Denotation vs. Konnotation SS 2011 Norbert Galler
1 Einleitung
Bedeutung ist ein sehr weitgreifender Begriff. Er muss erst weiter eingegrenzt werden, bevor man genauere Aussagen darüber treffen kann, was denn eigentlich gesagt wird, wenn etwas gesagt wird. Es gibt verschiedene Bedeutungsanteile: Bei der deskriptiven Bedeutung geht es um das, was man auch „faktische“ oder „eigentliche“ Bedeutung nennen könnte, so, wie sich ein Begriff relativ allgemeingültig beschreiben ließe. Davon unterscheiden sich die zwei anderen Bedeutungsanteile soziale und expressive Bedeutung, die darauf hinweisen, dass Bedeutung auch eine Funktion jenseits der simplen Darstellung des Gemeinten haben kann bzw. haben muss, wenn man davon ausgeht, dass man sich als Mensch durch Sprache persönlich ausdrückt bzw. sich durch die Sprache in der Gesellschaft „bewegt“. Man kann sagen, ein Lexem hat eine Grundbedeutung und eine oder mehrere Mit- und/oder Nebenbedeutungen, bei denen es aber nicht um simple Mehrdeutigkeit geht, sondern vor allem um Gefühle, die man als Sprecher 1 bzw. Zuhörer mit einem bestimmten Begriff verbindet. Im ersten Fall spricht man von Denotation, im zweiten von Konnotation.
Etwa die Hälfte der vorliegenden Arbeit setzt sich genauer mit den im obigen Absatz genannten Schlüsselbegriffen anhand von Lexika und einschlägiger Literatur auseinander und geht auf die Unterschiede bzw. Zusammenhänge zwischen ihnen näher ein. Mit den dadurch gewonnen Erkenntnissen wird im zweiten Teil der Arbeit praktisch weitergearbeitet, um auf ihre Leitfrage eingehen zu können: Überlagern Konnotationen die Denotation? Dafür werden aus unterschiedlichen Perspektiven einige konkrete Beispiele betrachtet. Auch die verschiedenen Bedeutungsanteile werden bei dieser Fragestellung von Bedeutung sein.
Das Ziel der Arbeit ist es, am Ende von annähernd konnotationsfreien Ausdrücken bishin zu vollkommenen Überlagerungen der Denotationen je nach Beispiel, Kontext und Blickwinkel abstufen zu können, um diesbezüglich in gewissem Maße auch Kategorisierungen möglich zu machen.
1 Mit dem in diesem Text für natürliche Personen in allgemein gültiger Weise verwendeten maskulinen Genus wird gleichermaßen auf beide Sexūs referiert.
2
Denotation vs. Konnotation SS 2011 Norbert Galler
2 Begriffliche Erläuterungen
2.1 Bedeutungsanteile
Im Metzler Lexikon Sprache finden sich Einträge zu „Soziale Bedeutung“ (s. B.) (Glück 2005, 604), zu „Expressiv“ und „Expressive“ (Glück 2005, 186), wobei es sich um Elemente handelt, die expressive Bedeutung (e. B.) haben, und zu „lexikalische Bedeutung“ (l. B.) (Glück 2005, 380). Es finden sich aber weder Einträge zur e. B. an sich noch zur deskriptiven Bedeutung (d. B.). Dies deutet schon an, dass eine Klassifizierung der Bedeutungsanteile nicht einfach zu sein scheint. Das Lexikon bietet zur Definition der l. B. vor allem zwei Punkte an, die an dieser Stelle wichtig sind: einerseits den Gegensatz zur grammatischen Bedeutung (vgl. Glück 2005, 250) und andererseits die Sichtweise als im Wörterbuch beschreibbarer Bedeutungskern (Lexem) (vgl. Glück 2005, 380). Die drei Begriffe d., s. und e. B. werden auch in diesem Eintrag nicht einmal erwähnt. Löbner wiederum definiert in seinem Kapitel über die e. B. diese drei aber auf einer hierarchischen Ebene stehend und als zur l. B. gehörend, womit er gleichzeitig eine Abgrenzung dieser Bedeutungsanteile zur Konnotation (K.) (vgl. Löbner 2003, 48ff.) schafft:
Gleichberechtigt neben deskriptiver und sozialer Bedeutung ist die expressive Bedeutung Be-
standteil der lexikalischen Bedeutung bestimmter Arten von Ausdrücken, eine semantische Quali-
tät, die sie unabhängig vom ÄK [Äußerungskontext] oder der Sprechweise besitzen.
(Löbner 2003, 43)
Zu Beginn seines Kapitels über die Bedeutungsanteile gibt er einen kurzen Ausblick, worum es bei den einzelnen Begriffen geht:
Im ersten Teil zur deskriptiven Bedeutung geht es um den Zusammenhang zwischen Bedeutung,
Referenz und Wahrheit. Der zweite Teil behandelt soziale und expressive Bedeutung, beides
nichtdeskriptive Bedeutungsanteile. Soziale Bedeutung ist auf der Ebene der sozialen Interaktion
relevant; expressive Bedeutung ermöglicht den Ausdruck subjektiver Empfindungen, Einstellun-gen oder Bewertungen. (Löbner 2003, 23)
Vor Löbner gab es schon viele Versuche, die verschiedenen Bedeutungsanteile zu klassifizieren und zu benennen, die schon Lyons 1980 genauer betrachtet hat, um dann zu einem ähnlichen Schluss wie Löbner zu kommen, der auch e. und s. B. unter dem Begriff nichtdeskriptiv zusammengefasst hat. Lyons (vgl. 1980, 68f.) bevorzugt allerdings den Begriff interpersonal.
3
Denotation vs. Konnotation SS 2011 Norbert Galler
2.1.1 Deskriptive Bedeutung
Lyons (1983, 142) beginnt ein Kapitel in seinem Buch Die Sprache so:
In diesem Abschnitt wollen wir uns allein mit der deskriptiven Bedeutung beschäftigen. Dabei sind
mindestens zwei voneinander unterscheidbare Komponenten zu betrachten: Sinn und Denotati-
on.
Er erläutert im Anschluss, dass diese Bezeichnungen eher der Philosophie als der Linguistik entstammen und dass ihre Verwendung folglich nicht einheitlich ist. Es treten also zusätzlich zum obigen Zitat Löbners (vgl. 2003, 23), der in diesem Zusammenhang die Begriffe Bedeutung, Referenz und Wahrheit ins Spiel gebracht hat, zwei weitere Begriffe, nämlich die Denotation (D.) und der Sinn auf. Offensichtlich haben sie alle miteinander zu tun und können dazu dienen, Aussagen über die d. B. zu machen; auf eine detaillierte Auseinandersetzung mit allen muss jedoch im Rahmen dieser Arbeit verzichtet werden; zumindest die D. wird uns aber in einem späteren Kapitel noch beschäftigen.
Interessant am anfänglichen Zitat ist auch der Name des Kapitels, das damit eingeleitet wor- denist: „Lexikalische Bedeutung: Sinn und Denotation“. Lyons setzt somit die d. B. mit der l. B. gleich, wozu Löbner, wie wir bereits gesehen haben, in Opposition tritt. In seinem früheren Werk liefert Lyons (1980, 64) aber auch eine konkrete Definition der d. B.: Deskriptive Information (oder deskriptive Bedeutung) ist *…+ tatsächlich: sie kann explizit behaup-
tetoder verneint werden und sie kann, zumindest unter den günstigsten Umständen, auch objek-
tiv verifiziert werden.
Das deckt sich wiederum in etwa mit Löbners (vgl. 2003, 24ff.) Ansichten, der für seine Definitionen oft auf den Begriff des Konzeptes zurückgreift, den er wiederum selbst als mentale Beschreibung definiert und der damit über eine rein visuelle Vorstellung hinausgehe, weil nicht bloß sichtbare Eigenschaften darin inbegriffen seien. Er liefert in der Folge drei Definitionen für die d. B., von denen ich nur eine zitieren will und die sich so auch auf Sätze über- tragenließe: „Die deskriptive Bedeutung eines Inhaltswortes ist ein Konzept für seine potentiellen Referenten.“ (Löbner 2003, 29) Ihre Funktion erläutert er tabellarisch kurz als „Be- schreibungvon Referenten und Situationen“, als Verwendungskriterien gibt er in selbiger Tabelle die „Übereinstimmung mit Fakten“ an (vgl. Löbner 2003, 48).
2.1.2 Soziale Bedeutung
Klar ist, dass Sprache immer s. B. hat, da sie der Kommunikation dient. Das sei in diesem Fall aber nicht mit dem Begriff s. B. gemeint (vgl. Löbner 2003, 36). „Vielmehr liegt soziale Be- deutungauf derselben Ebene wie deskriptive Bedeutung: sie ist ein fester Bestandteil der
4
Arbeit zitieren:
Norbert Galler, 2011, Denotative und konnotative Bedeutung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik: Denotative und konnotative Bedeutung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Germanistik - Semiotik, Pragmatik, Semantik: neuer Titel erschienen: Denotative und konnotative Bedeutung
Norbert Galler hat einen neuen Text hochgeladen
Justice Denoted: The Legal Thriller in American, British, and Continen...
Michael A. Kahn, Terry White
Kommunikation im Beruf - Soziale und medizinische Berufe. Kursbuch
Europäischer Referenzrahmen: B...
Dorothea Lévy-Hillerich
Career Express - Business English. Kursbuch und Phrasebook
Europäischer Referenzrahmen: C...
Jane Maier-Fairclough, Gerlinde Butzphal
0 Kommentare