1. Ziele und Arbeitsfelder
Bei der World Meteorological Organization (WMO) handelt es sich um eine selbständige internationale (Sonder-) Organisation unter dem Dach der Vereinten Nationen mit rund 250 Mitarbeitern. 1
Ihre Ziele drehen sich um die Bereitstellung von informationellen Ressourcen und Dienstleistungen rund um meteorologische und geophysikalische Phänomene. Dies betrifft die Kooperation mit entsprechenden Beobachtungs- und Forschungszentren, die Beratung von Regierungen, die Erarbeitung von Standards für Schiffsverkehr und Luftfahrt, sowie die Beschäftigung mit landwirtschaftlichen Fragen. Eng verwandt mit diesen Zielen und ebenfalls im Geschäftsbereich der Organisation ist der Katastrophenschutz im Kontext von Wetterereignissen. Ihrem Selbstverständnis nach ist die Organisation “the UN system's authoritative voice” über Zustand und Veränderungen der Erdatmosphäre. 2 Das Tätigkeitsfeld der Organisation ist vorwiegend im Bereich der Umweltpolitik angesiedelt. Dieses junge Politikfeld ist dadurch gekennzeichnet, dass
Handlungskompetenzen - oder eher: faktische Gestaltungsmöglichkeiten - zunehmend von Einzelstaaten auf eine internationale Ebene verlagert werden. Als Teil dieses internationalen Umweltregimes ist die WMO zu verstehen: Sie stellt Fachwissen zur Verfügung, um umweltpolitische Entscheidungen treffen zu können und stellt mittels ihrer Gremien ein Verhandlungssystem zur Verfügung. 3
2. Mitgliedschaft und Struktur
Satzungsgemäß wird zwischen zwei Mitgliedsarten unterschieden. Einerseits souveränen Staaten mit eigenem Wetterdienst und andererseits nicht- oder teilsouveränen Mitgliedern, die ebenfalls einen entsprechenden Dienst unterhalten. Derzeit hat die WMO 189 Mitglieder, inklusive sechs nichtsouveräner Mitglieder wie bspw. Hong-Kong oder französisch Polynesien. Diese Mitgliedschaft nichtsouveräner Territorien erschwert die Zuordnung der WMO zu einem bestimmten Typus internationaler Organisationen. 4 Allein auf die Mitgliedschaft bezogen, fallen zwei Merkmale auf, die eine Verortung erlauben. 5 Einerseits ist die Mitgliedschaft universalistisch 6 und nicht beschränkt; weder regional noch
1 Vgl. WMO (o.J.): WMO in Brief, Genf.
2 Ebenda (o.J.).
3 Vgl. Rittberger, Volker/ Zangl, Bernhard (2003): Internationale Organisationen. Politik und Geschichte,
Opladen 2003, S. 82.
4 Vgl. Archer, Clive (2001): International Organizations, London und New York 2001, S. 36.
5 Vgl. Convention of the World Meteorlogical Organization vom 11. Oktober 1947, Art. 3.
6 Vgl. Archer, Clive (2001): International Organizations, London und New York 2001, S. 46-46.
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kulturell. 7 Andererseits ist eine Mitgliedschaft von Nichtregierungsorganisationen nicht vorgesehen. Somit handelt es sich bei der WMO um eine klassische internationale Organisation; eine „interstate organization“ entsprechend dem realistischen Paradigma der internationalen Beziehungen.
Die WMO umfasst gemäß Artikel 4 ihrer Satzung fünf Organe. 8 Diese sind erstens der vierjährig tagende Weltmeteorologentag. Dieser Kongress fungiert als oberstes Gremium und Wahlkörper für die weiteren Organe. 9 Es handelt sich in der Diktion Rittbergers um einen Hybriden aus „parlamentarischer Versammlung“ und „Plenarorgan“. 10 Er wird mit Vertretern der Mitgliedsstaaten besetzt. Für Deutschland bspw. werden diese vom Deutschen Wetterdienst bestimmt. Zweitens ist das „Executive Comitee“ zu nennen. Diesem obliegt es, die Kongressbeschlüsse umzusetzen, regionale Arbeitsprogramme zu dirigieren, Finanzmittel einzusetzen und auf Empfehlungen der Kommissionen zu reagieren. Dieser „Exekutivrat“ besteht aus 37 Vertretern, darunter das Präsidium des Kongresses sowie die sechs Präsidenten der Regionalverbände. 11 Die weiteren Mitglieder werden vom Kongress gewählt.
Das dritte Organ sind die sechs Regionalverbände. Diesen obliegt die Koordination regionaler Aktivitäten; Versammlungen finden alle vier Jahre statt. Viertens sind die acht fachlich differenzierten technischen Kommissionen zu nennen Hier findet ein Großteil der Arbeit statt. Am ehesten lassen sich die Kommissionen - und in begrenztem Umfang auch die Regionalverbände - als Verwaltungsstäbe im Sinne Rittbergers verstehen.
Fünftens ist schließlich das Sekretariat zu nennen, welches ebenfalls dem Feld der Verwaltungsstäbe zuzuordnen ist, respektive diesen übergeordnet ist. Die gesamte Verwaltungsarbeit und Koordination untersteht dem vom Kongress gewählten Generalsekretär. 12
Wie kann die Kompetenzverteilung innerhalb dieser Organisationsstruktur bewertet werden? Zwar obliegt das Treffen von Grundsatzentscheidungen dem Kongress, da dieser aber nur alle vier Jahre tagt, dürfte es sich bei Beschlüssen um Bestätigungen von
7 Tatsächlich werden auch Vertreter aus Krisenregionen unabhängig von der ‚politischen Wetterlage’ von
Sitzungen nicht ausgeschlossen [Anm. d. A.].
8 Convention of the World Meteorlogical Organization, vom 11. Oktober 1947, Art. 4.
9 Des Weiteren handelt es sich um der bedeutendsten wissenschaftlichen Fachkongresse für Meteorologie
[Anm. d. A.].
10 Rittberger, Volker/ Zangl, Bernhard (2003): Internationale Organisationen. Politik und Geschichte, Opladen
2003, S. 110-112.
11 Ebenda, S. 104-106.
12 Vgl. WMO (o.J): The Secretariat, Genf o.J.
3
verwaltungsintern bereits getroffenen Entscheidungen handeln. Da die tatsächliche (Aushandlungs-)Arbeit in den Regionalverbänden und den technischen Kommissionen geleistet wird, dürften die wesentlichen Entscheidungen im Exekutivrat gefällt werden. Dass die ‚Macht’ dabei ausschließlich beim Exekutivrat liegt, ist indes zu bezweifeln. Es scheint eher so, dass dem Sekretariat eine koordinierende Schlüsselrolle zukommt. Dieses istentgegen den anderen Organen der WMO - ganzjährig besetzt. Von daher dürfte es sich bei dieser koordinierenden Verwaltungsstelle um das eigentliche ‚Machtzentrum’ handeln. Formal ist der Generalsekretär allerdings dem Präsidenten des Exekutivrates rechenschaftspflichtig.
13 WMO (o.J.): Organigram, Genf, o.J.
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Arbeit zitieren:
Badir Bayramov, 2011, Die World Meteorological Organisation - eine Vorstellung, München, GRIN Verlag GmbH
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