektiven und berücksichtigen jeweils unterschiedliche Aspek- te im komplexen Prozess der Entscheidungsfindung zur individuellen Verortung in der Arbeitswelt. Aus der Vielzahl denkbarer Perspektiven ergibt sich nahezu zwangs- läufig eine ebenso große Zahl verschiedener Theorieansätze. So gehen verschiedene Theorien eher von der Person des/der Berufswählers/-in aus, andere eher von Ein-flussfaktoren aus dessen/deren Umwelt. Betrachten einige Theorien eher den Gesamtprozess beruflicher Verortung, so stellen andere tendenziell auf den Moment der eigentlichen Entscheidung für einen Berufsweg ab. Fragen der Rollenzuschreibung spielen je nach Berufswahltheorie mehr oder weniger umfangreich eine Rolle. Im Folgenden soll versucht werden, verschiedene Berufswahltheorien auf ihre Anwendbarkeit für die schulische Studien- und Berufswahlorientierung am Gymnasium hin zu beleuchten. Im Rahmen dieser Ausarbeitung und aufgrund der oben beschriebenen Vielfalt im Bereich der Berufswahltheorien ist es dabei nicht möglich, alle bislang veröffentlichten Theorien zu diskutieren. Nach einer Darstellung der verschiedenen grundsätzlichen Ansätze soll hier daher eine Konzentration auf solche Theorien erfolgen, die entweder regelmäßig Grundlage konkreter an Schulen ver-
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wandter Arbeitsmaterialen (z.B. Explorix-Test der Arbeitsagentur) sind oder sich im aktuellen Diskurs zur Etablierung von Studien- und Berufswahlorientierung am Gymnasium regelmäßig wiederfinden.
2. Definitionen
Um die Eindeutigkeit wichtiger in dieser Ausarbeitung verwendeter Begriffe bzw. Begrifflichkeiten herzustellen, sollen diese hier definiert werden.
2.1. Berufswahl
Im engeren Sinne ist unter Berufswahl die Entscheidung für die Ausübung eines bestimmten Berufes zu verstehen. Im Übergang aus der Schule in das Arbeitsleben erfolgt dies in dieser Auslegung des Begriffes Berufswahl in Form der Entscheidung für die Aufnahme einer bestimmten Berufsausbildung bzw. eines bestimmten Hochschulstudiums und wiederholt sich in der weiteren Entscheidung für die Aufnahme eines bestimmten Arbeitsverhältnisses.
Weiter gefasst kann unter Berufswahl jedoch auch der Prozess dieser Entscheidungsfindung zusammengefasst werden. In diesen Prozess individueller Entscheidungsfindungen fließen zahlreiche Faktoren ein, die einerseits in der Person des Berufswählers/der Berufswählerin liegen, andererseits durch dessen/deren Umwelt bestimmt sind bzw. sich dort wiederfinden.
Wird Berufswahl als langjähriger Prozess verstanden, der erstmalig im Jugendalter in eine Entscheidung für eine bestimmte Ausbildung oder ein Studium mündet, so wird die Notwendigkeit der Förderung von Berufswahlkompetenz nicht erst unmittelbar vor dieser Entscheidung deutlich. (vgl. Hany, Driesel-Lange 2006, S. 521) Im wissenschaftlichen Diskurs ist die Prozesshaftigkeit von Berufswahl mittlerweile unbestritten. Insofern ist Berufswahl im Folgenden als eben dieser Prozess hin zur Entscheidungsfindung unter Einbeziehung verschiedenster Einflussfaktoren gemeint.
2.2. Studien- und Berufswahlorientierung
Studien- und Berufswahlorientierung meint die pädagogisch motivierte Hilfestellung für Jugendliche im Entwicklungsprozess der Berufswahl. Sie beschreibt dabei die Schnittmenge schulischer und außerschulischer Maßnahmen, die geeignet und darauf ausgerichtet sind, den Prozess der Berufswahl (s.o.) zu unterstützen. (vgl. Hany, Driesel-Lange 2006, S. 518) Das Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BiBB) be-
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merkt dazu: „Die jungen Menschen sind in ihren Kompetenzen so zu fördern, dass sie lebensbegleitendes Lernen und ihren beruflichen Werdegang aktiv gestalten können. Sie müssen fähig sein, sich über die unterschiedlichen Beratungseinrichtungen und deren Angebote zu informieren und sie gezielt zu nutzen. Zugleich sind sie verpflichtet, die Angebote zur Beratung und Orientierung - je nach individuellen Voraussetzungen und Möglichkeiten mit Unterstützung - wahrzunehmen.“ (BiBB 2005, zitiert nach: Hany, Driesel-Lange 2006, S. 518)
Studien- und Berufswahlorientierung zielt also auf eine Begleitung und Unterstützung im umfänglichen Prozess der Berufswahl mit seinen zahlreichen Facetten. Persönlichkeitsentwicklung allgemein, die Entwicklung von Berufswahlkompetenz bzw. Studierfähigkeit oder die Begleitung in der Entwicklung einer tragfähigen Lebensplanung sind entsprechend ebenso Bestandteil der Studien- und Berufswahlorientierung, wie die Vermittlung von Wissen über die Zugänge zu Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten, Berufsbilder oder Rahmenbedingungen von Bildung und Erwerbsarbeit.
2.3. Ausbildungsreife
Eine Person kann als ausbildungsreif bezeichnet werden, wenn sie die allgemeinen Merkmale der Bildungs- und Arbeitsfähigkeit erfüllt und die Mindestvoraussetzungen für den Einstieg in die berufliche Ausbildung mitbringt. Dabei wird von den spezifischen Anforderungen einzelner Berufe abgesehen, die zur Beurteilung der Eignung für den jeweiligen Beruf herangezogen werden (Berufseignung). (Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife / Agentur für Arbeit)
Gefordert sind also zur Anerkennung individueller Ausbildungsreife die für den jeweiligen Beruf notwendigen Basiskenntnisse zuzüglich der jeweils notwendigen körperlichen und psychischen Voraussetzungen. Damit ist Ausbildungsreife bei Kenntnis des zuzuordnenden Ausbildungsberufes verhältnismäßig deutlich messbar.
2.4. Studierfähigkeit als Ziel gymnasialer Bildung
Studierfähigkeit, die Fähigkeit, mit Erfolg ein Hochschulstudium zu absolvieren; beinhaltet neben allgemeinen kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten zum Teil auch Vorkenntnisse auf dem angestrebten Studiengebiet sowie Einsicht in die übrigen Lebensbereiche. In diesem Sinn ist Studierfähigkeit ein wesentliches Ziel der gymnasialen Oberstufe. (Meyer’s online Lexikon http://lexikon.meyers.de) Studierfähigkeit
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Arbeit zitieren:
B.A. Mario Braun, 2009, Berufswahltheorien im Kontext schulischer Maßnahmen zur Studien- und Berufswahlorientierung, München, GRIN Verlag GmbH
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