Inhalt
Vorwort / Seite 9
Stabdolche als Zeichen der Götter
Die nordische frühe Bronzezeit
von etwa 1800 bis 1500 v. Chr. / Seite 13
Der Sonnenkult der Urgermanen
Die nordische ältere Bronzezeit
von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. / Seite 25
Regenzauber mit Kesselwagen?
Die nordische mittlere Bronzezeit
von etwa 1200 bis 1100 v. Chr. / Seite 67
Der Sonnenkult der Urgermanen
Die nordische jüngere Bronzezeit
von etwa 1100 bis 800 v. Chr. / Seite 91
Anmerkungen / Seite 145
Literatur / Seite 165
Bildquellen / Seite 183
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Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert / Seite 185
Der Autor Ernst Probst / Seite 187
Bücher von Ernst Probst / Seite 189
Vorwort
R und 1000 Jahre Urgeschichte passieren in dem
Taschenbuch »Die nordische Bronzezeit in Deutschland« in Wort und Bild Revue. Es befasst sich mit den Kulturen, die von etwa 1800 bis 800 v. Chr. in weiten Teilen Norddeutschlands existierten. Nämlich der nordischen frühen Bronzezeit, der nordischen älteren Bronzezeit, der nordischen mittleren Bronzezeit und der nordischen jüngeren Bronzezeit. Geschildert werden die Anatomie und Krankheiten der damaligen Ackerbauern, Viehzüchter und Bronzegießer, ihre Siedlungen, Kleidung, ihr Schmuck, ihre Keramik, Werkzeuge, Waffen, Haustiere, Jagdtiere, ihr Verkehrswesen, Handel, ihre Kunstwerke und Religion. Verfasser ist der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst, der sich vor allem durch seine Werke »Deutsch-land in der Urzeit« (1986), »Deutschland in der Steinzeit« (1991) und »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) einen Namen gemacht hat. Von 1986 bis 2011 veröffentlichte er mehr als 100 Bücher, Taschenbücher, Broschüren und E-Books.
Das Taschenbuch »Die nordische Bronzezeit in Deutschland« ist Dr. Rolf Breddin, Dr. Claus Dobiat, Professor Dr. Markus Egg, Dr. Rudolf Feustel, Dr. Gretel Gallay (heute Callesen), Professor Dr. Hans-Eckart Joachim, Professor Dr. Albrecht Jockenhövel, Professor Dr. Horst Keiling, Dr. Joachim Köninger, Professor Dr. Rüdiger Krause, Dr. Friedrich Laux,
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Professor Dr. Berthold Schmidt, Dr. Peter Schröter, Dr. Klaus Simon und Dr. Otto Mathias Wilbertz gewidmet, die den Autor bei seinem Werk „Deutschland in der Bronzezeit“ unterstützt haben. Es enthält Lebensbilder der wissenschaftlichen Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert aus Königswinter.
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Der dänische Archäologe Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) hat 1836 die Urgeschichte nach dem jeweils am meisten verwendetem Rohstoff in drei Perioden eingeteilt: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit.
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OSCAR MONTELIUS,
geboren am 9. September 1843 in Stockholm, gestorben am 4. November 1921 in Stockholm. Er promovierte 1869,
wurde 1888 Professor und war von 1907 bis 1913 Reichsantiquar in Schweden. Montelius teilte 1885 die nordische Bronzezeit in sechs Perioden (Periode I bis VI) und 1897 die Eisenzeit in acht Perioden (Periode I bis VIII) ein. Außerdem prägte er schon im 19. Jahrhundert den Begriff Nordischer Kreis der Bronzezeit, von dem der heutige Name nordische Bronzezeit abgeleitet ist.
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Stabdolche als Zeichen der Götter
Die nordische frühe Bronzezeit
A ls in Mittel- und Süddeutschland bereits frühbron-
zezeitliche Kulturen heimisch waren, verharrten in Mecklenburg-Vorpommern noch Bevölkerungsgruppen auf dem technischen Niveau der Jungsteinzeit. Der Fortschritt setzte sich dort erst später durch als in südlicheren Gebieten. So war es im Norden auch schon mit Ackerbau und Viehzucht geschehen, die als Kennzeichen der Jungsteinzeit gelten und dort mit großer Verzögerung eingeführt wurden. Ähnlich erging es in Mecklenburg-Vorpommern dem neuen Metall Bronze, weshalb dort die frühe Bronzezeit einige Jahrhunderte später als in Mittel- und Süd-deutschland einsetzte. Da im Norden auch das Eisen zunächst kaum Beachtung fand, währte dort die Bronzezeit länger als im Süden und die Eisenzeit begann dementsprechend merklich später. In Mecklenburg-Vorpommern gilt die Gliederung der Bronzezeit in sechs Perioden (s. S. 14). Diesem Schema zufolge entspricht dort die frühe Bronzezeit der Periode I, die nach heutiger Kenntnis etwa von 1800 bis 1500 v. Chr dauerte. Jener Abschnitt wird auch als nordische frühe Bronzezeit oder als frühe Bronzezeit des Nordischen Kreises bezeichnet. Der von dem schwedischen Prähistoriker Oscar Montelius (1843-1921) stammende Begriff »Nordischer Kreis« beruht auf der
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Für Skandinavien und Norddeutschland wird die 1885 von dem schwedischen Prähistoriker Oscar Montelius aus Stockholm erarbeitete Gliederung der Bronzezeit verwendet. Er teilte die nordische Bronzezeit nach der typologischen Abfolge von Bronzeerzeugnissen (Gewandspangen, Rasiermesser, Schwerter, Gürteldosen) in sechs Perioden ein, die er mit römischen Ziffern von I bis VI kennzeichnete. Das auf seinen Erkenntnissen aufbauende Chronologieschema sieht heute so aus:
Periode I (frühe Bronzezeit): etwa 1800 bis 1500 v. Chr.
Periode II (ältere Bronzezeit): etwa 1500 bis 1200 v. Chr.
Periode III (mittlere Bronzezeit): etwa 1200 bis 1100 v. Chr.
Perioden IV und V (jüngere Bronzezeit): etwa 1100 bis 800 v. Chr.
Periode VI (frühe Eisenzeit): etwa 800 bis 500 v. Chr.
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Verbreitung der Kulturen und Gruppen während der nordischen
fr ühen Bronzezeit (etwa 1800 bis 1500 v. Chr.) in Deutschland
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eigenständigen Entwicklung nördlicher Regionen Europas.
Über die Anatomie, Körperhöhe und Krankheiten der Menschen aus der frühen Bronzezeit in Mecklenburg-Vorpommern lässt sich nichts sagen. Der Grund hierfür ist, dass die Skelette in den Gräbern im kalkarmen Boden völlig aufgelöst wurden. Auch die Siedlungen, das Leben darin und das Wirtschaftswesen sind bisher kaum erforscht.
Pfeilspitzen aus Feuerstein mit eingezogener Basis wie in der späten Jungsteinzeit verdeutlichen, dass Pfeil und Bogen weiterhin eine wichtige Jagdwaffe waren. Hinweise auf zumindest gelegentlich ausgeübte Jagd auf Rothirsche (Cervus elaphus) geben die Werkzeuge und Waffen mit Geweihgriffen. Wichtiger als das Töten von Wildtieren dürften jedoch Ackerbau und Viehzucht für die Ernährung gewesen sein. Die Keramik bestand teilweise aus einfachen, unverzierten Formen, die entweder keinen oder nur einen Henkel besaßen. Reste von solchen schlichten Tongefäßen wurden in Lemmersdorf und Bagemühl (beide Kreis Uecker-Randow) in Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Daneben modellierte man henkellose Schalen und Tassen mit einfacher Form und Verzierung. In der nordischen frühen Bronzezeit gab es weiterhin Werkzeuge und Waffen aus Feuerstein, Knochen und Geweih. Als besonders typische Waffen dieser Kulturstufe gelten Streitäxte mit einer Klinge aus Felsgestein und hölzernem Schaft sowie aus Feuerstein zurechtgeschlagene Dolche. Besonders prächtig wirken die »Fischschwanzdolche« mit fischschwanzartigem Griff. Feu-
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ersteindolche wurden auch dann noch hergestellt, als man bereits Kupfer- und Bronzedolche eintauschte.
Die Menschen der frühen Bronzezeit in Mecklenburg-Vorpommern deckten ihren Bedarf an Metallerzeugnissen vor allem durch Tauschgeschäfte mit Angehörigen der Aunjetitzer Kultur, die damals gebietsweise in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen verbreitet war. Von den Aunjetitzern bezogen sie Flachbeile, Randleistenbeile, Randmeißel, Schaftlochäxte, Schaftröhrenäxte, Vollgriffdolche, Stabdolche, Lanzenspitzen und Schmuck. Die Flachbeile hatten die gleiche Form wie die aus Feuerstein zurechtgehauenen Beilklingen der Jungsteinzeit. Flachbeile wurden in Mildenitz-Hornshagen (Kreis Mecklenburg-Strelitz), Jasmund (Kreis Rügen) und in Pantelitz (Kreis Nordvorpommern) gefunden. Bei den Randleistenbeilen überwog der norddeutsche Typ mit geradem Nacken und ausladender bogenförmiger Schneide gegenüber dem sächsischen Typ mit rundem Nacken und weit gebogener, stark gewölbter Schneide.
Von den Schaftlochäxten sind bisher in Mecklenburg-Vorpommern sechs Exemplare gefunden worden. Sie kamen oft in Mooren zum Vorschein und könnten daher als Opfer für Götter bestimmt gewesen sein. Eine reichverzierte Schaftlochaxt wurde in Gägelow (Kreis Nordwestmecklenburg) entdeckt. Die Schaftröhrenäxte ähneln Funden aus Ungarn und sind vermutlich auf dem Tauschweg bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Skandinavien gelangt.
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Foto auf Seite 19:
Stabdolche und ein Randleistenbeil aus dem Depot von Melz (Kreis Müritz) in Mecklenburg-Vorpommern. Das Randleistenbeil (links) hat einen 71,3 Zentimeter langen Bronzeschaft. Originale im Archäologischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern, Lübstorf.
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Bei den frühbronzezeitlichen Dolchfunden aus Meck-lenburg-Vorpommern wird zwischen Vollgriffdolchen des Malchiner Typs und solchen des Aunjetitzer Typs unterschieden. Erstere gelten als einheimische Erzeugnisse, letztere als Importe. Beide Typen waren in dem Depot von Malchin 1 (Kreis Demmin) vertreten. Bisher sind - nach Angaben des Schweriner Prähistorikers Horst Keiling - in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 21 Dolche vom Malchiner Typ entdeckt worden. Sie ähneln einander so sehr, dass sie vermutlich in einer einzigen Werkstatt, die jedoch noch nicht lokalisiert werden konnte, gegossen wurden. Die Klinge, der Griff mitsamt Heftplatte und manchmal auch die Nieten wurden vermutlich in einem Stück angefertigt. Der Griff ist mit Rillen und die Klinge mit einer Mittelrippe verziert. Der spitzovale bis rautenförmige Querschnitt hat große Ähnlichkeit mit den Feuersteindolchen.
Offenbar reichten die Gegengaben der Mecklenburg-Vorpommerner Bevölkerung nicht aus, um sich auf dem Tauschweg ausschließlich mit Metalldolchen auszurüsten. Deshalb wurden weiterhin viele Feuersteindolche hergestellt und teilweise metallene Vorbilder nachgeahmt. Das Nebeneinander von Feuerstein- und Bronzedolch ist in Blengow (Kreis Bad Doberan) belegt. Dort lagen in einem Grab ein Feuersteindolch und eine bronzene Dolchklinge.
Seltener als die Dolche des Malchiner Typs waren in Mecklenburg-Vorpommern die Vollgriffdolche vom Aunjetitzer Typ. Letzterer Typ ist im Depot von Malchin und im Depot I von Melz 2 (Kreis Müritz)
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sowie in Rehna (Kreis Nordwestmecklenburg) nachgewiesen.
An zehn Fundorten in Mecklenburg-Vorpommern wurden bronzene Stabdolche entdeckt. Der bedeutendste Fund dieser Art glückte im Depot II von Melz 3 . Dort wurden sechs komplette Stabdolche mit bronzenen Klingen und mit Schäften aus Eschen- und Lindenholz darin, acht Klingen sowie ein komplettes Randleistenbeil mit bronzener Klinge und ebensolchem Schaft geborgen. Eine Altersdatierung von Holzresten der Stabdolche nach der C14-Methode ergab einen Mittelwert von 1786 v. Chr. Die Klinge des Randleistenbeils aus Melz wurde vermutlich noch in heißem Zustand auf den Bronzeschaft gezogen Die Menschen der frühen Bronzezeit in Mecklenburg-Vorpommern tauschten mit den Leuten der Aunjetitzer Kultur, des Sögel-Wohlde-Kreises sowie mit gleichzeitigen Kulturen in England und Irland begehrte Güter aus. Der Sögel-Wohlde-Kreis war im östlichen Nordrhein-Westfalen, in Niedersachsen und im südlichen Schleswig-Holstein verbreitet. Malchiner Dolche auf der Ostseeinsel Rügen sind vielleicht mit Feuerstein von dort bezahlt worden.
Schmuckstücke gab es in Form von Ösenhalsringen, Spiralröllchen, Bronze- und Steinperlen als Anhänger von Halsketten, Hals- und Armringen mit verjüngten Enden, Manschettenarmbändern (Stulpen), Arm- und Brillenspiralen. Mit Ausnahme der Steinperlen handelte es sich auch hier ausschließlich um Importe. Bronzene Ösenhalsringe lagen vor allem in Depots. So gehörten zum Depot von Wendhof 4 (Kreis Müritz) 18
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Ösenhalsringe. In Nipmerow auf Rügen kamen mehrere recht roh gegossene Ösenhalsringe zum Vorschein. In Gräbern sind solche Schmuckstücke - mit Ausnahme von Twietfort (Kreis Parchim) - nirgends gefunden worden. Aus Twietfort kennt man auch Bronze- und Steinperlen an Halsketten. In den Löchern mancher dieser Perlen steckten noch gezwirnte Fadenreste. Bei den Hals- und Armringen mit verjüngten Enden waren die unverzierten und besonders dicken Exemplare wohl Metallbarren, die noch weiterverarbeitet werden sollten. Dagegen sind die etwas dünneren und leichteren Stücke vermutlich als Schmuck getragen worden. Die Enden der großen und der kleinen Hals-und Armringe waren stumpf oder spitz gestaltet. Manschettenarmbänder wurden nur an wenigen Plätzen in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Die Armspiralen aus Bronzedraht besaßen zehn bis 20 Windungen. Der Draht hatte einen schmalen, dreieckigen oder spitzovalen Querschnitt. Als Brillenspiralen werden zwei mit einem Bügel ver-bundene Spiralplatten bezeichnet. Sie ähnelten einer Brille und dienten als dekorativer Hängeschmuck. Von der damaligen Schifffahrt zeugt der fragmentarisch erhaltene Fund eines Einbaums südwestlich von Dahlen 5 (Kreis Mecklenburg-Strelitz) in Mecklenburg-Vorpommern. Das in etwa 1,90 Metern Tiefe entdeckte Wasserfahrzeug ist 3,36 Meter lang und 62 Zentimeter breit. Seine ursprüngliche Höhe lässt sich nicht mehr ermitteln.
An den Gräbern von Blengow und Twietfort wird ersichtlich, wie die Toten in der nordischen frühen Bron-
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zezeit bestattet worden sind. In diesen Gräbern schützte man die Leichen durch Packungen aus vorwiegend rundlichen oder ovalen Feldsteinen. Die Hinterbliebenen gaben den männlichen Verstorbenen meistens einen Feuersteindolch und nur noch selten eine Steinaxt mit ins Grab. Metallobjekte lagen lediglich in den Gräbern von Blengow (Kreis Bad Doberan), Warrenzin (Kreis Demmin) und Twietfort (Kreis Parchim). Weitere Beigaben waren Tongefäße, darunter mehrheitlich henkellose Schalen und Tassen. Bronzene Waffen und Schmuckstücke in Sümpfen, Mooren, auf feuchten Wiesen und an Seeufern waren vermutlich als Weihegaben für Götter gedacht. Das Depot von Neubauhof 6 (Kreis Demmin) umfasste drei Vollgriffdolche, vier Manschettenarmringe, vier Halsringbarren, ein Randleistenbeil und ein Manschetten-armband. In Pustohl (Kreis Bad Doberan) fand man einen Stabdolch sowie ein Manschettenarmband und in Wendhof (Kreis Müritz) Ösenhalsringe. Als Weihegaben gelten auch die Stabdolche, die eher den Charakter von Prunkwaffen, Würdezeichen oder Zeremonialgeräten von Häuptlingen oder Priestern hatten als einen praktischen Nutzen. Sie spielten vielleicht bei kultischen Prozessionen eine Rolle, bei denen sie als »heilige Zeichen«, Zeremonialgeräte oder Machtsymbole einer Gottheit mitgeführt wurden. Einen diesbezüglichen Hinweis gibt ein Felsbild von Simrishamn in Schweden. Darauf präsentiert ein stehender Mann mit deutlich erigiertem Penis eine ihn merklich überragende Prachtaxt. Diese Szene wird als Darstellung eines Fruchtbarkeitsritus gedeutet.
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Besuch aus dem Nachbardorf auf einer Darstellung von 1936. Eine der beiden ankommenden Frauen überreicht der auf einem Klappstuhl sitzenden Mutter mit ihrem Kind als Gastgeschenk eine Tonklapper in Gestalt einer Gans.
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Der Sonnenkult
der »Urgermanen«
Die nordische ältere Bronzezeit
I n Schleswig-Holstein, auf den Nordfriesischen In-
seln Sylt, Amrum und Föhr, im Küstengebiet von Mecklenburg-Vorpommern sowie auf der Ostseeinsel Rügen werden die archäologischen Funde aus der Zeit von etwa 1500 bis 1200 v. Chr. der nordischen älteren Bronzezeit (Periode II) zugerechnet. Diese Regionen Norddeutschlands gehörten zum Nordischen Kreis, dessen Kerngebiet damals in Dänemark lag, zudem aber Südnorwegen, Süd- und Mittelschweden umfasste. Auch die Stader Gruppe im nördlichen Niedersachsen, die in diesem Taschenbuch nicht behandelt wird, gilt als Teil des Nordischen Kreises. Das Gebiet des in Nordeuropa weit verbreiteten Nordischen Kreises deckt sich nicht mit dem einer zeitlich vorangehenden Kultur der Frühbronzezeit oder der Jungsteinzeit. Dort lebte wohl auch kein Stamm oder Volk mit derselben Sprache. Zu den wenigen Gemeinsamkeiten zählten die Form und der Stil - oder salopper gesagt die Mode - der Bronzeerzeugnisse: also der Werkzeuge, Waffen, Gefäße und Schmuckstücke, die in eigenen Werkstätten hergestellt wurden.
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Nach Erkenntnissen des Hamburger Prähistorikers Friedrich Laux von 1989 lassen sich anhand bestimmter Waffenkombinationen im südlichen Schleswig-Holstein und im westlichen Mecklenburg-Vorpommern einige Lokalgruppen der nordischen älteren Bronzezeit unterscheiden. Dazu gehören die Westholsteinische Gruppe 1 , die Segeberger Gruppe 2 und die Westmecklenburgische Gruppe 3 .
Für die Westholsteinische Gruppe ist - laut Friedrich Laux - die Waffenausstattung mit einem Schwert und einer Lanzenspitze typisch, die vereinzelt durch ein Absatzbeil oder einen Dolch ergänzt wurde. Dagegen gilt für die Segeberger Gruppe die Bewaffnung mit einem Schwert und einem Absatzbeil als kennzeichnend, wozu häufig ein Dolch kommt. Die Angehörigen der östlich benachbarten Westmecklenburgischen Gruppe trugen ein Schwert, ein Absatzbeil und einen Dolch.
Die Menschen der nordischen Bronzezeit werden manchmal als »Urgermanen« bezeichnet, weil sie Vorfahren der ab der Eisenzeit um 500 v. Chr. nachweisbaren Germanen sein sollen. Wie ein Grabfund von Kampen auf der Nordseeinsel Sylt zeigt, gab es damals bereits Männer von erstaunlichem Körperwuchs. Dort hat man unter einem Grabhügel das Skelett eines 1,82 Meter großen Kriegers entdeckt, der offenbar in einem verrotteten Baumsarg bestattet worden ist. Nach der Beisetzung eines Jugendlichen von Freienwill (Kreis Schleswig-Flensburg) zu schließen, war das
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Haar manches »Urgermanen« dunkelblond, bis zu 20 Zentimeter lang und geflochten. In Baumsärgen auf Jütland (Dänemark) wurden häufig blonde Haare ge-funden. Funde aus Dänemark zeigten, dass Frauen sehr kunstvolle Haartrachten mit Perücken, Haarrollen und -netzen trugen. Haarnetze bestanden - wie sich in einem Frauengrab aus Skrydstrup in Nordschleswig (Dänemark) herausstellte - mitunter aus Pferdehaar. Dank ungewöhnlich erhaltener Bestattungen in Baumsärgen aus Dänemark ist die damalige Kleidung gut bekannt. Demnach trugen die Männer einen von der Brust bis zu den Knien reichenden Schurz mit Schulterträgern und quastenverziertem Stoffgürtel. Hinzu kamen an kühlen Tagen ein ovaler Schulterumhang und eine halbkugelige Mütze.
Zur Garderobe der Frauen gehörten ein bis auf die Füße fallender, faltenreicher Wollrock mit Quastengürtel und eine kurzärmelige Bluse im Kimonoschnitt. Mädchen dagegen waren - wie ein Fund aus Egtved in Dänemark belegt - mit einer Bluse und einem kniefreien Fransenrock, der sich zweimal um den Unterleib wickeln ließ, bekleidet. Die Füße von Frauen und Männern wurden mit Binden umwickelt und steckten in ledernen Sandalen.
Mit einer halbkugeligen Mütze auf dem Kopf sowie einem Kittel und einem Umhang - alles aus Wolleangetan lag ein Krieger von Harrislee 4 (Kreis Schleswig-Flensburg) in einem Baumsarg. Er war in eine große wollene Decke gehüllt, von der Fetzen erhalten blieben.
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Bei der Mütze wurden drei Stoffschichten übereinander gelegt, durch Walken zu Webfilz verarbeitet, geformt und durch zusätzlich eingezogene Fäden gepolstert. In Gräbern von Nebel auf der Nordseeinsel Amrum fand man Reste eines Gewandes mit dunkelbraunem und helleren Gewebe sowie einen Bernsteinknopf mit Vförmiger Durchbohrung. Überbleibsel eines Stoffgürtels kamen in einem Grabhügel von Itzehoe (Kreis Steinfurt) in Schleswig-Holstein zum Vorschein. Wie ein Grabfund von Borum Eshøj westlich von Århus in Dänemark veranschaulicht, waren gewebte Gürtel manchmal drei Zentimeter breit, fast 2,50 Meter lang und hatten an jedem Ende als Abschluss eine Quaste. Auf Körperpflege und Schönheitssinn deuten Kämme aus Geweih, bronzene Pinzetten, Ohrlöffel, Nagelreiniger und Tätowiernadeln hin. Kämme lagen in Dänemark sowohl in Frauen- als auch in Männergräbern. In Egtved steckte der Kamm hinter der bronzenen Gürtelscheibe, in Skrydstrup war er mit einer Schnur am Gürtel befestigt. Die bronzenen Pinzetten (Nippzangen) zum Ausreißen störender Haare gelten als Nachahmungen von ebensolchen Geräten der süddeutschen Hügelgräber-Kultur. Tätowiernadeln bestanden aus einem kurzen Stück Bronzedraht, der an einem Ende zugespitzt und am anderen breitgehämmert ist. Man hat diese Nadeln oder Pfrieme aber auch schon als Geräte zum Entfernen von Dornen gedeutet.
An drei Orten in Schleswig-Holstein wurden bereits im 19. Jahrhundert bronzene Beschläge von Klappstühlen
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entdeckt. Solche Sitzmöbel sind aus Ottenbüttel 5 und Drage 6 (beide im Kreis Steinburg) sowie in Hollingstedt 7 (Kreis Dithmarschen) nachgewiesen. Dass es sich hierbei um Klappstühle handelte, hat als erster der Kustos am damaligen Museum Vaterländischer Alterthümer zu Kiel, Friedrich Knorr (1872-1936), erkannt.
In Ottenbüttel lagen neun Bronzeknäufe, in denen teilweise Holzreste steckten, in einem Grab, in Drage waren es drei und in Hollingstedt vier (ebenfalls mit Holzresten). Die Bronzeknäufe dienten als Endbeschläge der runden oder leicht ovalen Hölzer, aus denen die Klappstühle konstruiert waren. Teilweise wurden auch Bronzebolzen gefunden, welche die beiden Rahmenteile verbanden. Mit den vereinzelt geborgenen bronzenen Ziernägeln ist die Sitzfläche aus Fell oder Leder an den oberen Längsholmen befestigt worden. Relikte von Klappstühlen aus der nordischen älteren Bronzezeit kennt man auch aus Mecklenburg-Vorpommern (Bechelsdorf bei Niendorf 8 , Kreis Nordwestmecklenburg) und Dänemark (Guldhøj bei Vamdrup) sowie aus der Stader Gruppe (Daensen, Stadt Buxtehude, Kreis Stade). Bei dem Fund aus Bechelsdorf handelt es sich um Teile eines Klappstuhls mit Sitzleisten aus Weißbuchenholz und verzierten Bronzekapseln. Das in einem Baumsarg von Guldhøj entdeckte Exemplar ist vollständig erhalten.
Derartige Sitzmöbel gelten als eine Eigenart der nordischen Bronzezeit und waren in Europa offenbar auf Norddeutschland und Dänemark beschränkt. Manche Prähistoriker meinen, die Klappstühle seien bedeu-
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Zeichnung auf Seite 31:
Mit einem Beil bewaffneter Häuptling aus der älteren Bronzezeit in Norddeutschland. Er sitzt auf einem Klappstuhl
Zeichnung von Friederike Hilscher-Ehlert, Königswinter, für das Buch »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) von Ernst Probst
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tenden Männern vorbehalten gewesen, denen auf Reisen ein hervorragender Sitz zustand. Ähnlich alt wie die nordischen Klappstühle sind zwei solcher Sitzmöbel aus dem Grab des ägyptischen Pharaos Tutanchamun. Klappstühle wurden zudem auf Fresken in Ägypten und auf der Mittelmeerinsel Kreta dargestellt. Abdrücke von Getreidekörnern auf Tongefäßen der nordischen älteren Bronzezeit und Reste von Getreidekörnern belegen den Anbau von Nacktgerste (Hordeum vulgare var. nudum), mehrzeiliger Gerste (Hordeum vulgare), Emmer (Triticum dicoccon) und Dinkel (Triticum spelta). In Bordesholm-Schmalstede (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurden Gerstenkörner mit einem Gesamtgewicht von 346 Gramm gefunden. Pflüge sind durch Pflugspuren unter Grabhügeln von Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg), Ramsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Nebel auf der Nordseeinsel Amrum in Schleswig-Holstein und in Wendelstorf (Kreis Bad Doberan) in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. Sie wurden kreuz und quer von Hakenpflügen gezogen. In Harrislee lagen die Pflugspuren unter zwei Grabhügeln, in Ramsdorf und Nebel jeweils unter einem. Die Pflugspuren von Wendelstorf bedeckten eine Fläche von etwa 20 Quadratmetern und waren durchschnittlich fünf Zentimeter breit. Die Pflugspuren unter Grabhügeln sind unterschiedlich erklärbar. Sie können einerseits auf vormaligen Ackerbau hindeuten, andererseits aber auch entstanden sein, als man die Grasnarbe in handliche Plaggen zerlegte, die dann beim Bau des Hügels Verwendung fanden.
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Pflugspuren aus dieser Zeit sind des weiteren von einigen Orten in Dänemark bekannt. Sie stammen von Pflügen, mit denen man die Erdoberfläche kreuz und quer aufritzte, aber den Ackerboden nicht wendete. Auf südschwedischen Felsbildern sind Pflüge zu sehen, die von Rindern gezogen werden. Das reife Getreide wurde mit Feuersteinsicheln, aber auch schon mit aus Bronze gegossenen Geräten geschnitten. Allein in Mecklenburg-Vorpommern kamen an fast 20 Fundorten bronzene Knopfsicheln zum Vorschein. Ein Depot in Wieck (Kreis Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern umfasste vier Exemplare. Die Getreidekörner hat man auf Trogmühlen mit Mahlsteinen zerquetscht.
Als Haustiere sind im Nordischen Kreis Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine, Hunde und Pferde nachgewiesen. In einem Hügelgrab von Schwaan (Kreis Bad Doberan) in Mecklenburg-Vorpommern hat man Pferdereste geborgen. Die kleinen Pferde gelten als Luxustiere der damaligen Oberklasse. Sie spielten auch eine Rolle als Zugtiere von Sonnenwagen im Sonnenkult.
Am bereits erwähnten Fundort Bordesholm-Schmalstede wurden verkohlte halbierte Wildäpfel (Malus sylvestris) im Gewicht von 200 Gramm sowie 40 Gramm geschälte und halbierte Eicheln von Stieleichen (Quercus robur) gefunden. Dabei handelte es sich wohl um missglücktes Dörrobst. Eine Vorratsgrube von Nørre Sondegård auf Bornholm (Dänemark) enthielt neben Getreidekörnern etwa 600 halbierte Holzäpfel, die zerschnitten und getrocknet wurden, bevor man sie als
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Zeichnung auf Seite 35:
Ackerbauer mit Pflugähnlich dem Fund aus Walle (Kreis Aurich) in Niedersachsen -und Rindern als Zugtieren. Pflugspuren aus der nordischen älteren Bronzezeit wurden in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Zeichnung von Friederike Hilscher-Ehlert, Königswinter, für das Buch »Deutschland in der Bronzezeit« (1996) von Ernst Probst
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Wintervorrat konservierte. Außerdem hat man dort Nussschalen entdeckt.
Auf den Genuss von berauschenden Getränken weist ein Fund aus Egtved in Dänemark hin. Dort hatte man einer jungen Frau unter anderem eine kleine Schachtel aus Birkenrinde ins Grab gelegt, die mit Lindenbast zusammengenäht war. Die Schachtel enthielt Reste eines Fruchtbieres aus Weizen sowie Preiselbeeren (Vaccinium vitisidaea) oder Moosbeeren (Vaccinium oxycoccus) mit Zusatz von Porst (Ledum) und Honig, also eine alkoholische Mixtur.
Die schmucklos gestalteten Tongefäße der nordischen älteren Bronzezeit spiegeln den Niedergang des damaligen Töpferhandwerks wider. Zum Formenschatz der Keramik gehörten Töpfe, Tassen, Becher und Schalen. Nur einzelne Töpfe wurden auf dem unteren Teil der Außenseite mit schrägen Riefen versehen. Da es in der Norddeutschen Tiefebene weder Kupfernoch Zinn- oder Goldvorkommen gab, musste das Rohmaterial für die Verarbeitung von Bronze und Gold von weit her importiert werden. Das Kupfer kam vermutlich aus Mittel- und Süddeutschland sowie Südosteuropa, das Zinn aus Cornwall und von den Britischen Inseln, das Gold vor allem aus Irland, aber auch aus den österreichischen Alpen oder aus Siebenbürgen. Als Gegengabe bei Tauschgeschäften diente vielleicht Bernstein von den Nordfriesischen Inseln und von der Ostseeküste.
Die von Metallhandwerkern der nordischen älteren Bronzezeit hergestellten Bronze- und Golderzeugnisse standen qualitativ und künstlerisch auf einem er-
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staunlich hohen Niveau. Sie wurden nur noch von gleichartigen Produkten ungarischer Metallhandwerker übertroffen.
Außer den in eigenen Werkstätten angefertigten Werkzeugen, Waffen, Metallgefäßen und Schmuckstücken schätzte man auch importierte Waren dieser Art, wodurch das heimische Metallhandwerk neue Anregungen erhielt. Dass neben Gussformen aus Stein auch solche aus Bronze benutzt wurden, zeigen Funde von Morsum auf der Nordseeinsel Sylt, von Rendsburg in Schleswig-Holstein und von Vorland bei Rolofshagen (Kreis Nordvorpommern). Aus einem Grabhügel der Wikingerzeit von Morsum kamen Gussformen für Schwerter der älteren Bronzezeit zum Vorschein, die mit den Aufschüttungsmassen des Hügels von einer benachbarten Siedlung entnommen wurden. In Rendsburg hat man zwei Gussformen für nordische Absatzbeile entdeckt, die jeweils aus zwei Hälften bestehen. Mit der größeren dieser beiden Gussformen konnte ein 18,8 Zentimeter langes Beil gegossen werden, mit der kleineren eines von 16,9 Zentimeter Länge. Auch die Gussform von Vorland war für die Anfertigung von Absatzbeilen bestimmt. Zu den bronzenen Werkzeugen gehörten unverzierte Beile, Messer und Meißel. Bei den Beilklingen lassen sich Absatz- und frühe Tüllenbeile unterscheiden. Unter den Meißeln kennt man pfriemartige Exemplare mit sehr schmaler Schneide, Tüllenmeißel und massive Meißel.
Ab der nordischen älteren Bronzezeit wurden auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
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bronzene Schwerter gegossen. Diese Stichwaffen hatten Griffe, die für eine sie umschließende Faust zu kurz waren. Offenbar musste der Besitzer den Daumen unterhalb des Griffes auf den obersten Teil der Klinge legen oder aber auf den Knaufkopf. Im ersten Fall führte man den Stich von unten, im zweiten von oben.
Während der Blüte der nordischen älteren Bronzezeit gehörten zur Waffenausrüstung eines Kriegers ein Schwert, Absatzbeil, Dolch und Speer. In Dänemark und Schweden gab es auch einschneidige bronzene »Krummschwerter«, die manchmal mit eine Öse zum Aufhängen versehen waren. Die »Krummschwerter« dienten jedoch nicht als Waffen, da die Schwertscheide mit dem Ortband gleich mitgegossen wurde. Es handelt sich sozusagen um eine Schwertscheide mit einem Griff.
Bei den Schwertern aus der Periode II der nordischen älteren Bronzezeit in Schleswig-Holstein und Meck-lenburg-Vorpommern fällt der große Formenreichtum auf. Ihr Griff und ihr ovaler Knauf wurden oft mit Spiralmustern verziert. Mitunter hat man den Griff aber auch mit kräftig eingedrückten Dreiecken oder schmalen Rechtecken verschönert.
Das Schwert steckte in einer gefütterten hölzernen Scheide, die durch ein Bronzeortband zusammengehalten wurde und an einem Ledergürtel hing. Bronze-ortbänder wurden in Gadeland (Kreis Segeberg) und Perdoel (Kreis Plön) in Schleswig-Holstein geborgen. Das Ortband von Gadeland besteht aus einem seitlichen, rechteckigen Bronzerahmen, der den unteren und
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seitlichen Abschluss einer Holzscheide bildete. Das Ortband endet unten mit einer spitzovalen Platte von 4,8 Zentimeter Länge und 1,8 Zentimeter Breite. Lederreste, deren Verwendungszweck teilweise nicht bekannt ist, kamen in Gräbern der Periode II in Mecklenburg-Vorpommern zum Vorschein. Nach der Fundhäufigkeit in den Gräbern zu schließen, war das Beil neben dem Schwert die wichtigste Waffe. Die bronzene Klinge wurde in das aufgespaltene, knieförmig abgebogene obere Ende des hölzernen Schaftes eingesetzt und dann mit Lederbändern verschnürt. Reste des Holzschaftes und der Lederbindung hafteten an einem Absatzbeil von Poltnitz (Kreis Parchim) in Mecklenburg-Vorpommern. Bei den reich mit eingeritzten Mustern verzierten Klingen handelte es sich wohl um Streitbeile. Bronzene Vollgriffdolche, deren Klinge und Griff in einem Stück gegossen wurden, lagen sowohl in Gräbern von Männern als auch von Frauen. Manche Prä-historiker deuten dies als ein Indiz für die Ebenbürtigkeit der Geschlechter. Wie die Schwerter steckten auch die Dolche in hölzernen Scheiden. Von Nebel auf Anrum kennt man eine Dolchklinge mit Resten des Felles und des groben Wollgewebes, mit dem die Scheide ausgekleidet war.
Der in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern reichlich vorkommende Feuerstein blieb in der nordischen älteren Bronzezeit ein beliebter Rohstoff für die Herstellung von Werkzeugen und Waffen. Das lässt sich an den Funden aus Siedlungen und Gräbern ablesen. Dagegen findet man in den Siedlungen aus
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Arbeit zitieren:
Ernst Probst, 2011, Die nordische Bronzezeit in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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