Inhalt
1. Einleitung 4
2. Vorgeschichte 4
3. Konstitutionsperiode (1947 1949 ) 5
4. Aufstiegsperiode (1950 1957 ) 10
5. Hochperiode (1958 1963 ) 14
6. Spätperiode und Zerfall (1964 1990 ) 17
7. Literatur 24
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1. Einleitung
Hans Magnus Enzensberger nannte die Gruppe 47 einmal das "Zentralcafé einer Literatur ohne Hauptstadt". 1 Diese Gruppe, die zunächst eigentlich nur ein lockeres Zusammentreffen junger Autoren war, die nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam nach einer neuen deutschen Literatur suchten, war über zwanzig Jahre das Forum für literarische Diskussion und Kommunikation sowie für gesellschaftliche Reflexion. Ihre Streit-, Debatten-und Diskussionskultur ist auch noch heute, nach dem Ende der Gruppe in der literarischen Szene spürbar.
Um die Bedeutung der Gruppe von Literaten vollständig erfassen zu können, ist es notwendig, zunächst auf die Vorgeschichte einzugehen. Im weiteren sollen dann die Entwicklungsphasen der Gruppe 47, (nach einer Aufteilung von Friedhelm Kröll) 2 : die Konstitutionsperiode, die Aufstiegsperiode, die Hochperiode, die Spätperiode und der Zerfall näher erläutert werden und sowohl typische literarische als auch gruppeninterne Strukturen und Veränderungen erläutert werden.
2. Vorgeschichte
Als „Gründungsvater der Gruppe wird im Allgemeinen Journalist und Schriftsteller Hans Werner Richter genannt. Während seiner Zeit als amerikanischen Kriegsgefangener arbeitete dieser zusammen mit anderen Kriegsgefangenen als Redakteur der Zeitschrift „Der Ruf - Blätter für deutsche Kriegsgefangene.“. Nach seiner Freilassung gründete er im August 1946, in München, zusammen mit Alfred Andersch, den er aus der
1 Enzensberger, In: Richter (Hg.), 1962, S. 271
2 Kröll, 1979
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Kriegsgefangenschaft kannte, die Zeitschrift „Der Ruf - Unabhängige Blätter der jungen Generation“.
Es beteiligten sich durchweg junge, damals noch unbekannte Autoren linksdemokratischer Gesinnung, so zum Beispiel Gustav René Hocke, Walter Maria Guggenheimer, Hans Sahl, Karl Krolow und Wolfdietrich Schnurre. Ihre Themen bezogen sich auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation im Nachkriegsdeutschland. Damit knüpften die Herausgeber an die Tradition des ursprünglichen „Ruf“ an, verfolgten sie doch auch wie die Amerikaner das Ziel der Umerziehung nach dem Nationalsozialismus, der Aufklärung zu Demokratie, Sozialismus und Toleranz. Andererseits standen sie der Umerziehungspolitik der Besatzungsmächte kritisch gegenüber. Richter, am Sozialismus orientiert, sah den Nationalsozialismus als die Folge kapitalistischen Denkens und damit in Kleinbürgertum und Großkapital begründet. Er war deshalb gegen die These von einer Kollektivschuld und lehnte die sich abzeichnenden Ansätze der Restauration des Kapitalismus ab.
Diese kritische Einstellung, die sich in Inhalt und Ton der Beiträge im „Ruf“ zeigte, führte im April 1947 zum Lizenzentzug durch die ,,Information Control Division" der US-Militärregierung. Begründung: Nihilismus. Der Druck der Zeitschrift musste zwangsläufig eingestellt werden. Doch Richter ließ sich nicht einschüchtern und plante zusammen mit seinen Schriftstellerfreunden eine neue diesmal vorwiegend literarisch und weniger politisch orientierte Zeitschrift, „Der Skorpion“. Die Konzentration auf den literarischen Aspekt resultierte aus der Erkenntnis, dass politisches Wirken nicht auf direktem Weg möglich sei. Richter glaubte, nur indirekt, mit Hilfe des Wortes, also über die Literatur, die Mentalität der Deutschen grundsätzlich verändern zu können.
3. Konstitutionsperiode (1947-1949)
Anfang September 1947 lud Hans Werner Richter die ehemaligen Mitglieder des „Ruf“ zu einer Redaktionstagung des neu gegründeten „Skorpion“ in das
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Haus von Ilse Schneider-Lengyel am Bannwaldsee ein. Man wollte über die Zeitschrift reden, die Beiträge besprechen, sie vorlesen und diskutieren. Die Schriftsteller Walter Kolbenhoff, Heinz Ulrich, Wolfdietrich Schnurre, Heinz Friedrich u.a., die hier erschienen, waren zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger unbekannte, literarische Anfänger, die alle die selbe Motivation zusammen trieb: etwas zu ändern, sich anderen mitzuteilen und die unterdrückte deutsche Literatur wieder auferstehen zu lassen. Bis spät in den Abend wurde gelesen und das Gelesene kritisiert.
Die Tagung, ihr Werkstattcharakter und die ausgelassene, freundschaftliche Atmosphäre blieben allen gut in Erinnerung, so dass, obwohl „Der Skorpion“ keine Lizenz bekam, klar war, dass dies unbedingt wiederholt werden musste.
Damit wurde der niemals veröffentlichte „Skorpion“ zum Auslöser für die Konstituierung der Gruppe.
Später schlug Hans Georg Brenner vor, diese Gruppe nach der spanischen „Generation von 98“, die ähnliche Vorstellungen hatte, „Gruppe 47“ zu nennen. Richter betonte auch später immer wieder die spontane Entstehung der „Gruppe, die keine ist.“ 3 . Und auch wenn er als die treibende Kraft gezählt werden muss, die von nun an zweimal im Jahr durch persönlich geschriebene Postkarten zu den Tagungen einlud, ist es doch notwendig festzuhalten, dass es sich bei der Gruppe 47 niemals um einen Verein mit Manifest, festen Mitgliedern und Vorsitzenden gehandelt hat. Gerade in den ersten drei Jahren, der Konstitutionsperiode, war der Charakter der Zusammenkünfte geprägt von kollegialer Arbeitskritik unter Schriftstellern und einer literarischen Werkstattarbeit. Dabei wurden die vorherrschenden Modi der ersten und einzigen Redaktionssitzung des „Skorpion“ auch in den weiteren Tagungen der Gruppe fortgeführt. Durch die Ablehnung von obrigkeitsstaatlichem Denken und als Reaktion auf die totale Organisation der Menschen in der Nazizeit gab es keine festgelegte Regeln. Anknüpfend an die erste Redaktionssitzung prägten sich langsam Gewohnheiten aus, die auch in den folgenden Jahren beibehalten wurden. So galt bei den
3 Groll, In: Kröll, 1979, S.3
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Lea Gregor, 2002, Gruppe 47 - Literatur des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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