Inhalt
Vorwort / Seite 9
Als Berlin noch ein Dorf war
Die Lausitzer Kultur
von etwa 1300/1200 v. Chr. bis 500 v. Chr. / Seite 13
Anmerkungen / Seite 55
Literatur / Seite 67
Bildquellen / Seite 81
Die wissenschaftliche Graphikerin
Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 83
Der Autor Ernst Probst / Seite 85
B ücher von Ernst Probst / Seite 87
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Vorwort
E ine Kultur, die von etwa 1300 bis 500 v. Chr.
gebietsweise in Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen existierte, steht im Mittelpunkt des Taschenbuches »Die Lausitzer Kultur in Deutsch-land«. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion.
Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutsch-land in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat. Das Taschenbuch »Die Lausitzer Kultur in Deutschland« ist Dr. Rolf Breddin, Professor Dr. Claus Dobiat, Professor Dr. Markus Egg, Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Albrecht Jockenhövel, Professor Dr. Horst Keiling, Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux, Professor Dr. Berthold Schmidt, Dr. Klaus Simon und Dr. Otto Mathias Wilbertz gewidmet, die den Autor mit Rat und Tat bei den Recherchen über Kulturen der Spätbronzezeit unterstützt haben. Es enthält zwei Zeichnungen der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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RUDOLF VIRCHOW,
geboren am 13. Oktober 1821 in Schivelbein (Pommern), gestorben am 5. September 1902 in Berlin. Er wirkte zunächst als Professor und Privatdozent an der Universität Berlin. 1849 arbeitete er als Professor in Erlangen und 1856 wieder als Professor in Berlin. Virchow war ein renommierter Pathologe, Arzt und Politiker. Außerdem gilt er
als Begründer der pathologischen Anatomie. 1880 verwendete er erstmals den Begriff Lausitzer Kultur.
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Als Berlin noch ein Dorf war
Die Lausitzer Kultur
E ine der wichtigsten Kulturen Mitteleuropas war
von etwa 1300 bis 500 v. Chr. die Lausitzer Kultur. Sie entwickelte sich vermutlich aus der Vorlausitzer Kultur (etwa 1500 bis 1200 v. Chr.) und existierte während der mittleren und jüngeren Bronzezeit sowie in der frühen Eisenzeit. In diesem Kapitel werden lediglich die bronzezeitlichen Abschnitte von etwa 1300 bis 800 v. Chr. behandelt, die ungefähr der Lebensdauer der süddeutschen Urnenfelder-Kultur (etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr.) entsprechen.
Das Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur reichte im Westen bis an die Saale in Mitteldeutschland, während es im Süden Nordböhmen, Nordmähren und die nordwestliche Slowakei umfasste. Im Nordwesten gehörte das südliche Brandenburg dazu, und im Osten bildete die heutige polnische Provinz Posen (Poznan) die Grenze. Die Prähistoriker unterscheiden zwischen einer Ost-, West-, schlesisch-mährischen, oberschlesisch-polnischen, mittelschlesischen und einer Lausitzsächsischen Gruppe.
Zur Westgruppe rechnet man die einst vor allem in der Lausitz im südlichen Brandenburg und in Sachsen ansässige Lausitz-sächsische Gruppe 1 . Dazu gehörten im Norden die Spindlersfelder Gruppe 2 , im Osten die Niederlausitzer Gruppe 3 , Neißemündungs-Gruppe 4 ,
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Der Prähistoriker Rolf Breddin aus Potsdam hat 1978 drei Gruppen der Lausitzer Kultur benannt: die Niederlausitzer Gruppe, die Schliebener Gruppe und die Elbe-Elster-Gruppe.
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Oberlausitzer Gruppe 5 , Aurither Gruppe 6 sowie im Westen die Fläming-Gruppe 7 , Schliebener Gruppe 8 , Elbe-Mulde-Gruppe 9 , Elbe-Elster-Gruppe 10 , Dresdener Gruppe 11 und Osterländische Gruppe 12 . Letztere hatte sich überwiegend östlich der Saale in Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie geringfügig auch in der Umgebung westlich der Saale niedergelassen. Den Begriff Lausitzer Kultur hat 1880 der damals an der Universität Berlin wirkende Pathologe Rudolf Virchow (1821-1902) geprägt. Virchow erkannte bei Besuchen des Gräberfeldes von Zaborow bei Priment (Provinz Posen) in den 1870-er und 1880-er Jahren, dass ein Teil der dortigen Funde von einer selbständigen Kultur stammt. Denn bestimmte Tongefäße lagen tiefer als die slawische Keramik und unterschieden sich durch ihr feineres Tonmaterial, ihre Form und Verzierungen deutlich von dieser.
Pflanzenfunde aus der Siedlung von Berlin-Lichterfelde verraten, dass in dieser Gegend Brandenburgs eine steppenähnliche Vegetation wuchs. Nach Auffassung des Ausgräbers Adrian von Müller ist das Dorf Berlin-Lichterfelde von den Bewohnern verlassen worden, als der Brunnen während einer Dürreperiode austrocknete. Wie groß die Menschen jener Zeit waren, ergaben Untersuchungen von Knochenresten aus dem jungbronzezeitlichen Gräberfeld Saalhausen 2 (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg, wo man die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt hatte. Demnach erreichten die dortigen Männer eine Körperhöhe von 1,67 bis 1,76 Metern, während es die Frauen auf 1,58 bis 1,67 Meter brachten.
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Die damaligen Menschen hatten eine niedrige Lebenserwartung. Im ehemaligen Tornow (Kreis Oberspreewald-Lausitz) entfielen 26,5 Prozent der Todesfälle auf Kleinkinder im Alter bis zu einem Jahr. Insgesamt starben im Kindesalter etwa 40 Prozent. Die durchschnittliche Lebensdauer betrug 17,8 Jahre. Nur 48,8 Prozent der Verstorbenen in Tornow hatten das Erwachsenenalter erreicht. Die Gemarkung Tornow wurde durch den Abbau von Braunkohle beseitigt. Komplikationen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Kindbett führten dazu, dass mehr Frauen als Männer im jugendlichen und erwachsenen Alter starben. Das ließ sich ebenfalls in den Gräbern von Saalhausen 2 nachweisen, wo häufig Doppelbestattungen von Frauen mit Kleinstkindern erfolgt sind.
Die Dresdener Anthropologin Birgit Dalitz ermittelte bei Untersuchungen der Knochenreste aus Saalhausen 2 zahlreiche Spuren von Krankheiten. Sie stellte Zahnwurzelmissbildungen, durch schwere Erkrankungen mit Stoffwechselveränderungen verursachte Schmelzstörungen der Zahnkronen von Kleinkindern, Kieferveränderungen aufgrund nicht ausgebildeter Zähne, Zahnverluste und Veränderungen an Wirbeln der Wirbelsäule fest.
Im Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur lebten auf einer Fläche von einem Quadratkilometer drei bis vier Personen. Heute liegt die Bevölkerungsdichte in Ost-deutschland bei mehr als 150 Personen pro Quadratkilometer, also gut vierzigmal höher. Es gab weilerartige Gehöftanwesen und unbefestigte dorf-
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ähnliche Siedlungen im Flachland sowie befestigte Höhensiedlungen mit Wällen, Gräben und Toren. Die auf einer Anhöhe am Rand der Pankeniederung gegründete Siedlung von Berlin-Buch 13 (Brandenburg) umfasste 33 Häuser. Der Ausgräber Albert Kiekebusch (1870-1935) aus Berlin hatte irrtümlich geglaubt, mehr als hundert von einstmals tausend oder noch mehr Häusern entdeckt zu haben. Außer Pfostenlöchern und Herdstellen von kleinen ein- und größeren zweiräumigen Wohnhäusern wurden in Berlin-Buch auch Steinsitze, Vorratsgruben, in den Hausboden eingegrabene Vorratsgefäße, Webstuhl- und Abfallgruben, Reste von Zäunen, Keramik, Werkzeuge und Waffen geborgen.
Aus mindestens fünf rechteckigen Wohnhäusern bestand die Siedlung von Berlin-Lichterfelde 14 im Bäketal. Sie waren 8,50 bis 12,50 Meter lang, sechs bis neun Meter breit und hatten einen Raum mit Herdstelle. Das Dorf wurde von einem 1,50 Meter breiten und 60 Zentimeter tiefen Graben sowie einem Zaun aus Gestrüpp umgeben. Durchlässe gab es im Nordwesten und Südosten. Zwei Brunnen stammen aus unterschiedlicher Zeit. Der Brunnen 1 ist aus zwei Hälften eines Eichenstammes hergestellt worden. Zehn Meter nördlich davon befand sich neben einem Pfahl der Brunnen 2 aus einem etwa 1,60 Meter hohen, ausgehöhlten Eichenstamm, der zuvor möglicherweise als Bienenstock gedient hatte. Auf der 1,50 Meter hohen Erhebung namens »Lütjenberg« im ehemaligen Tornow 15 (Kreis Oberspreewald-Lausitz) in Brandenburg sind zwei Hauskomplexe
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Zeichnung auf Seite 19:
Siedlung der Lausitzer Kultur von Berlin-Lichterfelde im Bäketal. Das Dorf umfasste fünf Wohnhäuser, die sechs bis neun Meter breit und 8,50 bis 12,50 Meter lang waren, und Nebengebäude. Die Siedlung wurde von einem Graben und einem Zaun aus Gestrüpp umgeben.
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Die Lausitzer Kultur in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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